
EM-INTERVIEW

In Afghanistan liegt vieles im Argen. Im Gespräch mit dem Eurasischen Magazin moniert Dr. Timo Noetzel vor allem die fehlende Gesamtstrategie der NATO für das Land am Hindukusch. Er leitet seit April 2008 eine zu internationaler Stabilisierungspolitik und modernen Protektoraten arbeitende Nachwuchsgruppe des Exzellenzclusters der Universität Konstanz. Der Westen, so Noetzel weiche vielen Problemen einfach aus und schaffe damit eine bedrohliche Entwicklung. Es sei zu hoffen, dass in Bukarest die angekündigte Strategie beschlossen und verabschiedet werde, die der Entwicklung eine gewisse Wende geben könnte. Daran werde man Bukarest messen müssen.

EM-INTERVIEW

Nur wenige Kilometer vor den Pforten der Europäischen Union beginnt Transnistrien – ein Staat, den es eigentlich gar nicht gibt. Im Osten der Republik Moldau gelegen, hat sich die Region Anfang der 90er-Jahre in einer blutigen Auseinandersetzung von der Zentralregierung gelöst. Doch die internationale Anerkennung bleibt Transnistrien bis heute verwehrt. Claus Neukirch, Sprecher der OSZE-Mission in Moldau, gibt einen Einblick in Perspektiven und Probleme des bis heute ungelösten Konflikts. Er erklärt im Gespräch mit dem Eurasischen Magazin außerdem, wie Schmuggler statt mit Drogen oder Waffen mit simplem Hühnerfleisch bis zu 35 Millionen Euro im Jahr verdienen.

IRAN-ASERBAIDSCHAN
In der Unruheregion zwischen Armenien und Aserbaidschan fließt wieder Blut. Einer der Gründe ist die Unabhängigkeitserklärung des Kosovo vom 17. Februar. Seither kommt es wegen der überwiegend von Armeniern bewohnten, aber in Aserbaidschan gelegenen Region Berg-Karabach (Nagorny Karabach) wieder zu Schießereien zwischen den Streitkräften Armeniens und Aserbaidschans. Es gab schon mehrere Dutzend Todesopfer. Doch auch an der iranisch-aserbaidschanischen Grenze wird geschossen. Hier und im gesamten Kaukasus mischen Russland und die USA seit einiger Zeit ihre Karten neu für das „Great Game“, das große Spiel. Nun sind neue Mitspieler dazugekommen: der iranische Gottesstaat und die islamistischen Fundamentalisten.

ARMENIEN
Zwar hat der armenische Präsident Robert Kotscharjan den Ausnahmezustand in seinem Land schon vor gut zwei Wochen gelockert. Die Medien stehen jedoch nach wie vor unter staatlicher Zensur und dürfen nur Informationen verbreiten, die aus offiziellen Quellen stammen. Inoffiziell machen Gerüchte die Runde, die Zahl der Toten bei den Unruhen Anfang März habe weitaus höher gelegen als bei den acht offiziell gemeldeten.

GEORGIEN
Das Land nennt sich selbst gerne der „Balkon Europas“ – aber vielleicht wäre „Balkan“ der treffendere Vergleich. Am 21. Mai sollen in Georgien Parlamentswahlen stattfinden. Im Vorfeld der Wahlen befinden sich Oppositionelle im Hungerstreik. Der Besitzer des regierungskritischen Privatsenders „Imedi“ starb einen angekündigten Tod. Politische Gegner des Präsidenten Michail Saakaschwili landen im Gefängnis. Die Hoffnung auf baldige NATO-Mitgliedschaft der Kaukasus-Republik dürften angesichts dieser Vorgänge obsolet sein – auch wenn sich US-Präsident Georges W. Bush noch so sehr dafür einsetzt und das Geburtsland Stalins aufrüstet: mit amerikanischen Waffen, Uniformen und Ausbildern.

GEORGIEN

Woher rühren die Konflikte in Georgien und wie wird die Entwicklung des Landes weitergehen? Darüber hat unser Autor eine umfangreiche Arbeit verfasst, die wir hier in journalistischer Überarbeitung leicht gekürzt wiedergeben.

RUMÄNIEN
Rumäniens Nicht-Anerkennung eines unabhängigen Kosovo gibt einige Rätsel auf. Wie die anderen Kosovo-skeptischen Länder will Rumänien die Schaffung eines Präzedenzfalls verhindern. Aber warum eigentlich? Die ungarische Minderheit in Siebenbürgen, deren separatistische Tendenzen hauptsächlich als Grund für die Abwehrhaltung Bukarests angeführt werden, ist weit von jeglichen ernsthaften Bemühungen um Autonomie entfernt. Hinter den Kulissen spielt eine Reihe anderer Gründe eine Rolle.

EM-INTERVIEW

Der Erzbischof von Canterbury plädierte kürzlich dafür, Teile des islamischen Rechts in die Gesetzeswerke Großbritanniens zu übernehmen. Die Aufregung war nicht nur in London beträchtlich. Das Eurasische Magazin befragte den Juristen und Islamwissenschaftler Prof. Dr. Mathias Rohe zu seiner Einschätzung dieses Vorstoßes. Auch er vertritt die Auffassung, es sei höchste Zeit für die hier lebende muslimische Bevölkerung religiöse Grundlagen zu finden, die sich klar im Rahmen des säkularen Rechtsstaats bewegen. Sein Fazit: Integrative Islam-Interpretationen sind alternativlos.

RUSSLAND

Putin warnte vor falschen Erwartungen hinsichtlich seines Nachfolgers. Medwedjew werde die russischen Interessen „aktiv“ auf der internationalen Bühne vertreten.

KRIMINALITÄT

Kurz vor dem Amtsende von Wladimir Putin demonstriert die russische Generalstaatsanwaltschaft Aktivitität. Ein Sprecher erklärte vor wenigen Tagen, man habe den Namen des Mörders von Anna Politkowskaja ermittelt. Im Interesse der Ermittlungen wollte die Staatsanwaltschaft den Namen jedoch nicht der Öffentlichkeit bekannt geben.

TÜRKEI

Solange Franca Landau denken kann, fühlt sie sich als Ausländerin. Die ersten sieben Jahre ihres Lebens verbrachte die Türkdeutsche im Iran. In der Grundschule lernte sie Deutsch und vom Kindermädchen ein wenig Persisch. Später zog ihre Familie in die Türkei, die Kinder gingen auf ein englisches Elitegymnasium – heraus kam ein wirres sprachliches Kauderwelsch. Heute sieht Franca Landau ihr Leben zwischen den Welten als Privileg an. Und hat es damit oft leichter als ihr türkischer Freund Cem, der in Deutschland aufgewachsen ist.

SCHLESWIG-HOLSTEIN FESTSPIELE
Unter dem Motto „russisch gestimmt“ bringt das 23. Schleswig-Holstein Musik Festival (SHMF) vom 12. Juli bis zum 31. August 2008 die große russische Musiktradition in all ihren Facetten nach Norddeutschland. Klassische Musik auf höchstem Niveau, Künstler von Weltrang und das einmalige Ambiente der schönsten Spielorte in Schleswig-Holstein machen das SHMF auch im Sommer 2008 zu dem, was es seit seiner Gründung ist: zum bedeutendsten Flächenfestival für klassische Musik in Europa.

MOTORRAD-ABENTEUER

Ein fester Termin im Reisekalender ist die „Fjordrally“ in Norwegen. Diesmal freue ich mich auf den Winterspaß mit der endlich fertig umgebauten KTM. Zäh vergehen die letzten Tage im Büro bis mich Corinna endlich um sechs Uhr morgens nach Villingen zum Bahnhof bringt. Es tut weh, sie alleine am Bahnsteig zurück zu lassen, aber ich kann ihre Abneigung gegen das Fahren in der Kälte gut verstehen.
Ausstellung „Zarensilber – Augsburger Silber aus dem Kreml“ · Ausstellung „Sizilien – Von Odysseus bis Garibaldi“ · Filmfest: „31. Grenzland-Filmtage“ · Filmfest „Go East – 8. Festival des mittel- und osteuropäischen Films“ · Kunstausstellung „L’esprit pop – und das in Europa!“
Das Netzwerk für Osteuropa-Berichterstattung „n-ost“ feiert großen Erfolg · „Gemetzel und Verzweiflung. Der Irak fünf Jahre später“ · 6000 Milliarden Dollar – das kostet der US-Krieg im Irak · Sanitäre Versorgungskrise bedroht Trinkwasserressourcen in Entwicklungsländern
„Ach, es geschehen keine Wunder mehr!“ jammert Bertrand in Schillers „Die Jungfrau von Orleans“. Und doch ist hin und wieder eines zu vermelden: Im Suhrkamp Verlag sind über 300 Seiten fein säuberlich gelisteter polnischer Wunder erschienen, 130 an der Zahl. Wie kommen die Polen auf diese erstaunliche Mirakeldichte? Ist die Wundersammlung tatsächlich wasserdicht?
Die Seidenstraße eröffnet eurasische Dimensionen. Sie ist die älteste Handelsverbindung der Welt. Über ihre Pfade hat seit jeher ein reger Austausch von Gütern, Kulturen und Religionen stattgefunden, von Techniken und Kunststilen. Erste Verbindungen sind schon vor fünftausend oder sechstausend Jahren oder noch früher entstanden. Helmut Starrach ist ihnen gefolgt. Von Rom bis Peking. Was er entdeckt und dokumentiert hat, ist im besten Sinne Erlebnisbericht – mit dem Anspruch der Deutung und Einordnung in eurasische Epochen.