
EM-INTERVIEW

„Chinesen kaufen erstmals mehr Autos als Amerikaner“ – „Chinesen bestellen für zehn Milliarden Dollar bei deutschen Unternehmen“ – „China ist die letzte große Volkswirtschaft, die wächst“ - „Asien wird Konjunkturlokomotive der Welt“: Das sind Schlagzeilen der internationalen Presse aus dem März 2009. Wir sprachen mit der Wirtschaftswissenschaftlerin Dr. Hanne Seelmann-Holzmann über „Die Rückkehr Asiens und das Ende der westlichen Dominanz“.

EM-INTERVIEW

Im EM-Interview sagt die Expertin der Berliner Stiftung Wissenschaft und Politik, Dr. Andrea Schmitz: „Kasachstan zeigt, dass wirtschaftliches Wachstum nicht notwendigerweise eine demokratische Verfassung voraussetzt“. Die Kasachen seien pragmatisch und vor allem stabilitätsorientiert. Das wäre ein Grund, weshalb „bunte Revolutionen“ in dem zentralasiatischen Flächenstaat bislang nicht Fuß fassen konnten. Ein anderer sei die erfolgreiche Wirtschaftsentwicklung des Landes und der wachsende Wohlstand breiter Bevölkerungsschichten. Dies werde in erster Linie der Herrschaft von Präsident Nasarbajew zugeschrieben und beschere dem Regime ein hohes Maß an Legitimität.

OSTEUROPA
Die osteuropäischen Staaten können für sich in Anspruch nehmen, dass sie nicht Ursprung der Krise waren, die von den USA ausging und erst nach über einem Jahr auch für sie negative Folgen zeitigte. Anders als westeuropäische Banken haben sich die osteuropäischen Institute nicht an den faulen Krediten vergriffen, die den Auslöser für die Finanzkrise darstellten. Die starke Abhängigkeit von fremdem Kapital, einer der wichtigsten Faktoren für den Aufschwung der vergangenen Jahre, bringt die osteuropäischen Länder nun jedoch arg in Bedrängnis.

TSCHECHIEN

Zwei Jahrzehnte nach dem Fall des Eisernen Vorhangs ist in Tschechien eine junge Generation von Menschen herangewachsen, die den Kommunismus nicht mehr erlebt hat. Die Freiheiten, die die heutigen Twens genießen, erwuchsen aus dem epochalen Systemwechsel von 1989. Damals waren ihre Eltern um die 20 und begannen, Neuland zu entdecken. Was verbindet diese beiden Generationen, was trennt sie? Petr Hefka (41) und seine Tochter Veronika (20) sind ihrer Heimatstadt am Rande Tschechiens gleichermaßen verbunden. Die Revolution von 1989, die Petr als 20-Jähriger erlebte, ist seiner Tochter völlig fremd. Sie ermöglichte ihr ein ganz anderes Leben als ihrem Vater.

DEUTSCHLAND-POLEN

Sie leben an derselben Grenze und haben im Sozialismus die gleichen Erfahrungen gemacht, nur auf unterschiedlichen Seiten. Heute begegnen sie einander auf Märkten und in Geschäften, doch sie wissen kaum etwas voneinander. Dabei gibt es eine Menge, das die deutschen und polnischen Frauen entlang von Oder und Neiße verbindet

KROATIEN

Die erfolgreiche Anwältin Blaženka Musulin ist 42 und lebt in der kroatischen Hauptstadt Zagreb. Ihr Sohn Dominik ist 21, studiert Jura und will später einmal in ihre Fußstapfen treten. Als er geboren wurde, hieß die Amtssprache im Land noch Serbokroatisch, doch die viel gelobte Völkerfreundschaft zwischen den Teilrepubliken hatte bereits tiefe Risse bekommen. Als Jugoslawien schließlich blutig zerbrach, machte Dominik seine gerade ersten Schritte und seine Mutter hatte ihr frischgebackenes Staatsexamen in der Tasche. Ein denkbar ungünstiger Start, doch Mutter und Sohn haben es geschafft.

EURASISCHE SPIRITUALITÄT

Wie man eine neue Beziehung zum Heimatplaneten Erde herstellt – was die Faszination der Geomantik ausmacht – welche neuen Möglichkeiten Bücher und Zeitschriften eröffnen – wie durch eine Geomantiklade ganz eigene Kraftorte in Haus und Wohnung entstehen – was es mit den Geheimnissen vom eurasischen Heidenpfad auf sich hat.

TÜRKEI
Mit einer Fernsehserie, die Fälle von Frauenmisshandlungen dokumentiert, wurde eine Erste-Hilfe-Hotline in der Türkei landesweit bekannt. Auch wenn die Serie mittlerweile abgesetzt wurde, hat sie doch das öffentliche Bewusstsein für die Problematik wecken können.

MUSIKWETTBEWERB

Russland setzt beim Eurovision-Song-Contest nicht auf nackte Haut sondern auf Ausdruck und lässt dafür sogar eine Nichtrussin antreten.

RUSSLAND
Aktivisten der kremlnahen Jugendorganisation Naschi überschütten den Oppositions-Politiker Boris Nemzow mit einer Ammoniak-Lösung

GASSTREIT
Weil die EU Kiew bei der Modernisierung seiner Pipelines helfen will und Russland nicht mit einbezogen wurde, gibt es Protest aus dem Kreml.

MAROKKO

Sind Ceuta und Melilla Exponate europäischer Fremdherrschaft oder Teile des „christlichen“ Spaniens?
„Buddhas erbarmungsvoller Helfer“ · „Glanz des Hauses Habsburg.“ · „Die Türken und die Preußen“ · „Dionysos: Verwandlung und Ekstase“
Vortrag der Eurasien-Fahrer · Der Peking-Mensch ist viel älter als gedacht · Tatort Adria - Vogeljagd auf dem Balkan · China: Junge Dinosaurier rotteten sich zusammen · 9. goEast - Festival des mittel- und osteuropäischen Films · Russland stellt Polar-Streitkräfte auf · Schneller essen in Russland · Hunderttausende US-Waffen in den Händen Taliban
Der bekannte türkische Musiker Zülfü Livaneli hat ein Buch vorgelegt, das ein Gesellschaftsbild der Türkei in Romanform zeichnet. Zülfü hatte 1971 nach dem Militärputsch und einer dreimonatigen Gefangenschaft seine türkische Heimat verlassen müssen. Nach Stationen in Paris, Stockholm und Athen wurde der als „Poet des friedlichen Aufstandes“ bezeichnete Künstler nach seiner Rückkehr in die Türkei gefeiert. Sein Buch ist eine eindringlich geschriebene Emanzipationsgeschichte.
„Vor allem ein Grund ist ausschlaggebend dafür, warum sich der Westen nicht über die große Demokratisierung des menschlichen Geistes freuen kann: Er ist sich nur zu deutlich bewusst, dass der große Tag der Abrechnung kommen wird, wenn sich dieser Trend fortsetzt.“ (Kishore Mahbubani)
Das Machtspiel geht weiter. Für den US-Schriftsteller und Polit-Denker Robert Kagan ist die Welt zum Großmachtnationalismus alter Prägung zurückgekehrt.
Der Kernthese des Buches, dass von einer wirklichen Konfrontation der Großmächte USA und Russland im Kaukasus keine Rede sein könne, muss mit aller Vehemenz widersprochen werden. Dennoch kann das von Marie-Carin von Gumppenberg und Udo Steinbach herausgegebene Buch als eine gute Überblicksdarstellung empfohlen werden, die ein kaleidoskopartiges Bild vom „Pulverfass“ Kaukasus und seiner kulturellen Vielfalt liefert.