
RUßLAND UND DER WESTEN

Die Russen vertrauen Personen, nicht Parteien, und an erster Stelle vertrauen sie ihrem Präsidenten Putin. Während seiner Regierungszeit hat sich ein neuer Patriotismus in Russland entwickelt, der das riesige Land vielleicht auch in der Nach-Putin-Ära zusammenhalten wird. Das Misstrauen gegenüber Amerika wächst spürbar – mit ungewissem Ausgang. Zur Europäischen Union sucht Moskau dagegen weiter eine enge Partnerschaft. Über die die Lage Russlands kurz vor dem G8-Gipfel im Juli in St. Petersburg sprach das Eurasische Magazin mit Prof. Dr. Eberhard Schneider von der Berliner Stiftung Wissenschaft und Politik.

DEMOKRATIE-ENTWICKLUNG
Eine Parteiendemokratie hat gegenwärtig in Russland keine Chance. Das Vertrauen der Menschen in Parlament und Medien ist gering. Prof. Dr. Eberhard Schneider von der Berliner Stiftung Wissenschaft und Politik untersucht, was dies für die Beziehungen Russlands zur Europäischen Union bedeutet.

DEMOKRATIE-FORSCHUNG
Will Russlands Präsident Putin überhaupt ein demokratisches Russland? Steckt der Transformationsprozess in der Ukraine nach der „Orangenen Revolution“ in der Sackgasse? Treibt Lukaschenko mit Weißrussland weiter in den Totalitarismus ab? In einem mehrjährigen Forschungsprojekt wollen Politologen und Historiker verschiedener Länder herausfinden, wohin die postkommunistischen Staaten in Osteuropa und Zentralasien steuern. Den Auftakt bildete ein wissenschaftliches Symposium am 12. und 13. Mai an der Universität Regensburg.

LAGE DER NATION
Der Kremlchef will den Geburtenrückgang stoppen und die USA durch die Modernisierung der Armee beeindrucken. Außerdem hat er der Korruption den Kampf angesagt und entsprechende Strafverschärfungen angekündigt. Die Zusammenarbeit mit der Europäischen Union, China und Indien soll weiter fortgeführt werden.

WEIßRUSSLAND
Moskau will seine Energiesubventionen für Weißrussland komplett streichen. Das träfe die Wirtschaft des Bruderlandes an empfindlicher Stelle. Nach Ansicht von Fachleuten in Moskau könnte eine schwere soziale Krise die Folge sein. Hintergrund für das Vorgehen Russlands scheint die Widerspenstigkeit von Lukaschenko bei den Konditionen zur geplanten Vereinigung mit Russland zu sein.

MONTENEGRO

Das Referendum auf dem West-Balkan hat einen neuen Staat hervorgebracht, der jetzt seine Souveränität einfordert, EU-Aufnahme beansprucht und dessen Werdegang zeigt, dass Brüssel vom Wesen des Balkans nur wenig Ahnung hat.

TIBET

Über die Wandlungen der Gesellschaft in den Steppen des tibetischen Hochlandes. Die Menschen streben nach Einkommen, Schulbildung und einem bescheidenen Wohlstand. Unser Autor ist wissenschaftlicher Mitarbeiter in einem Sonderforschungsbereich der Universitäten Leipzig und Halle-Wittenberg. Er setzt sich dort mit Veränderungen des Lebens von Nomaden in Osttibet auseinander.

BULGARIEN

Das bulgarische Plovdiv ist eine der ältesten Städte Europas. Dass es auch eine der schönsten Städte des gesamten Kontinents ist, wissen zum Glück nur wenige. Mit Rom hat Plovdiv nicht nur die sieben Hügel gemein, auf denen die Stadt gebaut wurde. Für Städtereisende, denen Prag und Krakau längst zu voll sind, ist Plovdiv eine überzeugende Alternative.

LITAUEN

Auf einem Hügel im litauischen Siauliai verbinden sich Volksfrömmigkeit und Freiheitsdrang zu einem nationalen Wallfahrtsort von einzigartiger Symbolkraft. Sowjetische Herrscher ließen ihn einst platt machen. Unter Gorbatschow kam er auf die Liste der nationalen litauischen Kulturdenkmäler. Längst hat auch der Tourismus das „litauische Golgatha“ entdeckt. Sogar ein Hotel soll jetzt in seiner Nähe errichtet werden.

UMWELTSCHUTZ

Kremlchef Putin hat bei seinen Russen gewaltig an Sympathie gewonnen, nachdem er mit einem Federstrich den Baikal-See vor einer möglichen Ölkatastrophe bewahrt hat. Eine solche sahen Umweltschützer durch eine Ölpipeline gegeben, deren Route am Seeufer entlangführen sollte. Wladimir Putin hat bestimmt, dass die Leitung nun um 40 Kilometer weiter nach Norden verlegt wird. Dies sei man künftigen Generationen schuldig. Immerhin ist der Baikal das größte Trinkwasserreservoir der Erde.

EUROPÄISCHER REGIONALISMUS
Von Südtirol bis Norditalien, von Flandern bis nach Korsika und vom Baskenland bis Katalonien erheben sich einzelne Regionen Europas und versuchen zu eigenständigen Staaten aufzusteigen oder doch zumindest weitgehende Autonomie zu erlangen. In Katalonien haben die Regionalisten jetzt den größten Fortschritt in ihrer neueren Geschichte bejubelt: Sie dürfen sich mit dem Segen des Madrider Parlaments als „Nation“ bezeichnen. Im Juni wird die Bevölkerung in einem Referendum über das Autonomie-Statut abstimmen.

KULTUR

Politische Spiele mit Alkohol-Etiketten in Osteuropa – von „Stalins Tränen“ bis zum „Blauen Würger“ der ehemaligen DDR, vom „Shirinowski-Wodka“ bis zur Ehrenflasche „Andropowka“: alles längst Vergangenheit. Als Benzin-Cocktail ist er ungenießbar. Ganze Imperien, die er durchtränkt hat, sind vergangen. Geblieben ist allein der Wodka.
Filmfestival · Kulturfest · Fotoausstellung · Ausstellungen
„Lonely Planet“ auf Deutsch · Kampf der Kulturen - Mickey Mouse ärgert Peking · Deutsch, die Hauptsprache Europas, ist jetzt auch in Brüssel im Kommen · Die deutschen WM-Busse kommen vom Bosporus · China rollt den afrikanischen Kontinent auf - und die Welt merkt es nicht · Putin kommt im Oktober nach Deutschland
Das neue Buch von Kai Ehlers trägt den Untertitel Russland – China – Mongolei – die Entwicklung eines Kulturraums „Inneres Asien“. Der Autor stellt ungewöhnliche Thesen auf und regt zum Nachdenken an. Seine Informationen hat er auf Reisen und bei Vor-Ort-Recherchen zwischen Wladiwostok und Ulanbator, zwischen Kasan und Irkutsk erlangt.