
EM-INTERVIEW

Sie ist frischgebackene Sozialministerin Niedersachsens und erste türkischstämmige Ministerin in Deutschland überhaupt: Aygül Özkan. Zunächst wurde sie wie ein Popstar gefeiert. Doch als sie sich noch vor ihrer Vereidigung in Hannover gegen Kruzifixe in Klassenzimmern aussprach, erntete sie einen Sturm der Entrüstung aus dem christlichen Establishment. Das Christentum ist Hauptreligion in der EU und behauptet derartige Privilegien wie Kreuze in Schulen für sich. Der französische Politologe Olivier Roy fordert im Gespräch mit Eren Güvercin dagegen völlige Rechtsgleichheit für alle Religionen.

KIRGISIEN
Am 07. April 2010 wurde der Präsident der Republik Kirgisien, Kurmanbek Bakijew, gewaltsam gestürzt. Ein Vorgang, der in ähnlicher Weise bereits vor fünf Jahren zu beobachten war - damals wurde Askar Akajew im Rahmen der Tulpenrevolution von Bakijew aus seinem Amt enthoben. Ebenfalls am 7. April dieses Jahres wurde die Weltöffentlichkeit Zeuge eines anderen Ereignisses: US-Präsident Barack Obama und sein russischer Amtskollege Dmitri Medwedew vereinbarten den weiteren Abbau ihrer jeweiligen Atomwaffenarsenale. Die Parallelität dieser Ereignisse verdeutlicht einmal mehr, wie sehr sich die Welt im Umbruch befindet.

RUSSLAND
Eine sprachliche Häufigkeitszählung brächte es umgehend an den Tag: Das derzeit meistgebrauchte Wort in Russland ist „pobeda“ (Sieg). Gemeint ist der „Sieg des sowjetischen Volks im Großen Vaterländischen Krieg 1941-1945 über das faschistische Deutschland“, der am 9. Mai 2010 begangen wird.

POLEN - RUSSLAND
Laut Umfragen vom April 2010 betrachten 38 Prozent aller Polen das polnisch-russische Verhältnis als „ganz schlecht“ oder „eher schlecht“. Vor zwei Jahren waren nur 27 Prozent der Polen dieser Ansicht. 81 Prozent der Polen meinen, dass „die Verbrechen von Katyn“ das Verhältnis zu Russland belasten, 14 Prozent mehr als 2008. Dennoch bot sich gerade im April 2010 die Chance, dass aus dem Tiefstpunkt des bilateralen Verhältnisses - Katyn und die Ermordung von 21.768 polnischen Offizieren am 5. März 1940 - eine polnisch-russische „pojednanie“ (Versöhnung) erwachsen könnte.

KAUKASUS

Die von Georgien abgespaltenen Republiken Abchasien und Südossetien geraten nicht aus den Schlagzeilen. Erst kommt es im Schwarzen Meer zu Piratenakten der georgischen Marine gegen türkische Schiffe mit Ziel Abchasien. Dann erklärt der weltweit als Provokateur auftretende Hugo Chavez, dass seine Bolivarische Republik Venezuela die Separatistenrepubliken im nördlichen Kaukasus anerkennen wird. Und zu guter Letzt gesellt sich nun die westpazifische Kleinrepublik Nauru zu den Staaten, die Abchasien und Südossetien anerkennen. Der Autor stellt Überlegungen zu einer möglichen Friedenslösung in Form eines völkerrechtlichen Kondominiums vor.

NORDKAUKASUS
Dmitri Medwedew will den Nordkaukasus auch mit verstärkter Wirtschaftsförderung voranbringen. Bisher jedoch ohne sichtbaren Erfolg.

GRIECHENLAND
Geschäfte schließen, die Schlangen vor den Arbeitsämtern werden länger und immer mehr Menschen versuchen, ihre Ersparnisse ins Ausland zu bringen: Die Griechen reagieren geschockt auf die Entscheidung der Regierung, Hilfe vom Internationalen Währungsfonds (IWF) anzunehmen. Die Regierung versucht, mit PR-Kampagnen die Menschen zu beruhigen. Am kommenden Samstag, dem 1. Mai, wird im Land eine große Protestwelle erwartet. Gewerkschaften wollen für den 5. Mai einen Generalstreik organisieren.

EURASISCHE SPIRITUALITÄT

Der Frühling hat etwas Magisches – Leben bricht aus allen Poren der Natur, die kurz zuvor noch völlig tot schien. Temperaturen steigen, Säfte quellen, die Stimmung hebt sich. Zu Zeiten, die noch am Rhythmus des Natürlichen hingen, entstanden daraus viele Bräuche. Der Winter wurde ausgetrieben, böse Geister hat man mit Feuer gebannt, Mondfeste und Tänze unter Bäumen waren der spirituelle Auftakt für den Neubeginn. Die Gepflogenheiten dabei waren heidnisch, wild und in den Augen der zur Allmacht aufsteigenden christlichen Kirche voller Sünde und Unzucht. Viele haben sich dennoch erhalten und künden noch heute von der Magie des Frühlingszaubers.

EUROPÄISCHE UNION
Ein jetzt von der EU-Kommission vorgelegter Aktionsplan soll das Leben und Arbeiten in Europa leichter machen. Die Vizepräsidentin der EU-Kommission, Viviane Reding, zuständig für Justiz, Grundrechte und Bürgerschaft, erklärte dazu, alle Bürger sollten in Zukunft auch außerhalb ihres Heimatlandes freien Rechtszugang haben – „egal, ob es darum geht, eine Familie zu gründen, in Rente zu gehen, einen Autounfall zu klären oder Vertragsstreitigkeiten zu lösen“.

EU-MINDERHEITENSPRACHEN
In der Europäischen Union gibt es 60 Regional- und Minderheitensprachgemeinschaften, zu denen etwa 40 Millionen Menschen gehören. Artikel 22 der Europäischen Grundrechtecharta legt fest, dass „die Union kulturelle, religiöse und sprachliche Vielfalt respektiert.“ Genau das macht das Wesen der EU aus. Sie ist eben kein „Schmelztiegel“, in dem Unterschiede verwischen, sondern eine Gemeinschaft, in der Vielfalt Trumpf ist. Jetzt hat die EU-Kommission ein Projekt zu den Minderheitensprachen gestartet.

SEX UND POLITIK
Ein Moskauer Gelegenheitsmodell lockte bekannte Kreml-Kritiker in eine Wohnung, wo sie mit versteckten Kameras beim Sex abgefilmt wurden.

TSCHECHIEN
Er gehört zu den Lieblingen nicht nur tschechischer Kinder: der vom Schwejk-Zeichner Josef Lada erfundene sprechende Kater Mikes, der viele Abenteuer in der weiten Welt zu bestehen hat. Doch ein tschechischer Roma-Aktivist möchte den Kater nun als Unterrichtsmittel aus den Schulen verbannen lassen. Begründung: Der Kater äußere sich abschätzig über Roma, nenne sie „Zigeuner“. Die Tschechen sind platt und protestieren bei Facebook gegen diesen Angriff auf ihre seit Jahrzehnten so geliebte Figur.
Die nächste Ausgabe des EURASISCHEN MAGAZINS erscheint im August. Danach kommt das EM in einem Zweimonatsrhythmus heraus: Oktober, Dezember, Februar, April, Juni, August.
Wolf Schneider wird 85 · Forschungsfahrt in den Pazifik · Erdgasspeicherung in Deutschland immer wichtiger · Der Bund in Schanghai wiedereröffnet · Zuviel Himalaya-Schnee bringt Indien Dürre · Kooperation mit Weißrussland im Bereich Energieeffizienz
Wer ein „normales Buch“ über Albaniens Sprache oder Kultur erwartet, wird sich wundern. Das merkt der geneigte Leser schon bei den ersten Zeilen: „Flugtag. Langeweile bis das blaue Band der Donau auftaucht. Dann Berge bis zum Horizont. In einem Talkessel Sarajevo- im satten Zementgrau – sich selbst belagernd. Ich beschließe Tagebuch zu schreiben. Links Albanien, rechts Nebel. Dann wie ein Wunder eine Ahnung von der Küste Italiens. Ein gelobtes Land.“
Istanbul, europäische Kulturhauptstadt 2010, ist seit über zweieinhalbtausend Jahren Tor zum Orient für den Westen und Brücke zum Okzident für den Osten. Immer wieder war die Stadt der drei Namen - Byzanz, später Konstantinopel und heute Istanbul - Schauplatz von Siegen, Niederlagen und Zerstörung.
Krisenregion Kaukasus – zwei Beiträge in dieser Ausgabe des Eurasischen Magazins widmen sich ihr. Der Kaukasus kann mit Fug als eine der Drehscheiben der Weltpolitik bezeichnet werden
Von uralten Traditionen bis zu ausuferndem Kapitalismus, von buddhistischer Gelassenheit bis zu glitzerndem Größenwahn hat der Autor auf seiner Tour durch Südostasien alles angetroffen. Man hat ihm Ratten als Delikatesse aufgetischt und die Hitze hat ihn ausgedörrt, wie er es vordem noch nicht erlebt hatte. Herausgekommen ist ein Reiseroman der Extraklasse, geschrieben mit viel Wortwitz.