
EM-INTERVIEW

Während der jüngsten Kämpfe im Kaukasus haben die USA und Polen ein Stationierungsabkommen für Raketen unterzeichnet. Prof. Volker Perthes, Chef der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) in Berlin, hält einen iranischen Raketenangriff jedoch für „ausgesprochen unwahrscheinlich.“ Warum er das Regime in Teheran dennoch für eine besondere Herausforderung hält, erläutert er im Interview mit dem Eurasischen Magazin.

GEORGIEN

Noch vor wenigen Monaten galt der Konflikt um das kleine, von Georgien abtrünnige Südossetien als „eingefroren“. Doch im August 2008 eskalierte eine georgische Militärintervention in der gebirgigen Region in einen offenen Krieg. Nach einem militärischen Gegenangriff Russlands ließ der nächste Paukenschlag nur kurz auf sich warten: Am 26. August 2008 verkündete Russlands Präsident Medwedew die offizielle Anerkennung Südossetiens und Abchasiens, einer zweiten von Georgien abtrünnigen Region. Der georgische Präsident Saakaschwili, der bei seinem Amtsantritt die territoriale Reintegration als zentrales Ziel formulierte, hat damit viel verloren: Die Separatistengebiete sind weiter denn je von georgischer Kontrolle entfernt, und auch innenpolitisch zeichnet sich Widerstand ab.

GEOPOLITIK
Beide Kammern des russischen Parlaments haben für die Unabhängigkeit der beiden abtrünnigen georgischen Provinzen Südossetien und Abchasien votiert. Kremlchef Präsident Dmitri Medwedjew hat den Antrag unterzeichnet und damit die beiden Länder als selbstständig anerkannt. Was treibt Russland zu dieser Politik?

GEORGIEN
Die Menschen auf den Straßen von Tiflis machen sich keine Illusionen über ihre Lage und das Regime Saakaschwili. Viele sehen in ihm nur einen Erfüllungsgehilfen der USA, der das Land in den Bankrott geführt hat.

EM-INTERVIEW

Der georgische Oppositionsführer Georgi Chaindrawa war unter Saakaschwili Minister für die Konfliktregelung mit den abtrünnigen Provinzen, wurde 2006 aber entlassen, weil er militärische Abenteuer zur Rückgewinnung dieser Gebiete ablehnte. Er ist ehemaliger Filmregisseur und einer der herausragenden Köpfe der georgischen Opposition. Im Gegensatz zu den meisten Oppositionsführern, die den georgischen Präsidenten nicht kritisieren wollen, solange russische Truppen in Georgien sind, nimmt Chaindrawa auch heute kein Blatt vor den Mund. Das Eurasische Magazin interviewte ihn zur aktuellen Lage.

GEORGIEN

Ganze Stadtviertel liegen in Schutt und Asche, ausgebrannte Häuserskelette reihen sich an der Hauptstraße entlang, die mit Glassplittern und zerbrochenen Eternitplatten übersät ist. Der Krieg hat deutliche Spuren in Zchinwali hinterlassen, der Hauptstadt Südossetiens. Wenige Tage nach den schweren Angriffen georgischer Truppen kehrt langsam der Alltag zurück in die Stadt. Die Geflüchteten kommen heim, russische Katastrophenschützer stellen die Strom- und Gasversorgung her, Bagger räumen die Trümmer beiseite, der Wiederaufbau beginnt. Doch das Kriegstrauma wird viele Menschen in Zchinwali noch lange begleiten.

KAUKASUS
Der Kreml ist zurück im großen eurasischen Spiel und offenbar nicht mehr gewillt, die Ausbreitung der NATO bis an seine unmittelbaren Grenzen ohne Gegenwehr hinzunehmen. Russland zeigt sich im Gegenteil von der NATO unbeeindruckt. Den blutigen Angriff Georgiens auf Südossetien beantwortete der Kreml knallhart und ohne Zaudern.

KAUKASUS

Putins und Medwedjews Russland ist nicht mit der Sowjetunion oder dem „gedemütigten“ Deutschland des 20. Jahrhunderts zu vergleichen –auch wenn raumpolitische Machtkonstellationen der Zwischenkriegszeit und des Kalten Krieges das signalisieren mögen.

RUSSLAND
Die Vorgänge im Kaukasus sind aus russischer Sicht das Signal für den Eintritt in eine neue Phase der internationalen Beziehungen: So nicht weiter, Herr Bush!, könnte man sie übersetzen. Hier beginnt Russland! Hier beginnt die Notwendigkeit von Absprachen statt der weiteren Militarisierung internationaler Beziehungen. Hinter sein aktuelles Eingreifen im Kaukasus wird Russland nicht zurückgehen.

KAUKASUS-KOMMENTAR
Moskau-Korrespondent Ulrich Heyden macht sich seine Gedanken über das Cui bono? – wem nutzt was? - in der Kaukasuspropaganda des Westens.

KRIEGSRELIKTE

Während im Kaukasus die Toten der jüngsten Kämpfe bestattet werden, durchwühlen russische Organisationen die Schlachtfelder des Zweiten Weltkriegs. So mancher vermisste Rotarmist bekommt durch sie noch ein richtiges Begräbnis. Die Gebeine der deutschen Soldaten werden wieder zugeschüttet. Unsere Autorin hat die Gruppe „Nabat“ bei ihrer aufwühlenden Tätigkeit begleitet.

EM-INTERVIEW
Das immer wieder in den Medien auftauchende Thema Islamismus und insbesondere die damit verbundene Negativberichterstattung über den Islam erzeugt nach Auffassung von Prof. Werner Ruf aus Kassel antiwestliche Ressentiments in der islamischen Welt.

TADSCHIKISTAN
Die weltweite Aids-Prävention erreicht die Betroffenen kaum. Das ist ein Fazit der Weltaidskonferenz, die in Mexiko-Stadt abgehalten wurde. In Zentralasien steht man noch am Anfang. Tadschikistan will nun die drohende Epidemie mit einem finanzstarken Präventionsprogramm abwehren. Doch die Neu-Infektionen steigen dort stärker als anderswo. Eines der größten Ansteckungsrisiken ist Gastarbeit. Männer, die in Russland das Geld für die Familie verdienen, bringen immer häufiger auch das Virus nach Hause mit.

RUMÄNIEN

Nach dem Angriff eines Bären auf einen deutschen Touristen in Rumänien warnen Experten vor dem Camping im Bucegi-Gebirge und anderen Regionen. Solche Angriffe könnten in Zukunft noch häufiger passieren, prognostiziert der Leiter der Bergwache Dambovita, Doru Diaconescu. Denn der Lebensraum der Tiere ist in den letzten Jahren immer geringer geworden, größtenteils wegen des Tourismus.

MUSLIME
Deutschland erweist sich heute in vieler Hinsicht als vorbildlich für das Zusammenleben von Menschen der verschiedensten Weltanschauungen und kulturellen Hintergründe. Die deutsche Zivilgesellschaft ist in der Lage, die unterschiedlichsten Sichtweisen und Wertvorstellungen zu integrieren und unter gemeinsamer nationaler Identität zu einen.

RUSSLAND

Energie- und Rohstoffhunger belebt alte Verkehrs-Projekte im russischen Fernen Osten. Verbindungen zwischen Japan, Alaska und Europa sind in Planung.
Die vorliegende Ausgabe des EM ist als Doppelausgabe 08/09-08 konzipiert. Das nächste EM erscheint damit Ende Oktober. Inzwischen holen wir einmal tief Luft und arbeiten ab, was liegen geblieben ist. Wir hoffen auf Ihr Verständnis.
Ausstellung „Naqsh – Einblicke in Gender und Rollenbilder in Iran“ · Ausstellung „Babylon. Mythos und Wahrheit“ · Fotoausstellung „Hiroshi Sugimoto Retrospektive“ · Filmfest „18. Festival des osteuropäischen Films“ · Filmfestival „50. Nordische Filmtage“ · Ausstellung „Samurai“
Auch in Russland geht die Kriegsangst um · SOZ-Gipfel folgt Russland nur teilweise · Putin: Washington ist für den Angriff auf Südossetien mitverantwortlich · Deutschlands Präsident Köhler auf Staatsbesuch in Kasachstan · Qumran-Schriftrollen werden online veröffentlicht
Als „Ratgeber über die Alltagskultur“ bezeichnet die Autorin selbst ihr Werk und als „Überlebensratgeber“. Weil man sich dort, „wo das Klima rau ist und die Winter lang sind, anders verhalten muss als im gemäßigten Westeuropa. Das fängt schon beim Einkaufen an…
Was Russland für den Westeuropäer einzigartig macht sind die Naturschauspiele, riesige Wälder ohne ausgeschilderte Spazierwege und dem Hinweisschild zum nächsten Gasthof. Und wer in dem Land reisen will, muss sich auf große Entfernungen zwischen Ansiedlungen einstellen und auf landestypische Wegeverhältnisse.