
EM-INTERVIEW

Die EU und die“ internationale Gemeinschaft“ sollten viel stärker auf marktwirtschaftliche Privatisierung und Transparenz im Kosovo drängen, „denn schließlich ist das ihr Protektorat“. Klare Worte eines Diplomaten. Dr. Zlatko Kramaric, Botschafter Kroatiens im Kosovo, nimmt kein Blatt vor den Mund. Mit ihm sprach EM-Autor Prof. Wolf Oschlies bei einer internationalen Konferenz im makedonischen Ohrid. Dabei ging es auch um die grassierende Korruption und um das im Kosovo besonders gut gedeihende Internationale Verbrechen.

BALKAN
Jüngste Umfragen zeigen, dass die EU vor allem auf dem West-Balkan mehr und mehr kühle Ablehnung, ja hohnvolle Verachtung erfährt. Wie es eine Union verdient, die seit mindestens einem Jahrzehnt sich selber und andere über die eigenen Ziele und Prinzipien täuscht. Die Menschen wollen ihre Länder nach wie vor in der Europäischen Union sehen, allerdings nicht um jeden Preis. Dazu ist die EU in ihren Leistungen nicht mehr attraktiv genug, in ihren politischen Methoden zu rüde, zu erpresserisch, zu feige gegenüber Unruhestiftern wie Griechenland.

KOMMENTAR
Eine Nachlese nach dem Kosovo-Urteil des Internationalen Gerichtshofs in Den Haag vom Juli 2010.

IRAN
Nach allgemeiner Ansicht ist Ordnung ohne Herrschaft eine angenehme Form der Anarchie, in der jeder Teil der Gesellschaft sich um das Gemeinwohl bemüht, ohne dass seitens der Regierung Zwang ausgeübt werden muss. Eine Herrschaft ohne Ordnung ist hingegen dadurch gekennzeichnet, dass trotz Ausübung von Macht keine Ordnung entsteht und die Gesellschaft die Regierung nicht akzeptiert. Betrachtet man die gegenwärtige Situation im Iran, so scheint letzteres zuzutreffen. Der folgende Beitrag analysiert die Gründe für die nicht vorhandene Ordnung im Iran. Um der Komplexität des Themas gerecht zu werden, fließen innen- und außenpolitische sowie ökonomische Aspekte in die Untersuchung mit ein, da nur so ein vollständiges Bild der Situation im Iran wiedergegeben werden kann.

GOLFMONARCHIEN
Kurz nach Gründung des Golfkooperationsrates (GKR) 1981 sprach Kuwaits Finanzminister Abd al-Latif al-Hamad davon, dass sich die arabischen Golfmonarchien in der gleichen Situation befänden wie Deutschland, Frankreich, Italien und die Benelux-Staaten am Beginn der europäischen Integration. Mag dieser Euphemismus damals wie heute stark übertrieben sein, so handelt es sich bei dem GKR doch um eins der wenigen erfolgreichen Integrationsprojekte in der arabischen Welt. Im Vergleich zur europäischen Integration werden die Gründe für diesen Erfolg, aber auch die Grenzen der Zusammenarbeit deutlich.

AFGHANISTAN
Thomas Kochert und Mike Rubel, 29 und 27 Jahre alt und Oberfeldwebel der Bundeswehr, waren am 6. März 2002 die ersten deutschen Soldaten, die in dem sinnlo¬sen Krieg in Afghanistan ihr Leben verloren. Bis zum 15. April 2010 folgten ihnen 41 Soldaten und drei Polizisten in den Tod. Im Einsatz der ISAF (Interna¬ti¬onal Security Assistance Force) sind vom 22. Dezember 2001 bis zum 24. November 2009 1.267 Soldaten gefallen.

KASACHSTAN
Die „Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa“ (OSZE) schien noch vor zwei Jahren vor dem faktischen Aus zu stehen. Aber die Wechsel der Präsidenten in Moskau (2008) und insbesondere in Washington (2009) haben auch in der OSZE zu einer konstruktiveren Arbeitsatmosphäre geführt. Zu Beginn des Jahres 2010 übernahm Kasachstan den jährlich wechselnden Vorsitz der Organisation, der sämtliche Staaten Europas, Nordamerikas und der Nachfolgestaaten der Sowjetunion angehören, also auch die Länder Zentralasiens. In den vorhergehenden 20 Jahren hatten entweder Mitglieder oder Anwärter auf eine EU- oder NATO-Mitgliedschaft die Funktion des OSZE-Vorsitzes innegehabt.

ANALYSE
Modernisierung ist das Schlüsselwort der Präsidentschaft Dmitrij Medwedews. Das Konzept, das zwischen Konservativen und Modernisierern noch umstritten ist, ist aber nicht zu verwirklichen ohne Unterstützung in der russischen Gesellschaft. Nach dieser Unterstützung fragt eine umfassende Erhebung, deren Ergebnisse hier referiert werden.

SLOWAKEI
Am 08. Juli diesen Jahres wurde Iveta Radicová zur ersten slowakischen Ministerpräsidentin ernannt. Radicová wird mit dem ehemaligen Ministerpräsidenten und jetzigen Außenminister Dzurinda den dritten bedeutenden Schwenk in der slowakischen Außenpolitik seit der Unabhängigkeit im Jahr 1993 durchführen. Von 1993-1998 verfolgte man in Bratislava eine „Vision einer politischen Selbstständigkeit“, danach folgten ein radikaler pro-amerikanischer Schwenk und eine Außenpolitik wie von einem „52. Staat der USA“, so der im Juli aus dem Amt geschiedene Ex-Ministerpräsident Robert Fico. Unter seiner Ägide (2006-2010) wurde ein neuer Ansatz in der Außenpolitik versucht, der nun sein jähes Ende findet.

MAROKKO

Am 30. Juli feierte König Mohammed VI. von Marokko sein elfjähriges Thronjubiläum. Er hat im ersten Jahrzehnt seiner Herrschaft für Marokko entscheidende Weichenstellungen vorgenommen. Hier eine Bilanz dieser Veränderungen: Wie weit ist es dem Monarchen gelungen, die Versprechen, die er bei seiner Thronbesteigung 1999 abgegeben hatte, in die Realität umzusetzen?

NACHRUF
Der international bekannte ägyptische Koranforscher Nasr Hamid Abu Zaid gehörte zu den führenden islamischen Reformdenkern der Gegenwart. Seine diskursanalytische Untersuchung des Koran legten den Grundstein für ein zeitgemäßes Verständnis des Islam. Abu Zaid ist im Alter von 66 Jahren in Kairo gestorben.

AUSSTELLUNG IN BEVERN

Mitten im Weserbergland, fernab großer Städte, ist eine hochkarätige Präsentation zu bestaunen: Das Weserrenaissance-Schloss Bevern bietet nach den zuvor schon gezeigten spektakulären Ausstellungen über „Die Balten“, über „Schätze der Ostgoten“ und über „Die Vandalen“ nun einen weiteren Höhepunkt der archäologischen Forschung. Zu bestaunen sind die seltenen Exponate noch bis zum bis 24. Oktober 2010.

EURASISCHE SPIRITUALITÄT

Auf dem heiligen Berg der Franken stand einst das keltische Oppidum Menosgada, das der griechische Mathematiker und Geograph Ptolemäus vor Jahrtausenden in seiner Weltkarte verewigt hat. Noch heute wird von dieser Keltenburg und ihrer eindrucksvollen Vergangenheit gesungen.

AGENTEN
Der russische Ministerpräsident sagt Anna Chapman und Co eine glänzende Zukunft voraus. Der elfköpfige russische Agentenring in den USA sei durch Verrat aufgedeckt worden.

MOSKAU
Weil die meisten Arbeitsplätze nicht klimatisiert sind, empfiehlt Russlands Oberarzt Gennadi Onistschenko eine Siesta nach spanischem Vorbild. Doch die Arbeitgeber fürchten ein Ausufern der Disziplinlosigkeit.

RUSSLAND
Wegen der Hitzewelle in Zentralrussland sind Getreidefeldern mit einer Gesamtfläche so groß wie Portugal verdorrt. Ministerpräsident Putin ziert sich bei den Entschädigungen für die Bauern. Kreml-Berater bestreitet Zusammenhang mit Klima-Wandel.

BOSNIEN-HERZEGOWINA

15 Jahre nach dem Massaker von Srebrenica sind nur wenige der damals Vertriebenen in die ostbosnische Kleinstadt zurückgekehrt. Die Muslimin Dika Sirucic wagte den Neubeginn in einer Heimat, in der nichts mehr ist wie früher.

POLEN
In Deutschland geht die Angst vor polnischen Handwerkern um. Seit dem EU-Beitritt Polens dürfen sie hier legal ihre Dienste anbieten. Sechs Jahre nach dem Beitritt stellt sich heraus, dass diese Furcht unbegründet ist. Zwar kommen immer mehr Handwerker aus dem Nachbarland nach Deutschland, doch meist nur in zulassungsfreien Sparten wie Trockenbau oder Fliesenlegen. Nur wenige arbeiten in Ostdeutschland. Problematischer ist dagegen, dass viele Polen nicht nach Deutschland umziehen, sondern nur zum Arbeiten ins Nachbarland kommen.
Konferenz für Ökotourismus in Kasachstan · EU hilft Island beim EU-Beitritt · Estland ist reif für den Euro · Übersetzer gesucht · Zukunft für alte Nutztierrassen in Europa · Rekord-Investition: Europa gibt 6,4 Milliarden für Forschung aus · Webseite der belgischen EU-Ratspräsidentschaft
Reiseführer über Rom gibt es wie Steine an der Via Appia. Eine „Zeitreise in die Antike“ bietet kaum einer. Wer nach Sehenswürdigkeiten aus der alten Zeit sucht, wird oft mit oberflächlichen Bemerkungen gelangweilt. Die antike Metropole erschließt sich dadurch aber nicht.
Eindringlich wie immer, das ist SAID, der Dichter und Essayist, auch in diesem Band. Seine persönlichen und doch hochpolitischen Texte spiegeln die Facetten der faszinierenden Persönlichkeit.