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Weihnachten in den Ländern Eurasiens
Das Eurasische Magazin stellt die verschiedenenen Weihnachtsbräuche des eurasischen Kontinents vor.
Von Hans Wagner
EM 12-03 · 20.12.2003

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Skandinavien ist die Heimat derRentiere, mit denen dort der Weihnachtsmann über die weite, verschneiteLandschaft und durch die tiefen Wälder zieht.

In Schweden und mittlerweile fast in ganz Skandinavien wirdam 13. Dezember außerdem der Lucientag gefeiert, genannt nach St. Lucia,der schwedischen Lichterkönigin. Überall trifft man dann auf weißgekleidete,mit einem Lichterkranz geschmückte Mädchen, die St. Lucia darstellen.

Wie und wann die Lucialegende in den Norden kam, ist unklar. Sie wird alschristliche Märtyrerin oder Heldin dargestellt. In Syrakus auf Siziliensoll sie geboren worden sein und im Jahr 304 n. Chr. den Märtyrertod durchEnthauptung gefunden haben. Anfangs spielte Lucia nur eine kleine Statistenrollein der Vorweihnachtszeit des Nordens. Mittlerweile gibt es wohl kaum mehr eineskandinavische Stadt, in der St. Lucia nicht bekannt ist. Gekleidet in weißesLeinen mit einer roten Kordel um die Taille und elektrischen Kerzen auf demKopf, ziehen die kleinen Lichterköniginnen durch die Straßen. Ihnenfolgen sogenannte stjärngossar, kleine Jungen mit langen weißenHemden und einer spitzen Sternenmütze.

Wo Lucia und ihr Gefolge singend auftreten, laden sie zu Kaffee und Safrangebäck(lussekatter) ein. Der Konkurrenzkampf ist groß, wenn es alljährlichum die Frage geht, wer in Krankenhäusern, Schulen, Büros oder Geschäftendie Lucia spielen darf. In keiner anderen Gegend Europas wird Lucia auf dieseWeise gefeiert. Die Dunkelheit und die Kälte des skandinavischen Frühwintersbilden den Rahmen, den Lucia benötigt, um in ihrem warmen Glanz zu erstrahlen.

Im Jul, dem skandinavischen Weihnachtsfest, sollen viele alte Bräucheaus den vorchristlichen Wintersonnwendfeiern weiterleben. So zum Beispiel derZiegenbock des germanischen Donnergottes Thor. Er wird Julbock genannt undbringt in manchen Gegenden den Kindern bis auf den heutigen Tag ihre Geschenke.

„In Norwegen ist der Weihnachtsmann ein wenig kleiner undlustiger als seine Kollegen in anderen Ländern“, berichtet Elke Andersen. „Erist nämlich mit den Nissen, den norwegischen Kobolden verwandt. Das erklärtauch seinen Namen: „Julenissen.“

Der Weihnachtsbaum ist auch in Skandinavien Teil des Festes. Bevor es Geschenkegibt, singen viele Familien Weihnachtslieder und tanzen um den geschmücktenBaum. Sehr wichtig für Skandinavier ist das Weihnachtsessen. In Norwegenheißt es Julebord. Bis zu 60 verschiedene Speisen von Schweinerippchenbis zu eingelegten Heringen und vom großen Schinken bis zum „Julekaker“,einem Gebäck ähnlich dem Stollen, werden aufgetischt. Und dazu gibtes das dunkle Weihnachtsbier „Julol“.

In Dänemark treffen sich Freunde und Verwandte bereitsam Vorabend des 24. Dezembers, um den kleinen Weihnachtsabend „Lillejulaften“ beiTee und Apfelküchlein zu feiern. Am Heiligen Abend singt die Familie Weihnachtsliederund tanzt um den Tannenbaum, der hier meist mit vielen kunstvollen Papierherzengeschmückt ist. Danach dürfen die Geschenke geöffnet werden.

In Finnland kommt der Nikolaus nicht klammheimlich durchSchornsteine, wie beispielsweise in Frankreich, sondern er besucht die Kinder,die sich als Elfen verkleidet haben, persönlich. Die Finnen sind überzeugt,daß der heutige Nachfolger des Heiligen von Myra im Berg Korvatunturiin der Nähe von Rovaniemi residiert. Allerdings hat noch niemand den geheimenEingang finden können. Der Nikolaus heißt in Finnland Joulupukki,und die Finnen bestreiten auf alle Fälle die amerikanische Auffassung,der dort Santa Claus Genannte wohne am Nordpol - schließlich wisse jederMensch, daß niemand am Nordpol leben könne.

Der Joulupukki ist, anders als sein historisches Vorbild, verheiratet. SeineGattin ist zusammen mit den Elfen das ganze Jahr über beschäftigt,all die herrlichen Geschenke für Weihnachten anzufertigen. Diese Elfensind wohl ein Überbleibsel der altnordischen Mythologie.

Die Vorweihnachtszeit beginnt in Finnland seit den 20er Jahren, seit man denNikolaus in der Bergbehausung vermutet, bereits im Oktober. Es werden vielekleine Feste gefeiert, die man „Pikkujoulu“ nennt. Außerdem werden Kartenverschickt, mit denen sich die Menschen „Hyvää Joulua“, „Gute Weihnachten“ wünschen.

Ein besonderer Höhepunkt der Vorweihnachtszeit ist der Lucientag, derja in ganz Skandinavien am 13. Dezember gefeiert wird.

Die Weihnachtsfeierlichkeiten selbst beginnen bereits um 12 Uhr mittags mitder feierlichen Ausrufung des Weihnachtsfriedens in Turku, der früherenfinnische Hauptstadt. Diese auf mittelalterlichen Riten beruhende Traditionwird von Fernsehen und Rundfunk im ganzen Land übertragen. In früherenZeiten wurde dieser Friede ganz besonders ernst genommen: Wer es wagte, diezwölf Weihnachtstage durch ein Verbrechen zu entweihen, mußte mitbesonders harter Strafe rechnen.

Am Heiligen Abend werden zunächst die Verstorbenen auf dem Friedhof besuchtund die Gräber weihnachtlich geschmückt. Finnische Friedhöfebieten bei Einbruch der Dunkelheit am 24. Dezember ein beeindruckendes Bild.In vielen Städten werden auch die im Krieg Gefallenen von Soldaten undOrganisationen geehrt.

Vor dem Weihnachtsessen geht man in die Sauna. Erst dann läßtsich die Familie den Weihnachtsschinken schmecken. Er wird traditionell mitHonig und Senf bestrichen und lange in der Backröhre gegart. Dazu gibtes Steckrübenmus. Während und nach dem Essen werden die Geschenkeverteilt.

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Auf Island sind in der Weihnachtszeitzwischen dem 12. und 24. Dezember 13 Kobolde unterwegs, um die Kinder zu beschenken.Diese „Weihnachtskerle“ ( Jólesveinar)füllen die bereitgestellten Schuhe mit Süßigkeiten. Wenigerbraven Kindern legen sie zur Strafe ein paar alte Kartoffeln hinein. DieseWeihnachtskerle haben Ähnlichkeit mit Knecht Ruprecht aus dem Walde. Siegehören zur alt-isländischen Sagenwelt. Denn obwohl nominell 96 Prozentder Isländer der christlichen Religion angehören, sind doch nochweit mehr als nur Reste des alten „Asatru“, der vorchristlichen Mythologieder Isländer vorhanden.

Der Weihnachtsbaum war früher auf Island eine Seltenheit, denn Nadelbäumewachsen auf der Insel nur spärlich. Jetzt werden sie übers Meer herangeschafft,aus den Wäldern und Baumschulen Norwegens und Dänemarks vor allem.Auf der Festtafel der Isländer geht es nicht allzu üppig zu. Wasunter gar keinen Umständen fehlen darf, ist das kunstvoll verzierte Laubbrot(Laufabrauð).

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Weihnachten in Irland kündigtsich dadurch an, daß großer Hausputz gemacht wird und überden Eingangstüren Mistelzweige aufgehängt werden. Die Mistel isteine Schmarotzerpflanze, die auf anderen Laubbäumen wie Pappe, Birke,Weide oder Linde wächst und hoch oben in den Kronen auffällige „Nester“ bildet.Seit altersher werden ihr magische Kräfte nachgesagt. Ihre Zweige mitden weißen Beerenfrüchten, die um die Weihnachtszeit reifen, sollenböse Geister von den Häusern fernhalten und Glück bringen.

Auf der Festtafel der Iren dürfen Plumpudding und Räucherlachs,Truthahn und Krabben nicht fehlen. Die Geschenke bringt Father Christmas. Erfüllt damit am 24. Dezember die Socken, die für diesen Zweck am Kaminaufgehängt werden. Das Auspacken findet erst am 25. Dezember statt.

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Auch in England spielendie Mistelzweige eine wichtige Rolle. Am Christmas Day dürfen alle Frauenund jungen Mädchen ungefragt geküßt werden, sobald sie unterden damit geschmückten Türrahmen hindurchgehen. Santa Claus bringtdie Geschenke, für die wie in Irland Socken aufgehängt werden.

Eine Besonderheit des englischen Weihnachtsfestes ist der „Boxing Day“. Erwird am 26. Dezember begangen. Sein Name rührt daher, daß an diesemTag nochmals Geschenke verteilt werden, die wie früher das Weihnachtsgeldder Lehrlinge in bunten Boxen verpackt sind. Zum Weihnachtsessen, das dem irischen ähnelt,gibt es Eierpunsch. Die Briten feiern ziemlich ausgelassen und setzen sichdazu bunte Papphütchen auf, was dem Fest einen karnevalesken Charaktergibt. Dazu tragen auch die beliebten Knallbonbons bei, die auf der Insel „ChristmasCrackers“ genannt werden.

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In den Benelux-Ländern heißtder Nikolaus offiziell Sint Nicolaas, aber sowohl Kinder als auch Erwachsenebezeichnen ihn oft wie einen alten Freund mit dem Namen Sinterklaas. Danebengibt es an Weihnachten noch den Kerstmann, was man mit Weihnachtsmann übersetzenkann. Beide bringen Geschenke, der eine am Nikolaustag, der andere zu Weihnachten.Aber die großen Geschenke kommen vom Sinterklaas, und zwar schon am Abenddes 5. Dezembers. Tags darauf finden dann mancherorts Laternenumzüge statt.

In Luxemburg hat der Sinterklaas noch einen anderen Namen. Er wird noch vertrautermit Kleeschen bezeichnet. Um dennoch genügend Respekt zu verbreiten, bingter eine dunkle Gestalt mit, ähnlich dem Knecht Ruprecht in anderen Regionen.Im Luxemburger Dialekt nennt er sich Housekern. Den Heiligen Abend verbringtdie Familie bei einem Festessen. Die Geschenke, die unter dem Tannenbaum liegen,dürfen erst nach dem Kirchgang ausgepackt werden. Man wünscht sichfrohe Weihnachten, was bei den Luxemburgern „a schei Chreschtdeeg“ heißt.

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Auch in Frankreich bekamen die Kinderfrüher einmal ihre Geschenke schon am 6. Dezember vom Saint Nicolas. Dochin unserer Zeit beschenkt sie Père Noel, der Weihnachtsmann, pünktlicham Heiligen Abend. Er kommt durch den Kamin und füllt seine Gaben in diesauber geputzten Schuhe. Bevor ausgepackt wird, gibt es zu essen, und zwardie französische Spezialität Gänsestopfleber.

Eine andere Spezialität, die man ansonsten vor allem noch auf dem Balkankennt, ist die Buche de Noel. In früheren Zeiten war sie ein Holzklotz,der in der Weihnachtsnacht verbrannt wurde. Die Asche hat man auf die Feldergestreut, im Glauben daß die Ernten dann besonders üppig ausfallenwürden. Heute ist dieser Weihnachtsklotz ein mit Buttercreme gefüllterBaumkuchen.

Am Vorabend des 24. Dezembers steigt mit Freunden und Verwandten „Le Reveillon“,der traditionelle Weihnachtsschmaus der Franzosen. Er ist der absolute Höhepunktder Festtage. Es wird üppig und ausgiebig gespeist. Nicht selten werdendiese Feiern auch in bunt geschmückten Restaurants abgehalten.

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In Spanien begeht man die Adventszeitsehr ruhig. Nikolaus, Weihnachtsbaum, Adventskalender und -kränze - alldiese Dinge spielen keine große Rolle, auch wenn vor allem in großenStädten der Einfluß anglo-amerikanischer Weihnachtsbräuchein den letzten Jahren auf dem Vormarsch ist. Meist wird jedoch noch ganz traditionellgefeiert. Im Mittelpunkt des familiären Weihnachtsfests steht die eigene,manchmal sogar selbstgebastelte Krippe (Belvén). Die Familie versammeltsich um sie herum und singt traditionelle spanische Weihnachtslieder.

Am Heiligen Abend (Nochebuena) trifft sich die Familie zu einem großenFestessen, zu dem traditionell Truthahn aufgetragen wird. Höhepunkt istdie Misa del Gallo, die Mitternachtsmesse, die um 24 Uhr beginnt. In den ländlichenRegionen und kleinen Städte versammeln sich die Menschen anschließendauf den Marktplätzen und singen gemeinsam Weihnachtslieder. Dabei werdenFeuer entzündet, und man tanzt bis in den frühen Morgen hinein aufden Plätzen.

Die Kinder erhalten an diesem Weihnachtsabend ihre Geschenke. Bis gegen Endedes vorigen Jahrhunderts war das noch anders. Die Gaben wurden von den ReyesMages, den Heiligen Drei Königen gebracht, die in der Nacht vom 5. aufden 6. Januar mit ihren Kamelen angeritten kamen. Dieser Brauch besteht auchweiterhin, aber die Hauptbescherung ist, in Angleichung an die Gepflogenheitenin den meisten anderen Ländern Westeuropas, nun am Heiligen Abend.

Zu den Weihnachtsbräuchen in Spanien gehört auch das Erscheinender Gestalt des alten Köhlers (Olentzero), der aus den Bergen ins Dorfkommt. Er wird von den Einwohnern auf den Schultern durch die Straßengetragen. Ebenfalls üblich sind Weihnachtsspiele, bei denen zum Beispielder von König Herodes angeordnete Kindermord aufgeführt wird.

In der Zeit vom 30. Dezember bis zum 1. Januar wird die Jahreswende gefeiert,die Fiesta de la Coretta. Dazu werden Kiefern gefällt und in die Ortschaftengetragen, festlich geschmückt und anschließend gesegnet.

Den Abschluß der Weihnachtszeit bildet der Dreikönigstag (Díade los Reyes). Nach ihrer weiten Reise aus dem Morgenland halten die MajestätenKaspar, Melchior und Balthasar bereits am 5. Januar Einzug in die spanischenDörfer und Stadtteile, ein Fest, das mit einem großen Umzug undzahlreichen biblischen Aufführungen gefeiert wird. Für die Kleinengibt es Süßigkeiten aus den Händen der Könige.

Am Abend des 5. Januars stellen die Kinder vor dem Schlafengehen ihre blankgeputztenStiefel oder Schuhe vor die Zimmertür. Außerdem werden auch Strohund Wasser für die Kamele und die beliebten Turrones (Weihnachtsgebäckaus Mandelteig) zur Stärkung der Weisen nach der langen Reise bereitgestellt.Der nächste Morgen bringt braven Kindern die Geschenke, böse Kinderbekommen Kohle (gefärbter Zucker). Zum Fest der Heiligen Drei Königeversammelt sich die Familie wieder zu einem großen Festessen. Als Nachtischwird „Roscón de Reyes“ gegessen, ein Germteigkranz mit kandierten Früchten,der eine kleine eingebackene Überraschung in Form eines der Königeenthält. Wer sie findet, ist der Glückspilz der Familie.

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In Portugal entsprechen die Weihnachtsbräuchein etwa den spanischen. In manchen Gegenden wird nach der Mitternachtsmetteauf dem Kirchplatz ein Baum niedergebrannt, um den man zu den Klängender Musik herumtanzt. Außerdem bringen die Besucher überall Obstoder Gemüse mit in die Kirche und legen sie als Geschenk vor die aufgebauteWeihnachtskrippe.

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Auch in Italien feiern die Menschendie Weihnachtszeit sehr ausgiebig. Sie beginnen damit am 6. Dezember, wennSan Nicola kommt und den Kindern Geschenke vor die Schlafzimmertür legt.Am 13. Dezember ist dann – wie in Skandinavien – Santa Lucia mit weiteren Gabenzur Stelle. Die großen Geschenke bekommen die Kinder in Italien am Morgendes 25. Dezembers. Sie liegen beim Aufwachen vor ihren Betten oder unter demTannenbaum. Il Bambinello Gesu, das Christkind, hat sie gebracht.

Es ist Tradition in Italien, an Weihnachten eine Fischmahlzeit zum Abendessenzu servieren. Meistens wird Aal gereicht. Weihnachten ist in ganz Italien auchein großes Familienfest. Es gibt reichlich Lammbraten zu essen und Truthahn.Ob allerdings ein Tannenbaum oder eine Krippe („Presepio“) im Weihnachtszimmerstehen soll, ist in Italien eine Streitfrage, die jedes Jahr von neuem fürDiskussionen sorgt. Am Ende machen es alle so, wie sie es eben für richtighalten, und viele haben auch beides aufgestellt.

Die Weihnachtszeit geht in Italien am 6. Januar zu Ende. Noch einmal werdenan diesem Tag die Kinder beschenkt, diesmal von der Figur der alten Hexe Befana.Sie betätigt sich als Weihnachtsfrau und bringt den Kindern Spielzeugund vor allem viel Obst.

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In Deutschland steht der Tannenbaumim Mittelpunkt des Weihnachtsfestes. Er heißt in katholischen GegendenChristbaum, in anderen Regionen Weihnachtsbaum. Unter ihn werden traditionelldie Geschenke gelegt. Noch immer sind die meisten Weißtannen, Nordmanntannen,Fichten oder Kiefern mit Wachskerzen geschmückt. Aber elektrische Kerzensind stark auf dem Vormarsch.

Von Haus zu Haus gibt es unterschiedliche Gepflogenheiten, den Baum zu schmücken.Das traditionelle Lametta, Engelshaar und die von Großmutter geerbtenGlaskugeln sind auf dem Rückzug. Jüngere Familien putzen ihren Baumoft schon in einem gerade üblichen Design heraus. Dabei spielen Schleifchen,farblich abgestimmte Kerzen und Schmuck in bestimmten Farben eine Rolle.

Äpfel, Wachskerzen, Strohsterne und Holzfiguren sind eine altdeutscheArt des Baumschmucks, die in der Zeit der Jugendbewegung vor und nach dem erstenWeltkrieg wieder populär wurde und auch heute noch verbreitet ist.

In der Vorweihnachtszeit werden Adventskalender aufgehängt, mit denenden Kindern die Wartezeit auf die Bescherung verkürzt werden soll (siehe Österreich).Der Adventskranz aus geflochtenem Tannengrün mit den vier Kerzen fürdie vier Adventssonntage hängt von der Decke oder steht auf einem geschmücktenTisch. An jedem Sonntag wird eine weitere Kerze angezündet.

In Süddeutschland spielen die Weihnachtskrippen eine besondere Rolle.Sie sind oft selbst in mühevoller Arbeit kunstvoll geschnitzt und zusammengestellt.Oft werden sie schon seit Generationen vererbt. Meist stehen sie unter oderneben dem Weihnachtsbaum.

Das traditionelle Weihnachtsessen ist Umfragen zufolge kaum zu verdrängen.Noch immer essen die meisten Deutschen am Weihnachtsabend Würstchen mitKartoffelsalat. Am ersten Feiertag gibt es die obligatorische Weihnachtsgans,gefüllt mit Äpfeln und Pflaumen.

Weihnachten ist in Deutschland das Fest der Familie und der Kinder. Es istder Deutschen liebstes Fest. Selbst in den umkämpften Ruinen von Stalingradwurden am Heiligen Abend 1942 Feldpostpäckchen von zu Hause verteilt,da und dort Kerzen angezündet.

Am 6. Dezember kommt in Süddeutschland der Nikolaus, oft mit dem KnechtRuprecht, der hier „Krampus“ genannt wird. In Franken heißt er „Pelzmärtel“,abgeleitet von St. Martin und in Norddeutschland heißt der Nikolaus meistensWeihnachtsmann. Egal wie die Gestalten auch heißen, sie legen den Kindernund Erwachsenen kleine Gaben in die bereitgestellten Schuhe und Stiefel.

Der 24. Dezember oder „Heilige Abend“ ist der Tag der großen Geschenke.In vielen Familien werden gemeinsam Weihnachtslieder gesungen und auf Instrumentenbegleitet. Danach ist im allgemeinen „Bescherung“. Dazu werden die Kerzen aufdem Weihnachtsbaum angezündet.

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In Österreich beginntdie Weihnachtszeit mit dem Besuch des Nikolaus. Er kommt am 6. Dezember undverkörpert die Gestalt eines Bischofs mit einer Bischofsmütze, einemBischofsstab, einem Buch und einem Sack. Aus dem Buch liest er vor, was dieKinder angestellt haben, aus dem Sack zieht er die Geschenke: Äpfel, Nüsse,Lebkuchen und Spielsachen. Für die Bösen hat er den Krampus dabei,das ist eine Art „Wilder Mann“, der schon auf der Straße mit Ketten rasselt.

Während der Adventszeit wird – wie in Deutschland – ein Adventskalenderaufgehängt. Jeden Tag dürfen die Kinder ein Türchen öffnen.Bunte Bilder und Schokoladenfiguren stecken dahinter. Damit soll das langeWarten auf das Christkind verkürzt werden.

Am Abend des 24. Dezembers kommt das Christkind. Die Mutterrichtet das Zimmer mit dem Christbaum her. Dann ertönt ein feines Glöckchen.Das ist das Zeichen, daß das Christkind da war und die Geschenke gebrachthat.

Voll Hochspannung geht nun die Familie ins Weihnachtszimmer. Es wird ein weniggesungen oder musiziert, in manchen Häusern auch aus der christlichenWeihnachtsgeschichte vorgelesen. Danach gibt's Punsch und Plätzchen, undes werden die Geschenke ausgepackt.

Österreich ist das Heimatland des bekanntesten Weihnachtsliedes der Welt: „StilleNacht“. Am Weihnachtsabend des Jahres 1818, in einem der schrecklichen Hungerwinternach den napoleonischen Wirren, ist es zum ersten Mal erklungen. Die Orgelin der St. Nikolaikirche von Oberndorf (an der Salzach) war kaputt, und somußte es der Komponist Franz Xaver Gruber in dieser Nacht auf der Gitarrebegleiten. Geschrieben hat er es jedoch für zwei Soprane, Chor, Streicher,Horn und Orgel. Der nicht minder berühmte Text stammt von dem HilfspriesterJoseph Mohr, der seinerzeit an der gleichnamigen Kirche gepredigt hat.

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Auf dem Balkan hatte der Weihnachtsklotz „Badnjak“ jahrhundertelangdie gleiche Bedeutung wie weiter nördlich in Europa der Tannenbaum. Vielerortskonnte sich der Badnjak-Brauch bis in unsere Tage erhalten. Verbreitet istdie Sitte in Serbien, Kroatien, Slowenien, Bulgarien, Albanien und Griechenland.Es hat Zeiten gegeben, da war in Frankreich eine ähnliche Sitte lebendig(siehe dort).

Für den Brauch wird am 24. Dezember vor Sonnenaufgang ein junger Baumgefällt. Er muß mit drei Axthieben geschlagen werden und nach Ostenkippen. An der dalmatinischen Küste wird dafür oft ein Ölbaumausgewählt, andernorts eine Buche oder ein Maulbeerbaum. Sobald er sichneigt, wird er von Helfern aufgefangen, damit er nicht den Boden berührt,denn das würde Unglück bringen. Auf die Schnittstelle wird Wein gegossen,um die Seele des gefällten Wesens zu versöhnen. Am Weihnachtsabendwird die Schnittstelle des Stammes mit Honig bestrichen und dieser dann insoffene Feuer geschoben. Daran zeigt sich, daß es wohl im wesentlichenein ländlicher Brauch war zu Zeiten, als es noch Ofen- und Herdfeuer gegebenhat. In neuerer Zeit haben Zentralheizungen den Klotz verdrängt, und derWeihnachtsbaum hat sich mehr und mehr durchgesetzt.

Der Asche des Weihnachtsklotzes wird eine heilsame und Krankheiten abwehrendeWirkung nachgesagt. Sie wird für gesunde Ernten auf Felder und Gärtengestreut und zur Vertreibung des Hageldämons in die Luft geworfen.

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Im Iran wird das Norouz-Fest gefeiert,das zumindest für die Kinder eine ähnliche Bedeutung hat wie in anderenLändern Weihnachten. Es findet im beginnenden Frühling statt unddauert insgesamt 13 Tage. Seinen Höhepunkt erreicht es zu Frühlingsanfangam 20./21. März. Norouz symbolisiert den Triumph des Guten und den Sieg überdie dunklen dämonischen Kräfte, die man durch den vergangenen Winterverkörpert sieht. Damit erinnert Norouz an Bräuche, wie sie in germanischgeprägten Ländern zu Ostern begangen werden (Winteraustreibung, Osterfeuerusw.)

Norouz ist das iranische Neujahrsfest und bedeutet wörtlich aus Farsi(persisch) übersetzt „neuer Tag“. Es ist das größte nichtreligiöseiranische Fest. Seine Wurzeln hat es in der Zeit der indogermanischen Achaimenidenherrschaft(559-330 v.Chr.). Es wird als Frühlingsfest nicht nur im Iran, sondernauch in den umliegenden Staaten und den Zentralasiatischen Republiken begangen.Das Fest hat sich in der Erinnerung der dort lebenden Völker überJahrtausende erhalten.

Die indogermanischen Iraner kamen um 1 100 v. Chr. aus den TiefländernTurans, einer Ebene, die sich am unteren Lauf des Flusses Amudar‘ya ausbreitet,im heutigen Gebiet von Usbekistan/Turkmenistan. Von hier aus drangen sie imVerlauf der Geschichte bis nach Indien vor. Sie bezeichneten sich als Arier(arya = Edle). So wird erklärlich, daß ihre Bräuche denen ähneln,die auch in anderen indogermanischen Regionen üblich sind. (Siehe EM 07-03DIE PERSER).

In der Vorbereitungsphase des Norouz-Festes werden verstorbene Verwandte aufden Friedhöfen besucht. Man kleidet sich neu ein. Ein Tisch wird fürden Brauch „Haft Sin" geschmückt. Wörtlich übersetzt bedeutetHaft Sin die „sieben S“. Dabei werden sieben verschiedene Samen zum Keimengebracht, von denen jeder eine besondere Symbolkraft besitzt . Dem Fest gehtaußerdem ein gründlicher Hausputz voraus. Auf dem Höhepunktdes Norouz-Festes tauscht man Geschenke aus und gratuliert sich zum Neuen Jahr.In den Städten zieht eine vollständig in grün gekleidete Figurnamens Ammu Norouz („Onkel Norouz“) von Haus zu Haus und beschenkt die Kinder.Auf den Straßen werden kleine Feuer entzündet, über die Jungund Alt hinüberspringen. Dabei sprechen sie zum Feuer gewandt die Worte: „MeineBlässe“ – das heißt alles, was an mir negativ ist und schadet – „mögedir gehören, deine Röte“ – alles, was das Feuer und das Licht anGutem hervorbringt – „soll mir gehören“. Für die Iraner ist dieserTag wie Weihnachten und Silvester auf einmal. Er wird mit iranischen Spezialitätenauch kulinarisch ganz besonders gefeiert.

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In der Türkei findet statt Advent und Weihnachten derFastenmonat Ramadan statt - türkisch Ramazan gesprochen. Für Muslimestellt diese Zeit, in der von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang auf Essen undTrinken verzichtet wird, den Höhepunkt des islamischen Kalenderjahresdar. Seinen Abschluß findet der Fastenmonat mit dem Fastenbrechen (Idal-fitr). An „Id al-fitr“ beglückwünschen sich die Muslime gegenseitigund drücken ihren Wunsch aus, daß Gott Allah ihr Fasten und ihre übrigenGottesdienste annehmen möge.

An die Fastenzeit (Ramazan) schließt sich das drei Tage währendeZuckerfest an (Seker Bayrami). Zum Zuckerfest besuchen sich Verwandte und Bekannteund beschenken sich mit Süßigkeiten. Das Fest erinnert ein wenigan Weihnachten in anderen Regionen. Die Gläubigen gehen morgens in dieMoschee zum Ramadangebet und erhalten dort den Segen. Dann besuchen sie Familieund Freunde, überreichen Geschenke, vor allem an die Kinder, und verteilenGebäck.

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In Ungarn bringt nicht der Weihnachtsmann die Geschenke.Den Kindern wird erzählt, daß Weihnachtsengel herabschweben unddie Gaben unter den Tannenbaum legen. Ein landestypischer Brauch ist die Aufführungvon Krippenszenen. Junge Leute ziehen verkleidet als Hirten, Maria und Josefund die Könige aus dem Morgenland von Haus zu Haus. Zum Dank werden siemit Süßigkeiten belohnt.

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In der Tschechischen Republik wird erst gegessen, dann kommendie Geschenke an die Reihe. Das Weihnachtsessen ist hier traditionell der Karpfen.Dazu wird Kartoffelsalat gereicht.

Nach einem alten Brauch stellen die Kinder am Heiligen Abend eine Schüsselmit Wasser in die Stube und lassen darin Nußschalen schwimmen. In ihnenwerden winzige Kerzen entzündet. Durch behutsames Pusten versuchen nundie Kinder, ihre Schiffchen fortzubewegen. Wessen Nußschale am längstenmit brennender Flamme schwimmt, soll das höchste Alter erreichen.

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Das Weihnachtsfest beginnt in Polen nach altem Brauch mitFasten. Es gibt am Heiligen Abend erst etwas zu essen, wenn die Nacht hereinbricht.Erst dann wird die Festtagstafel eröffnet. Dazu sind Freunde und Verwandteeingeladen. Und es wird immer ein Gedeck mehr aufgelegt, als Gäste zuerwarten sind – denn es könnte ja überraschend noch ein weitererGast hinzukommen. Auf ihn will man vorbereitet sein, so daß er sich willkommenfühlen kann.

Das traditionelle Weihnachtsessen in Polen ist, wie in der Tschechei, derKarpfen. In neuerer Zeit werden aber auch andere Fischsorten aufgetischt. Nachdem Essen werden die Geschenke ausgepackt.

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Während der gesamten Adventszeit bekommen die Kinder in Estland kleineGeschenke. Überbringer sind Kobolde, die heimlich und überraschendSüßigkeiten vorbei bringen, sofern die Kleinen brav waren. Das Weihnachtsfestselbst feiert man in Estland ganz so wie bei den Nachbarn in Finnland.

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Heutzutage beginnt das Weihnachtsfest in Rußland amSilvesterabend und ist in Wirklichkeit ein Neujahrsfest. Daß es so gekommenist, hängt mit der kommunistischen Revolution zusammen. Eigentlich hatdie Verehrung für St. Nikolaus in Rußland und in der orthodoxenKirche Tradition seit dem 11. Jahrhundert. Viele Kirchen sind nach ihm benannt.Der Nikolaus war vor allem früher auch sehr beliebt für die Namensgebungder Söhne.

Nach der kommunistischen Revolution wurde alles, was mit Weihnachten zu tunhatte, entchristianisiert. Nikolaus wurde durch Väterchen Frost - DjedMoroz – ersetzt. Er bringt die Geschenke. Auf einen Eiszapfen gestütztsteigt er zum Jahreswechsel von seinem Pferdeschlitten und lädt die Gabenab. Er trägt meist einen weißen, manchmal auch einen roten Mantel.Begleitet wird er von einem Jungen, der auf den Namen Neujahr hört undvon einem Mädchen, die seine Helferin ist. Sie heißt Schneeflöckchen – Snegurotschka.

Immerhin 19 Prozent - vor allem Neureiche – begehen aber bereits das westlicheWeihnachten. Denn auch in Kirchenfragen orientieren sich die jungen Reichenan den USA. So heißt bei ihnen Djed Moros heute neurussisch Santa Klaus.

Da die russische orthodoxe Kirche den Julianischen Kalender verwendet, fälltdas eigentliche Weihnachtsfest nicht auf den 25. Dezember, sondern auf den7. Januar. Mit der kommunistischen Revolution wurde zwar der internationalgebräuchliche gregorianische Kalender eingeführt. Damals betrug dieDifferenz zwischen den beiden Kalendern 13 Tage. So kommt es, daß seitherder 7. Januar für das Weihnachtsfest der Kirche gilt – wohlgemerkt der7. Januar nach dem gregorianischen Kalender. An diesem Tag finden prachtvolleChristmetten statt. Aber das weltliche Rußland feiert am Neujahrstag,der unter Lenin und seinen Nachfolgern zum zentralen Feiertag avancierte.

Die Festtage enden in Rußland erst am 13. Januar. Dieser Tag ist nachdem alten julianischen Kalender Neujahr und wurde in Rußland traditionellschon immer groß gefeiert. Das ist auch heute wieder so. In Rußlandwird wegen der verschiedenen Zeitzonen elf Mal auf das Neue Jahr angestoßen.

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In Südeuropa wird Weihnachten meistens etwas anders begangen als in dennördlichen Regionen. Zum Beispiel ziehen in Griechenland amMorgen des 24. Dezembers Kinder mit Glöckchen, Triangeln und Trommelnvon Haus zu Haus und singen. Es handelt sich bei ihren Liedern um Lobgesänge,die dem Haus und den Bewohnern Glück und Segen bringen sollen. Man nenntdiese Gesänge „Kalanda“. Natürlich werden die Kinder auch reichlichbeschenkt mit Kuchen, Süßigkeiten und klingender Münze.

Zwölf Nächte zündet man dann Weihnachtsfeuer zum Schutz vorden „Kalikanzari“, den Kobolden, an. Am 1. Januar werden die Kinder reich beschenkt.Der heilige Vassilius legt in der Silvesternacht die Gaben vor ihr Bett. AlsBesonderheit gibt es an diesem Tag den Vasilius-Kuchen, in den eine Goldmünzeeingebacken wird. Sie gilt als Glückssymbol. Wer sie findet, wird dasganze Jahr über ein glücklicher Mensch sein, so glaubt man. Der eigentlicheHöhepunkt des Weihnachtsfestes ist Epiphania am 6. Januar. Das ist derTag im griechisch-orthodoxen Kirchenjahr, an dem Jesus von Nazareth durch Johannesden Täufer getauft worden sein soll. Nach dem Gottesdienst geht der Priesterdurch die Straßen, um Häuser und Wohnungen zu segnen und die Räumemit einem in Weihwasser getauchten Basilikumzweig zu besprengen.

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Weihnachten in Asien steckt voller Überraschungen.Zwar gibt es beispielsweise nur acht Prozent Christen auf der Insel SriLanka im Indischen Ozean, aber das Weihnachtsfest wird auch hier gefeiert.In den Kirchen steht meistens eine Zypresse als Weihnachtsbaum, die im Gebirgeder Insel gewachsen ist. Sie wird geschmückt wie anderswo die Tannenbäume.

Das Festessen findet im Freien statt. Die Tische sind mit Decken aus kunstvollgeflochtenen Palmblättern belegt. Auf ihnen wird das Mahl angerichtet:Tontöpfe, gefüllt mit Curryreis, Schüsseln mit verschiedenenGemüsen und große Pfannen, aus denen der Geruch nach gewürztemFleisch aufsteigt. Nach dem Essen wird gesungen und getanzt und anschließendentzündet man ein Freudenfeuer.

Am nächsten Morgen nach dem Erwachen laufen die Kinder nach draußen.In den Bambusbäumen hängen kleine Geschenke für sie. Das Festendet mit einem Feuerwerk der Gemeinde, zu dem alle Bewohner sich einfinden.

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Nach Singapur kam das Weihnachtsfest einst im Jahre 1819mit der britischen Kolonialmacht. Die viel ältere Tradition weist fürSingapur das chinesische Neujahrsfest auf, das immer noch das bedeutendstealler Jahresfeste ist.

Weihnachten wird vor allem vom Handel und dem Kommerz bestimmt. Es ist vollständigamerikanisiert und gleicht dem Christmas-Rummel in den Großstädtender Vereinigten Staaten. Riesige Tannenbäume aus Plastik stehen in Hotelsund Einkaufszentren. Der Santa Claus auf seinem Rentierschlitten ist allgegenwärtig,immer aus Pappmaché und umgeben von weißen Styroporlandschaften.Plastikengel schweben von den Decken herab und Transparente über den Eingängenentbieten den us-amerikanischen Weihnachtsgruß „Merry Christmas“. Unddas alles bei ganzjährigen Außentemperaturen von durchschnittlich27 Grad Celsius.

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Auch in China ist Weihnachten sehr beliebt. Jeder vierteChinese verbindet mit dem Fest laut Umfragen vor allem „Romantik“. Praktischjeder Befragte (99,9 Prozent) habe sofort gewußt, was Weihnachten ist.

In der Öffentlichkeit sieht man junge Pekinger, die sich übermütigmit Weihnachtsflitter aus der Spraydose besprühen. Auf den Schaufensternder Läden prangen weiße Aufschriften, die in falschem Englisch „HappeyChristmos“ wünschen. Kinder gehen mit Nikolausmützen zur Schule.Es weihnachtet kräftig im Reich der Mitte, auch wenn die Bürger nurwenig über die Hintergründe des Festes wissen.

Dieser Unkenntnis soll Chinas erstes Handbuch für Weihnachten abhelfen.Seit kurzem liegt es in hoher Auflage in den staatlichen Xinhua-Buchlädenaus und erklärt nicht nur die Christkindsymbolik oder die „schönstenWeihnachtsbräuche“ aus aller Welt. Es verrät auch, wie ein Baum zuschmücken ist, und enthält Backrezepte für Schokokringel, Geschenktipsoder Liedertexte. Weihnachten, das in Peking vor 1980 noch als ausländischesChristenfest verpönt war, ist innerhalb einer Generation salonfähiggeworden.

Vor Chinas christlichen Kirchen stellen sich lange Schlangen ein. Die Katholiken öffnenfür ihre Weihnachtsmessen Kathedralen und Kirchen in Peking, die Protestantenladen rund um die Uhr zu Liedergottesdiensten in ihre Gotteshäuser ein. Über300 Yuan (etwa 40 Euro) geben laut Umfragen Chinesen der städtischen Mittelschichtenfür Weihnachtsgeschenke aus.

In China gibt es jetzt sogar eine philatelistische Sensation: Zum ersten Malin ihrer 53-jährigen Geschichte hat die staatliche Postbehörde desLandes Festkarten mit eingedruckten Weihnachtsbriefmarken in den Verkauf gebracht.Sie zeigen Motive eines farbenprächtigen „chinesischen Weihnachtsmannes“ odereines „Christkindes“ in einer verschneiten Phantasielandschaft. Die Kartengrüßelauten „Shengdan kuaile“ – „ Frohes Fest der Heiligen Geburt“.

Weihnachten ist aber kein Feiertag in China. Dennoch haben Weihnachtsbräuchelängst die Städte erreicht und mit Nikoläusen, Weihnachtsbäumen,Geschenken und Musik den Siegeszug durch die Kinderzimmer der Familien angetreten.

Offiziell gilt Weihnachten der chinesischen Kommunistischen Partei weiterhinals „Kulturgut des Auslandes“ oder als religiöses Fest der christlichenKirchen. Funktionäre sollen weder an deren Feiern noch an öffentlichenVeranstaltungen teilnehmen, die unter dem Weihnachtsmotto stehen.

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Indien hat mit über 950 Millionen Menschen die zweitgrößteBevölkerungszahl der Erde. 80 Prozent sind Hindus, elf Prozent Muslime.Unter dem Rest gibt es neben anderen Glaubensgemeinschaften auch sieben ProzentChristen. Das sind aber immer noch mehr als beispielsweise in Deutschland (rund55 Millionen) leben.

Bei den indischen Christen ist Weihnachten ein Mix aus eigenen Traditionenund solchen aus anderen Ländern. So dient als Weihnachtsbaum meistensein Mangobaum oder eine Bananenstaude, die mit Weihnachtsschmuck aus Kaschmirgeschmückt werden. In Goa hängt man Lichterketten auf den Mangobaumund auch die Häuser bekommen eine Dekoration aus Mangoblättern undbunten Lichtern. Denn in Indien geht es an Weihnachten bunt, farbenfroh undlustig zu.

In manchen Teilen Indiens wird am Weihnachtsmorgen dem „Haushaltsoberhaupt“ eineZitrone als Symbol der „Verehrung“ mit Glücks- und Erfolgswünschen überreicht.
Nachts feiert man in der Kirche eine Art Mitternachtsmesse, die manchmal zweioder drei Stunden dauert.

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In Japan gehören weniger als zwei Prozent der Einwohnerdem christlichen Glauben an. Weihnachten ist auch kein nationaler Feiertag.Trotzdem steigt in Japan die Popularität des christlichen Weihnachtsfestesstetig an. Besonders unter den jungen Japanern ist es sehr beliebt. Die Idee,sich an Weihnachten zu beschenken, kommt der japanischen Lebensweise entgegen.In Japan legt man Wert auf höfliche Gesten, und das Beschenken wird deshalbgerne und häufig zelebriert.

Im Jahre 1549 hat mit dem Jesuitenpater Franziskus Xaverius der erste christlicheMissionar das Land betreten. Mit ihm kam auch das Weihnachtsfest auf das Inselreichder Japaner. Aus dem Jahr 1565 wird von einem aufwendig gefeierten Fest berichtet.Kirche, Straßen und Häuser hätte man mit den Zweigen von Nadelbäumengeschmückt. Eine Sitte, die sich in Japan durchgesetzt hat. Musik mitHarmonium und Violine habe das Fest umrahmt.

Nach dem zweiten Weltkrieg wurden japanische Weihnachtsbräuche zunehmendamerikanisiert. Für die Jugend spielt sich das Fest Kurisumasu, wie dasWeihnachtsfest auf Japanisch genannt wird, heute vor allem in Restaurants undDiskotheken ab.

Santa Claus bringt am Morgen des 25. Dezembers die Geschenke. Aber schon einigeWochen vor Weihnachten erklingen die Weihnachtslieder, vornehmlich „SilentNigth“, in allen Kaufhäusern und man sieht schon die ersten Dekorationen.Bis Weihnachten wird es immer lauter und schriller, und die Japaner verfallenimmer mehr dem weihnachtlichen Konsumrausch.

Viele Japaner treffen sich zu Christmas-Parties oder zum gemeinsamen Essenim Restaurant. Sie zünden Knallfrösche an, tragen Faschingshütchen,werfen Luftschlangen. Manche Japaner sind ganz verrückt nach weihnachtlicherIllumination. In der Adventszeit wird deshalb nicht selten das ganze Haus mitLichterketten geschmückt. Manche haben sogar ihre meterhohe TV-Antenneals leuchtenden Christbaum dekoriert. Es werden auch Weihnachtskuchen gebacken.Sie bestehen aus Biskuit-Teig und werden mit einer Glasur überzogen, dienach Buttercreme schmeckt. Darauf kommen Blumenverzierungen und ein Zuckerguß-Weihnachtsbaum.

Kurisumasu ist sehr stark amerikanisch geprägt. Der Weihnachtskuchenheißt Christmas-Cake. Überall wird mit Kunstschnee dekoriert, selbstim sonnigen Okinawa. Der Santa-Claus-Kult mit dem allgegenwärtigen „JingleBells“ ist absolut dominant.

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Die Bevölkerung auf den Philippinen bestehtzu 83 Prozent aus Katholiken. Hier wird vier Monate lang Weihnachten gefeiert.In den Geschäftenund im Radio wird bereits ab September Weihnachtsmusik gespielt. Das Fest heißtin der Landessprache „Pasko“. Wer auf den Philippinen nicht spätestensAnfang Dezember einen Weihnachtsbaum hat, wird von seinen Mitmenschen schiefangeschaut. Natürlich sind die Bäume aus Plastik. Nur in den großenEinkaufszentren und Hotels gibt es echte Tannen.

Die Familien feiern am 25. Dezember. Traditionell werden dabei die Kindervon ihren Großeltern beschenkt. Das traditionelle Festessen ist Schweinebratenoder auch ein Buffet mit Hühnersuppe, Reis, Frühlingsröllchen,gefülltem Fisch, Schinken, Nudelgerichten und Früchten. An Weihnachtenträgt man ausschließlich neu eingekaufte Kleidung.

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Literatur:

Hermann Schreiber, „Es ist ein Ros‘ entsprungen“, 1998 Paul Neff Verlag Wien,300 Seiten, Seiten, ISBN 3-701-40217-5.

Gudrun Bull, „Weihnachten rund um die Welt“, vierte Auflage 2003 DeutscherTaschenbuch Verlag, 254 Seiten, 8,50 Euro, ISBN 3-423-12701-5.

Elke Andersen, „Lichterglanz in aller Welt“, 2002 Herder Verlag, 13,90 Euro,ISBN 3-451-27921-5.

Rena Sack (Text), Christa Unzner (Bilder), „Weihnachten in aller Welt“, 2003 Kaufmann Verlag, 11,95 Euro,ISBN 3-780-60567-8.

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