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AFGHANISTAN
„Ich kann etwas bewegen“
Was eine deutschen Entwicklungshelferin nach Afghanistan zieht, wie sie sich mit den Gefahren arrangiert und wie die Afghanen sie aufnehmen.
Von Fabian Wahl
EM 04-08 · 30.04.2008

S ie hatte Angebote für Nicaragua und die Elfenbeinküste. Aber Daniela Link (29) zog es nach Afghanistan. „Das Land und die Kultur haben mich einfach mehr begeistert“, sagt die Bonnerin. Seit einem Jahr arbeitet sie als Entwicklungshelferin für den Deutschen Entwicklungsdienst (DED) in der Hauptstadt Kabul. Dort gestaltet sie Kampagnen und Seminare, um Menschenrechte zu stärken und Konflikten vorzubeugen.

„Klar habe ich auch Zweifel wegen der Sicherheitslage gehabt“, sagt Daniela. „Aber bisher habe ich mich nie persönlich angegriffen gefühlt.“ Eine Gewalttat hat sie selbst unmittelbar noch nicht erlebt.

Spätabends sind die Straßen Kabuls tabu

Statt spätabends auf die Straße zu gehen, trifft sich Daniela mit Kollegen und Freunden zuhause oder geht schon mittags aus. Nach 23.00 Uhr bleibt sie in ihrer Wohnung.  „Man gewöhnt sich daran, auf bestimmte Dinge zu achten.“ Um in dem islamisch geprägten Land weniger aufzufallen, trägt sie ein locker gebundenes Kopftuch. Ein Fahrer vom DED bringt sie zur Arbeit und erledigt mit ihr die Einkäufe.

„Ich wurde super aufgenommen. Die Afghanen legen sehr viel Wert darauf, dass es jemandem gefällt“, beschreibt die studierte Politologin aus Bonn die Gastfreundschaft. Bei Geburtstagsfeiern komme man sich näher. „Zu einem riesigen Büffet und einheimischer Musik werden oft Geschichten erzählt. Poesie hat einen großen Stellenwert in Afghanistan.“

 Neben den 80 Mitarbeitern des DED sind weitere staatliche Organisationen wie die Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) oder die KfW Entwicklungsbank in Afghanistan aktiv. Dazu kommen etwa 15 private Hilfsorganisationen wie die Deutsche Welthungerhilfe. Sie setzen Energie- und Wasserversorgung wieder in Stand, beraten Ausbildungszentren oder fördern die lokale Wirtschaft.


„Der zivile Aufbau wird letztlich entscheidend dafür sein, ob sich in Afghanistan eine stabile innenpolitische Situation entwickeln kann.“

Für DED-Geschäftsführer Jürgen Wilhelm ist der Einsatz von DED-Helfern in Afghanistan trotz der schwierigen Sicherheitslage nach wie vor vertretbar und sehr wichtig. Die Situation werde in Abstimmung mit Botschaft und Bundeswehr regelmäßig überprüft. «Der zivile Aufbau wird letztlich entscheidend dafür sein, ob sich in Afghanistan eine stabile innenpolitische Situation entwickeln kann», sagt Wilhelm.

Die Deutsch-Afghanin Alema koordiniert für den DED den Bereich „ziviler Friedensdienst“. Sie ist in Kabul geboren und promovierte in Leipzig über das deutsch-afghanische Verhältnis. „Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit wird von der Bevölkerung gut aufgenommen“, schildert Alema, die 2002 nach Kabul zurückkehrte. Zu einer ähnlichen Einschätzung kam eine Studie der Freien Universität Berlin. Unter den etwa 2 000 vor Ort befragten Afghanen gebe es „ein hohes Maß an Zufriedenheit mit der stattfindenden Projektarbeit“, hieß es darin.

Ein Radio geht auf Sendung: Stimme der afghanischen Frauen

In Deutschland konzentriere sich die Debatte leider oft auf den militärischen Aspekt, sagt Alema. Andere Wege müssten aufgezeigt und der Dialog gefördert werden. So besuchen Mädchen und Jungen mit Begeisterung angebotene Englisch- und Computerkurse. In einem anderen Projekt bekommen Kriegs- und Minenverletzte eine neue Chance als Fahrradkuriere. Unter dem Namen «Stimme der afghanischen Frau» geht ein Frauenradio auf Sendung.

Auch wenn Alema manchmal an ihre persönlichen Grenzen stößt, denkt sie nicht ans Aufgeben. «Für mich ist sicher, dass ich in Afghanistan bleibe. Hier kann ich etwas bewegen.» Daniela wartet derweil in Bonn gespannt auf die von ihr gewünschte Verlängerung des Einsatzes um weitere zwei Jahre: „Hoffentlich klappts.“ Sie möchte unbedingt zurück nach Afghanistan – zu Freunden und Kollegen.

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