Liebe Leserinnen und Leser,
ass unsere Welt anscheinend aus den Fugen gerät, merkt man auch an Vorgängen, die auf den ersten Blick gar nicht aussehen, als hätten sie etwas damit zu tun: „Roma in Tschechien wollen Kater Mikes an den Kragen.“ Der vom Schwejk-Zeichner Josef Lada erfundene sprechende Kater Mikes, der viele Abenteuer in der weiten Welt zu bestehen hat, gehört zu den Lieblingen nicht nur tschechischer Kinder. Doch ein tschechischer Roma-Aktivist möchte den Kater nun als Unterrichtsmittel aus den Schulen verbannen lassen. Begründung: Der Kater äußere sich abschätzig über Roma, nenne sie „Zigeuner“. Die Tschechen sind platt und protestieren bei Facebook gegen diesen Angriff auf ihre seit Jahrzehnten so geliebte Figur.
In Moskau teilten sich bekannte Kreml-Kritiker das Lotterbettchen mit einem Moskauer Gelegenheitsmodell. Es war immer die gleiche Wohnung und immer das gleiche junge Mädchen: Katja Gerasimowa. Und immer wurden die Oppositionellen mit versteckten Kameras beim Sex abgefilmt und im Internet vorgeführt. Dabei wäre an Damen wie der Gerasimowa – Spitzname „Mu-Mu“ - in Moskau doch garantiert kein Mangel. Mit einem gewissen Respekt kann man wohl sagen: „Mu-Mu leistete ganze Arbeit“.
Die Europäische Union entdeckt in ihrer größten Krise die Minderheitensprachen, die in Mitteleuropa noch gesprochen werden. Es gibt in der EU 60 solcher Sprachrelikte. 40 Millionen Menschen können sich damit verständigen. Jetzt hat die EU-Kommission ein Projekt zu den Minderheitensprachen gestartet. Und so werden wir wohl bald wissen, wie man „Finanzkrise“ und „Euroabsturz“ in den Sprachinseln benennt, auf „wepsisch, samisch und karelisch“.
Natürlich haben wir auch nicht vergessen, was in anderen großen Spielen für Ereigniskarten gezogen werden: „Kirgisien Epizentrum der Großmachtinteressen“, Russland/Polen - „Der Fluch und die Hoffnung von Katyn“ etc.
Außerdem berichten wir, was Millionen Menschen zum Monatswechsel auch noch bewegt hat: nämlich „Eurasische Spiritualität – Maibaumtanz und Walpurgisnacht“. Der Frühling hat etwas Magisches – Leben bricht aus allen Poren der Natur, die kurz zuvor noch völlig tot schien. Temperaturen steigen, Säfte quellen, die Stimmung hebt sich. Zu Zeiten, die noch am Rhythmus des Natürlichen hingen, entstanden daraus viele Bräuche. Einer davon ist die Walpurgisnacht. Ihren Namen hat sie ausgerechnet von der Heiligen Walburga oder Walpurgis. Sie war Äbtissin in einem Nonnenkloster, wurde heilig gesprochen und verleiht heute einer der wildesten Nächte in ganz Europa und darüber hinaus ihren Namen. Dass Papst Hadrian II. sie ausgerechnet am 1. Mai zur Heiligen erklärte, brachte sie in die Gesellschaft der Hexen und wilden Frühlingsgeister. Die fromme Frau sollte eigentlich als Beschützerin vor Zauberpraktiken fungieren, sollte Mensch und Vieh vor den Umtrieben der Hexen bewahren. Und dann dies. So kann es kommen. Eine Agentur meldete kürzlich: „Vor Jahrhunderten brannten überall in Europa die Scheiterhaufen. Heute steckt die Kirche als Verursacher dieser Verbrennungen selbst in ihrer tiefsten Krise.“ Hexen würden „ein Riesen-Comeback“ erleben. „In den letzten Jahren haben sich die Feuer zur Walpurgisnacht verdoppelt“.
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Die nächste Ausgabe erscheint Ende Juli/Anfang August.
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