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EU-MINDERHEITENSPRACHEN
Wepsisch, samisch und karelisch
In der Europäischen Union gibt es 60 Regional- und Minderheitensprachgemeinschaften, zu denen etwa 40 Millionen Menschen gehören. Artikel 22 der Europäischen Grundrechtecharta legt fest, dass „die Union kulturelle, religiöse und sprachliche Vielfalt respektiert.“ Genau das macht das Wesen der EU aus. Sie ist eben kein „Schmelztiegel“, in dem Unterschiede verwischen, sondern eine Gemeinschaft, in der Vielfalt Trumpf ist. Jetzt hat die EU-Kommission ein Projekt zu den Minderheitensprachen gestartet.
Von Janina Plato
EM 05-10 · 01.05.2010

I m Osten Finnlands und im Nordwesten Russlands begrüßen sich die Menschen vom Volk der Karelier mit einem gut gelaunten „Terveh“. Das ist Karelisch, eine Sprache, die nur noch von rund 85.000 Menschen gesprochen wird. Sie gehört zu den Minderheitensprachen, also zu „jenen Sprachen, die herkömmlicherweise von einem Teil der Bevölkerung in einem Staat gesprochen werden, die aber weder Dialekte der Amtssprache, Sprachen von Zuwanderern noch künstliche Sprachen sind“ (Definition der Charta für Grundrechte).

Solche Sprachen können aussterben, wenn sie nicht gepflegt und von Generation zu Generation weitergegeben werden. Das EU-Projekt ELDIA, das Anfang März dieses Jahres gestartet wurde, untersucht, welche Kräfte auf Regional- und Minderheitensprachen einwirken und analysiert die Chancen zu ihrer Erhaltung. Nach Angaben seiner Initiatoren ist es das weltweit größte Vorhaben zur Erforschung von Minderheitensprachen. Die Federführung hat die finnische Professorin Anneli Sarhimaa, Expertin für nordische und baltische Sprachen an der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz.

Vitalitätsbarometer für alle Minderheitensprachen

Gefördert wird ELDIA (European Language Diversity for All) mit 2,7 Millionen Euro. Experten untersuchen größere und kleinere Minderheitensprachen. Acht werden in Ländern der EU gesprochen, vier in Norwegen und Russland. An dem bis August 2013 laufenden Projekt beteiligen sich acht Universitäten in Deutschland, Schweden, Finnland, Österreich, Estland und Slowenien. Mehr als 30 Projektforscher der Fachbereiche Rechtswissenschaften, Soziologie, Sprachwissenschaft und Statistik sind mit von der Partie.

„Ziel ist es, ein Vitalitätsbarometer zu entwickeln, das auf alle Minderheitensprachen weltweit übertragbar ist“, erklärt Sarhimaa. Die Erkenntnisse dürften wertvolle Hinweise für die Sprachenpolitik in mehrsprachigen Regionen innerhalb und außerhalb Europas liefern. „Nationalsprachen wie Finnisch oder Russisch, die aufgrund der Verfassung Sprache des Landes sind, verdrängen die von weniger Menschen gesprochenen Sprachen“, sagt Sarhimaa. Nur wenn das Selbstbewusstsein der Sprecher groß sei und die Sprache auch vom Rest der Bevölkerung akzeptiert werde, sei eine Überlebenschance gegeben.

Das Projekt hat eine Laufzeit von 42 Monaten. In der Zeit wollen die Forscher unter anderem Sprecher von Seto (in Estland), Wepsisch (Nordwest-Russland) oder Nordsamisch (Norwegen) interviewen. Die Ergebnisse werden in wissenschaftlichen Foren sowie auf der noch entstehenden Webseite des Projekts für ein breiteres Publikum veröffentlicht. Den Initiatoren liegt besonders daran, NGOs, lokale Sprecher und andere Vertreter von Interessengruppen mit einzubeziehen.

EU-Nachrichten Nr. 14/2010
Weitere Informationen: www.eldia-project.org

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