Swetlogorsk: Wird das ehemals ostpreußische Seebad Rauschen zum Sotschi des Ostens 
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SWETLOGORSK
Wird das ehemals ostpreußische Seebad Rauschen zum Sotschi des Ostens umgebaut?
Drei Ex-Militärs sind die neuen Herren der Bernsteinkuste – der Moskauer Baukonzern Konti hat das Monopol fur gigantische Baumaßnahmen an den bislang verträumten Stränden des Samlandes – Präsident Putin betrachtet die Entwicklung mit Wohlgefallen
Von Olenin Terek
EM 08-03 · 26.08.2003

Von Olenin Terek

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Verträumtes Seebad Rauschen - Swetlogorsk an der samländischen Küste der Ostsee. 

EM – „Kühler als Sotschi, billiger als Rio und näher als Nizza“ - mit diesem Spruch wirbt die Tourismusbehörde des Osteebades Swetlogorsk im Kaliningrader (Königsberger) Gebiet. Und mit dem schmeichelhaften Zusatz: „Weniger Betrüger als in Odessa – das ist Swetlogorsk“.

Swetlogorsk ist das ehemalige ostpreußische Seebad Rauschen an der samländischen Bernsteinküste. Es liegt 55 Kilometer nordwestlich von Königsberg. Rauschen ist durchaus wörtlich zu nehmen. Das weiße Wellengekräusel brandet dort unaufhörlich auf den flachen Sandstrand und mit dem frischen Wind zusammen singt es die ewige Melodie der Ostsee.

Rauschen ist wahrscheinlich die einzige Stadt Ostpreußens, die den Krieg relativ unbeschädigt überstanden hat. Man sagt, sie habe Ähnlichkeit mit dem einst für seine idyllische Schönheit berühmten Königsberger Stadtteil Amalienau. Doch Rauschen/ Swetlogorsk beeindruckt vor allem durch das Meer, die baumbestandenen Alleen, die großen alten Villen im Jugendstil und den wunderschönen Wasserturm mit Sonnenuhr. Er gehört zum zentralen Kurhaus und ist wie vor dem Krieg das Wahrzeichen der Stadt.

Swetlogorsks hohe Klippen bieten wundervolle Ausblicke auf die weißen Ufer und die grün-blaue Ostsee. Ein gemütlicher Pfad windet sich zum Strand hinunter. Auf der Promenade begegnet man erneut einer Sonnenuhr, der angeblich größten Europas. Einige Picknickplätze sind ausgewiesen, viele Bernsteinsucher tummeln sich im Sand vor der Steilküste und suchen nach dem „Gold der Ostsee“. Das erstaunlich milde Klima und die angenehm frische Meeresluft, für die Ostpreußen schon immer so berühmt war wie für seinen weiten Himmel, ziehen Tausende von Touristen an. Noch heute leben hier im Samland Elche und Störche. Die Straßen sind oft, wie in Mecklenburg-Vorpommern oder im polnischen Teil Ostpreußens, holprige Pflasterpisten von Alleen gesäumt, deren Laubdächer sie in ein mildes Dämmerlicht tauchen.

Ein Admiral und zwei Obristen planen die modernste Strandlandschaft Rußlands

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 Der alte Wasserturm des Kurhauses mit Sonnenuhr ist Wahrzeichen des Ostseebades Rauschen-Swetlogorsk

Mit der beschaulichen Ruhe könnte es in Swetlogorsk indes bald vorbei sein. Wenn alle Pläne Wirklichkeit werden, die derzeit in den Büros des Gouverneurs von Kaliningrad ausgebrütet werden, wird Swetlogorsk in wenigen Jahren keinen Vergleich mehr mit Sotschi zu scheuen brauchen, dem bislang bekanntesten und größten Kurort Rußlands am Schwarzen Meer. Hier verbringen seit Jahrzehnten auch die Kremlgewaltigen ihre Ferien. Aber sie stöhnen nicht selten unter dem subtropischen Klima und sehnen sich, wie viele andere Gäste auch, nach einer gemäßigteren Alternative.

In Kaliningrad regiert der Admiral a.D. und frühere Oberkommandierende der Baltischen Flotte, Wladimir Jegorow als Gouverneur. In seinem Amtsgebäude haben seit dem vergangenen Frühjahr die Macher des Moskauer Baukonzerns Konti ihre Schreibtische aufgestellt. Sie planen an der gesamten samländischen Bernsteinküste eine moderne Strandlandschaft zu errichten, vergleichbar der von Nizza. Es sollen Nobelhotels, Wasserparks und Luxuswohnungen entstehen. Die noch unberührte weiße Dünenlandschaft am Haff bis hinauf zur Memel ist in die Pläne einbezogen.

Das Moskauer Unternehmen Konti besitzt inzwischen ein Monopol für die Bebauung der Ostseeküste im russischen Teil Ostpreußens. Denn Konti ist bei den Mächtigen des neuen Rußlands wohlgelitten. Derzeit baut der Konzern das Projekt „Neuer Moskauer Ring“ in der Hauptstadt und errichtet 60 neue Hochhäuser der Luxusklasse.

Konti wurde von Oberst a.D. Timur Timerbulatow, einem früheren Panzerkommandanten der Russischen Armee gegründet. Er avancierte im Jahre 1992 zum Unternehmer. Sein Beauftragter an der Bernsteinküste ist Genadij Subatow, ebenfalls Oberst a.D. und früher Chef eines Infanterie-Regiments im Kaliningrader Gebiet. Zusammen mit dem Kaliningrader Gouverneur Admiral a.D. Jegorow sind drei russische Exmilitärs zu den neuen Herren der Bernsteinküste aufgestiegen.

Alle drei sollen sie die Protektion des Präsidenten Wladimir Putin genießen. Und Ludmilla Putina, die Präsidentengattin, die aus dem Kaliningrader Gebiet stammt, soll ebenfalls eine starke Befürworterin eines Ausbaus von Swetlogorsk zum mondänen Badeort sein.

Im Mai 2002 wurde bereits ein Vertrag über „Planung und Entwicklung des Erholungsgebiets Küste“ zwischen der Firma Timerbulatows und dem Gouverneur des Kaliningrader Gebiets geschlossen. Seither planen die Konti-Ingenieure die Bebauung der Bernsteinküste.

Die Ostseebäder an der Bernsteinküste haben eine glanzvolle Vergangenheit

Die Badeorte des Samlandes tragen berühmte Namen aus der deutschen Kaiserzeit: Neben Rauschen heißen sie Cranz, Palmnicken und Pillau. Die russischen Namen für die vier Strandschönheiten lauten heute Swetlogorsk, Selenogradsk, Jantarny und Baltijsk.

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Holzvillen aus der Kaiserzeit im ehemals deutschen Seebad Rauschen 

Rauschen war 1844 zum Kurort und Seebad erklärt worden, nachdem der preußische König Wilhelm IV. sich bei einem Besuch in die Landschaft an der Küste vernarrt hatte. Ab 1901 verkehrte bereits regelmäßig die Samlandbahn zwischen Königsberg und Rauschen. Auch heute fährt der Badegast mit dieser Bahn gleich durch bis zum Endpunkt Rauschen-Düne. Lange Jahre war Rauschen (genau wie Cranz) für den Autoverkehr komplett gesperrt. Heute sind die Orte teilweise wieder für den Verkehr freigegeben.

Rauschen/Swetlogorsk liegt äußerst reizvoll zwischen dunklen, geheimnisvollen Wäldern an der traumhaften, von malerischen Schluchten durchzogenen Steilküste. Wie früher Rauschen ist auch das heutige Swetlogorsk „zweigeteilt“. Die eigentlichen Bewohner leben in Swetlogorsk I, dem alten Rauschen-Ort, und das Strandleben findet in Swetlogorsk II statt, in Swetlogorsk-Düne.

Seebad und Städtchen gelten als die schönsten Plätze im Kaliningrader Gebiet. Zentral im Ort liegt der alte Mühlenteich, der von einer sehr schön angelegten Promenade umgeben ist. Richtung Ostsee ziehen sich malerische Grundstücke hin, parkähnlich mit alten Baumbeständen, darin versteckt die Villen aus der Kaiserzeit. Daneben vom Wald umgebene Kurhäuser und Sanatorien, Cafés und Restaurants, alles auch heute noch in überraschend gutem Zustand.

Nach dem Zweiten Weltkrieg war der gesamte Königsberger Bezirk Sperrgebiet. Allerdings nicht für die Nomenklatura der Kommunistischen Partei, für sowjetische Militärs und Geheimdienstleute. Daher wurde der Ort gehegt und gepflegt. Altes wurde restauriert und erhalten, und die meisten sozialistischen Bausünden hat man in den reichlich vorhandenen Wäldern versteckt.

Bei den jetzigen Vorhaben ist das Bemühen zu spüren, trotz aller erstrebten Mondänität, einen folkloristischen Stil zu entwickeln. Allerdings in einer Art, wie es ihn hier nie gegeben hat. So sollen am idyllischen Mühlenteich geklinkerte Häuser entstehen, deren Modelle an Alt-Lübeck erinnern. Daneben sind Wehrtürme und verbindende Laubengänge geplant, als wäre Rauschen ein mittelalterlicher, befestigter Stützpunkt des Deutschen Ordens gewesen und nicht eine spätbürgerliche Villensiedlung des Kaiserreiches zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

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