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„Berlin – Sehenswürdigkeiten, Kultur, Szene, Ausflüge, Tipps“ von Susanne Kilimann, Rasso Knoller, Christian Nowak

Dieser Trescher Stadtführer ist der ideale Schlüssel, um sich die Hauptstadt zu erschließen: kompetent geschrieben, durchdacht angelegt und praktisch in der Handhabung. Außerdem reich bebildert, benutzerfreundlich gegliedert und mit sage und schreibe 80 Seiten Berlin-Informationen extra, von Anreise und Aktivitäten für Kinder, über Biergärten und Museen bis Stadtführungen, Übernachten und Veranstaltungen.

Von Hans Wagner
02.02.2012 Drucken Senden Kommentieren
Rezension zu: „Berlin – Sehenswürdigkeiten, Kultur, Szene, Ausflüge, Tipps“ von Susanne Kilimann, Rasso Knoller, Christian Nowak, Trescher Verlag Berlin, 471 Seiten, 16,95 Euro, ISBN-13: 978-3897942042.  
Rezension zu: „Berlin – Sehenswürdigkeiten, Kultur, Szene, Ausflüge, Tipps“ von Susanne Kilimann, Rasso Knoller, Christian Nowak, Trescher Verlag Berlin, 471 Seiten, 16,95 Euro, ISBN-13: 978-3897942042.  

W er kann am ehesten beurteilen, ob ein Reiseführer gelungen ist – jemand, der das Ziel noch nie gesehen hat, oder der Kenner, der häufige Besucher, der Einheimische? Was die Handhabung anlangt, werden „neue“ und „alte“ Reisende wahrscheinlich sehr ähnliche Ansprüche haben. Wenn es um Inhalte geht, dürften „alte Hasen“ an ehesten merken, was ein Reiseführer taugt.

Um es gleich vorab zu sagen: Die Kenner der Berliner Szene und die, die seit Jahrzehnten mit der Stadt vertraut sind, zeigen sich voll des Lobes über den Trescher Berlin-Führer. Das hat ein privater Test eindeutig ergeben. Ob es die Beschreibungen der Sehenswürdigkeiten sind, die „man“ gesehen haben muss, oder ob es sich um Tipps handelt, auf die man als Neutourist so schnell nicht kommen würde: es ist alles drin.

Dazu gute, authentische Fotos und Detailpläne für Erkundigungen, eine herausnehmbare  Faltkarte und ein erschöpfendes Register. Sehr „bedürfnisorientiert“, zielführend, kenntnisreich interpretiert: da wird man rasch vertraut und warm mit der Hauptstadt.

Es fängt schon gut an

Wer es eilig hat, und das soll in Berlin nicht selten vorkommen, wird gleich auf den ersten Seiten fündig. Da gibt es eine Übersicht mit den „wichtigsten Sehenswürdigkeiten“. Falls einmal nicht mehr Zeit drin ist, kann man wenigstens die nicht verfehlen. Und daneben sind gleich die beiden Buslinien genannt (100 und 200 – leicht zu merken), an deren Strecke viele dieser Sehenswürdigkeiten zwischen Bahnhof Zoo und Alexanderplatz liegen. Sie sind alle zum BVG-Tarif mit dem Bus auf einer Rundtour erreichbar. Aussteigen, gucken und mit einem der fahrplanmäßig nachfolgenden Busse die Reise fortsetzen. Einfach genial.

Vertiefen kommt später. Beim Essen oder im Hotel. Auch dafür bietet dieser Stadtführer so gut wie alles, was man braucht: Stadtgeschichte von der Eiszeit bis nach dem Kalten Krieg, oder vom Urstromtal bis nach dem Mauerfall.

Ich weiß nicht, wie lange man bräuchte, um all die Museen zu durchwandern, die Berlin beherbergt, vom Pergamonmuseum bis zum Charlottenburger Schloss und vom Deutschen Historischen Museum bis zu Erich Honeckers Pankower Bonzensiedlung, oder doch lieber zu Schloss und Park Sanssouci, draußen in Potsdam, wo der „Alte Fritz“ begraben liegt.

Wo der Bär tanzt

„Viel Kultur, ein buntes Nachtleben und der Charme des Unfertigen ziehen jedes Jahr Millionen Besucher nach Berlin“, heißt es in einem Verlagstext zum neuen Stadtführer Berlin.  „Die Autoren dieses Reiseführers stammen allesamt aus der Hauptstadt und stellen die Sehenswürdigkeiten detailliert und kenntnisreich vor. Sie begeben sich aber auch auf die Suche nach dem Lebensgefühl einer Metropole, die unter den Kreativen dieser Welt mittlerweile einen legendären Ruf hat und die Heimat oder Wahlheimat von Menschen unterschiedlichster Nationalität geworden ist.“ – Das ist keine Reklame, sondern das ist es, was das Buch authentisch macht.

Der Verlag hat noch ein Übriges getan, hat Redakteurinnen und Redakteure der taz, der immer noch als „alternativ“ charakterisierten „tageszeitung“ aus Berlin dafür gewonnen, zu besonderen Themen eigene Beiträge zu verfassen.  Sie, die eigentlich täglich über ihre Stadt berichten, lassen nun den Besucher an ihrem Spezialwissen teilhaben. Über ein Dutzend solche „taz-Themen“ sind abgedruckt, die - wie der Verlag selbst anmerkt – „mal kritische, mal erstaunte und mal verliebte Blicke auf ihre Stadt“ werfen.  

Die taz-Redakteurin Edith Kresta lässt zum Beispiel das „Conny-Froboess-Feeling“ lebendig werden. „Pack die Badehose ein“… und dann „nüscht wie raus zum Wannsee“ oder zum Tegeler See. Der Wirtschaftsredakteur der taz, Richard Rother, beschreibt empfehlenswerte Paddeltouren mit eigenen Tipps für Auswahl und Gebrauch der Wasserfahrzeuge. Thomas Mauch hat das Thema „Mit der Fähre F11 über die Spree“  geschrieben. Schön, dass man hier zur Einleitung etwas über ein ganz besonderes Berliner Lied erfährt: „ ‚Über sieben Brücken musst du gehn‘, lautet die Aufforderung des eigentlich einzigen Ostwest-Hits, den das mal zweigeteilte Deutschland hervorgebracht hat – allgemein popularisiert von Peter Maffay, aber eben aus dem Repertoire der Ostrocker Karat stammend. Womit das Brückenlied auch Berliner Provenienz ist“.

U-Bahn, S-Bahn, Fahrrad oder Schiff?

Berlin ist durch öffentliche Verkehrsmittel bestens erschlossen. „Ganz schön abgefahren – Orientierung in Berlin“ heißt das Kapitel, in dem erklärt wird, wie man damit am besten die Stadt erobert. Welches Verkehrsmittel ist das richtige – wo und wann kann man damit fahren? – das ist hier erklärt. Und außerdem im Kapitel „Unterwegs in Berlin“. Dort erfährt man etwas über die Fahrkarten, auch über Touren mit dem Taxi. Da werden Bus-Rundfahrten genannt und Tipps gegeben, wie man Berlin mit dem Rad erfahren kann. (Inkl. Fahrradverleih und den dafür zu entrichtenden Preisen). Dass man die Hauptstadt auch mit dem Ausflugsdampfer erkunden, kann verwundert vielleicht. Aber es geht - wunderbar und sogar sehr bequem. Wie, das steht auf Seite 391.

Berlin, die einstmals geteilte Stadt, die Stadt mit der gebrochenen „Biographie“, sie passt zu Deutschland. Dieses Gespür hat damals wohl den Ausschlag gegeben, als die Abgeordneten für den Umzug von der Bonner Rheinidylle an die Spree stimmten.

Wer noch etwas vom Schauder vergangener Grausamkeiten nachspüren möchte, begibt sich auf den „Mauerweg“ oder lässt sich vom Tunnel unter dem Reichstag erzählen (ein taz-Thema), besucht den Bendlerblock, den ehemaligen Checkpoint Charlie, den Reichstag und das Brandenburger Tor.

In zusätzlichen 17 Essays, die der Band auch enthält, ist von Berliner Friedhöfen die Rede, vom überragenden und prägenden Baumeister Karl Friedrich Schinkel, von den Pionieren der Luftfahrt bis zum Mythos AVUS. Hier, so erfährt man, wurde eine Verfolgungsszene im James-Bond-Film „Octopussy“  gedreht – an der Abfahrt Hüttenweg.

Es ist nicht übertrieben: Diese deutsche Hauptstadt ist eine der interessantesten Städte auf der Welt. Sie hat immer geöffnet. Es kommt nie Langeweile auf. Das beweist auch dieser Stadtführer zur Genüge.

471 Seiten, 610 Gramm – das sind die wichtigsten Zahlen über das Buch. Es passt mit seinem Taschenbuchformat (19 x 12 Zentimeter, bei zweieinhalb Zentimeter Dicke) in jede einigermaßen geräumige Jacken-Innentasche. Das Gewicht allerdings zieht ganz schön. Gut dass es für den Kurztripp auch die sehr informative, herausnehmbare Faltkarte gibt.

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Rezension zu: „Berlin – Sehenswürdigkeiten, Kultur, Szene, Ausflüge, Tipps“ von Susanne Kilimann, Rasso Knoller, Christian Nowak, Trescher Verlag Berlin, 471 Seiten, 16,95 Euro, ISBN-13: 978-3897942042.

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