„Das Gilgamesch-Epos“ von Nicole LeurpendeurGELESEN

„Das Gilgamesch-Epos“ von Nicole Leurpendeur

Gilgamesch ist König von Uruk. Gemeinsam mit seinem Freund Enkidu besteht er gefährliche Abenteuer. Nach Enkidus plötzlichem Tod zutiefst erschüttert, begibt er sich auf eine weite Reise. Doch während seiner Suche nach ewigem Leben erhält er immer wieder dieselbe Antwort: „Das Leben, das du suchst, wirst du nicht finden. Als die Götter den Menschen erschufen, bestimmten sie für ihn auch den Tod.“

Von Eberhart Wagenknecht

„Das Gilgamesch-Epos“ von Nicole Leurpendeur mit Zeichnungen nach antiken Motiven von Martin Scheidler  
„Das Gilgamesch-Epos“ von Nicole Leurpendeur mit Zeichnungen nach antiken Motiven von Martin Scheidler  

D ie Stadt Uruk im Zweistromland zwischen Euphrat und Tigris war die erste Großstadt der Menschheitsgeschichte. Bereits in babylonischen Zeiten fuhren die Uruker der Überlieferung zufolge auf einem dichten Netz schiffbarer Kanäle durch ihre Metropole. Sie wohnten in Villen, legten feudale Tempel an und schrieben in Keilschrift. Hier entstand und „spielt“ das Gilgamesch-Epos, das älteste bekannte Werk der Weltliteratur.

Gilgamesch, König von Uruk, ist der unumstrittene Herrscher seines Volkes und man verehrt ihn wie einen Gott. Doch verblendet von Ruhm und Erfolg wird aus dem einst gerechten und weisen Herrscher zusehends ein Tyrann. Im Streit wütet er wie ein Stier und besiegt im Ringkampf jeden, der es mit ihm aufnimmt. Die Götter beschließen, einen Helden zu schaffen, der stark und klug genug ist, um Gilgamesch ebenbürtig zu sein: den Wildmenschen Enkidu. Er kommt nach Uruk und nach einem Kampf mit Gilgamesch wird er der beste Freund und engste Vertraute des Königs.

Gemeinsam besiegen die Freunde Humbaba, den schreckenerregenden Gott des Zedernwaldes und schließlich auch den Himmelsstier. Doch dann wird Enkidu krank. Im Traum sieht er, wie die Götter seinen Tod beschließen, weil er, gemeinsam mit Gilgamesch zwei göttliche Wesen getötet hat. Nach einer zwölf Tage und Nächte andauernden Krankheit stirbt Enkidu und Gilgamesch verfällt in tiefe Trauer.

Gilgamesch ist tot – es lebe das Epos

Das ist der Grund, warum der König nun eine weite Reise auf sich nimmt, die im Gilgamesch-Epos so eindringlich beschrieben ist. Er tut es, um nach dem Sinn des Lebens und der Unsterblichkeit zu suchen. Er sucht den König Utnapischtin, der am Rand der Welt lebt und als einziger die große Sintflut überlebt hat. Auf dem Weg dorthin begegnet er vielen Gestalten, die es mal gut, mal schlecht mit ihm meinen. Und alle sagten ihm: „Das Leben, das du suchst, wirst du nicht finden.“

Obwohl er am Ende natürlich tatsächlich kein ewiges Leben findet, ist seine Reise nicht vergeblich. Erst durch seine lange Wanderung bis ans Ende der Welt und noch darüber hinaus, findet er zu seiner wahren Bestimmung als König seines Volkes.

Gilgameschs Mutter erklärt ihrem Sohn nach seiner Heimkehr, dass nicht der Mensch unsterblich sein kann, sondern nur seine Geschichte - alles, was er Zeit seines Lebens vollbracht hat. Nur diese Geschichte kann Unsterblichkeit erlangen. Oder wie es in der nordischen Edda heißt: „Ewig ist der Toten Tatenruhm.“

Das Gilgamesch- Epos, wie wir es heute kennen, wurde im 2. Jahrtausend vor Christus auf elf Tontafeln eingeritzt und immer wieder abgeschrieben. Daran ist zu erkennen, wie beliebt die Geschichte von Gilgamesch schon immer war. Und die Themen, die dieses Epos berührt, sind auch in heutigen Geschichten immer wieder ein wichtiger Bestandteil: Freundschaft und Liebe, Tod und Jenseits, Sehnsucht nach Unsterblichkeit und der Sinn des Lebens. Diese Themen und die Fragen dahinter, haben seit Gilgamesch nichts an Bedeutung verloren.

Nicole Leurpendeur erzählt in dieser Fassung aus dem AJA-Verlag das Gilgamesch-Epos in einer Form, die für Kinder, Jugendliche und Erwachsene gleichermaßen spannend und verständlich ist. Die Autorin dieser Nacherzählung studierte Klassische und Vorderasiatische Archäologie in München. Ihre Schwerpunkte liegen in der griechischen Kultur und im Alten Orient. Nicole Leurpendeur wurde 1970 geboren, sie lebt in Ingolstadt und arbeitet als freie Autorin.

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Rezension zu: „Das Gilgamesch-Epos“ von Nicole Leurpendeur mit Zeichnungen nach antiken Motiven von Martin Scheidler, AJA Verlag Ingolstadt 2006, 96 Seiten, 9,80 Euro, ISBN: 13978-3-938621-02-8.

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