Das Logistik-Drehkreuz von ParchimEURASISCHER LUFTVERKEHR

Das Logistik-Drehkreuz von Parchim

Das Logistik-Drehkreuz von Parchim

Eine Luftbrücke verbindet seit wenigen Tagen Parchim in Mecklenburg-Vorpommern mit Zhengzhou in Zentralchina und Urumuchi an der Nordwestgrenze des Riesenreiches. Eurasien hat damit eine erste direkte Fluglinie. Sie soll in Kürze wie eine Nabelschnur zwei Industrie-Zentren verbinden, die rund um die beiden Endflughäfen in Deutschland und China entstehen sollen. Möglich machte dies der chinesische Investor Jonathan Pang Yuliang, der den Parchimer Flugplatz mit seiner wechselvollen Geschichte kürzlich gekauft hat.

Von Hans Wagner

D er Münchner Flughafen trägt den Namen Franz Josef Strauß, und eigentlich wäre es nicht völlig falsch, auch den von Parchim mit seinem Namen zu belegen. Denn der Ausbau dieses Airports zu seiner heutigen Größe soll mit Geld erfolgt sein, das Franz Josef Strauß für die damalige DDR locker gemacht hatte. Es war ein spektakulär eingefädelter Milliardenkredit Anfang der 80er Jahre. Mit ihm wurden nicht nur Hamburg und Berlin über DDR-Gebiet mit einer Autobahn verbunden, sondern wohl auch die Start- und Landebahn des damals noch „Baltic Airport“ genannten und von der Sowjetarmee genutzten Flugplatzes auf die heutige Größe erweitert. Seinerzeit war dort ein sowjetisches Jagdbomberregiment stationiert. An die eiskalte Abzweigung eines Teiles der Westgelder für die Besatzungsarmee erinnert sich noch heute mancher in Parchim.

Inzwischen ist Parchim Airport, der seine Karriere im Dritten Reich als Fliegerhorst für Görings Luftwaffe begonnen hatte, ein Chinese. Der Millionär Jonathan Pang Yuliang hatte den Parchimer Flughafen im Juli vom Landkreis als bisherigem Eigentümer übernommen und angekündigt, ihn zu einem internationalen Frachtdrehkreuz auszubauen. Pang ist Chef des chinesischen Logistikunternehmens LinkGlobal Logistics, das den Flughafen betreibt. Es ist das erste chinesische Unternehmen, das die Betriebserlaubnis für einen europäischen Flughafen erworben hat.

Fotos: Landkreis-Pressestelle Parchim

Parchim Airport – Startplatz der Luftbrücke zwischen Deutschland und China

Parchim Airport ist Ausgangspunkt einer eurasischen Luftbrücke zwischen dem mecklenburgischen Parchim und China. Künftig sollen zunächst bis zu dreimal in der Woche Chartermaschinen mit Frachtgut zwischen Parchim und den chinesischen Städten Zhengzhou (Zentralchina) und Urumuchi (Nordwestchina) verkehren. Am Montag, dem 24. September 2007 wurde die Frachtflugverbindung feierlich eröffnet. Hochrangige chinesische Gäste waren eingeflogen worden, so u. a. der Vizegouverneur der zentralchinesischen Provinz Henan (100 Millionen Einwohner). Aus beiden Ländern nahmen eine Reihe von Wirtschaftsvertretern und Politikern an der Zeremonie teil.

Die von dem chinesischen Unternehmer Pang erkannten Vorzüge des Parchimer Flughafens sind seine 3000 Meter lange Start- und Landebahn für Großmaschinen. Sogar der Airbus A 380 hat bereits die Genehmigung hier aufzusetzen. Der Flughafen besitzt außerdem eine 24-Stunden-Betriebserlaubnis. Die gibt es nur noch an vier anderen Flughäfen in Deutschland. Und auch im übrigen Europa ist das eine Seltenheit. Ein weiterer Vorteil sind die guten Anbindungen von Parchim Airport an Eisenbahn, Autobahn und Seehäfen.

Über dem Flughafen, der bereits mit Hakenkreuz, Sowjetstern, dem Mecklenburger Stierkopf und dem Pommerschen Greif beflaggt war, weht nun die rote Fahne der kommunistischen Volksrepublik China. Der chinesische Investor Pang hat den Flughafen und weitere 800 Hektar Umland für 30 Millionen Euro vom Landkreis gekauft und sich zu Investitionen von rund 70 Millionen Euro verpflichtet. Im Landratsamt von Parchim hat Jonathan Pang derzeit noch sein Hauptquartier. Hinter der Tür mit der Nummer 213 ist das Chefbüro für ihn eingerichtet. Die Abstimmung des Großprojekts Parchim Airport mit den zuständigen Landkreisbehörden kann so auf kurzen Wegen erfolgen.

Jonathan Pang hat einen deutschen Berater: Prof. Klaus Grützmacher, der auch die Bezirksregierung von Henan berät und schon mehrfach Auszeichnungen der Chinesen für seine gute Arbeit eingeheimst hat. Ihm zufolge soll der Flugverkehr in Parchim zunächst maßgeblich auf dem Frachtgeschäft beruhen. Allerdings denkt Grützmacher auch bereits  über Passagierflüge nach. Im Visier hat Pangs Berater Starts und Landungen von dreißig Maschinen pro Tag. In der Endausbaustufe lassen das Parchimer Flugfeld, die Infrastruktur und der aktuelle Stand der Genehmigungen sogar bis zu 120.000 Flugbewegungen im Jahr zu.

Chinesische Waren aus Parchim künftig mit dem Gütesiegel „Made in Germany“

Langfristig soll auch keineswegs nur Fracht von China nach Parchim geflogen werden und umgekehrt. Es wurde bereits ein viel weiter reichendes Konzept entwickelt. Die Bezirksregierung in Henan am anderen Ende der Luftbrücke möchte auch deutsche Investoren ins Land der Mitte locken und sie bei ihrer Ansiedlung dort fördern. Im Gegenzug stellten der chinesische Botschaftsrat Hongliang Qin von der Berliner Botschaft und der Vizegouverneur der Henan-Region, Yunwei Xue, auch chinesische Investitionen für Parchim in Aussicht.

„Die chinesische Wirtschaft wird immer sensibler in Sachen Qualitätssicherung“, sagt Grützmacher und erinnert an die kürzlichen Rückrufaktionen chinesischer Waren. Er plant deshalb, rund um den Airport Firmen anzusiedeln. Diese sollen die Qualitätssicherung und die Endfertigung von chinesischen Vorprodukten übernehmen und so den chinesischen Waren zum Gütesiegel „Made in Germany“ verhelfen. „In den nächsten Jahren können hier mehrere Tausend neuer Arbeitsplätze entstehen“, meint der Berater. Geplant sei, auch anderen Frachtfliegern Landerechte in Parchim einzuräumen – oder solchen Passagiermaschinen, deren Fluggesellschaften keine ständige Vertretung in Deutschland haben. (Siehe auch das EM-Interview mit Prof. Grützmacher).

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