Das Zeitungszimmer – Wörter machen WändeLENIN WAR NUR DER ANFANG

Das Zeitungszimmer – Wörter machen Wände

Das Zeitungszimmer – Wörter machen Wände

Nicht das Bernsteinzimmer, aber dennoch eine deutsch-russische Geschichte und mit fast genauso viel Mühe zusammengestückelt: das Zeitungszimmer. Noch ganz versteckt im thüringischen Schlöben bei Jena.

Von Tobias Mindner

Die Künstlerin und der Kopf des Revolutionärs: Zugekleistert von den Denkerfalten bis zum Spitzbärtchen.  
Die Künstlerin und der Kopf des Revolutionärs: Zugekleistert von den Denkerfalten bis zum Spitzbärtchen.  

Zuerst wollte Kerstin Perschke nur einen Leninkopf verkleistern, sozusagen mit Wörterpropaganda. Dann brachte der Kopf des Uljanov (wiedermal) die spinnerte Augenblicksidee, ein ganzes Zimmer mit Zeitungsfragmenten auszuschnipseln. Einen harten und ausgefüllten Fünf-Jahres-Plan später ist es fertig und wird soeben der Öffentlichkeit vorgestellt.

Decke, Boden, Schrank, Lampe und Telefon, Skulptur und Buch: ringsum und mittendrin alles mit sorgfältig ausgewählten Zeitungsausschnitten beklebt - kein Schnipsel größer als eine Streichholzschachtel! Keine Überschrift, kein Fettgedrucktes, keinerlei Hervorhebung; ja nicht einmal ein zusammenhängendes Fetzchen Text - alles mitten aus den Einzelspalten aller Sparten gerissen: „Ich wollte mir von keinem Redakteur vorschreiben lassen, was wichtig zu sein hat und was nicht“, sagt die Künstlerin, die im Hauptberuf Lehrerin für Kunsterziehung ist.

Tägliches Meinungsgift

  Im Zeitungszimmer endet auch der Griff zum Hörer im Buchstabenverhau.
  Im Zeitungszimmer endet auch der Griff zum Hörer im Buchstabenverhau.

„Nach und nach habe ich sowieso rausgefunden, daß unheimlich viel in der täglichen Zeitung nichts als Dummbatz ist, Geschwätz, negativer Müll. Als ich von meiner abonnierten Regionalzeitung umgestiegen bin auf die ‚Welt’ und die ‚FAZ’, wurde es etwas besser.“ Trotzdem, mittlerweile sei die Zeitung für sie nichts mehr als „tägliches Meinungsgift“; und jegliches Abo ist abgemeldet. Bürgerlicher Schund zur Massenverdummung eben, hätte der Revolutionsmeister gewiß gerichtet.

Jedermann ist übrigens herzlich eingeladen, ein paar Stunden oder Tage bei der Künstlerin im schönen Thüringer Land zu verbringen und zu sinnieren - kostenlos und mit Verpflegung! Einzige Verpflichtung: Anschließend ein paar Empfindungen und Gedanken aus dem Zeitungszimmer zu Papier zu bringen. Interessenten können sich an die Redaktion wenden.

Deutschland Kultur

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