Das chinesische Herbstfest

Das chinesische Herbstfest

Eine Nacht fur die ganze Familie

Von Marlon Krüger

EM – Eines der schönsten Familienfeste in China ist das sogenannte Herbstfest (Mid Autumn Festival). Es wird jedes Jahr am 15. August des Mondkalenders gefeiert, von Kindern und gerne auch von Erwachsenenen. Die Tradition des Festes hat zwei ganz unterschiedliche Ausgangspunkte: Eine Sage über einen selbstverliebten König und eine Studentenrevolte.

Vor langer, langer Zeit regierte China ein sehr egoistischer König. Wichtig war ihm ausschließlich sein eigenes Wohlbefinden, vor allem seine Wunschträumereien. Sein Volk vergaß er darüber fast. Tag und Nacht forschte er nach einer Möglichkeit, das ewige Leben zu erreichen. Seiner Gemahlin gefiehl das Tun ihres Gatten ganz und gar nicht. Viel lieber wäre es ihr gewesen, hätte sich der König für sein Volk eingesetzt. Eines Tages verkündete der Monarch, er habe jetzt eine Tablette entwickelt, die ihm ewiges Leben schenken würde. Die Königin wurde deshalb sehr traurig und klaute ihrem Gemahl sein langersehntes Wundermittel. Da sie sich nicht anders zu helfen wußte, nahm sie die Pille selbst ein. Und alles kam so, wie sich der König sein eigenes Schicksal immer erträumte: Die Königin stieg hinauf zum Mond und bezog dort ein prächtiges Schloß aus Schnee und Eis. Man sagt, sie herrsche dort gemeinsam mit ihrem weißen Hasen bis zum heutigen Tage.

Viele Jahre später, während der Herrschaftszeit der Ming Dynasthie, kam es zu einer Revolte chinesischer Studenten. Die Aufständischen wollten nicht weniger als mit der Monarchie in China Schluß zu machen. Für die Planung war natürlich ein erhebliches Maß an Geheimarbeit erforderlich. Jeder Schritt mußte verdeckt vorbereitet werden. Und so erfand man eine ganz neue Methode konspirativer Kommunikation: Um sich unbemerkt verständigen zu können, schrieben die Studenten ihre Botschaften auf winzige Zettelchen und backten diese in kleine Kuchen ein. In ihrer köstlichen Ummantelung konnten sie dann ihren Empfaengern unauffällig überbracht werden.

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 Chinesische Mondkuchen

In Anlehnung an die Sage von der Königin auf dem Mond, wird das Gebäck heute Mondkuchen genannt. Man backt es ausschließlich zur Zeit des Herbstfestes. Ein Küchlein wird traditionell nicht von einer Person alleine gegessen, sondern in viele kleine Häppchen geschnitten und mit Freunden geteilt.

Das Herbstfest wird bis tief in die Nacht hinein gefeiert. Die Kinder laufen ähnlich wie bei christlichen St. Martins-Umzügen mit Laternen durch die Nacht. Das Licht der Wachskerzen flackert dabei durch die kunstvoll verzierten Laternenwände. Meist werden die weiße Schneekönigin oder der weiße Hase als Motiv benutzt. Aber auch japanische Zeichentrickfiguren wie „Doreamon“ oder „Hello Kitty“ sind sehr beliebt. Zusätzliche Kerzen stellt man auf den Boden und erfeut sich am Lichterspiel ihrer Flammen. Anders als es in Deutschland wahrscheinlich denkbar wäre, feiern die Kinder mit ihren Eltern tatsächlich bis tief in die Nacht.

Die Erwachsenen verbringen den Abend mit Grillen, Singen, Musik und natürlich einer gehörigen Portion Alkohol. Es trifft sich die ganze Großfamilie mit Freunden, deren Kindern und hin und wieder kommen auch Gäste von Nachbarfesten vorbei. Gefeiert wird im Freien, auf der Straße oder am Meer.

Übrigens fällt der 15. August des Mondkalenders nicht automatisch mit dem 15. August des in Europa verwendeten Gregorianischen Kalenders zusammen. Er fällt in jedem Jahr auf einen anderen Tag. Fest steht nur, daß es ein Tag vor einer Vollmondnacht sein muß. Nach europäischer Zeitrechnung wird das chinesische Herbstfest dieses Jahr am 11. September gefeiert.

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