Das große Spiel mit den WechselkursenWÄHRUNGSPOLITIK

Das große Spiel mit den Wechselkursen

China gilt in den USA als Hauptschuldiger an den amerikanischen Wirtschafts- und Finanzproblemen – Pekings Währung steht unter massivem Aufwertungsdruck – die USA leben uber ihre Verhältnisse und verstricken sich in eine unproduktive Militärpolitik – von Experten wird bereits ein Dollar-Absturz prophezeit.

Von Johann von Arnsberg

EM – Um ihre Rolle als „einzige Weltmacht“ zu behaupten, kämpfen die USA an allen Fronten. Eine ganz entscheidende ist dabei die der Wirtschaft und der Finanzen. Und hier geraten sie nach Ansicht vieler internationaler Finanzexperten weltweit zunehmend ins Hintertreffen.

Es ist auch bereits ein Hauptschuldiger ausgemacht. Er heißt China. Der Vorwurf lautet, die Volksrepublik sichere sich mit der festen Anbindung der seit der Machtübernahme der Kommunisten 1949 als Renmimbi (Volksgeld) bezeichneten Landeswährung an den Dollar unfaire Wettbewerbsvorteile. Seine Exporte in die Vereinigten Staaten seien viel zu billig und verdrängten US-Waren aus dem Markt. Fast ein Viertel des US-Außenhandelsdefizits entstehe aus diesem Grunde gegenüber China.

Allein in den vergangenen zwei Jahren hätten dadurch drei Millionen US-Amerikaner ihren Job verloren – sie waren fast alle im verarbeitenden Gewerbe tätig. Jede vierte Waschmaschine in den USA kommt aus chinesischen Fabriken, dazu drei Viertel aller Uhren, die Hälfte aller Kameras. Was Japan in den 80er Jahren für die USA war, ist nun China geworden: die ökonomische Bedrohung Nummer eins. Derzeit liegt die US-Arbeitslosenquote bei 6,4 Prozent, das ist der höchste Stand seit acht Jahren. US-Verbände und Gewerkschaften fordern nun bereits Handelszölle von bis zu 80 Prozent auf Waren aus China, um die heimische Wirtschaft und die Arbeitsplätze zu schützen.

Tatsächlich hat Peking seit 1994 den gleichen Wechselkurs gegenüber dem US-Dollar. Er beträgt knapp 8,3 Yuan (Einheit der China-Währung) und damit ist er ganz sicher unterbewertet. Denn in den zurückliegenden Jahren hat Chinas Wirtschaft einen beispiellosen Aufschwung erlebt. Seine Kaufkraft ist inzwischen wesentlich höher als die 8,3 Yuan pro Dollar. Amerikanische Finanzexperten gehen davon aus, daß die chinesische Währung um rund 40 Prozent zu niedrig bewertet ist.

Die Wirtschaftskraft der Volksrepublik China lehrt die USA das Fürchten

Keine der großen Volkswirtschaften wächst zur Zeit schneller als die Chinas – im ersten Halbjahr 2003 legte die Industrieproduktion erneut um über 16 Prozent zu – trotz der Einbrüche durch das Schwere Atemwegssyndrom SARS. Kein anderes Land zieht derzeit soviel ausländisches Kapital an, nirgends läßt es sich so billig produzieren.

Die Chinesen werden nun immer heftiger von westlichen Währungspolitikern – vor allem aus den USA - gedrängt, ihre Währung aufzuwerten und damit ihre Exporte zu verteuern. Auch auf den jüngsten Währungskonferenzen der sieben führenden Industrienationen, der sogenannten G7-Staaten, und des Internationalen Währungsfonds (IWF) war dies eines der Hauptthemen.

Es lastet ein großer Aufwertungsdruck auf dem Yuan – das zeigt auch die enorme Summe von rund 600 Millionen US-Dollar, die von der chinesischen Zentralbank jeden Tag aufgekauft wird, um die Währung stabil zu halten. Die chinesischen Devisenreserven sind laut IWF allein von Dezember 2002 bis Mai 2003 von 290 Milliarden Dollar auf 345 Milliarden Dollar gestiegen, die Devisenreserven der USA im gleichen Zeitraum von 68 auf 71 Milliarden.

China spielt bei den Wechselkursen auf Zeit. Chinesische Politiker taten gegenüber US-Finanzminister John Snow bei dessen kürzlichem Besuch in Peking wortreich kund, die Volksrepublik werde sich langfristig für flexiblere Wechselkurse entscheiden – aber in naher Zukunft, das machten sie deutlich, werde es nicht zu Änderungen der starren Dollarbindung kommen.

Ein Leitartikel in der staatlichen Zeitung „China Daily“ zeigt die Haltung der Chinesischen Führung in dieser Frage. Die Forderung der Amerikaner nach Wechselkursänderungen seien reine Wahlkampfmanöver. US-Hersteller würden von einer Renmibi-Aufwertung keinesfalls profitieren. Chinas entscheidender Wettbewerbsvorteil liege nämlich in seinen niedrigen Lohnkosten, und die würden davon nicht betroffen.

Forderung nach Wechselkursänderung - Waffe im wirtschaftlichen Konkurrenzkampf

Der Chef des IWF, Horst Köhler, erklärte in verschiedenen Interviews anläßlich der Tagung von IWF und Weltbank im September in Dubai am persischen Golf, der Yuan sei tatsächlich unterbewertet. Aber er stellte gleichzeitig fest: „Ich bin beeindruckt, mit welcher Sorgfalt die chinesische Führung die Risiken einer weiteren Öffnung des Landes abwägt. Ich halte deshalb nichts davon, China öffentlich unter Druck zu setzen.“

Es wäre fatal, führte Köhler aus, wenn China seine Politik „über Nacht“ plötzlich ändern würde. „Die Chinesen sollen das gar nicht, sie dürfen es gar nicht und sie können es auch gar nicht“, sagte der internationale Finanzfachmann geradezu beschwörend. Köhler: „Vor einem Hauruckverfahren zur Lösung dieses Problems über drastische Wechselkursveränderungen rate ich ab. Das könnte die ganzen internationalen Wirtschaftsbeziehungen ins Chaos stürzen. Ich kann nur dringend davon abraten, dieses Thema zum Anlaß für Kraftmeierei zu nehmen.“

In Dubai und bei den Diskussionen um Wechselkurse und um die internationale Wirtschaftsentwicklung kam indes ein ganz anderes Thema zur Sprache. Es hat nichts mit dem gewesenen World-Trade-Center zu tun, wenn dabei vom „Zwillingsdefizit der USA“ die Rede ist. Gemeint ist das gleichermaßen hohe Haushalts- und das Leistungsbilanzdefizit der Vereinigten Staaten.

IWF-Chef Köhler sagte unmißverständlich: „Dieses Zwillingsdefizit der USA ist eines der Hauptrisiken für dauerhaftes gesundes Wachstum der Weltwirtschaft.“ Die USA müßten „einen Plan haben, wie sie ihre hohen Haushaltsdefizite wieder abtragen.“

Der Euro leidet unter der Stärke Chinas und der Schwäche Amerikas

Auch Wim Duisenberg, Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), erläuterte kürzlich, unter welchen Problemen der Euro und die wirtschaftliche Entwicklung in Europa derzeit besonders zu leiden hätten: unter dem großen Spiel um Wechselkurse zwischen den USA und Asien – aber auch den riesigen US-Defiziten im Haushalt und der Leistungsbilanz. Der Devisenhandel sei zur Zeit quasi bipolarer Natur. Auf der einen Seite stehe der Dollar, in dessen Schlepptau sich die manipulierten Währungen Asiens befänden, vom chinesischen Yuan über den japanischen Yen bis hin zum koreanischen Won. Die andere Seite dieser bipolaren Welt verkörpere der Euro, dessen Wechselkurs weitgehend dem Spiel der Marktkräfte überlassen werde. Hier spielten sich dann die Wertberichtigungen ab, die eigentlich zwischen den USA und Asien stattfinden müßten. Der vom Dollar ausgehende Abwertungsdruck, der aus dessen Schwäche aufgrund des „Zwillingsdefizits“ herrühre, entlade sich vor allem auf die europäische Gemeinschaftswährung. Der Dollar-Wechselkurs sei seit Anfang 2002 gegenüber den Währungen seiner weltweiten Handelspartner im Schnitt um sieben Prozent gefallen. In der gleichen Zeit jedoch gegenüber dem Euro um satte 27 Prozent. Um etwa diesen Betrag sei die Währung Europas aufgewertet und somit teurer geworden. Das bedeute natürlich Exporteinbußen. Der Euro habe den Löwenanteil der Dollarabwertung auffangen müssen.

Der von den USA so heftig kritisierte Wechselkurs der chinesischen Währung ist nach Ansicht von international angesehenen Fachleuten keineswegs das Hauptproblem der US-Wirtschaft. Stephen Roach, Chefvolkswirt des globalen Finanzdienstleisters Morgan Stanley hält dagegen: Der Renmimbi sei gar nicht unterbewertet. Stattdessen hätten sich amerikanische Firmen die Vorteile der günstigen und gut ausgebildeten chinesischen Arbeiter zu eigen gemacht und Teile ihrer Produktion nach China verlagert. Die Produktion in Asien sei zu einem wichtigen Teil der amerikanischen Zuliefererkette geworden. Deshalb sei es unsinng, nun eine Währungsaufwertung von den Chinesen zu verlangen. (Das ist in etwa auch die Meinung der bereits zitierten Daily China).

Roach warf der US-Regierung vor, selbst für das wachsende Außenhandelsdefizit verantwortlich zu sein. „Indem der US-Kongreß auf China zeigt, lenkt er von seiner eigenen Verantwortung ab,“ so der Ökonom.

Ursache des US-Außenhandelsdefizits sei weniger Chinas Wettbewerbsdruck als vielmehr der Mangel an inländischen Ersparnissen in den USA. Das ausufernde US-Staatsdefizit trage immens dazu bei, die geringen Ersparnisse in den USA immer noch weiter zu verringern. Kurzum: Die USA lebten einfach über ihre Verhältnisse.

Chinesische Fachkräfte – Dienstleister für Westfirmen

Viele Tätigkeiten westlicher Firmen werden tatsächlich bereits in chinesische Metropolen ausgelagert, nach Shanghai, nach Peking usw. Bisher waren es vor allem einfache Büroarbeiten. Aber schon in den nächsten Jahren wird sich auch der Umsatz mit anspruchsvollen Computer-Dienstleistungen verdoppeln. Schon 2007 soll China damit knapp 30 Milliarden Dollar verdienen, das doppelte von dem, was derzeit Indien mit seinen Software-Spezialisten verdient.

Das bevölkerungsreichste Land der Erde ist einer der wichtigsten Absatzmärkte für Waren aus dem Westen geworden. Die Exportquote nach China steigt noch schneller als die Menge der Güter, die das Land verlassen. – Schon im nächsten Jahr könnte die Volksrepublik mehr ein- als ausführen.

An den chinesischen Ausfuhren sind westliche Multis in hohem Maße beteiligt. Zwei Drittel der chinesischen Exporte kommen aus Fabriken, die eng mit westlichen Konzernen zusammenarbeiten. Auch US- Firmen wie General Electric, Du Pont oder General Motors. Eine Verteuerung chinesischer Waren würde also nicht nur US-Konsumenten teuer zu stehen kommen. Auch die Konzerne bekämen Probleme.

Der niedrige Wechselkurs, den China fährt, hat außerdem auch eine bedeutende asiatische Komponente: Die Länder der Asien-Region profitieren indirekt vom Kurs des Renminbi, da sie Rohstoffe und Vorprodukte nach China liefern. Während China im letzten Jahr einen Handelsüberschuß von 103 Milliarden Dollar gegenüber den USA hatte, lag es gegenüber seinen asiatischen Handelspartnern mit 68 Milliarden im Defizit. Bei einem Rückgang der chinesischen Exporte hätten sie einen entsprechenden Rückgang der Nachfrage Chinas nach ihren eigenen Produkten zu befürchten.

Erinnerungen an Vietnam

Jenseits aller Wechselkursproblematik und ihres Doppeldefizits kranken die USA auch an der „Militarisierung der US-Gesellschaft“, wie Werner Biermann und Arno Klönne schreiben („The Big Stick. Imperiale Strategie und globaler Militarismus – die USA als Megamacht“?, (PapyRossa Verlag, Köln 2003). Die Rüstungsbetriebe stellten demnach im amerikanischen Wirtschaftsleben einen enormen Faktor dar. Ohne ihn würden in den Südstaaten ganze Regionen und Wirtschaftszweige nicht überleben können. Und die Folgen? Dieser überbetonte Rüstungskomplex sei, ähnlich wie seinerzeit in der Sowjetunion, als vergeudete „Wirtschaft in der Wirtschaft“ zu kritisieren. Die Vereinigten Staaten hätten den gleichen Weg eingeschlagen, wie ihr einstiger Kontrahent. Dies werde den ökonomischen Niedergang beschleunigen.

Ganz aktuell schreibt dazu Deanne Julius, Vorsitzende des britischen Royal Institute of International Affairs in der „Financial Times Deutschland“ unter dem Titel „Erinnerungen an Vietnam“. Sie meint, die Außenpolitik von US-Präsident Bush sei ökonomisch nicht durchzuhalten. Er brauche Verbündete – oder er werde seine Strategie irgendwann aufgeben müssen. In dem Beitrag heißt es: „Präsident George W. Bushs jüngste Rede an die Nation war das erste Zeichen dafür, daß sich im Krieg gegen den Terrorismus auch eine wirtschaftliche Front aufbaut. Diese wird in den USA sein, nicht im Irak. Der Ausgang dieser Schlacht wird nicht nur für die Amerikaner, sondern für uns alle von Bedeutung sein.“

Bush selbst habe die Verbindung zur US-Wirtschaft hergestellt, indem er sagte: „Wir werden so viel Geld ausgeben wie notwendig, um diesen wichtigen Sieg im Kampf gegen den Terrorismus zu erringen, um die Freiheit zu fördern und unser eigenes Land noch sicherer zu machen.“ – Er habe weitere 87 Milliarden Dollar von den US-Steuerzahlern gefordert, wovon 75 Milliarden für die Besatzungsmacht im Irak ausgegeben werden sollen.

„Die erste Forderung von einmalig 75 Milliarden Dollar für den Irak im April“, schreibt Deanne Julius, „ ist jetzt durch Bushs neue Forderung verdoppelt worden. Wie viel Vertrauen kann man in diese Rechnung setzen?“

Die Vorsitzende des Royal Institute rechnet vor: „Bei den neuen Etatzahlen werden nun dieselben Fehler begangen, denn die Kosten beziehen sich nur auf die Zeit bis Oktober 2004. Offensichtlich erwartet man, daß die meisten Kosten danach durch Ölexporte oder Verbündete getragen werden. Zusatzkosten, die durch die Nahost-Krise entstehen könnten, werden ignoriert. Schon jetzt ist Israel mit drei Milliarden Dollar jährlich größter Empfänger von US-Hilfen. Im Gegenzug für eine neue Vereinbarung wird das Land vermutlich noch mehr Geld fordern.“

Dazu kämen innerhalb von Bushs neuer Weltordnung möglicherweise bald weitere Kosten hinzu: für einen Palästinenserstaat, für Verwicklungen, die mit dem Iran und mit Nordkorea entstehen könnten. „Die gegenwärtig nicht abzusehenden Elemente der US-Außenpolitik könnten sich schnell auf 100 bis 200 Milliarden US-Dollar pro Jahr belaufen.“

Wer wird als erstes die Reißleine ziehen?

Wie auf anderen Gebieten auch sind die USA in punkto Wirtschafts- und Währungsentwicklung keiner Kritik zugänglich. Bush sagt, das Leistungsbilanzdefizit zeige doch nur, wie attraktiv die USA für ausländisches Kapital seien. Das ist blanker Zynismus. Zwar haben die Notenbanken von Japan, China, Südkorea und Taiwan über ihre Käufe amerikanischer Staatsanleihen allein in diesem Jahr rechnerisch rund 60 Prozent des amerikanischen Leistungsbilanzdefizits finanziert. Doch mit Sicherheit nicht wegen der Attraktivität der USA.

Über die Entwicklung der US-Wirtschaft gibt es im eigenen Land inzwischen immer mehr besorgte Stimmen. Der demokratische US-Senator Robert Byrd sagte: „Die Bush-Regierung hat uns an den Rand einer Krise gigantischen Ausmaßes gebracht.“

„Ab Mitte nächsten Jahres wird die Haushaltspolitik der US-Regierung restriktiv auf die Konjunktur wirken“, prophezeite Bill Dudley von der international tätigen amerikanischen Investmentbank Goldmann Sachs. Dann würden die derzeit einsetzenden Positiveffekte der Steuersenkungen auslaufen, während Bundesstaaten und die Zentralregierung in Washington wegen der hohen Defizite im Haushalt die Ausgaben stark kürzen und die Abgaben erhöhen müßten.

Ähnlich sehen es auch Experten im Euro-Raum. So David Milleker von der Dresdner Bank, der damit rechnet, daß das derzeitige US-Wachstum nach kurzer Beschleunigung - rechtzeitig zum Wahlkampf des Präsidenten – ab Mitte 2004 wieder deutlich abstürzt. „Der Aufschwung ist ein politikindiziertes Strohfeuer“ sagt Milleker.

Das US-Haushaltsbüro sagt allein der Zentralregierung für 2004 das höchste Defizit in der Geschichte der USA voraus: knappe 500 Milliarden Dollar. Zusammen mit den Fehlbeträgen der Bundesstaaten wird es sich auf über 600 Milliarden Dollar belaufen.

Ökonomen halten aber inzwischen für keineswegs mehr ausgeschlossen, daß die Anleger weltweit plötzlich nicht mehr gewillt sein könnten, die Massen von US-Anleihen zu kaufen, die zur Finanzierung des US-Außenhandelsdefizits nötig sind. – Immer öfter tauchen die Schlagworte vom „unkontrollierten Dollar-Absturz“ und vom „Dollar-Chrash“ in den Finanzspalten der Medien auf. Auf der Seite „Finanzen“ der Tageszeitung DIE WELT hieß es kürzlich beispielsweise: „Angst vor Dollar-Kollaps wächst“.

David Rosenbaum von der US-Investment-Bank Merrill Lynch stellt fest: „Es gibt keinen Zweifel, die Tage des starken Dollars sind vorbei.“ Heute müssen die USA pro Minute insgesamt 2,3 Millionen Dollar an ausländischem Kapital ins Land locken, um ihre Schuldenexistenz aufrechtzuerhalten.

J. Bradford DeLong, Professor für Wirtschaftswissenschaften an der Universität von Kalifornien in Berkeley und ehemaliger stellvertretender Staatssekretär im US-Finanzministerium wird mit einem Beitrag von „Project Syndicate“ in der Ausgabe der Tageszeitung die Welt vom 23. September wie folgt zitiert:.

„Klar ist, daß Amerikas Leistungsbilanzdefizit auf Dauer nicht finanzierbar ist.“ Eine Möglichkeit, dem Leistungsbilanzdefizit beizukommen, sei das Aufholen der Volkswirtschaften im Rest der Welt und damit verbunden ein rasches Ansteigen der Nachfrage nach US-Exporten.

„Die andere Möglichkeit, dem Leistungsbilanzdefizit ein Ende zu bereiten, wäre, die Kapitalzuflüsse nach Amerika zu stoppen. Dadurch würde der Dollar zwischen 25 und 50 Prozent an Wert einbüßen.“

Die amerikanischen Auslandsschulden seien größtenteils Schulden in Dollar. Deshalb verringere ein Wertverlust des Dollars den realen Wert der Bruttoauslandsschulden Amerikas. DeLong: „Ein Kurssturz des Dollars würde so zwar den Lebensstandard der Amerikaner vermindern, aber keine Liquiditäts- oder Solvenzkrise auslösen.“

Der US-Experte weist stattdessen auf Probleme hin, die durch einen Dollarabsturz in Bereichen entstehen würden, an die man nicht sofort denkt: „Durch eine rapide Entwertung des Dollars würden Arbeitnehmer verarmen, deren Produkte nach Amerika exportiert werden, und Investoren, die zusehen müßten, wie der Wert ihrer Dollar-Portefeuilles dahinschmilzt.“

Sein Resumé: „Die Investoren sitzen in einer Falle. Sie erkennen das Ausmaß des Handelsbilanzdefizits, berechnen den wahrscheinlichen Kursverlust des Dollars, der nötig ist, um das Defizit zu eliminieren, und kommen darauf, daß der Zinssatz und die Unterschiede in der Eigenkapitalrendite ihrer Investitionen in den USA nicht ausreichen, um das Risiko verminderter Kapitalzuflüsse abzudecken. Das ist der Grund, warum der Kapitalzufluß nach Amerika nun schon viel länger andauert, als dies prinzipienorientierte Ökonomen für möglich gehalten hätten. Sicherlich, irgendwann werden die Investoren die Reißleine ziehen. Aber kein Ökonom ist in der Lage zu sagen, wann das sein wird.“

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