Der Wirbel um das Airbus-TriebwerkEUROPÄISCHE RUSTUNGSPOLITIK

Der Wirbel um das Airbus-Triebwerk

Nachdem europäische Hersteller den Zuschlag zum Bau des Triebwerks fur den Militär-Airbus A400M erhielten, hagelt es Proteste im US-Kongreß – die Europäer kontern: bei Ausschreibungen des Pentagons wurden sie erst gar nicht zugelassen

Von Johann von Arnsberg

EM - Im amerikanischen Kongreß gehen die Wogen hoch. US-Abgeordnete und Senatoren laufen Sturm gegen eine Entscheidung des europäischen Luftfahrtkonzerns European Aeronautic Defence and Space Company, EADS. Der Widerstand formiert sich gegen die Entscheidung von EADS, den Milliardenauftrag für die Triebwerke des neuen Militär-Airbus A400M an das europäische Konsortium EPI und nicht an den amerikanisch-kanadischen Wettbewerber Pratt & Whitney zu vergeben. Die Entscheidung sei aus politischen und nicht aus ökonomischen Erwägungen getroffen worden, sagte der Abgeordnete John Larson. Das Angebot von Pratt & Whitney sei rund 20 Prozent günstiger gewesen als das von EPI.

In der EPI arbeiten die französische Snecma, die deutsche MTU, die britische Firma Rolls-Royce und die spanische ITP zusammen. Der amerikanische Senator John Lieberman kritisierte, dieser offenkundige Protektionismus bedrohe das Vertrauen, das für die Entwicklung des Freihandels notwendig sei. Larson und Lieberman forderten die amerikanische Regierung auf, die Auftragsvergabe zu prüfen und gegebenenfalls Klage bei der Welthandelsorganisation (WTO) einzureichen. Ein Sprecher der EADS beharrte hingegen darauf, daß das europäische Angebot „in bezug auf Preis, Konditionen und Kundenanforderungen besser“ gewesen sei. Seinen Angaben zufolge hatte die EPI zuletzt „substantielle Preisreduzierungen“ vorgenommen.

Wenige Tage vor der Vergabeentscheidung sagte Noel Forgeard, Chef der EADS-Tochtergesellschaft Airbus, Pratt & Whitney sei um 20 Prozent billiger. Zuletzt hatte der Abstand nach Angaben von Branchenkennern noch 10 Prozent betragen. Zum Ausgleich hätten die Europäer aber weitere Leistungen zugesagt, heißt es. Zudem wurde das EPI-Triebwerk speziell für den A 400M konzipiert, während Pratt & Whitney eine Ableitung eines schon vorhandenen zivilen Triebwerks anbot.

Neue Arbeitsplätze für Spitzentechnologie-Unternehmen in Europa

Der umkämpfte Triebwerksauftrag für den Militärtransporter bleibt auf dem Kontinent. Der Airbus A400M bekommt einen europäischen Antrieb. Mit einem Wert von 3,5 Milliarden Euro für 900 Triebwerke gilt der Auftrag als einer der bislang größten in der Branche. Er ist außerdem die größte Einzelbestellung in der Firmengeschichte von EADS. Das Unternehmen ist nach dem US-Konzern Boeing weltweit der zweitgrößte Luft-, Raumfahrt- und Rüstungskonzern. Er ist vor fast drei Jahren aus der Fusion der deutschen Daimler-Chrysler Aerospace AG, der französischen Aerospatiale Matra und der spanischen CASA entstanden.

EADS plant die Lieferung von 180 Airbus-Maschinen an sieben europäische Staaten. Der größte Auftrag kommt mit 60 Flugzeugen aus Deutschland. Der neue Militärtransporter soll voraussichtlich von 2010 an die bisher verwendeten Transall-Maschinen und die Herkules-Transporter ersetzen.

Die Europäer warfen Kanada vor, daß es Pratt & Whitney staatlich subventioniere, damit das Unternehmen billiger anbieten könne als die Konkurrenz von EPI. Auf der Hauptversammlung von EADS hieß es zudem, daß politischer Druck vor allem aus Frankreich und Deutschland gekommen sei, der schließlich den Ausschlag gegeben hätte. Die europäischen Partnerländer des A400M-Gemeinschaftsprojekts wollten den Auftrag in Europa behalten, weil dadurch Arbeitsplätze in der heimischen Spitzentechnologie erhalten und ausgebaut werden könnten.

Bei Ausschreibungen des Pentagon wurden die Europäer gar nicht zugelassen

EADS wird es infolge des Ärgers in Washington künftig wohl noch schwerer haben, auf dem amerikanischen Rüstungsmarkt Fuß zu fassen. Ein EADS-Sprecher stellte dazu fest, daß es im Falle des A400M-Triebwerks immerhin einen transatlantischen Wettbewerb gegeben habe. Bei der Ausschreibung des Pentagon für einen Großauftrag von Tankflugzeugen vor einem Jahr wäre die Bewerbung von EADS gar nicht erst zugelassen worden.

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