Der größte Staudamm der Welt zähmt Eurasiens längsten FlußCHINA

Der größte Staudamm der Welt zähmt Eurasiens längsten Fluß

Nach acht Jahren Bauzeit konnte jetzt die Staumauer überall geschlossen werden – ein 700 Kilometer langer See entsteht – 2003 sollen die ersten Generatoren Strom liefern

Von Johann von Arnsberg

EM – Seit Anfang November rauscht der Yangtze (Länge: 5 500 km) durch riesige Fluttore in den größten Staudamm der Welt. Dieser Damm soll künftig vor den gefürchteten Überflutungen im Südwesten Chinas schützen und das Land mit Energie versorgen. 135 der auf 185 Meter Höhe angelegten Staumauer sind fertig.

Chinas Bauern fürchten die am Unterlauf des Yangtzes alljährlich auftretenden verheerenden Überschwemmungskatastrophen schon seit Jahrhunderten und können nun auf Besserung hoffen. Der viertlängste Fluß der Erde nach Nil, Amazonas und Mississippi wird durch ein 22 Milliarden teures Korsett aus Stahl und Beton gezähmt. Auf dem entstehenden See von knapp 700 Kilometern Länge werden bis zu 10 000 BRT große Frachtschiffe die Industriemetropole Chongqing am gegenüberliegenden Ufer erreichen können. Das wird die Attraktivität des gesamten Industriestandorts erheblich verbessern.

Am Ende des Stausees liegt die größte Stadt der Welt auf einer Fläche wie Hessen

Chongqing ist mit 30 Millionen Einwohnern die größte Stadt der Welt. Sie ist 1997 durch die Zusammenlegung der eigentlichen Stadt Chongqing mit 43 stromabwärts in der Region des künftigen Stausees gelegenen ländlichen Distrikten und Kleinstädten entstanden. Diese hatten
- wie Chongqing - bis dahin zur südwestchinesischen Provinz Sichuan gehört. 83 000 Quadratkilometer mißt das ganze Stadtgebilde jetzt und hat damit die Größe Österreichs erreicht. Die dreizehn Millionen Einwohner umfassende Kernstadt bedeckt etwa die Fläche Hessens. Nach der Verschmelzung zur „Stadtgemeinde Chongqing“ wurde die Metropole aus der Provinz Sichuan ausgegliedert und direkt der Pekinger Regierung unterstellt. Das ist ein Privileg, welches bis dahin nur die Hauptstadt Peking sowie Schanghai und Tianjin genossen hatten. Der Grund dafür, daß nun auch Chongqing unter die Fittiche der Regierung genommen wurde, ist der 1994 begonnene Bau des gigantischen Staudammes in den drei Schluchten des Yangtzes. Dank der direkten Anbindung an die Zentrale soll die Region besser mit den schwer zu lösenden Problemen fertig werden, die der Bau des Staudammes verursacht.

Unter dem Namen „Dreischluchtenstaudamm“ ist das gigantische Projekt weltberühmt geworden. Millionen Touristen aus aller Welt kannten es früher als Urlaubsparadies. Sie waren an den Yangtze gekommen, um von Chonqing aus durch die Schluchten flußabwärts in Richtung Wuhan zu fahren. Ein einmaliges Erlebnis. Damit ist es nun vorbei. Der aufgestaute Fluß überflutet Schluchten, Städte und Dörfer.

Überall waren die Abrißbirnen im Einsatz, bevor die Wassermassen in das riesige Staubecken gelenkt werden konnten. Wohnhäuser und Fabriken, Hospitäler und Bauerngehöfte wurden dem Erdboden gleichgemacht. Damit die gigantischen Schuttberge den künftigen Stausee nicht in eine einzige Kloake verwandeln, mußten Müll und Überreste der menschlichen Ansiedlungen auf gewaltigen Deponien außerhalb des Seegebietes entsorgt werden. Allein zehn Tonnen Giftmüll wurden nach Informationen des Pekinger Umweltministeriums bisher beseitigt. Bis zur endgültigen Fertigstellung des Projektes im Jahre 2009 will China rund fünf Milliarden Euro in die Wasserreinhaltung oberhalb des Dammes stecken.

Die hinter ihm gestaute Flut wird eine Reihe von Kraftwerken speisen. 2003 sollen die ersten vier Generatoren anlaufen und Strom erzeugen. 2009 werden dann insgesamt 26 Turbinen in Betrieb sein und der energiehungrigen Wirtschaft des erwachenden Riesen China 85 Milliarden Kilowattstunden Strom im Jahr liefern.

China

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