Deutsch-französische Hochschulallianz will neue Maßstäbe in der Managementausbildung setzenEUROPÄISCHE ZUSAMMENARBEIT

Deutsch-französische Hochschulallianz will neue Maßstäbe in der Managementausbildung setzen

Die Universität Mannheim und ihre französische Partnerhochschule ESSEC wollen in Lehre und Forschung noch enger kooperieren - Airbus-Projekt als Vorbild

Von Barbara Gutmann

EM - In ihren Ländern gehören sie in der Managementausbildung schon lange zu den ersten Adressen. Auch die engen Beziehungen zwischen beiden Institutionen haben bereits Tradition. Künftig wollen nun die Universität Mannheim und die in Cergy Pontoise, nahe Paris, ansässige Ecole Supérieure des Sciences Economiques et Commerciales (ESSEC) noch intensiver zusammenarbeiten. Am 10. Oktober unterschrieben Hans-Wolfgang Arndt, Rektor der Mannheimer Hochschule und sein französischer Amtskollege Pierre Tapie eine Kooperationsvereinbarung. Sie sieht die Zusammenarbeit auf allen Gebieten der Lehre und Forschung vor. Die Marschroute dieser deutsch-französischen Hochschulallianz ist klar: Gemeinsam wollen sich beide Institutionen auf dem weltweiten Markt der akademischen wirtschaftswissenschaftlichen Bildungseinrichtungen in der absoluten Spitzengruppe etablieren.

Ausbildung von Top-Managern als lukrativer Wachstumsmarkt

„Die Weiterbildung von Top-Managern ist ein hoch lukrativer Wachstumsmarkt“, erklärte Professor Dr. Hans-Wolfgang Arndt bei der Unterzeichnung des Abkommens. „Bislang überlassen wir Europäer diesen Markt fast ausschließlich amerikanischen Anbietern. Die Universität Mannheim konnte sich in den vergangenen Jahren als führende deutsche Management-Schmiede etablieren.“ Gemeinsam mit der ESSEC soll nun auch der internationale Markt erschlossen werden. „Schließlich brauchen wir uns vor der US-Konkurrenz nicht zu verstecken. Während die amerikanischen Business Schools doch oft auf den kurzfristigen Lernerfolg durch Fallstudien setzen, vermitteln wir eine Ausbildung, die sowohl praxisbezogen als auch theoretisch fundiert ist“, so Arndt.

Baden-Württembergs Wissenschaftsminister Peter Frankenberg bezeichnet die Kooperation als „wichtige Bereicherung der intensiven deutsch-französischen Partnerschaft im Hochschulbereich“. Zu begrüßen sei insbesondere auch, daß die gemeinsame Managementausbildung Aspekte der wirtschaftswissenschaftlichen Forschung und Theoriebildung mit aufnehmen wird.

Daß ausgerechnet die Universität Mannheim und die ESSEC eine solche Kooperation schließen, ist keine Überraschung. Beide Hochschulen zählten zu den ersten vier europäischen Ausbildungsstätten, die von „AACSB International“, der weltweit führenden Vereinigung akademischer wirtschaftswissenschaftlicher Bildungseinrichtungen, akkreditiert wurden. Schon lange pflegen sie überdies enge Beziehungen, die weit über die üblichen Grenzen hinaus gehen. So bietet die Fakultät für Betriebswirtschaftslehre der Universität Mannheim seit 1992 ihren Studentinnen und Studenten im Rahmen des Diplom-Studiengangs die Möglichkeit an, nach einem einjährigen Aufenthalt an der ESSEC den Titel „Diplôme ESSEC MBA“ zu erwerben. Gefördert wird dieses Projekt von der Deutsch-Französischen Hochschule (DFH) in Saarbrücken. Darüber hinaus riefen beide Hochschulen gemeinsam mit der britischen Warwick Business School im September 2002 den Aufbaustudiengang „The European MBA“ ins Leben. Den Erfolg dieses Programms, dessen erste Studenten vor wenigen Tagen ihr Studium abschlossen, dokumentieren die Bewerberzahlen: An der Universität Mannheim gingen rund 320 Bewerbungen für 17 Plätze ein - eine Quote, die normalerweise nicht einmal die renommiertesten Wirtschaftshochschulen in den USA erreichen.

Schulterschluß auf breiter Basis

Nun soll mit der neuen Allianz eine langfristige Etablierung in der internationalen „Beletage“ der Anbieter von Management-Studiengängen folgen. „Unser Vorbild ist das Airbus-Projekt, das ein Paradebeispiel für eine europäische Erfolgsstory ist“, erklärt Professor Dr. Martin Schader, Dekan der Mannheimer BWL-Fakultät.

Internationalität, höchste Qualität in Forschung und Lehre, sowie ein enger Praxisbezug sind die bisherigen Trümpfe der Mannheimer Universität und ihrer französische Partnerhochschule ESSEC. Sie sollen nach dem Willen beider auch unter einem gemeinsamen Dach stechen. „Der Schulterschluß wird auf breiter Basis erfolgen“, erklärte Schader. „Wir wollen nicht nur gemeinsame Programme mit unterschiedlichen Schwerpunkten und Zielgruppen ins Leben rufen, sondern auch in der Forschung und Doktorandenausbildung sehr eng zusammenarbeiten“. Die Möglichkeit, daß die Kooperation in Zukunft noch um den einen oder anderen hochkarätigen europäischen Partner erweitert werden könnte, schließen die Verantwortlichen in ihrer Erklärung nicht aus.

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