Deutschsprachige Universität in Budapest eröffnet

Deutschsprachige Universität in Budapest eröffnet

Seit der Schließung der Prager Karls-Universität 1945 nimmt damit erstmals eine osteuropäische Hochschule den Lehrbetrieb in deutscher Sprache auf.

Von Hartmut Wagner

EM -In seiner Rede zur Eröffnung der Andrássy-Universität am 2. September 2002 in Budapest bedauerte Gründungsdirektor György Hazai, daß die deutschen Sprachkentnisse der Ungarn im Laufe der vergangenen Jahrzehnte zurückgegangen seien und im Gegenzug die englische Sprache immer dominanter werde. Dieser Entwicklung wolle man mit der Gründung der deutschsprachigen Universität entgegentreten.

Ähnlich äußerte sich in seinem Redebeitrag der Vertreter der österreichischen Regierung, Werner Fasslabend. Der nahezu ausschließliche Gebrauch des Englischen in Wissenschaft und Wirtschaft und die damit einhergehende Vernachlässigung der anderen europäischen Sprachen bezeichnete er als „Tragödie im europäischen Sinne“. (Budapester Zeitung, 9.9.2002)

Die neugegründete Universität trägt den Namen des ersten ungarischen Ministerpräsidenten und langjährigen österreichisch-ungarischen Außenminsters Gyula Andrássy (1823-1890). Er hatte maßgeblichen Anteil an der Ausarbeitung des Vertrages zum österreichisch-ungarischen Ausgleich, auf dessen Grundlage im Jahre 1867 das Kaiserreich Österreich in die österreichisch-ungarische Doppelmonarchie umgewandelt wurde.

Die Initiative zur Gründung der Hochschule ging vom ehemaligen ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán aus. In Zusammenarbeit mit Österreich, den Bundesländern Baden-Württemberg und Bayern, sowie dem Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) konnte die ungarische Regierung das Vorhaben dann innerhalb von nur zwei Jahren realisieren. Der EU-Beitrittskandidat Ungarn möchte mit der Universitätsgründung nicht nur die Verbreitung der in der Geschichte des Landes tief verwurzelten deutschen Sprache wieder erhöhen, sondern vor allem auch seine politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Verbindungen nach Westeuropa verbessern. Den „europäischen Geist“ der Studenten zu fördern, sei ein Hauptanliegen der neuen Alma mater, hob György Hazai ausdrücklich hervor.

Die Andrássy-Universität kann nur von postgraduierten Studenten besucht werden, d.h. von Studenten, die bereits ein Studium erfolgreich abgeschlossen haben. Interessenten müssen eine Aufnahmeprüfung absolvieren und außerdem Studiengebühren von mindestens 100 000 Forint (ca. 400 Euro) pro Semester entrichten. Es werden drei verschiedene Studiengänge angeboten: Vergleichende Staats- und Rechtswissenschaften, Internationale Beziehungen und Mitteleuropäische Studien. Das Zweitstudium dauert vier Semester.

Die Andrássy-Universität im Netz:
www.andrassyuni.hu

Osteuropa Sprache

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