„Die Ayatollahs und der Große Satan“ von Behrouz KhosrozadehGELESEN

„Die Ayatollahs und der Große Satan“ von Behrouz Khosrozadeh

Der Nahe Osten ist derzeit der größte und explosivste Krisenherd der Welt. Behrouz Khosrozadeh hat soeben ein Buch veröffentlicht, in dem er die Gründe für diese Ansammlung von politischem Sprengstoff und Feindseligkeit untersucht. Darin werden die Geschichte des Öllandes Iran und seiner Beziehung zum Westen, insbesondere zu den USA, ausführlich dargestellt. 1984, zu Zeiten Khomeinis, hat Khosrozadeh den Iran im Alter von 23 Jahren verlassen. Seit 1985 lebt und arbeitet er in Deutschland. Er ist nach seiner Promotion als Politologe und Publizist tätig.

Von Hans Wagner

„Die Ayatollahs und der Große Satan“, von Behrouz Khosrozadeh  
„Die Ayatollahs und der Große Satan“, von Behrouz Khosrozadeh  

D ieses Buch hat sich zur Aufgabe gemacht“, schreibt Behrouz Khosrozadeh in seiner abschließenden „Schlussfolgerung“, „die Beziehungen zwischen Amerika und Iran aus historischer Perspektive zu beleuchten. Eine Beziehung, von der gegenwärtig zumindest das Schicksal des Nahen Ostens abhängt.“

Ihm ist mehr gelungen, als „nur“ die Beziehung zu den USA historisch zu beleuchten. Er hat in sachlichem Tonfall die Rolle des Irans gegenüber dem Westen herausgearbeitet – und die Fehler genannt, die auf beiden Seiten gemacht wurden.

Dass es sich zwischen dem neuzeitlichen Iran und dem Westen selten einfach um „Beziehungen“ gehandelt hat, sondern dass es in Wahrheit fast immer Beziehungskrisen waren, hat sich dabei schnell herausgestellt. Anfänglich, zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts, bestanden diese „Beziehungskrisen“ zwischen Großbritannien und Russland. Beide hatten das Land besetzt.

Als Amerika ein paar Jahrzehnte später seinen Ölhunger entdeckte, verhielt es sich nicht besser als jede Kolonialmacht. Diese „Beziehungskrise“ ist, so der Autor, „nicht nur politischer Natur. Auch die kulturelle Komponente spielt keine unwesentliche Rolle. Im Endeffekt beruht die bisher misslungene Begegnung zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran auf politischen und kulturellen Missverständnissen.“

Amerika war einst die große Hoffnung für viele Menschen im Iran

Dabei begannen die relativ späten Beziehungen (diplomatische Vertretungen gab es seit 1883/84) zwischen der neuen Welt und dem auf eine Jahrtausende alte glorreiche Vergangenheit zurückblickenden Iran durchaus vielversprechend. Zunächst auf eher privatem Gebiet. Howard Baskerville, ein amerikanischer Lehrer, der 1907 an die von protestantischen US-Missionaren in Tabriz gegründete Schule gekommen war, wurde sogar zum iranischen Freiheitshelden. Er kämpfte im Jahr 1909 Seite an Seite mit Iranern gegen die damalige russische Besatzungsmacht und fand dabei den Tod. Behrouz Khosrozadeh zitiert den Schriftsteller Iny Lorentz, der Baskerville als „American La Fayette in Iran” bezeichnete.

Der US-Amerikaner William Morgan Shuster ordnete ab 1911 die Finanzen des Irans, die sich in einem schier hoffnungslos unübersichtlichen Zustand befunden hatten. Die Iraner holten ihn als Generalbevollmächtigten, um die „archaisch-chaotische Staatskasse“ zu reorganisieren. Der Amerikaner kam mit einem insgesamt vier Mann starken Team und bekam für drei Jahre die volle Kontrolle über die finanziellen Operationen und fiskalischen Angelegenheiten des Irans.

Damals organisierten die Schweden Irans Polizei, die militärische Artillerie war in deutscher Hand. „Die stärkste militärische Macht war die berühmte Elitetruppe der Kosaken ‚Kosakenbrigade’, etwa 1800 Mann stark, die von den russischen Offizieren ausgebildet und befehligt wurde. Die Brigade stand unter dem Kommando des Zaren, wurde vom Iran finanziert. Die unbedeutende iranische Armee war unterernährt, demoralisiert und meist ohne Sold.“  So die Darstellung Khosrozadehs unter Berufung auf den amerikanischen Finanzbeamten Shuster, der seine Beobachtungen seinerzeit niedergeschrieben hatte.

Ein Spielball fremder Mächte – ein Protektorat Großbritanniens

Auch in den beiden Weltkriegen war der Iran ein Spielball der großen Mächte. Nach 1919 hatte das Land faktisch den Status eines britischen Protektorats. In den vierziger Jahren wurden dann die Beziehungen zum Deutschen Reich immens ausgebaut. „Während des Zweiten Weltkrieges war die iranische Presse voll mit Lobeshymnen für Hitler und das Dritte Reich, wobei arisch-rassistische Kommentare stark auffielen“, schreibt Behrouz Khosrozadeh.

Am 25. August 1941 griffen Russland und Großbritannien den Iran trotz seiner mehrfach verkündeten Neutralitätserklärung an und besetzten ihn. Der damals herrschende Reza Schah wurde zum Abdanken und ins Exil gezwungen. Er starb am 26. Juli 1944 im südafrikanischen Johannesburg. Die Briten setzten seinen jungen, 22jährigen Sohn Mohammad Reza Pahlawi am 16. September 1941 auf den Thron.

Auch die Amerikaner kamen 1942 mit einer Truppenstärke von 40.000 Mann in den Iran. Iran diente gezwungenermaßen als strategisch lebenswichtiger Nachschubkorridor für die Ostfront und sicherte somit den sowjetischen Bedarf an Waffen und Logistik.

Als in den fünfziger Jahren die USA begannen, ihre Interessen im Nahen Osten immer unverbrämter über Öl und andere wichtige Ressourcen zu definieren, kam es in der Folge zu vielerlei Konflikten, die sich nicht selten in Hass und Gewalt entluden und die bis zum heutigen Tag andauern.

Amerika und Britannien setzten im Iran nicht auf Demokratie, sondern auf den Schah

Schah Reza Pahlawi war 1948 gerade mal 27 Jahre alt. Da war er schon ein wichtiger strategischer Partner für die USA. In diesem Jahr bekam sein Regime militärische Ausrüstungen im Wert von 26 Millionen US-Dollar aus Washington. Das war der allererste Waffenexport der USA in den Iran. Zuvor hatte der Schah den US-Oberst Norman Schwarzkopf - Vater des Generals Norman Schwarzkopf, der den Kuwaitkrieg vom 1991 befehligte - für die Modernisierung der kaiserlichen Gendarmerie in den Iran geholt.

Der Monarch und seine Premiers schlugen einen england- und amerikafreundlichen Kurs ein. Die Briten bekamen die Möglichkeit, die 1908 im Süden des Irans entdeckten Ölfelder auszubeuten. Der überwältigende Teil der Erlöse daraus floss in das Vereinigte Königreich. Die Gesellschaft – später ging daraus die British Petroleum Company (BP) hervor - hatte sich bald zu einer kolonialen Macht entwickelt, die Regierung, Minister, Gouverneure und lokale Autoritäten beeinflusste bzw. manipulierte.

Die „Nationalisierung“ des iranischen Öls war der Casus Belli

Dann kam das Jahr 1951. Es fanden Wahlen statt im Iran. Am 15. März trat in Teheran das demokratisch gewählte Parlament zusammen und nahm mehrheitlich einen Gesetzentwurf der „Nationalen Front Irans“ (NFI) zur Nationalisierung des Erdöls an. Die Ölquellen sollten demnach dem iranischen Volk gehören und nicht länger von fremden Gesellschaften ausgebeutet werden. Ein herber Schlag für die Geschäfte der Ölmagnaten in Großbritannien und den Vereinigten Staaten.

Der Vorsitzende der NFI, der Liberaldemokrat Mohammad Mossadegh, wurde am 27. April vom iranischen Parlament zum Premier gewählt. Der junge Schah, der keine andere Wahl hatte, unterzeichnete die Parlamentsbeschlüsse, billigte die Suspendierung der britischen Ölgesellschaft AOLC, der späteren BP, und die Errichtung der „Nationalen Iranischen Ölgesellschaft“. Mossadegh stellte am 6. Mai sein Kabinett vor, allesamt liberale Politiker mit gutem Ruf. Er war der erste unabhängige demokratisch legitimierte Regierungschef in der Geschichte des Nahen Ostens und der Dritten Welt (von den jungen Demokratien Indiens und Israels einmal abgesehen).

Die Antwort der Briten kam ziemlich prompt, und sie fiel so aus, wie auch heute die der USA – an der Form der politischen Repression hat sich nur sehr wenig geändert: Im August 1951 verhängte Großbritannien ein umfangreiches Wirtschaftsembargo gegen den Iran. Mossadegh zeigte sich zwar unbeeindruckt, aber die Wirtschaft des Landes wurde praktisch lahmgelegt.
London startete außerdem ein umfassendes Projekt mit vielen Alternativmöglichkeiten für den Sturz Mossadeghs. Demokratie hin – Demokratie her.

Die Geheimdienste Britanniens und der USA betrieben den Sturz der Demokratie

„Für die heutige Generation ist es kaum vorstellbar“, schreibt Khosrozadeh, dass Anfang der 50er Jahre mit Ausnahme des Korea-Krieges kaum ein anderes Thema auf der Agenda der Weltpolitik stand als die Öl-Dispute zwischen dem Iran und Großbritannien. In New York erschien Mossadegh mehrmals auf dem Bildschirm der US-Fernsehsender, sprach sehr eloquent und verglich die Verstaatlichung der iranischen Ölindustrie mit dem amerikanischen Unabhängigkeitskrieg, was ihm große Sympathien unter den US-Bürgern einbrachte.“

Das „Time Magazine“ wählte  ihn – und nicht etwa den US-Präsidenten Harry S. Truman, den General Dwight Eisenhower oder Winston Churchill – zu seinem Mann des Jahres 1951. Im Iran war Mossadegh der Nationalheld. „Unter ihm erlebte die iranische Zivilgesellschaft ihre Blütezeit und genoss eine bis dato und auch später nie wieder existierende Freiheit“, so der Autor.

Aber in London entwarfen der MI6 (britischer Auslandsgeheimdienst) und die CIA spätestens ab April 1953 einen Plan zum Sturz der jungen Demokratie im Iran. CIA-Direktor Allen W. Dulles bewilligte dafür mindestens eine Million US-Dollar. Was heute von den gleichen Mächten propagiert wird und angeblich sogar den Irak-Krieg rechtfertigt, nämlich die Demokratisierung  im Nahen Osten, hatte damals in den fünfziger Jahren gerade begonnen. Doch die Gier nach Öl und dem großen Geld beseitigte das zarte Pflänzchen Demokratie skrupellos.

Das war der Sündenfall. Damals haben die USA und der Westen im Nahen Osten ihre Unschuld verloren. Sie setzten auf das brutale Regiment des Schahs. Ihm boten sie sogar die Nukleartechnologie an für die Ausbeutung der iranischen Ölfelder (vgl. EM 02-06 „Das Ende der friedlichen Gesellschaft“).

Sie säten Zwietracht und organisierten den Mob in den Straßen

„In jenen heißen Sommertagen arbeiteten die beiden Geheimdienste, CIA und MI6, Schulter an Schulter zusammen. Die Topagenten verkehrten oft und heimlich im kaiserlichen Palast und berieten über die letzten Details. Details, die Irans Geschichte und die des Nahen Ostens fundamental verändern sollten.“

Die Geheimdienste organisierten im Sommer 1953 den Mob in den Straßen Teherans, brachten Anti-Mossadegh- Artikel in Teheraner Zeitungen heraus, ließen die Häuser der führenden Geistlichen niederbrennen.

Behrouz Khosrozadeh schildert diese Vorgänge sehr eindringlich: Das CIA-Team brachte es demnach fertig mit Hilfe von Mittelsmännern und im Namen von Mossadeghs Nationaler Front den großen Ayatollahs mit harten Strafen zu drohen, sollten sie ihre Opposition zu Mossadegh nicht aufgeben. Ein Sabotageakt, der voll aufging und die Kluft zwischen Irans Demokraten und dem schiitischen Klerus ausweitete. Parallel dazu mobilisierte der CIA den Straßenmob und organisierte Sabotageakte Mossadegh-feindlicher Offiziere.
 
Behrouz Khosrozadeh rechnet den Sturz der jungen iranischen Demokratie und wie er organisiert wurde „ zu den perfidesten Handlungen fremder Aktionen in einem Staat. Man bediente sich vor allem emsig des aktiven Dienstes von in Teheran stadtbekannten Banden- und Gang-Führern wie Schaban Dschafari.“

Am 19. August 1953 gelang es der „Koalition“ von CIA, Straßengangs, klerikalen Gruppen und dem Schah Mossadegh aus dem Amt zu entfernen und zu verhaften. Man verurteilte ihn zu drei Jahren Gefängnis in Einzelhaft. Im Dezember 1956 wurde er aus der Haft entlassen und zog sich in sein Privathaus in Karpur Abal zurück. Dort stand er bis zu seinem Tode, am 5. März 1967 unter Hausarrest. Der Schah hatte ihm auferlegt, sich künftig völlig aus der Politik herauszuhalten.

Wegbereiter für 25 Jahre Diktatur unter Reza Pahlawi

Die Folgen waren verheerend. Der Autor: „Kein Ereignis hat neben der iranischen Revolution (1979) die neuzeitliche Geschichte des Iran dermaßen geprägt, wie das des Jahres 1953. Kein Politiker in der iranischen Geschichte, trotz aller seiner Schwächen und Fehler, wird derart verehrt und zurückgewünscht wie Dr. Mohammad Mossadegh.“

Der Putsch ermöglichte schließlich die 25jährige brutale Diktatur des Schahs, der den Iran mit eiserner Faust regierte. Gegen Ende der 70er Jahre hatte der Monarch bereits jegliche Legitimation verloren.

Die „Operation Ajax“, wie der Code-Name des von MI6 und CIA angezettelten Putsches lautete, „änderte den gesellschaftspolitischen Kurs des Irans dramatisch“, schreibt  Khosrozadeh. Für viele Nahostexperten bestehe kein Zweifel, dass die „Operation Ajax“ nicht nur den Verlauf der iranischen Geschichte, sondern auch den des Nahen Ostens und den der Weltpolitik maßgeblich beeinflusste. „Indem er den iranischen Nationalismus untergrub, streute der Ölstreit der 50er Jahre die Saat der islamischen Revolution aus, die fünfundzwanzig Jahre später kam und in ein noch anti-westlicheres Regime in Teheran mündete als das Mossadeghs.“

Die „Operation Ajax“ muss dem Autor des Buches zufolge als der fatale Beginn der jahrzehntelangen verfehlten US-Außenpolitik im Nahen Osten begriffen werden. Denn „es war das erste Mal, dass die Vereinigten Staaten eine fremde Regierung stürzten.“ Und die folgende Diktatur des Schahs rief schließlich die islamische Revolution von 1979 hervor, die eine leidenschaftlich anti-amerikanische Theokratie an die Macht brachte. In dieser Zeit sei auch der Terrorismus als Werkzeug der Staatsmacht entwickelt worden. Der Radikalismus der anti-amerikanischen Mullahs und Ayatollas  habe anti-westliche Fanatiker in vielen Ländern inspiriert, besonders in Afghanistan. Dort fanden al-Qaida und andere Terrorgruppen ihre Basis.

Geiselnahme – Krieg Irak-Iran – Iran-Gate – Drohungen wegen des Nuklearprogramms

Die Liste der tiefgreifenden und schwerwiegenden Krisen in den Beziehungen zwischen dem „Großen Satan“ USA und den Ayatollahs, die seit der Flucht von Schah Reza Pawlawi im Jahr 1979 regieren, ist lang.

Der oberste Revolutionsführer Ayatollah Khomeini hatte am 4. November 1979 eine Erklärung verbreiten lassen, in der er der 65 Studenten und Schüler gedachte, die ein Jahr zuvor bei Demonstrationen an der Teheraner Universität uns Leben gekommen waren.

Er rief die Studentenschaft auf, die Angriffe gegen die USA und Israel zu verstärken, um den „Großen Satan“ zu zwingen, den abgesetzten und zeitweilig in die USA emigrierten Schah auszuliefern. Etwa 400 junge Iraner, die sich „Studenten, die der Linie des Imam folgen“ (Danshjuyane Khate Emam) nannten, besetzten daraufhin die amerikanische Botschaft. Vor der Botschaft versammelten sich einige Tausend Demonstranten. Man setzte die 90 Bewohner der Botschaft fest und erklärte die 66 Amerikaner davon zu Gefangenen. Die Befreiungsaktion einer amerikanischen Spezialeinheit im April 1980 scheiterte. Das Gros der Geiseln wurde erst nach 444 Tagen freigelassen.

Der Krieg mit Saddam Hussein

Ausführlich beschreibt der Autor das Dilemma des Krieges mit dem Irak von 1980 bis 1988. Die irakische Luftwaffe hatte unangekündigt am 22. Septembers 1980 die iranischen Militärflughäfen angegriffen. Gleichzeitig waren irakische Truppen in die fünf angrenzenden iranischen Provinzen im Norden (Kurdistan und Westaserbaidschan), Mitte (Ilam und Kermanschah), und Süden (Khuzestan) eingefallen.

Als Anlass des Krieges hatten Saddam Hussein die Provokationen Khomeinis und anderer radikaler Mullahs gedient, die die „Islamische Revolution“ in die Nachbarländer
exportieren wollten.

Die USA unterstützten den irakischen Diktator in Bagdad massiv mit Waffen und Militärberatern. Der Iran konnte diese unendlich lange und verlustreiche militärische Auseinandersetzung nicht gewinnen. Er stärkte zwar Khomeini und die radikalen Geistlichen, denen dadurch innerhalb des Irans die totale Machtergreifung gelang. Aber 1988 mussten sie die Waffen strecken. – Der greise Ayatollah Khomeini starb am 3. Juni 1989.

„In dem Krieg, der vier Jahre länger als der Erste und zwei Jahre länger als der Zweite Weltkrieg andauerte, starben mehr als eine Million Menschen, zumeist auf der iranischen Seite, die mit „Menschenwellen“ operierte. Die monetären Kriegsschäden beliefen sich auf insgesamt 1097 Milliarden US-Dollar, 452,6 Milliarden für den Irak und 644 Milliarden für den Iran. Khosrozadeh zitiert aus dem Buch eines deutschen Autors in dem ausgesagt wird, diese Summe sei höher als die gesamten Erdöleinnahmen der beiden Länder im 20. Jahrhundert (1919-1988).

Der Autor resümiert: „Saddam Hussein hatte seine Mission, Khomeinis Revolutionsexport Einhalt zu gebieten und sich selber zum stärksten Führer der arabischen Welt aufzubauen, erfüllt. Die blinde Unterstützung Saddam Husseins durch den Westen, allen voran durch die USA, muss als Glied einer Kette der verfehlten Nahostpolitik des Westens verstanden werden.“

Während des Krieges hatte die Reagan-Administration aber auch illegal an jenen Staat, der Amerika als den „Großen Satan“ bekämpfte, Waffen geliefert: An den Iran. In diesen Deal waren auch die Israelis involviert. Sie hielten damals, in den 1980er Jahren. immer noch den Irak für ihren Feind. Khosrozadeh: „Und da die Sicht, ‚der Feind meines Feindes ist mein Freund’ nirgendwo öfter als im Nahen Osten verbreitet ist, unternahmen es die Israelis, dem Iran zu helfen.

Die Erlöse aus dem Waffengeschäft verwendeten die USA illegal zur Unterstützung der so genannten Contras in Nicaragua, die die dort stattgefundene Revolution der Sandinisten mit Landreformen etc. rückgängig machen sollten.

Teheran und der 11. September 2001

Der 11. September 2001 markiert eine Wende in der Außenpolitik der Vereinigten Staaten. Am 20. September 2001 verkündete Präsident Bush in seiner Rede an die Nation den „Krieg gegen den Terror“. Dieser Krieg werde nicht enden, ehe jede terroristische Gruppe globaler Reichweite gefunden, aufgehalten und besiegt ist.“ In dieser Rede war kein Wort vom Iran enthalten. Khosrozadeh: „Einen Tag nach dem 11. September kam es zu spontanen Gedenkveranstaltungen mit Kerzenlicht in Teheran und einigen anderen Großstädten, einmalig in der gesamten islamischen Welt. Der Teheraner Bürgermeister sandte seinem New Yorker Kollegen einen Beileidsbrief.“

Der Autor weist außerdem daraufhin, dass kein einziger der 19 Terroristen vom 11. September Iraner gewesen sei. Und auch unter den mehr als 400 Inhaftierten aus 16 Ländern, die in Guantanamo Bay sitzen, befände sich kein einziger iranischer Staatsbürger.

Sogar an der „Operation Enduring Freedom“ beteiligten sich unbestreitbar die Mullahs in Teheran. Die USA und der Iran hatten gemeinsame Interessen im Afghanistan-Krieg. Die Operation fegte Irans Erzfeind an der Ostgrenze des Irans hinweg. Khosrozadeh: „Karzais Regierung in Kabul war nicht nur ein Freund der Vereinigten Staaten von Amerika, sondern auch ein Freund Teherans.

Bitter klingen die Worte des Autors für das, was danach kam. „Die spätere Antwort Washingtons auf diesen immens wichtigen Beistand war die Erklärung des Irans zum Bestandteil der „Achse des Bösen“ am 29.Januar 2002.“ Der Iran strebe aggressiv nach Massenvernichtungswaffen und exportiere den Terror.

Damals war in Teheran der moderate Präsident Khatami an der Macht. Ihn als Bestandteil der Achse des Bösen zu bezeichnen, „war ein Akt unglaublicher Unsensibilität in einer Ecke der Welt, von der die Weltsicherheit und der Weltfrieden abhängt“, schreibt  Khosrozadeh.

Alternativen zum Krieg?

Berouz Khosrozadeh vertritt die These, dass der jetzige Präsident Ahmadinedschad der letzte Präsident dieser Kategorie von Radikalität und Brutalität sein wird, den der Iran gesehen hat. Er plädiert für Besonnenheit, Geduld und das Aufbauen auf das pragmatisch-reformistische Lager und auf ein Land mit über 70 Prozent Jugendlichen unter 25 Jahren, die keine Feindseligkeit gegen die USA hegen.

Der Autor ist bemüht, Kompromisslösungen aufzuzeigen, die es seiner Heimat Iran und den USA ermöglichen könnten, aus ihrer langwierigen und kriegsträchtigen Beziehungskrise herauszufinden. Allerdings ist fraglich, wen das in Washington interessiert.

Berouz Khosrozadeh sieht nur zwei Alternativen zu diesen Kompromisslösungen, die er anführt. Die erste wäre der Krieg, die zweite wäre die Verschärfung der Sanktionen, was auch auf dem Plan der EU-Staaten steht. Und er gibt sich sicher: „Bis auf die Neokonservativen in den USA, die israelischen Hardliner und die Militaristen im Iran will keiner einen Krieg.“

Khosrozadeh kann einen gewichtigen Strategen zur Unterstützung für seine Sicht der Dinge zitieren: den ehemaligen Sicherheitsberater von US-Präsident Jimmy Carter, Zbignew Brzezinski. Er ist bis zum heutigen Tag einer der gefragtesten militärpolitischen Denker in den Vereinigten Staaten. Brzezinski prophezeit: “Ich halte einen Krieg mit dem Iran für das Ende von Amerikas gegenwärtiger Rolle in der Welt. (…) Irak mag ein Vorgeschmack davon gewesen sein, aber es ist immer noch heilbar, wenn wir schnell herausgehen. In einem Krieg mit dem Iran werden wir für 20 bis 30 Jahre heruntergezogen werden. Die Welt wird uns verfluchen. Wir werden unsere Position in der Welt verlieren.”

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Rezension zu: „Die Ayatollahs und der Große Satan“, von Behrouz Khosrozadeh, Köster Verlag, Berlin 2007, 350 Seiten, 24,80 Euro,  ISBN: 3-895-74649-5.

Siehe auch unser Interview mit dem Autor: „Den USA geht es um die Macht am Persischen Golf, nicht um das iranische Nuklearprogramm“.

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