Die Beitrittsländer wollen den Euro mit MachtWÄHRUNGSUNION

Die Beitrittsländer wollen den Euro mit Macht

Die Beitrittsländer wollen den Euro mit Macht

Nach dem EU-Beitritt der zehn neuen Mitgliedsstaaten wird es etwa zwei bis drei Jahre dauern, bis das erste Land auch der Währungsunion angehört

Von Johann von Arnsberg

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Wann wird der Euro in den EU-Beitrittsländern eingeführt?  

EM - Die ersten EU-Beitrittsländer werden bereits im Jahr 2007 fit seinfür die Einführung des Euros. Zu dieser Einschätzung kommt derBundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) in einerkürzlich veröffentlichten Studie. In den baltischen Staaten und Zypernsei mit der Einführung der gemeinsamen Währung bereits im Jahr 2007oder 2008 zu rechnen. Zypern müsse allerdings sein Konsolidierungsprogrammerfolgreich fortsetzen, um das staatliche Budgetdefizit bis 2005 unter denMaastricht-Grenzwert zu senken. Estland selbst rechnet sogar schon 2006 mitdem Beitritt zur Währungsunion.

Westliche Währungsexperten betonen, daß die mittel- und osteuropäischenStaaten nach ihrem EU-Beitritt den Euro möglichst rasch einführensollten. Volkswirt Werner Becker von der Deutschen Bank in Frankfurt begründetdies damit, daß die europäische Gemeinschaftswährung diesenLändern zahlreiche Vorteile biete: „Man kommt in den Genuß einesniedrigen Zinsniveaus, einer stabilen Währung, eines festen Wechselkurseszu den Haupthandelspartnern und zum Euroland, aus dem auch viele Direktinvestitionenfließen werden“.

Der Euro bietet Sicherheit für Investoren

Mit festen Wechselkursen schwänden viele Unsicherheiten für dieUnternehmer in den Beitrittsländern. Sie könnten verläßlicherplanen. Deshalb sorge der Euro letztlich für mehr Wachstum, erläutertder Deutschbankier.

Doch es gibt auch Argumente gegen einen zu frühen Beitritt zur EuropäischenWährungsunion. So warnt Hermann Rempsberger, Vorstand der Deutschen Bundesbank,der wirtschaftliche Aufholprozeß in Mittel- und Osteuropa könntedadurch geschwächt werden. Grund sei, daß in einem solchen Aufholprozeß dieInflationsraten höher seien als in langsam wachsenden Volkswirtschaften.Bisher könnten die Länder ihre höhere Inflation durch eine Abwertungausgleichen. Das wäre aber in der Euro-Währungsunion nicht mehr möglich.Als Folge drohe ein Verlust an Wettbewerbsfähigkeit, warnt der Bundesbank-Vorstand.

 Laut einer Übersicht, die von der DeutschenPresseagentur in Zusammenarbeit mit den Notenbanken erstellt wurde, ergebensich folgende Beitrittstermine zur Währungsunion für die am 1.Mai in die EU aufgenommenen Länder:

Estland 2006
Zypern 2006
Slowenien 2006 bis 2007
Litauen Anfang 2007
Lettland 1. Januar 2008
Malta 2008
Slowakei 2008 bis 2009
Ungarn 2008 bis 2009
Polen 2009
Tschechien 2009 bis 2010

Die Euro-Aspiranten dagegen sind ungeduldig. Estland und Litauen haben ihreWährung praktisch bereits unverrückbar an den Euro angebunden - fastso, als wären sie der Währungsunion schon beigetreten „Estlandmöchte eines der ersten neuen Mitglieder im Club sein und zum frühestmöglichen Zeitpunkt den Euro einführen“, sagte bereits im vorigenJahr selbstbewußt der Präsident der estnischen Zentralbank, VahurKraft. Das Land zähle zu jener Gruppe der Beitrittsländer, die guteChancen haben, bereits Anfang 2006 in „den Club“ aufgenommen zuwerden. Früher sei ein Beitritt rein technisch kaum möglich.

Sorgenkinder Polen, Ungarn, Tschechien

Als Sorgenkinder gelten die drei Großen:Polen, Ungarn und Tschechien. Für diese Länder sieht es nach Meinungder Währungsfachleutevergleichsweise schlecht aus. Während nämlich Estland lediglich rundfünf Prozent Staatsschulden hat, gerechnet auf das Bruttoinlandsprodukt,sind es bei Ungarn inzwischen schon 53 Prozent.

Alle drei Problemländer haben in den vergangenen Jahren hohe Defizitein den Staatshaushalten ausgewiesen, weil die Ausgaben aus dem Ruder liefen.Polnischer Zloty, ungarischer Forint und tschechische Krone waren heftigenTurbulenzen ausgesetzt. Die tschechische Regierung sagt offen, daß siedeshalb auch kein Interesse an einer frühzeitigen Euro-Einführunghabe. Erst 2009 oder 2010 sollen sich auch die Tschechen an neues Geld gewöhnenmüssen.

Ein Umdenken hat angesichts ihrer prekären Finanzsituation auch in Ungarnund Polen stattgefunden. In Ungarn war die Euro-Einführung für 2008geplant, doch das hohe Haushaltsdefizit vom vergangenen Jahr (5,6 Prozent desBIP) kam dazwischen. Die Maastricht-Marke von drei Prozent wollte Ungarn 2006erreichen - ob das zu schaffen ist, kann niemand voraussagen. Beide Länderhalten zwar noch offiziell an einer frühestmöglichen Euro-Einführungfest, dürften aber der Einschätzung der Deutschen Bundesbank nachnicht vor 2009 der Währungsunion beitreten.

Emotionen wie einst in Deutschland, wo Initiativen gegen die Abschaffungder D-Mark gegründet wurden, löst die Einführung des Euros inden Beitrittsländern jedenfalls nicht aus. „Den meisten Menschenist der Euro wahrscheinlich ziemlich egal“, sagt der slowakische FinanzministerIvan Miklos. Die slowakische Krone habe verglichen mit westlichen Währungeneine kurze Geschichte. „Vielleicht sind wir deshalb etwas weniger sentimental,wenn es darum geht, unsere Währung aufzugeben.“

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