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„Die Deutschen und ihre Nachbarn: Russland“ von Gerd Ruge

Dieses Bändchen räumt mit den häufigsten Klischees auf. Gerd Ruge bringt uns Russland nah. Er lässt uns die Verzwickungen, die Gemeinsamkeiten zwischen Deutschen und Russen von den Anfängen bis zur heutigen Zeit noch einmal miterleben.

Von Jan Balster
30.11.2008 Drucken Senden Kommentieren
„Die Deutschen und ihre Nachbarn: Russland“ von Gerd Ruge  
„Die Deutschen und ihre Nachbarn: Russland“ von Gerd Ruge  

W issen Sie, was ein „Nemets“ ist? Ja. Na gut. Ich wiederhole es trotzdem noch einmal. Ein „Nemets“ ist ein „Stummer“, ein Mensch, der nicht verständlich sprechen kann. Oder wie der russische Dichter Nikolai Gogol 1832 schrieb: „Einen Deutschen nennt man bei uns jeden, der aus einem fremden Lande stammt, sei er ein Franzose oder Großkaiserlicher oder Schwede, immer ist er ein Deutscher.“ Darin liegt wohl der Ursprung des Wortes: нéмец – Deutscher. – Einer, der nicht verständlich sprechen kann...

Zu unseren unmittelbaren Nachbarn zählt Russland gewiss nicht, so mag der Titel „Die Deutschen und ihre Nachbarn - Russland“ vorerst irreführen. Doch schon nach den ersten Seiten, dem Geleitwort von Helmut Schmidt und Richard von Weizsäcker wird klar, wie dieser Titel zu begreifen ist. Deutschland steht nicht allein in Europa. Unser Land gehört zu einer Union von 27 Ländern, zu dessen direkten Nachbarn sehr wohl Russland zählt.

Von den Anfängen bis zur heutigen Zeit

Dieses Bändchen räumt mit den häufigsten Klischees auf. Gerd Ruge bringt uns Russland nah. Er lässt uns die Verzwickungen, die Gemeinsamkeiten zwischen Deutschen und Russen von den Anfängen bis zur heutigen Zeit noch einmal miterleben.

Eben diesen Deutschen, der so kleinbürgerlich und pedantisch war, als er sich, bedingt durch einen Aufruf Katharina der Großen, in Russland ansiedelte. Eben diesen Russen, welcher diese Eigenschaften zu tiefst verabscheute, jedoch des Deutschen Ordnung und Bildung lobte. Jenen Deutschen, der so fantasielos, langweilig und stur, andererseits fleißig und geschickt ist. Jenen Russen, welcher gleichzeitig stolz auf die eigene breite Natur und auf die eigenen Fehler und sogar die eigenen Schwächen ist.
 
Es ist eine hervorragende Arbeit, sachlich, positiv und reichhaltig. Es handelt sich um eine Geschichte, kein lexikalisches Grundwissen und keine politischen Dogmen. Sie weht an uns vorbei mit eigenem Charakter, eigener Wirkung bis hin zur Gegenwart.

Eine Liebe zu Russland, die niemals blind erscheint

Gerd Ruge erzählt die Historie eines Landes, soweit er sie überblicken, soweit er sie nachvollziehen kann. Alles beginnt mit der Kiewer Rus, einem zerstrittenen Land, gefolgt von barbarischen Sitten, dem Streit um Reichtum und Macht, der sich beinahe durch die gesamte russische Geschichte zieht. Da tauchen nicht nur die Großen unter den Russen auf, wie Iwan der Schreckliche, Peter der Große, Alexander II., Lenin, Stalin und Gorbatschow. Die Geschichte erzählt auch von Wikingern und Tataren, von Mongolen und Deutschen, von Holländern und Juden, von Georgiern und Zentralasiaten. Dabei scheut sich Ruge auch nicht, einen Blick in die Zukunft zu wagen. Was können wir lernen aus der Vergangenheit? Welchen Aufgaben sollten wir uns stellen?

Den Leser beeindruckt Ruges Kenntnisreichtum. Man braucht man gar nicht erst seine zahlreichen Auszeichnungen, die Leitung des ARD-Studios in Moskau oder seine journalistischen Verdienste zu erwähnen. Seine Liebe zu Russland ist unübersehbar, aber sie wirkt niemals blind. Auch wenn sein Herz an diesem Land hängt. Es ist ein Text, der das Kino im Kopf zum Leben erweckt, sobald der Leser beginnt, dessen Zeilen aufzusaugen.

*

Rezension zu: „Die Deutschen und ihre Nachbarn: Russland“ von Gerd Ruge, C. H. Beck Verlag, München 2008, 192 Seiten, 18,00 Euro, ISBN: 978-3-406-57850-2.

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