Die Rache der Anna ChapmanAGENTEN

Die Rache der Anna Chapman

Ein Moskauer Militärgericht verurteilte den zum CIA übergelaufenen Geheimdienstmann Aleksandr Potejew zu 25 Jahren Gefängnis, weil er die russische Spionin Anna Chapman in New York auffliegen ließ.

Von Ulrich Heyden

A nna Chapmann kann zufrieden sein. Der ehemalige Abteilungsleiter der russischen Auslandsaufklärung, Aleksandr Potejew, wurde am Montag von einem Moskauer Militärgericht wegen Fahnenflucht und Verrat zu 25 Jahren Gefängnis verurteilt. Es war wohl kein Zufall, dass die Richter das Urteil exakt ein Jahr nach der Verhaftung der russischen Spionin Anna Chapman in New York verkündeten. Die von Potejew an die CIA übergebenen Informationen führten im Juni letzten Jahres zur Verhaftung von Anna Chapman und neun weiteren russischen Agenten in den USA.

Afghanistan-Orden aberkannt

Die Orden, welche Potejew sich als Mitglied einer Sondereinheit des KGB im sowjetischen Afghanistan-Krieg erworben hatte, wurden dem in die USA Geflüchteten aberkannt. Potejew hatte, wie die Richter feststellten, zehn Jahren mit der CIA zusammengearbeitet.
Bis zu seiner Flucht in die USA war Potejew Abteilungsleiter in der russischen Auslandsaufklärung und zuständig für Sondereinsätze in Amerika. Während seiner Reisen nach Südamerika und andere Länder war er für seine russischen Kollegen häufig nicht zu erreichen gewesen, was nach Meinung seines Arbeitgebers auf eine Zusammenarbeit mit der CIA hindeutete. Der durch Portejew angerichtete Schaden sei groß, erklärten die Richter. So wüssten die amerikanischen Behörden jetzt, wie sich die russischen Agenten untereinander verständigten und wie sie ihr Geld bekämen.  

Viel Humor und großer Appetit

Wer war Potejew? Der Vater des Verurteilten war ein bekannter sowjetischer Panzer-Kommandeur im Zweiten Weltkrieg. Und auch der Sohn schien in die Fußstapfen des Vaters zu treten. Im Afghanistan-Krieg erwarb sich der jetzt 59jährige zahlreiche Orden. Ein ehemaliger Kamerad berichtete gegenüber der Iswestija, Potejew sei ein guter Soldat gewesen. Aufgefallen sei er jedoch durch seinen großen Appetit und einen besonders ausgeprägten Humor, mit dem er die Soldaten jedes Mal so zum Lachen trieb, „dass die Tränen kamen“.

Ministerpräsident Wladimir Putin – selbst Ex-Spion in der DDR - hatte nach dem Auffliegen des Agentenrings in den USA erklärt, das Leben von Verrätern ende „immer schlecht“, entweder „im Alkohol oder im Drogenrausch“. Der russische Ministerpräsident erklärte auch, er kenne alle an dem Fall beteiligten Verräter namentlich.

„Trag´ es mit Fassung“

Im Juni 2010, nur wenige Tage vor dem Auffliegen des Spionagerings in den USA, hatte Aleksandr Potejew seinen Arbeitsplatz in der Zentrale der russischen Auslandsaufklärung im Südwesten Moskaus fluchtartig verlassen und war mit dem Nachtzug nach Minsk gefahren. Dort soll er – so steht es im Urteil des Moskauer Gerichts – mit Hilfe eines gefälschten US-Passes über Deutschland in die USA gereist sein. Seiner Frau sagte der Flüchtige per SMS adieu. „Trag es mit Fassung. Ich komme nicht zurück. Ich wollte nicht, aber es kam so. Beginne das Leben von neuem. Versuche den Kindern zu helfen.“

Die zweite Karriere von Anna Chapman

Währen der Gerichtsverhandlung vor dem Moskauer Militärgericht, die unter Ausschluss der Öffentlichkeit lief, sagte auch Anna Chapman aus. Die 29jährige hatte bis zu ihrer Verhaftung am 27. Juni 2010, in New York als Immobilien-Maklerin gearbeitet. Nach ihrer Enttarnung startete die Tochter eines Diplomaten in Russland eine zweite Karriere. Zunächst zog sie sich für das Männermagazin „Maxim“ bis auf die Unterwäsche aus. Im Dezember 2010 wurde sie dann Führungsmitglied der Kreml-Jugendorganisation „Junge Garde“ und im Januar dieses Jahres Moderatorin einer russischen Fernsehsendung mit dem Namen „Die Geheimnisse dieser Welt.“

Größter Spionage-Skandal seit Ende des Kalten Krieges

Bei der Verhaftung  der zehn russischen Spione  in den USA - einem Agenten gelang die Flucht  - handelte es sich um den größten Spionage-Skandal seit dem Kalten Krieg. Die in den USA verhafteten russischen Agenten wurden später durch drei in Russland einsitzende Personen ausgetauscht, die der Spionage für westliche Staaten verdächtigt wurden. Dass der Skandal nicht zu einer Verschlechterung der russisch-amerikanischen Beziehungen führte, hängt offenbar damit zusammen, dass sich Barack Obama seinen „Neustart“ in den Beziehungen zu Russland nicht durch russische Spione stören lassen wollte, die als „Schläfer“ noch keinen großen Schaden angerichtet hatten.

Chapmann-Video:

Dieses „Pistolen-Video“ ist vor zehn Monaten, zeitgleich mit den Halbnackt-Fotos im Magazin „Maxim“ ins Internet gestellt worden.
http://www.maximonline.ru/devushki/devushki-soblozhki/_article/agent-90-60-90/

Über Anna Chapmann hat das EM auch in den Ausgaben 08-2010 und 12-2010 berichtet.

Russland

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