Die Zunahme des Monsuns in Asien betrifft die halbe MenschheitKLIMAVERÄNDERUNG

Die Zunahme des Monsuns in Asien betrifft die halbe Menschheit

Warum eine Erwärmung im Norden Eurasiens dem Süden Regen und Überschwemmungen beschert

Von Barbara Gutmann

EM – Der asiatische Monsun ist in den zurückliegenden Jahrhunderten auffallend stärker geworden. Das hat Klimatologen und Ernährungsexperten in Unruhe versetzt. Denn der Monsun ist eines der wichtigsten Klimasysteme der Erde. Die saisonal wiederkehrende Drehung von Windströmungen in Asien beschert den Ländern der Region die Feuchtigkeit in den Sommern. Der Monsun ist Garant für regelmäßig fallenden Regen. Dadurch bestimmt er über das Schicksal von Millionen von Menschen. Gravierende Abweichungen von der über längere Zeit herrschenden Monsunstärke können entweder zu Trockenperioden führen oder zu verheerenden Überschwemmungen. Was die Forscher derzeit beobachten, läßt letzteres befürchten. Die Niederschlagsmengen nehmen zu und gefährden in Indien, Bangladesch und China die Lebensräume der dort lebenden Menschen. Auch die Ernten sind durch steigende Wassermassen bedroht, wie schon in den letzten Jahren mehrfach zu beobachten war.

Klimaverschiebungen gehen langsam vonstatten. Das Magazin „Bild der Wissenschaft“ berichtet in seiner März-Ausgabe: „In den letzten vier Jahrhunderten, als die nördliche Hemisphäre sich erwärmte, nahm die Windstärke des Monsuns stetig zu. Die Ursache dafür war – nach Modellrechnungen – eine Abnahme der mit Schnee bedeckten Flächen in Eurasien.“

Seit dem Ende der „Kleinen Eiszeit“ steigen die Niederschlagsmengen in Asien

Für den Zusammenhang zwischen Temperaturanstieg im Norden Eurasiens und dem Monsun im Süden haben Klimaforscher den Anstieg der Treibhausgase, aber auch verstärkte Sonneneinstrahlungen verantwortlich gemacht. Der asiatische Monsun wird von der Temperaturdifferenz auf dem nördlich von den Niederschlagsregionen gelegenen Tibetanischen Plateau (Himalaja) und dem Indischen Ozean im Süden „gespeist“, wie die Klimatologen sagen.

Indische und amerikanische Wissenschaftler haben in Fachzeitschriften wie z.B. „Science“ Bd. 297, S. 596 ausgeführt, daß sich der Trend zu immer stärkerer Monsuntätigkeit auch in Zukunft fortsetzen wird. Die meisten ihrer Klimamodelle sagen vor allem für das nördliche Eurasien einen weiteren Temperaturanstieg in den kommenden Jahrzehnten vorher. Daraus schlußfolgern die Forscher, daß künftig auch mit immer stärkeren Monsunregen zu rechnen ist.

Sie gründen ihre Schlußfolgerungen auch auf langjährige Beobachtungen. So auf eine Untersuchung von winzigen Plankton-Fossilien in bis zu 1000 Jahre alten Sedimenten vom Boden des Arabischen Meeres. Anhand der Zunahme dieser versteinerten Plankton-Spuren können sie die Schwankungen der Monsuntätigkeit über Jahrtausende hinweg verfolgen.

So sei seit Beginn der „Kleinen Eiszeit“ im Mittelalter gegen Ende des 13. Jahrhunderts die Monsuntätigkeit auffallend schwach gewesen. Damals setzte nach einer langen, relativ warmen Zeit eine deutlich kühlere Phase ein, die erst um die Mitte des 19. Jahrhunderts wieder endete. Seither ziehen sich die Gletscher im Alpenraum stark zurück und die Monsunregen in Asien nehmen ebenso deutlich zu.

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