Dilara Kazimova aus Aserbaidschan im Interviewvor dem Finale des Eurovision Song ContestEUROVISION-FINALE

Dilara Kazimova im Interview - Eurovision für Aserbaidschan ist eine große Verantwortung

Dilara Kazimova (Aserbaidschan) ist der Einzug ins Finale des Eurovision Song Contest mit Leichtigkeit gelungen. Trotzdem spürt sie die hohen Erwartungen, die nach Aserbaidschans zweitem Platz im letzten Jahr an sie gestellt werden. Wir haben sie gefragt, was beim Finale am Samstag die größte Herausforderung für sie sein wird. Die 29-jährige mit klassischer Gesangsausbildung antwortet professionell: Sie will ihren Song „Start a Fire“ für sich sprechen lassen.

Von Kristin Brueggemann

Dilara Kazimova tritt im Eurovision-Finale in Kopenhagen mit
Dilara Kazimova tritt im Eurovision-Finale in Kopenhagen mit "Start of Fire" für Aserbaidschan an

Eurasisches Magazin: Dilara, herzlichen Glückwunsch zu deiner Teilnahme in Kopenhagen! Was bedeutet der Eurovision Song Contest für dich?

Dilara Kazimova: Vielen Dank! Ich bin sehr stolz darauf, Finalistin zu sein. Ich bin so glücklich, ein Teil der Eurovision Familie zu sein!

EM: Du hast schon einmal versucht, Aserbaidschan beim ESC zu vertreten. Wie hast du dich diesmal gefühlt bei der Castingshow „Böyük Sehne“ (Große Bühne) als klar war, dass du gewonnen hast?

„Es ist eine riesige Verantwortung, mein Land zu vertreten“

Kazimova: Es war immer mein Traum, eines Tages beim ESC mitzumachen. Deshalb habe ich zwei Mal bei den nationalen Vorentscheiden mitgemacht. Dadurch hatte ich Zeit zu lernen, es hat mich schließlich zu der diesjährigen Vorentscheidung geführt. Als ich auf der Finalistenbühne stand und meinen Namen gehört habe, konnte ich es kaum glauben! Es ist ein unvergessliches Gefühl! Gleichzeitig ist es eine riesige Verantwortung für mich, mein Land zu vertreten.

EM: Dilara, du bist ein Profi vor der Kamera. Du hast in Aserbaidschan schon in zwei großen Filmen mitgespielt. Der ESC ist jedoch eine Liveshow. Was ist die größte Herausforderung für dich in Kopenhagen?

Kazimova: Die größte Herausforderung ist, den Kontakt zum Publikum zu herzustellen und zu verstehen, was du sagen willst und wie du es am besten rüberbringen kannst. Ich identifiziere mich sehr stark mit meinem Song „Start a fire“ und möchte, dass das Publikum seine tiefe Bedeutung fühlt.

„Privat höre ich ganz unterschiedliche Musik: Queen oder klassische Musik“

EM: Dein Lied ist recht ungewöhnlich für den ESC weil es keinen Refrain hat. Spiegelt es deinen eigenen Musikgeschmack wider? Was genau magst du daran?

Kazimova: Der Song ist etwas ganz Besonderes für mich. Ich habe ihn sofort gemocht, nachdem ich ihn das erste Mal gehört habe. Er hat mich sehr berührt.
Mein eigener Musikgeschmack hängt sehr von meiner Stimmung ab. Ich mag verschiedene Musikgenres: Oper, Soul, Jazz, Rock, aserbaidschanische Musik. Meine Mutter hat klassische Musik gespielt und mein Vater war ein Rockfan, er hat zum Beispiel Queen gehört. Deswegen mag ich so gut wie alle Musikgenres.

„Schon als Kind habe ich die traditionelle aserbaidschanische Musik gehört“

EM: In Aserbaidschan gibt es eine sehr lebendige, traditionelle Musik: Mugham (eine Form der Improvisationsmusik, die mündlich weitergegeben wird). Die UNESCO hat Mugham unter die Meisterwerke des Menschheitserbes aufgenommen. Inwiefern hat dich diese Musik in deiner professionellen Karriere beeinflusst?

Kazimova: Ich habe diese Volksmusik schon als Kind gehört und sie hat mich sehr stark beeinflusst. Besonders Mugham ist eine einzigartige Kunstform und ich habe sie immer bewundert.

EM: Spielt diese Musik auch eine Rolle für junge Menschen aus deiner Generation?

Kazimova: Die traditionelle Musik hat eine große Bedeutung für unser Land, sie ist ein auch ein wichtiger Bestandteil unseres Alltags. Wir respektieren und achten unsere kulturellen Traditionen.

„Die Beiträge der Ukraine gehören zu meine Lieblingssongs“

EM: Hast du einen Lieblingssong aus der Geschichte des ESC?

Kazimova: Es gibt eine Menge guter Songs und echter Hits. Ich mag zum Beispiel „Sweet people“ aus der Ukraine, „We could be the same“ und „Deli“ aus der Türkei. Natürlich mag ich auch die Lieder aus Aserbaidschan „When the music dies“ und den Gewinnersong „Running scared“.

EM: Was denkst du, was hat den Song von Ell& Niki 2011 so erfolgreich gemacht?

Kazimova: Es ist ein toller Song und großartige Künstler. Das ist das ganze Geheimnis.

EM: Spürst du die großen Erwartungen aus Aserbaidschan? Wie gehst du damit um?

Kazimova: Es ist sowohl eine große Verantwortung als auch eine große Ehre. Im Finale werde ich einfach mein Bestes geben.

EM: Wenn das Finale übertragen wird, wird es in Baku spät nach Mitternacht sein. Wird es dort Public Viewings geben? Wie wird es aussehen wenn deine Familie und Freunde die Show in Baku anschauen?

Kazimova: Weil Aserbaidschan noch nicht so lange dabei ist, ist die Veranstaltung wirklich sehr beliebt. Die meisten Menschen schauen die Show zusammen mit ihren Freunden und ihrer Familie. Meine Freunde haben mich während des Halbfinales sehr gut unterstützt, dafür bin ich ihnen sehr dankbar.

EM: Wie hast du Aserbaidschans Auftritt als Gastgeberland 2012 wahrgenommen? Welche Erinnerungen hast du von diesem Ereignis?

Kazimova: Es war eine große Ehre für Aserbaidschan, Gastgeber sein zu dürfen. Ich denke, es war eine der großartigsten Shows in der Geschichte des Wettbewerbs. Auch wenn das wahrscheinlich alle über ihre Heimatländer sagen. Aber ich bin ehrlich stolz auf mein Land und das Team, das diese wunderbare Show organisiert hat. Es war für alle Bürger des Landes die größte Party und der beste Urlaub- es gab jeden Tag Konzerte und Überraschungen.

„Bei Deutschland muss ich als erstes an die Mondscheinsonate denken“

EM: Warst du jemals in Deutschland?

Kazimova: Ich war schon oft da, ich bin dort oft gereist und würde gerne einmal wieder hin.

EM: Was fällt dir als erstes ein wenn du an Deutschland denkst?

Kazimova: Beethoven und seine Mondlicht Sonate- meine Mutter hat sie oft für mich gespielt als ich klein war.

EM: Was möchtest du den deutschen Lesern sagen?

Kazimova: Lasst das Feuer in euren Herzen brennen! Grüße aus Aserbaidschan nach Deutschland!

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