„Eiszeitjäger auf der Schwäbischen Alb“ von Jürgen WernerGELESEN

„Eiszeitjäger auf der Schwäbischen Alb“ von Jürgen Werner

Wie das Leben vor 40.000 Jahren auf der Schwäbischen Alb ausgesehen hat, wie bei Eis und Schnee Tiere gejagt wurden und wie der moderne Mensch auf den Neandertaler traf - das alles wird hier lebendig.

Von Hans Wagner

„Glückseligkeit“ von Zülfü Livaneli  
„Eiszeitjäger auf der Schwäbischen Alb“ von Jürgen Werner  

„Fünf Männer blicken über einen Felsvorsprung vorsichtig hinüber an das Flussufer. Sie verständigen sich durch Zeichen und achten sorgsam darauf, jeden Laut zu vermeiden.“ So beginnt der Autor den Erzählteil seines Buches, das vor rund 40.000 Jahren spielt.

Die Männer sind auf der Jagd. Sie wollen wilde Pferde erlegen und „zu Hause“ im Jägerclan warten Frauen, Kinder und alte Leute dringend auf das frische Fleisch. Es ist Winter und als Vegetarier hätten die Eiszeitmenschen keine Chance.

Mensch und Löwe jagten die gleiche Beute

„Die Menschen des Clans achteten den Löwen als ein ihnen ebenbürtiges Lebewesen. Denn die Löwen jagten dieselben Tiere wie die Menschen und sie jagten wie die Menschen meist im Rudel. Ein Löwenrudel war sogar in etwa so groß wie der Menschenclan.“

Die Tierwelt der Eiszeit wird in Jürgen Werners Buch lebendig: Neben wilden Pferden und Löwen waren es vor allem das Mammut und die Hyäne, die ihre Wege kreuzten. Hyänen trachteten nach der Beute des Eiszeitmenschen, so dass das mühsam erjagte Wild immer gut bewacht werden musste. In den Höhlen der Alb waren es ebenfalls die Hyänen, die den gleichen menschlichen Lebensraum beanspruchten. Von beiden gibt es besonders viele Spuren in den Karsthöhlen des Juras.

Werner beschreibt die Unterschiede in den Jagdstrategien. Er schildert neben dem Clan der Jäger, die wie das Löwenrudel jagten, einen Clan der Sumpfmenschen. Dieser trieb das zu erlegende Tier in die Untiefen der Flüsse, wo es bis über den Bauch versank und mit den Speeren erlegt werden konnte. Und es kommt ein Clan der Fallensteller vor, der die Mammuts in Gruben fing und tötete.

Das ewige Eis vor Augen

Beim Frühlingsfest trafen die Clans zusammen, hielten gemeinsam eine Jagd ab. Vom Feuerberg aus war beim Blick nach Süden die Kette der eisbedeckten Alpen- und Voralpenberge sichtbar. „Man sah bis in die Gegend des ewigen Eises.“

Menschen mit besonderen spirituellen Fähigkeiten tauchen auf. Elfenbeinschnitzer, die aus den Stoßzähnen der Mammute Kunstwerke der Jagdmagie schufen. Und auch in der Eiszeit gab es schon das, was 40.000 Jahre später der deutsche Reichskanzler Otto von Bismarck so formulierte: „Es wird nie so viel gelogen wie vor der Wahl, während des Krieges und nach der Jagd.“

Die Clanmenschen und die Erdmenschen

Viele magische Augenblicke werden in der Erzählung lebendig. Vorahnungen und Löwenzauber, die Bedeutung von Trophäen, die Angst in den Eisnächten, heilsame Birkenrinden und das Sterben von Weggefährten. Die modernen Menschen der Clans treffen immer wieder auf die Erdmenschen, womit die Neandertaler gemeint sind. Als ein Mann vom Clan bei den Erdmenschen landet, tasten die Frauen zwischen seine Beine, ob er auch so beschaffen sei wie ihre Männer.

Das Höhlenleben und die vielen kleinen Dinge des Alltags eines Menschen in der Eiszeit werden lebendig, ebenso Gefühle, Schamanismus, Liebe. das ist das große Verdienst des Autors, dass er den Begriff „Eiszeitjäger“ in seiner ganzen Dramatik sichtbar werden lässt und ihn spannend und mit großer Sachkunde erzählt.

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Rezension zu: „“Eiszeitjäger auf der Schwäbischen Alb“ von Jürgen Werner, Gerhard Hess Verlag 2008, 172 Seiten, Zeichnungen, Grabungsberichte und Quellen im Anhang, 12,90 Euro, ISBN 978-3873363595 .*

Eurasien Rezension

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