Ende einer Dienstfahrt – attraktive Russin wird dem Kripo-Chef Michael Perler beruflich zum VerhängnisSCHWEIZ

Ende einer Dienstfahrt – attraktive Russin wird dem Kripo-Chef Michael Perler beruflich zum Verhängnis

Weil er seine russische Freundin mit auf eine Dienstreise nach St. Petersburg nahm, wurde der Chef der Schweizer Bundeskriminalpolizei, Michael Perler, beurlaubt. Russischen Medien gefällt das nicht.

Von Ulrich Heyden

S ie waren ein ungewöhnliches Paar. Wie der Kontakt zwischen dem ehemaligen Chef der Schweizer Bundeskriminalpolizei Michael Perler und der in St. Moritz tätigen russischen Ski-Lehrerin Jelena T. genau zustande kam, ist nicht überliefert. Nur so viel ist bekannt:  Der 44jährige Perler sprach die sechs Jahre jüngere, attraktive Russin in einem Café an. Man lernte sich kennen. Das war im Januar 2010. Die beiden wurden ein Paar, sahen sich vor allem am Wochenende.

Jelena, die aus Puschkino bei St. Petersburg stammt, lebt zu diesem Zeitpunkt schon seit 13 Jahren in der Alpenrepublik und hatte nach einer Heirat in ihrer neuen Heimat auch einen Schweizer Pass. Im Ski-Urlaubsort St. Moritz arbeitet die gelernte Textil-Technologin  als Ski-Lehrerin und Modeberaterin für gut betuchte Russen.

Dunkle Wolken über dem Flitter-Pärchen

Doch dann, im Sommer 2010 brauten sich dunkle Wolken über dem Flitter-Pärchen Michael und Jelena zusammen. Weil der Kripo-Chef seine russische Freundin mit auf eine Dienstreise nach St. Petersburg nahm, zu einem Anti-Mafia-Kongress, musste Perler Ende September seinen Posten räumen. Wegen der Reisekosten gab es keine Beanstandungen. Jelena T. reiste nicht auf Kosten des Schweizer Staates nach St. Petersburg.

Perler hatte seine Freundin vor der Reise sogar vom behördeneigenen Sicherheitsdienst überprüfen lassen. Doch die Überprüfung durch die Untergebenen sei nichts wert gewesen, bemängelte ein Gericht in der Schweiz.

Perlers Dienstreise „staatsgefährdend“

Gegen seine Beurlaubung legte Perler Widerspruch ein. Doch nach der Reise wurde der Kripo-Chef selbst überprüft. Und die Fachstelle für Personensicherheitsprüfung im Schweizer Verteidigungs-Department kam zu dem Schluss, das Perler in seiner Funktion ein „Sicherheitsrisiko“ darstelle.

Dieser Einschätzung widersprach Kripo-Chef  und legte auch hiergegen Beschwerde ein. Doch das Schweizer Bundesverwaltungsgericht bestätigte die Zwangsbeurlaubung. Perlers Entscheidung, seine russische Freundin auf eine Dienstreise mitzunehmen, sei „höchst problematisch, risikoreich und im weitesten Sinne staatsgefährdend“ gewesen, so das Gericht. Perler, der sein Amt als Chef der Bundeskriminalpolizei, erst vor zwei Jahren angetreten hatte wurde in den bezahlten Urlaub geschickt. Der Ex-Kripo-Chef will seine Beurlaubung nun vor dem Schweizer Bundesgericht anfechten.

Der Tipp kam aus dem Umfeld des Kripo-Chefs

Den Skandal um den Schweizer Kripo-Chef schob die rechtskonservative „Weltwoche“ im Juni letzten Jahres mit einer Kurznotiz über die umstrittene Reise nach St. Petersburg an. Offenbar hatte das Blatt aus der Gruppe der Schweizer, die an dem Anti-Mafia-Kongress in St. Petersburg teilnahmen, einen Tipp bekommen. Reißerisch titelte die „Weltwoche“: „Bei der Bundeskriminalpolizei (BKP) geht Liebe über Sicherheit.“ Eine „handverlesene BKP-Delegation“ unter Leitung ihres Chefs Michael Perler studiere in St. Petersburg mit russischen Amtskollegen die Aktivitäten der Mafia. „Höchst irritiert“ seien die Mitarbeiter, dass nicht nur Schweizer Polizisten mit von der „hochsensiblen Partie“ sind, „sondern auch Perlers neue Freundin, eine Russin.“

Internet-User haben Verständnis für Perler

Seitdem beschäftigt der Fall Perler die Medien der Alpenrepublik. Internet-User in der Schweiz haben Verständnis für Perler - er sei eben ein Mann –, sorgen sich aber, das Ansehen der Bundeskriminalpolizei könne unter dem Skandal leiden.

Wie nicht anders zu erwarten wurde der Fall Perler zum Medien-Hype. Journalisten des Boulevardblatts „Blick“ lauerten Jelena T. auf, fotografierten sie und wollten ein Interview erzwingen. Doch Jelena T. weigerte sich, die Haustür zu öffnen. Durch den Türspalt tat sie lediglich kund, dass sie für die Schweiz kein Sicherheitsrisiko darstelle.

Es gab keine Reisevorschriften

Ob der Chef der Schweizer Kriminalpolizei überhaupt Regeln verletzt hat, darüber gehen die Meinungen bei den Schweizer Medien auseinander. Perler sei „über fehlendes Risikobewusstsein und mangelnde Einsicht gestolpert“, kommentierte die „Neue Züricher Zeitung“. Die Wochenzeitung „Der Sonntag“ dagegen zitierte einen Vertreter des Schweizer Bundesamtes der Polizei (fedpol), der erklärte, es gäbe „keine internen Vorschriften, welche die Begleitung von Privatpersonen regeln“.

Russisches Staatsfernsehen greift den Fall auf

Der Fall Michael Perler/Jelena T. beschäftigt nun auch die russischen Medien. Gegenüber dem staatlichen Fernsehsender „Pervi Kanal“ erklärte der Sprecher des Schweizer Bundesverwaltungsgerichts, Andrea Arcidiacono, „natürlich“ könne sich auch ein Polizist verlieben. Er werde jedoch zum Sicherheitsrisiko „wenn die privaten Interessen über die beruflichen Interessen gestellt werden.“ 

Die Moskauer Wochenzeitung „Argumenti Nedeli“ meinte, das „Herz von Europa“ sei voller Vorurteile gegenüber Russland. In Europa „passieren manchmal Dinge, die nicht häufig in totalitären Staaten passieren“. In der Schweiz könne man offenbar „wegen einer Beziehung zu einem Ausländer seine Karriere verlieren. Insbesondere wenn dieser Ausländer eine sympathische Russin ist.“

„Jede Russin im Westen eine Anna Chapmann“

Auch in der russischen Internet-Gemeinde wird der Fall Perler debattiert. Nach einem Bericht der Internetzeitung Fontanka.ru kommtierte scherzte User Arnor, „eine russische Frau – das ist gut! Aber gefährlich. Da braucht man einen russischen Muschik (Bauern, U.H.)“. User Sersch78 schrieb: „Nun sieht man in jeder russischen Frau im Westen die Spionin Anna Chapman.“
Russische Behörden haben sich zu dem Fall bisher nicht geäußert. Der stellvertretende Pressesprecher des russischen Innenministeriums, Oleg Jelnikow, erklärte auf Anfrage, „ich weiß nichts von dem Thema“. Deshalb könne er die Angelegenheit auch nicht kommentieren.

Kabinettsmitglieder mit ausländischen Ehepartnern

Unterdessen sorgt sich aber die russische Gemeinde in der Schweiz um das Ansehen der eigenen Landsmannschaft. Die Russen, die in der Schweiz leben, lässt der Skandal um Perler und seinen Freundin nicht kalt. Die russischsprachige Schweizer Internetzeitung NashaGazeta.ch kommentierte, offenbar werde bei der Behandlung von Ausländern mit zweierlei Maß gemessen, denn es gäbe in der Schweiz sogar Kabinettsmitglieder, mit Partnern bzw. Partnerinnen aus dem Ausland. Das werde allerdings nicht an die große Glocke gehängt. Die Ehefrau des Schweizer Verteidigungsministers Ueli Maurer komme aus Ghana. Der bisherige Chef der Schweizer Migrationsbehörde, Alard du Bois-Reymond sei mit einer Kongolesin verheiratet. Und die Schweizer Außenministerin Micheline Calmy-Rey mit einem Mann, der Anfang der 1950er Jahre aus Rumänien in die Schweiz geflüchtet sei. 

„Putin habe ich nie getroffen“

Jelena T. hält sich gegenüber Medien bedeckt. Trotz mehrerer Anfragen war sie nicht bereit, meine Fragen zu beantworten. Gegenüber der Schweizer Wochenzeitung „Der Sonntag“ erklärte die Russin, dass sie keinen Kontakt mehr mit Michael Perler habe. Perler sei für sie „ein Mann“ gewesen „und kein Polizist.“ Die Medienberichte über ihr Verhältnis zu dem Schweizer Kripo-Chef findet Jelena T. „nicht fair“. Freimütig erzählt die Russin in dem Interview, dass ihr Vater Berufsoffizier war. Er sei bei einer Bau-Division an einer militärischen Hochschule tätig gewesen. Derartige Lebensläufe sind in Russland mit seiner Riesen-Armee nichts Ungewöhnliches. Nein, Putin hab sie nie in der Schweiz getroffen, erklärte Jelena auf die bohrenden Fragen des Journalisten.

Russland

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