Erfolgreiche europäisch-japanische Wirtschaftsförderung in ZentralasienUSBEKISTAN

Erfolgreiche europäisch-japanische Wirtschaftsförderung in Zentralasien

EBRD und Japan stellen gemeinsam weitere Fördermittel für Mikrokreditgeschäft in Usbekistan bereit

Von Gunter Deuber

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ie Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD, European Bank for Reconstruction and Development) hat in Kooperation mit Japan ihr finanzielles Engagement in Usbekistan beträchtlich ausgeweitet. Am 21. Juli wurde in Taschkent eine Zusage von weiteren drei Millionen US-Dollar zur Mikrokreditförderung in Usbekistan unterzeichnet. Damit wurde ein seit drei Jahren erfolgreich bestehendes Kooperationsprojekt zwischen der EBRD, Japan und Usbekistan fortgesetzt, durch das einschließlich der neu zugesagten finanziellen Mittel, rund zehn Millionen US-Dollar für das zentralasiatische Land bereitgestellt werden konnten.

Die EBRD als eurasische Entwicklungsbank

Die EBRD, mit Hauptsitz im europäischen Finanzzentrum London, wurde 1991 gegründet, um den Privatisierungs- und Transformationsprozeß in Mittel-, Ost- und Südosteuropa finanziell zu flankieren. Kapitalgeber der multilateralen Bank sind 58 europäische und außereuropäische Staaten, sowie die Europäische Union und die Europäische Investitionsbank (EIB). Seitdem hat die Staats- und Entwicklungsbank ihr Engagement kontinuierlich ausgebaut und auf Rußland, sowie die GUS-Staaten in der Kaukasusregion und Zentralasien ausgeweitet. Damit hat sich die EBRD quasi zur eurasischen Entwicklungsbank entwickelt.

Die EBRD ist in den Transformationsstaaten mit lokalen Büros präsent und bietet allen Ländern, die sich zu einer pluralistisch, demokratischen Staatsform und marktwirtschaftlichen Strukturen bekennen, finanzielle Hilfe und Beratungsleistungen bzw. Humankapitalhilfe an. Das Hauptaugenmerk der Finanzhilfen liegt auf der Förderung von Infrastrukturvorhaben, ökologischen Projekten, sowie dem Banken- und Finanzsektor. Ein leistungsfähiger Bankensektor ist für die positive wirtschaftliche Entwicklung von Volkswirtschaften von besonderer Bedeutung, da die erfolgreiche Finanzintermediation von gespartem Kapital in Kredite die Wachstumsmöglichkeiten einer Volkswirtschaft bestimmt. Die Banken- und Finanzsysteme der meisten Transformationsstaaten weisen aber eine erhebliche Rückständigkeit auf, wie die Relation der vergebenen Kredite im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt zeigt. Gerade auch die Mikrokreditvergabe der Banken an beschäftigungsintensive kleine und mittlere Unternehmen (KMUs), die in der Regel unter Kapitalmangel leiden, ist für die wirtschaftliche Entwicklung von Transformationsökonomien von herausragender Wichtigkeit. Eine bessere Versorgung mit Kleinstkrediten durch inländische Banken will die EBRD mit ihrem Engagement in Transformationsstaaten fördern.

Förderung des Mikrokreditgeschäftes in Usbekistan

Gerade zu diesem Zwecke erfolgte die Vergabe der drei Millionen US-Dollar an die usbekische Hamkor-Bank, die die aktivste Bank im lokalen Mikrokreditgeschäft ist. Inklusive der aktuell zugesagten Gelder wurde die Hamkor-Bank als Marktführer im Kleinkreditgeschäft bisher mit circa fünf Millionen US-Dollar durch die EBRD „belohnt”. Die auch in ländlichen Gebieten präsente Hamkor-Bank vergibt im Monatsdurchschnitt derzeit rund 500 Kleinkredite. Im Geschäftsbereich Mikrokredite verfügt sie über ein Kreditportfolio von circa 10 Millionen US-Dollar. Die EBRD unterstützt aber nicht nur die Hamkor-Bank, sondern auch drei weitere usbekische Banken, die Uzjilsberbank, die Pakhta-Bank und die Ipak-Yuli-Bank. Mit der europäisch-japanischen finanziellen Hilfe konnten usbekische Banken seit Beginn des Engagements im Jahre 2001 rund 8.000 Kredite an KMUs vergeben. Durch die Unterstützung der EBRD und mit Hilfe des eurasischen Förderprogrammes konnten zudem in den vergangenen Jahren 120 usbekische Mikrokreditspezialisten ausgebildet und 20 auf Kleinkredite spezialisierte Abteilungen in zehn usbekischen Städten gegründet werden.

Durch das japanisch-europäische Gemeinschaftsprogramm in Usbekistan, unter Beteiligung der EBRD, sind Mikrokredite einfacher und zu besseren Konditionen verfügbar. Die bisherigen Erfolge der EBRD in Usbekistan und anderen Transformationsstaaten zeigen die Vorteile ihres integrierten, mikroökonomisch und projektbezogenen Wirtschaftsförderungsansatzes. Die jüngste Kreditvergabe an Usbekistan macht erneut deutlich, daß sich die EBRD zunehmend als eurasische und nicht rein europäische Entwicklungsbank definiert.

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Der Autor nimmt an einem Postgraduiertenprogramm der Universität Bayreuth teil und berichtet auch regelmäßig für die Deutsche Allgemeine Zeitung, Kasachstan, sowie für das Bulgarische Wirtschaftsblatt und den in Sofia erscheinenden Südosteuropäischen Report.

Wirtschaft Zentralasien

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