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Eurasien - Kontinent des Brotes

Von EM Redaktion
17.06.2002 Drucken Senden Kommentieren
Seit mehr als zehntausend Jahren gehören Getreide und Brot zu den Grundnahrungsmitteln des Menschen. Aber auf keinem anderen Erdteil wird mehr Brot gebacken und gegessen als auf dem eurasischen Kontinent. Schon 5 000 Jahre vor der abendländischen Zeitrechnung war in Ägypten und Babylonien die Kunst des Brotbackens hoch entwickelt. Sogar Sauerteig wurde dazu bereits verwendet.

In keinem der rund einhundert eurasischen Staaten gibt es mehr Brotsorten als in Deutschland. Über 300 verschiedene Arten von Brot und sogar mehr als 1 200 Sorten von Kleingebäck wie Brötchen, Schrippen, Wecken, Brezen, Schnecken und Stangen gibt es zwischen Nordsee und Alpen. Mit über 80 Kilo Brotverzehr pro Kopf liegt Deutschland auch im Verbrauch an der Spitze der eurasischen Länder.

Tief in der Kultur des Landes ist das Brot auch in Rußland verankert. Die Sitte, Gäste mit Brot und Salz zu begrüßen, ist ein sehr alter Brauch. Dafür gibt es im Russischen sogar ein zusammengesetztes Wort aus Chleb (Brot) und Sol (Salz): es heißt Chlebosolstwo und bedeutet „Gastfreundlichkeit“.

Kein Essen in Rußland kommt ohne Brot auf den Tisch. Es wird zu Salat und Suppe, zu Kartoffeln und Fleisch, zu Pelmeni und Nudeln gegessen. „Brot ist für alles ein Haupt“, lautet ein russisches Sprichwort.

In Moskau findet alljährlich im Frühjahr ein Brotfest statt. Vier Tage lang wird im Allrussischen Ausstellungszentrum (WWZ) ein Schaubacken veranstaltet und ein Wettbewerb unter den edelsten Kreationen der Bäcker abgehalten. Dieses Jahr erregte besonders die Privatbäckerei „Solotoroschskaja Niwa“ einiges Aufsehen, als sie ihre nach deutschem Rezept gebackenen Kornspitzen präsentierte.

Das deutsche Wort „Butterbrot“ ist in den russischen Sprachgebrauch eingegangen und zeugt von der zeitweise engen Berührung beider Kulturen. Daß ausgerechnet dieses Wort entlehnt wurde, verdeutlicht wiederum die Bedeutung, die man dem Brot in Rußland beimißt.

Bei den Ackerbau betreibenden Völkern Eurasiens war das Brot seit altersher heilig. Ob bei den Germanen oder den Slawen, bei Asiaten oder Orientalen, bei Juden oder Christen: in allen Kulturen und Religionen gab und gibt es Festgebäcke mit kultischer Bedeutung. Sie werden verziert und geschmückt, nach bestimmten Riten gebacken, aufbewahrt und angeschnitten. Seit dem Mittelalter haben Brote überall die früher auch noch üblichen Getreidebreie (heute noch in Afrika verbreitet und als „Müsli“ weltweit wieder im Kommen) verdrängt.

In der Türkei, weiten Teilen Asiens, in Griechenland und im gesamten Orient ist das Fladenbrot bestimmend, nicht der Brotlaib oder das Kastenbrot, wie man es in Rußland und Westeuropa kennt. In der Türkei wird es Pide genannt. Ein mit Döner gefülltes Fladenbrot heißt Yaprak.

Die Uiguren im westlichen China backen sogar auf ihren weiten Wüstentouren mit dem Kamel täglich frisches Fladenbrot. Es wird in der Holzglut des Lagerfeuers bereitet und mit einem aufgeschlagenen Ei verzehrt.

In Nepal heißt das am weitesten verbreitete Fladenbrot „Roti“. Es wird aus unterschiedlichsten Getreidesorten hergestellt. Bevorzugt wird Weizen, aber die Brahmanen beispielsweise essen auch Maisroti. Aus Hirse und Buchweizen besteht das Roti bei den ärmeren Schichten der Bevölkerung.

In den ländlichen Regionen Persiens ist Fladenbrot ebenfalls ein Hauptnahrungsmittel. Dazu werden meistens Ziegenkäse und heißer Tee gereicht. Die Inder nennen ihr Fladenbrot Naan.

Die italienische Pizza in all ihren Variationen ist inzwischen von Nordafrika bis zum Nordkap und von Wladiwostok bis zur Estremadura verbreitet. Die Spezialität „Ciabatta“ aus der Toskana ist längst zum Bestandteil deutscher und europäischer Partybüffets geworden. Und das französische Baguette hat Verbreitung in fast ganz Eurasien gefunden.

In Skandinavien werden gesüßte Brote gebacken, die sich bei Europäern anderer Regionen jedoch keiner besonderen Beliebtheit erfreuen. Im Orient, in der Türkei und in China werden die Fladenbrote häufig mit Schwarzkümmelsamen bestreut, was ihnen einen ganz besonders würzigen Geschmack verleiht und zudem noch die Gesundheit fördert. In Deutschland und Rußland kennt man Kümmelbrote und Sesamgebäck.

Spanier und Portugiesen lieben vor allem Weißbrot. In Spanien wird zu den beliebten Tapas (Häppchen) Toast gereicht oder Baguettescheiben.

Es ist fast unmöglich, irgendwo in Eurasien zu speisen, ohne Brot dazu gereicht zu bekommen. Brot ist zum Synonym für eine sichere Ernährung geworden. Überall gibt es Brotmuseen (in Deutschland mindestens zwei). Und wenn in Eurasien für hungernde Menschen irgendwo auf dem Globus gesammelt wird, dann heißt die Aktion selbstredend „Brot für die Welt“.  

Interessanter Link dazu: www.butterbrot.de

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