Eurasien-Ticker 05-10

Eurasien-Ticker 05-10

Wolf Schneider wird 85 · Forschungsfahrt in den Pazifik · Erdgasspeicherung in Deutschland immer wichtiger · Der Bund in Schanghai wiedereröffnet · Zuviel Himalaya-Schnee bringt Indien Dürre · Kooperation mit Weißrussland im Bereich Energieeffizienz

Von EM Redaktion

Wolf Schneider wird 85

EM - Dass ein Autor, der gerade 85 wird, sein neuestes Buch an Jugendliche richtet, mag an Vermessenheit grenzen. Nicht so, wenn der Autor Wolf Schneider heißt, der am 7. Mai Geburtstag feiert. Sein neuester Titel: „Deutsch für junge Profis“ (Rowohlt Berlin). Für dieses Thema gibt es keinen Zweiten in Deutschland. Keinen, den die Kritik so einhellig als den „Zuchtmeister der deutschen Sprache“ feiert. Denn was Schneider seit Jahrzehnten über die Gesetzte des lesbaren Deutsch predigt, gilt für Blogs, Twitter und Online-Journalismus gleichermaßen. So setzt er mit diesem Buch ganz selbstverständlich fort, was er in den acht vorangegangenen Werken zur Perfektion getrieben hat. Und er bestätigt damit erneut seinen Ruf als meistgelesener Lehrer und Hüter deutscher Sprachkultur.

Als Journalistenausbilder schafft er es bis heute, die Versuchungen der Berufsschreiber mit pädagogischem Eifer zu brandmarken und legt persönlich das beste Beispiel vor im Ringen um die richtige Formulierung. „Sprachpapst“ der Deutschen, so kennen ihn die meisten. Für viele Leser ist er außerdem ein Journalist von altem Schrot und Korn, einer, der sein Publikum zu interessieren und zu packen weiß. Mit über 20 Büchern gehört er zu den erfolgreichsten und produktivsten Sachbuchautoren in Deutschland.

Forschungsfahrt in den Pazifik

EM - Unter Leitung der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) bricht eine Gruppe von 23 Wissenschaftlern aus vier großen deutschen Meeresforschungsinstituten am 15. April 2010 von Papeete (Tahiti) aus zu einer fünfwöchigen Expedition mit dem deutschen Forschungsschiff „Sonne“ in den Zentralpazifik auf. Ihr Ziel: der Manganknollengürtel zwischen Hawaii und Mexiko. Neben Forschern der BGR nehmen Vertreter des Leibniz-Institutes für Meereswissenschaften in Kiel, des Alfred-Wegener Institutes für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven und des Deutschen Zentrums für Marine Biodiversitätsforschung am Senckenberg-Institut in Wilhelmshaven an der Expedition teil, um das deutsche Lizenzgebiet zur Exploration von Manganknollen weiter zu erkunden.

 „Manganknollen sind eine Rohstoffquelle der Zukunft“, erklärt BGR-Expeditionsleiter Dr. Carsten Rühlemann. „Zur Entstehung und zum Vorkommen von Manganknollen gab es bereits in den 1970er und 1980er Jahren intensive Forschungstätigkeiten. Hochmoderne Analysemethoden machen aber erst heute die Beantwortung komplexer Fragen möglich“, so Rühlemann. „Wir wollen wissen, welchen Beitrag marine Mikroorganismen zur Bildung der Knollen leisten oder welchen Einfluss die chemische Zusammensetzung der Porenwässer in den Sedimenten des Meeresbodens hat. Das Wasser zwischen den Mineralpartikeln ist die Stoffquelle für die Metalle der Knollen.“

Weitere Informationen: http://www.bgr.bund.de/cln_109/nn_325028/DE/Themen/MeerPolar/Meeresforschung/Tiefseebergbau/tiefseebergbau__node.html?__nnn=true

Erdgasspeicherung in Deutschland immer wichtiger

EM - Neue Versorgungswege und Vorsorgestrategien sorgen dafür, dass die Erdgasspeicherung in Deutschland zunehmend an Bedeutung gewinnt. Nach einer aktuellen Erhebung des Landesamtes für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) wird sich das Gasspeichervolumen aufgrund bereits im Bau befindlicher Kavernen und Porenspeicher sowie weiterer geplanter Projekte in den nächsten Jahren um weit mehr als die Hälfte der bisherigen Kapazität erhöhen. Besonderen Anteil daran haben neue Kavernenspeichervorhaben in Niedersachsen.

 „Niedersachsen wird immer mehr zur Erdgasdrehscheibe. Knapp drei Viertel des zusätzlichen Arbeitsgasvolumens sollen in neuen Speicher-Projekten in Niedersachsen realisiert werden“, so LBEG-Präsident Lothar Lohff. Zu den wichtigsten Vorhaben zählt zum einen das Projekt in Etzel (Landkreis Wittmund). Dort haben die Unternehmen IVG Caverns GmbH und E.ON Gas Storage GmbH (EGS) mit dem Bau der ersten von insgesamt 65 neuen Salzkavernen begonnen. Das andere Großprojekt ist in Jemgum (Landkreis Leer) angelaufen. Das Unternehmen EGS plant einen weiteren Kavernenspeicher in diesem Gebiet. Außerdem sollen weitere Projekte in Empelde (Region Hannover), Nüttermoor (Leer) und Ohrensen (Landkreis Stade) verwirklicht werden. Insgesamt sind für Niedersachsen Projekte mit einem Volumen von rd. 10 Milliarden Kubikmeter geplant.

Zu den Großprojekten außerhalb Niedersachsens zählt Epe (Kreis Borken) in Nordrhein-Westfalen. Am derzeit größten Kavernenspeicher-Standort der Welt, wo inzwischen acht Unternehmen tätig sind, entstehen zu den bereits rd. 60 vorhandenen weitere 17 Salzkavernen. Daneben gibt es weitere Vorhaben in unterschiedlicher Größe in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und Thüringen. 

Die Gesamtkapazität der deutschen Speicher soll sich von derzeit rd. 21 auf rd. 37 Milliarden Kubikmeter erhöhen. Mehr als die Hälfte des Speichervolumens wird dann allein auf das Konto der niedersächsischen Standorte gehen. In der Weltrangliste der Erdgasspeicherländer steht Deutschland nach den USA, Russland und der Ukraine auf Platz vier mit zurzeit 47 in Betrieb befindlichen Speichern. Mit dem Ausbau der Speicherkapazitäten will die Industrie flexibler auf neue Marktentwicklungen reagieren können, die sich auch aus dem künftig wachsenden Angebot an russischem Erdgas aus der Ostseepipeline (Nord Stream) ergeben.

Der Bund in Schanghai wiedereröffnet

Rechtzeitig vor der EXPO 2010 wurde „Der Bund“ – weltberühmter Prachtboulevard von Schanghai - nach dreijähriger Bauzeit wieder für die Fußgänger freigegeben. Gemäß dem EXPO-Thema „Better City – Better Life“ wurde Der Bund für die Fußgänger um 40 Prozent vergrößert und verlängert. Dafür ist die Fahrbahn entlang des Huangpu-Flusses von elf auf vier Fahrbahnen verkleinert worden. Nun unterführt ein 3,3 Kilometer langer doppelstöckiger Autotunnel die Uferpromenade. Die Kosten für das Projekt werden auf über 500 Million Euro geschätzt.

Der Bund in Schanghai ist eine 1,5 Kilometer lange Uferpromenade gegenüber der Sonderwirtschaftszone Pudong am Huangpu-Fluss. Er besteht aus 52 Häusern mit kolonialer Vergangenheit und eine der Haupttouristenattraktionen Schanghais. Am Bund startet auch die wohl berühmteste Einkaufsstraße Chinas: die Nanjing-Lu.

Eisenbahnverbindung zwischen Peking und London?

EM – Die Eisbahnbehörde der Volksrepublik Chinas hat angekündigt, eine Bahn-Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Peking und London zu planen. Die Reise von der chinesischen Hauptstadt bis zum Zielbahnhof in Großbritannien soll demnach in zwei Tagen bewältigt werden und durch den Nahen Osten, Pakistan und Indien führen. Schon in zehn Jahren wollen die chinesischen Behörden die Strecke fertig gestellt haben.

Die Pläne der Chinesen sind eine weitere kreative Idee, Eurasien zusammenzubringen. Es gibt derlei schon einige:

Siehe „Eurasischer Transportkorridor“ EM 08-2008, 17. „Eurasien: Wie die Schienenwege zwischen Deutschland und Russland verflochten werden“, EM 06-2008, „Güterverkehr Europa-Asien: Die Bahn erschließt den Kontinent Eurasien“, EM 11-2006,  „konkurrenz für die Transsib: Transeurasische Eisenbahn“,  EM 05-2004.

Zuviel Himalaya-Schnee bringt Indien Dürre

EM - Jedesmal wenn es am Himalaya besonders schneereiche Winter gibt, folgt in Indien ein schwacher Monsunregen im Sommer, der häufig auch zu Dürrekatastrophen führt. Diese Tatsache ist schon seit Beginn der Aufzeichnungen vor 130 Jahren bekannt, ohne dass man sie erklären konnte. Warum das so ist, haben nun Forscher der Universität Reading http://www.reading.ac.uk erforscht. Ihre Erkenntnisse wurden in der Zeitschrift „Climate Dynamics“ veröffentlicht.

„Laut unseren Forschungen liefert der Winterschnee im Himalaya und auf der tibetischen Hochebene einen gute Prognose für den Monsuneinbruch in Indien, sofern starke Einflüsse des tropischen Pazifiks ausbleiben“, erklärt Studienleiter Andy Turner. Der Monsunbeginn ist für den nordindischen Ackerbau ganz entscheidend, da ein Ausbleiben des Regenfalls zu Beginn der Vegetationszeit katastrophale Auswirkungen auf die Ernte haben kann.

Frühere Forschungen waren davon ausgegangen, dass auch eine Verbindung zwischen dem Schneefall in der noch viel größeren Region des nördlichen Eurasiens und dem Monsun besteht. Nun zeigte sich der Himalayawinter als weit wichtigerer Faktor. Das Thema hat hohe wirtschaftliche Bedeutung, hängt doch mehr als ein Drittel der Weltbevölkerung von den Monsun-Regenfällen ab, die jährlich über Indien und die anderen Ländern Süd- und Ostasiens niedergehen.

Kooperation mit Weißrussland im Bereich Energieeffizienz

EM - Deutschland und Weißrussland (Belarus) verstärken ihre Zusammenarbeit zur Steigerung der Energieeffizienz und Nutzung erneuerbarer Energien. Auf dem Energieforum im Rahmen der Hannover Messe unterschrieben am 22. April die Deutsche Energie-Agentur GmbH (dena) und das Department für Energieeffizienz des Staatlichen Komitees für Standardisierung der Republik Belarus dazu eine Kooperationsvereinbarung.

Stephan Kohler, Vorsitzender der dena-Geschäftsführung: „Die weißrussische Regierung will ihre Energieinfrastruktur grundlegend modernisieren und die Energieproduktivität erhöhen. Deutsche Unternehmen sind dafür ideale Partner. Die vereinbarte Kooperation wird der deutsch-weißrussischen Zusammenarbeit im Energiesektor wichtige Impulse geben. Davon werden beide Seiten profitieren.“

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