Eurasien-Ticker 06-09

Eurasien-Ticker 06-09

Deutsch-russische Expedition mit dem Forschungsschiff „Sonne“ · Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) eröffnet Büro in Brüssel · Japaner essen neuerdings mehr Fleisch als Fisch · Kasachstan plant Errichtung einer nuklearen Brennstoffbank · Tatort Adria - Vogeljagd auf dem Balkan · Immer mehr Auswanderer aus Deutschland kehren zurück

Von EM Redaktion

Deutsch-russische Expedition mit dem Forschungsschiff „Sonne“

EM – Deutsche und russische Wissenschaftler des Forschungsprojekts „KALMAR“ wollen die untermeerischen Vulkanberge vor Kamtschatka entschlüsseln. Sie brachen Mitte Mai mit dem deutschen Forschungsschiff Sonne von Yokohama (Japan) aus zu einer dreiwöchigen Expedition in den Nordwestpazifik auf.

Unter wissenschaftlicher Leitung der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) soll der nördlichste Bereich der untermeerischen Vulkankette „Emperor Seamount Chain“ untersucht werden. An Bord der „Sonne“ befindet sich eine Gruppe von 25 deutschen und russischen Wissenschaftlern und Technikern.

„Unsere Aufgabe ist es, die erloschenen Vulkane genau zu vermessen, um weitere Aufschlüsse über die geologische Entwicklung der russischen Halbinsel Kamtschatka zu erhalten“,  erklärt BGR-Expeditionsleiter Dr. Christoph Gaedicke. Im Verlauf der vergangenen 85 Millionen Jahre sind die Vulkane, die sich einstmals südöstlich im Bereich des Hawaii-Archipels gebildet haben, mit der pazifischen Platte nach Nordwesten in Richtung Kamtschatka gewandert und tauchen dort langsam unter dem eurasischen Kontinent ab. „Auf diese Weise üben die untermeerischen Vulkane einen entscheidenden Einfluss auf die Verformung der Halbinsel, die Erdbebentätigkeit und den Vulkanismus aus“, so Gaedicke.

Mit seismischem Gerät bestimmen die Forscher den Aufbau der Erdkruste. Sonden werden eingesetzt, um das Alter und die Dichte des Ozeanbodens und der untermeerischen Vulkane zu ermitteln. Mit bordeigenen Instrumenten wird die Morphologie des Meeresbodens genau kartiert.
Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung finanzierte Projekt wird unter der Koordination des Leibniz-Instituts für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR) in Kiel durchgeführt. Vulkanologen des IFM-GEOMAR werden auf Grundlage der Messergebnisse gezielt Proben der untermeerischen Vulkane nehmen.

Weitere Informationen: http://kalmar.ifm-geomar.de

Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) eröffnet Büro in Brüssel

EM – Ein neues Büro im Zentrum der Europastadt Brüssel soll für die SWP eine wichtige Doppelfunktion erfüllen. Einerseits möchte die SWP dadurch Entscheidungsträger mit ihren außen- und sicherheitspolitischen Forschungsergebnissen vertraut machen, andererseits soll die Forschung über die EU und die NATO erleichtert werden. Dank des Büros können Forschungsaufenthalte von Wissenschaftlern des Berliner Instituts und vertrauliche Dialoge vor Ort zu europa-, außen- und sicherheitspolitischen Fragen miteinander verbunden werden. Das Büro wird von Roderick Parkes, Mitarbeiter der Forschungsgruppe EU-Integration, geleitet. Zu seinen aktuellen Forschungsgebieten zählen die europäische Innen- und Justizpolitik, sowie Fragen der britischen Innen- und Europapolitik. Dr. Reinhardt Rummel, SWP Senior Fellow, verstärkt das Büro. Als ehemaliges Mitglied der Forschungsgruppe EU-Außenbeziehungen forscht er zu Fragen der europäischen Integration, der Außen- und Sicherheitspolitik der EU und der transatlantischen Beziehungen.

Japaner essen neuerdings mehr Fleisch als Fisch

EM - Nach einer neuen Studie der japanischen Regierung haben die Japaner 2006 erstmals mehr Fleisch als Fisch verzehrt. Dies meldet der pressetext.austria. Im darauf folgenden Jahr hat sich der Appetit nach Fleisch sogar noch weiter gesteigert. Offensichtlich ist auch in Japan ein deutlicher Wechsel im Lebensstil zu beobachten. Die Studie kommt zum Schluss, dass ein Grund der veränderten Ernährung auch darin liegt, dass Fleischspeisen schneller zubereitet werden können.

Die japanische Regierung plant jetzt gezielte Demonstrationen, um auf die Gefährdung der japanischen Fischereiindustrie aufmerksam zu machen. Trotz der nun vorherrschenden Trends essen die Japaner immer noch mehr Fisch als alle anderen Industrienationen. In der vergangenen Dekade sei der Fischkonsum in allen Generationen allerdings massiv zurückgegangen. Weltweit erfreut sich die japanische Küche, vor allem Sushi und Sashimi, wachsender Popularität. Meeresbiologen warnen indessen vor dem Overkill in den Ozeanen, denn die bevorzugten Speisefische wie Tunfische sind weltweit davon betroffen. Das größte Problem dabei ist, dass sich die Bestände nur sehr langsam erholen.

Die Japaner halten die Tradition ihrer eigenen Küche sehr hoch und hatten 2007 eine Richtlinie für japanische Restaurants im Ausland erlassen, um „Verfälschungen“ zu verhindern. Der aus Repräsentanten von Wirtschaft, Gastronomie und Wissenschaft zusammengesetzte Rat, den der japanische Agrarminister ins Leben rief, legte eine Empfehlung vor, die auf der Homepage des Ministeriums eingesehen werden kann: http://www.maff.go.jp/gaisyoku/kaigai/. (Ende)

Kasachstan plant Errichtung einer nuklearen Brennstoffbank

EM - Der Vorsitzende des Nuklearenergiekommitees des kasachischen Energieministeriums, Timur Zhantikin ließ kürzlich verlauten, dass die Errichtung einer atomaren Brennstoffbank in Kasachstan „näher analysiert wird“. Technische Details würden ausgearbeitet, und man prüfe Möglichkeiten und einen eventuellen Ort des Lagers. „Es stehen mehrere Orte zur Auswahl. Wenn die Entscheidung für einen Ort getroffen wurde, werden wir ihn der Atomenergiebehörde (IAEA) präsentieren“, sagte Herr Zhantikin. 

Der staatliche Kernkraftbetreiber KazAtomProm und das staatliche Nuklearzentrum würden in das Projekt involviert, und die Brennstoffbank könne mit der technologischen Kapazität Kasachstans vernetzt werden, sagte Zhantikin weiter. Er betonte, dass „Kasachstan sehr bekannt für seine nukleare Abrüstungspolitik und Unterzeichner des Atomwaffensperrvertrags ist. Zu dem haben wir eine gut entwickelte Kernkraftindustrie, die uns international bestehen lässt. Es gibt keinen direkten kommerziellen Profit für Kasachstan.“

Im April hatte bereits Präsident Sultan Nasarbajew erklärt, dass „Kasachstan als Standort für eine nukleare Brennstoffbank in Betracht gezogen werden könne“. Ein internationales Projekt unter der Aufsicht der internationalen Atomenergiebehörde und mit Unterstützung der US-Regierung würde den Staaten ein zentrales Lager für Brennstoff für ihre Atomkraftwerke bieten, ohne eigene Anreicherungsstätten besitzen zu müssen.

Tatort Adria - Vogeljagd auf dem Balkan

EM – Die EuroNatur-Studie „Tatort Adria – Vogeljagd auf dem Balkan. Augenzeugenberichte“ macht das katastrophale Ausmaß der Wilderei an der östlichen Adria deutlich. Und doch dokumentiert der Bericht nur die Spitze des Eisbergs. In Serbien, Montenegro, Albanien, Bosnien-Herzegowina und Kroatien ist kaum eine Art vor den Flinten der Vogeljäger sicher – nicht einmal in Schutzgebieten. Angelockt durch Vogelattrappen, mit Tonbändern oder von Schnellbooten zusammengetrieben, haben die Vögel kaum eine Chance zu überleben. Nach den Jagdgesetzen der Länder entlang der Adria-Zugroute sind derartige Jagdmethoden verboten. Doch gewöhnlich schreiten weder Polizei noch Wildhüter gegen diese gesetzeswidrigen Handlungen ein. „Wir müssen den internationalen Druck auf die Länder entlang der Adria-Zugroute dringend erhöhen. Nur so können wir der Wilderei auf unsere Zugvögel entgegenwirken“, sagt EuroNatur-Projektleiter Dr. Martin Schneider-Jacoby.

„Die Wilderei an der östlichen Adria gräbt den Vogelschützern hierzulande das Wasser ab“, sagt EuroNatur-Geschäftsführer Gabriel Schwaderer. In diesen Tagen schlüpfen bei uns die ersten Wiedehopfe des Jahres. Heute gilt der Wiedehopf in Deutschland als stark gefährdet, und es gibt hier nur noch 400 Brutpaare. „Doch während in Deutschland große Anstrengungen zum Schutz der Art unternommen werden, knallen Vogeljäger die seltenen Tiere an der Adria hemmungslos ab“, kritisiert Schwaderer. Das belegt unter anderem der Fund von zwei erlegten Wiedehopfen an der albanischen Küste. Die beiden Vögel wurden in ihrem Brutgebiet in Brandenburg beringt. Wiedehopfe aus Deutschland benutzen die Adria-Zugroute, und die Abschüsse gefährden ihren Brutbestand. Ebenso ergeht es Feldlerche, Wachtel und anderen Vogelarten, die aus unseren Kulturlandschaften mehr und mehr verschwinden.
 
Mehr zur Kampagne unter www.euronatur.org/vogeljagd

Immer mehr Auswanderer aus Deutschland kehren zurück

EM –  Die Bundesbürger sind im allgemeinen zufrieden mit Deutschland und halten das Konzept der Sozialen Marktwirtschaft für überzeugend. Jeder fünfte Deutsche könnte sich aber auch vorstellen, aus wirtschaftlichen oder finanziellen Gründen in einem anderen Land zu leben. Doch scheint die Auswanderungswelle gebrochen, trotz pausenloser Fernsehserien mit dem Titel „Die Auswanderer“. „Wir haben mindestens doppelt so viele Anfragen von potenziellen Rückkehrern als sonst“, sagte die Emigrationsexpertin Monika Schneid vom Raphaels-Werk, Deutschlands größter Beratungseinrichtung für Auswanderer, der „Wirtschaftswoche“. Ein Grund sei die Wirtschaftskrise: „Deutsche haben im Ausland oft befristete Verträge, sodass sie in der Regel die Ersten sind, die ihren Arbeitsplatz räumen müssen.“

Nach vorläufigen Zahlen wanderten im ersten Quartal des vergangenen Jahres noch 39 000 Deutsche aus, aber bereits 23 800 kehrten zurück. Im zweiten Quartal betrug das Verhältnis von Auswanderern zu Rückkehrern 38 600 zu 26 900, im dritten Quartal 54 900 zu 32 722. Deutlich erkennbar werde die Trendwende erst in den offiziellen Statistiken für 2009 sein, sagte Schneid.

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