Eurasien Ticker 08-2011

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China-Eurasien-Messe in Urumqi · Estlands Hauptstadt Tallinn wehrt sich gegen E-Voting · ANA und AirAsia gründen gemeinsame Low Cost Airline · Deutsch-polnischer Wolfsbestand wächst · Larnaca-Erklärung fordert null Toleranz bei Vogelmord · Young Euro Classic in Berlin · Die ältesten Menschenaffen Eurasiens lebten in Schwaben

Von EM Redaktion

China-Eurasien-Messe in Urumqi

EM - Vom 1. bis zum 5. September findet in Urumqi, der Hauptstadt des Uigurischen Autonomen Gebiets Xinjiang im Nordwesten Chinas, die erste China-Eurasien-Messe statt. Nach Auskunft der Veranstalter und der Chinesischen Botschaft in Berlin werden neben einem Informationsterminal über das Gebiet Xinjiang u. a. Hochtechnologien eine große Rolle spielen. Auf insgesamt über 2.200 Ständen wollen die Messebetreiber über die Bereiche Energie, Umweltschutz, Fahrzeugbau, Maschinenbau und Beleuchtung, sowie zu landwirtschaftlichen Produkten und Lebensmitteln, Textilien und Kleidung informieren. Spezielle Veranstaltungen sind u. a. geplant zur Zusammenarbeit im Bereich des Tourismus zwischen China, Asien und Europa und zu Finanzkooperationen. Während der Messe ist außerdem ein Forum für Wirtschaftskooperationen zwischen China und den Ländern Asiens und Europas geplant.

Vorläuferin dieser Veranstaltung war die Urumqi Messe für Wirtschaft und Außenhandel, die insgesamt 19 Mal durchgeführt wurde. Ab 2011 heißt sie nun China-Eurasien-Messe. Aber nicht nur der Name habe sich geändert, sondern die Messe sei auch stark vergrößert worden, lassen die Veranstalter wissen. Zweck der China-Eurasien-Messe sei es, die wirtschaftlichen Kontakte zwischen China, Mittelasien und Europa zu intensivieren.

Estlands Hauptstadt Tallinn wehrt sich gegen E-Voting

EM - Die estnische Hauptstadt Tallinn wehrt sich weiterhin gegen die Einführung der elektronischen Wahl bei Lokalwahlen. Die US-amerikanische Computerexpertin Barbara Simons warnte im Rahmen einer Pressekonferenz vor Gefahren durch Attacken auf die Server der Wahlzentrale oder manipulative Malware auf den Rechnern der Wähler. Der Wiener Manuel Kripp, Geschäftsführer der E-Voting.cc GmbH (http://www.e-voting.cc) hält diese Wahlform jedoch für grundsätzlich sicher und kann sich den Einsatz auch bei der österreichischen Nationalratswahl 2018 vorstellen.

„Das Internet von heute ist nicht bereit für E-Voting“ lautet dagegen der Titel eines 158 Seiten starken Buches, dass die Stadt Tallinn herausgegeben hat. Expertin Simons untermauerte die titelgebende Feststellung und warnte vor gezielten Angriffen auf die Wahlserver und Schadsoftware, die anstelle der Wahlberechtigten Stimmen abgeben könnte. Estland ist europäischer Vorreiter bei der Einführung der elektronischen Wahl, berichtet die Agentur pte (www.pressetext.com).

In einem Gespräch mit der Agentur ging Kripp auf die von der Amerikanerin Simons genannten Bedrohungspotentiale ein. „Distributed-Denial-of-Service-Angriffe (DDoS) seien zwar möglich, „in der Praxis aber noch nicht vorgekommen“, erklärte er. Im Übrigen gäbe es „wirkungsvolle Methoden, solche Angriffe im Vorfeld zu registrieren und abzuwehren“.

ANA und AirAsia gründen gemeinsame Low Cost Airline

EM - ANA, die größte japanische Fluggesellschaft, und AirAsia, die als weltbeste Low Cost Airline (Billig-Fluggesellschaft) gilt, wollen mit AirAsia Japan gemeinsam eine neue Billig-Fluggesellschaft für Japan etablieren. AirAsia Japan wird die erste Airline in diesem Segment, die ihre Heimatbasis am internationalen Tokioter Flughafen Narita hat. Sie wird unter der etablierten Marke AirAsia geführt und bedient sowohl Inlands- als auch internationale Strecken.

Starttermin ist August 2012, sofern alle behördlichen Genehmigungen rechtzeitig erteilt werden. Die neue Fluggesellschaft entsteht vor dem Hintergrund eines sich aus japanischer Sicht rasch verändernden wirtschaftlichen Umfelds: Der Markt wird immer weiter liberalisiert, während der Konkurrenzkampf im Land durch neue und bessere Angebote auf der Schiene und der Straße stetig zunimmt. Gleichzeitig erhöht der Flughafen Tokio-Narita, über den vornehmlich internationale Flugverbindungen abgewickelt werden, seine Kapazitäten mit einem neuen Terminalgebäude deutlich. Davon sollen zu einem großen Teil Low Cost Carrier und ausländische Airlines profitieren.

ANA hat daher nach neuen Möglichkeiten gesucht, Low Cost Aktivitäten ab Tokio-Narita zu entwickeln. Die Partnerschaft mit einer bereits bestehenden Airline war nach interner Beurteilung die effizienteste und strategisch beste Alternative. AirAsia verfügt bereits über ein etabliertes Netzwerk, vor allem in Asien. Zudem hat auch AirAsia nach einem Partner gesucht, der im japanischen Markt aktiv ist, um das Engagement dort weiter ausbauen zu können.

Deutsch-polnischer Wolfsbestand wächst

EM - Im Vergleich zum letzten Jahr ist die Zahl der Wolfsrudel im westlichen Polen und nahe der Grenze zu Deutschland angestiegen. Das belegen Ergebnisse des Wolfsmonitorings, das die polnische Naturschutzorganisation Association for Nature Wolf (AfN Wolf) durchführt. Finanziert wurde die Aktion vom IFAW (Internationaler Tierschutz-Fonds) und der Naturschutzstiftung EuroNatur.

Die Forscher entdeckten vier neue Rudel und zwei jeweils ein Territorium markierende Paare. Insgesamt leben damit derzeit 19 Wolfsrudel mit etwa 95 Individuen in Westpolen. Ein neu entdecktes Rudel mit sieben Tieren und die beiden Wolfspaare leben auf der polnischen Seite der Lausitz in unmittelbarer Nachbarschaft zu den dortigen Wolfsrudeln. Zwei weitere Wolfsrudel mit acht bzw. drei bis vier Tieren wurden etwa 80 Kilometer östlich von Stettin entdeckt. Ob die neuen und bestehenden Rudel dieses Jahr Nachwuchs haben, werden erneute Untersuchungen später im Sommer zeigen.

„Die Ergebnisse dieses Wolfsmonitorings sind erfreulich“, so Robert Kless vom IFAW-Deutschland. „Sie zeigen, dass sich nun die Wolfsrudel auch im Westen Polens dauerhaft ansiedeln. Da die Lausitz-Wölfe und die Wölfe in Westpolen zur selben Population gehören, wirkt sich die aktuelle Entwicklung auch positiv auf den Wolfsbestand in Ostdeutschland aus. Dennoch gibt es weiterhin Gefahren für die Wölfe“, so Kless weiter. „Derzeit wird in Polen eine neue Strategie für das Wolfsmanagement erarbeitet, bei dem eine jährliche Abschussquote diskutiert wird. Das wäre verheerend für die Wölfe und hätte auch negative Auswirkungen auf die Wölfe in Deutschland.“

Außerdem sind die Wanderkorridore der Wölfe zunehmend durch den Straßenverkehr und durch Straßenbauprojekte gefährdet. Werden die Lebensräume der grauen Jäger in Polen zerschnitten, hat dies auch Auswirkungen auf den deutschen Bestand. Er ist auf die Zuwanderung von Tieren aus dem Osten Polens angewiesen. „Es ist dringend nötig, Wildtierkorridore zum Beispiel durch den Bau von Grünbrücken zu erhalten oder neu zu schaffen. Diese ebnen den Wölfen den Weg aus den ostpolnischen Lebensräumen in den Westen“, sagt EuroNatur-Projektleiterin Annette Spangenberg.

Mehr über die Arbeit von EuroNatur zum Schutz der Wölfe in Europa finden Sie unter www.euronatur.org/wolf

Larnaca-Erklärung fordert null Toleranz bei Vogelmord

EM - Mit der Verabschiedung der „Erklärung von Larnaca“ ging eine dreitägige internationale „Konferenz gegen den Vogelmord“ auf Zypern zu Ende. Darin verurteilen die Konferenzteilnehmer einstimmig die illegale Vogeljagd, sowie den internationalen Schmuggel mit Vögeln. Entsprechend  fordern sie umfangreiche Maßnahmen, um das Problem zu lösen. „Wir beobachten seit Jahren einen dramatischen Rückgang zahlreicher Vogelbestände in Europa. Einer der Hauptgründe dafür ist die Vogeljagd“, sagt Gabriel Schwaderer, Geschäftsführer der Naturschutzstiftung EuroNatur. „Wenn wir nicht schnell und umfassend handeln, werden auch in Deutschland bald zahlreiche Vogelarten verschwunden sein.“

An der vom Europarat organisierten Konferenz nahmen neben Abgeordneten der Vertragsstaaten der Berner Konvention und der Europäischen Kommission auch Vertreter von Naturschutzorganisationen wie EuroNatur, Friends of the Earth und BirdLife International sowie von Jagdverbänden, nationalen und lokalen Behörden der Vertragsstaaten und renommierten Forschungsinstituten teil. Die Referenten aus mehreren Ländern verdeutlichten, welche dramatischen Ausmaße der Vogelmord in Europa erreicht hat.

Insbesondere an der östlichen Adria ist die Wilderei ein riesiges Problem: „Millionen von Vögeln fallen dort jedes Jahr Jägern zum Opfer. Zwar haben Länder wie Kroatien und Montenegro in den letzten Jahren, auch dank der intensiven Naturschutzarbeit von EuroNatur, den gesetzlichen Schutz der Zugvögel gestärkt. In der Praxis jedoch ist die Situation nach wie vor verheerend“, sagt EuroNatur-Projektleiter Dr. Martin Schneider-Jacoby. EuroNatur hat die Lage in den Balkanländern in den letzten fünf Jahren umfassend untersucht. Dabei zeigte sich, dass die Vogeljagd in sämtlichen dieser Gebiete ein oft unterschätztes Problem ist:  Die Missachtung bestehender Jagdgesetze, sowie die illegale Jagd in Schutzgebieten stehen in allen Ländern entlang des Adria-Zugwegs auf der Tagesordnung.

Die Konferenzteilnehmer waren sich einig, dass nur eine „Null-Toleranz-Strategie“ gegenüber den Wilderen helfen kann, das Problem zu lösen. Deshalb muss entsprechend der Erklärung von Larnaca ein umfassendes Maßnahmenpaket umgesetzt werden, das alle Ursachen des illegalen Tötens von Vögeln in Europa beseitigt.

Weitere Informationen:

Young Euro Classic in Berlin

EM - Das Festival der besten Jugendorchester der Welt findet vom 5. bis 21. August im Konzerthaus Berlin statt. Auf dem Programm stehen sowohl klassische als auch zeitgenössische Werke der Musikliteratur, aber auch ungewöhnliche Kompositionen aus Ländern, deren Musik hierzulande so gut wie unbekannt ist. Höhepunkte sind Orchester aus Brasilien und Kolumbien, das Deutsch-Türkische Festivalorchester und Orchester aus Frankreich und dem Südkaukasus. In diesem Jahr sind erstmals alle fünf Kontinente vertreten.

Die Veranstalter versprechen  für Berlin ein etwas anderes „Sommermärchen“ im  klassizistischen Konzerthaus am Gendarmenmarkt vor. Dort werden 1500 Konzertbesucher zu den jeweiligen Veranstaltungen erwartet.  Ein blauer Europa-Teppich führt über die Freitreppe ins Konzerthaus. Hier trifft sich vor allem sehr junges Publikum aus der ganzen Welt.

Die Karten zu den Veranstaltungen haben jugendgerechte Preise und kosten nur 15 Euro. An jedem der 15 Abende wird ein anderes Land, eine andere Kultur, traditionelle Musik und europäische Klassik darbieten. „Dies ist etwas für Kulturfreunde, Enthusiasten und es ist das Gegenprogramm für Kulturpessimisten“, heißt es in Berlin.

Weitere Informationen hier:  http://bit.ly/odQbpK

Die ältesten Menschenaffen Eurasiens lebten in Schwaben

EM - Afrika gilt als zwar Evolutionszentrum des Menschen und seiner Vorfahren. Jedoch schon lange bevor der moderne Mensch vor 125 Tausend Jahren Afrika verließ, migrierten, wie Fossilfunde zeigen, seine Vorläufer wiederholt nach Eurasien. Wie oft, wann genau und warum Menschenaffen „out of Africa“ unterwegs waren, ist Gegenstand intensiver Forschung.

Ihre wahrscheinlich erste Migrationswelle fand vor ziemlich genau 17 Millionen Jahren statt. Ihre ältesten Spuren finden sich im schwäbischen Alpenvorland, südwestlich von Sigmaringen. Wissenschaftlern der Universität Tübingen ist es jetzt gemeinsam mit Kollegen aus Helsinki, München und Stuttgart gelungen, die Fundstelle eines Backenzahns auf den Zeitraum vor 17 bis 17,1 Millionen Jahren zu datieren und damit diesen Zahn dem ältesten eurasischen Hominoiden zuzuschreiben, der bisher gefunden wurde. Ihre Ergebnisse sind jetzt im „Journal of Human Evolution“ erschienen. Der Träger des Zahns hat nach dem Befund der Tübinger Untersuchungen vermutlich in einer Landschaft mit paratropischer Vegetation in einem feuchtwarmen Klima am Ufer eines Sees gelebt. Heute ist dort ein unter Paläontologen für seine Fossilienfunde bekannter ehemaliger Steinbruch.

Prof. Dr. Madelaine Böhme vom Senckenberg Center for Human Evolution and Palaeoecology (HEP) der Universität Tübingen hat zusammen mit ihren Kollegen verschiedene Methoden kombiniert, um die Ausgrabungsschicht möglichst genau zu datieren, in der der Zahn gefunden worden ist. Der heute im Staatlichen Museum für Naturkunde Stuttgart aufbewahrte Fund selbst ist bald vierzig Jahre alt: er stammt vom 24. Juni 1973. Entdeckt hat ihn der Gründer und damalige Leiter des Geologisch-Paläontologischen Instituts der Universität Mainz, Prof. Heinz Tobien, im „Steinbruch am Talsberg“ auf der Gemarkung Engelswies, Gemeinde Inzigkofen. Erst 2001 wurde der Zahn genauer untersucht und als Backenzahn eines Menschenaffen identifiziert. Doch die Datierung war bislang umstritten.

Die Studie:

Böhme, M., et al., Bio-magnetostratigraphy and environment of the oldest Eurasian hominoid from the Early Miocene of Engelswies (Germany), Journal of Human Evolution (2011), doi:10.1016/j.jhevol.2011.04.012.

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