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Eurasien-Ticker Januar/Februar 2012

Erdöl und Erdgas im Iran · China plant Forschungszentrum für energieeffizientes Bauen · Stromschlag als Todesursache für bedrohte Vogelarten in Russland · Schienengüterverkehr hat unausgeschöpftes Potenzial · Drei neue U-Bahnlinien in Beijing · Staufer und Schädelkult locken Besucher nach Mannheim · Palmöl-Biodiesel schadet Klima am meisten · Flugzeugträger wird zum Luxushotel

Von EM Redaktion
02.02.2012 Drucken Senden Kommentieren

Erdöl und Erdgas im Iran

EM - Die EU-Außenminister haben zum 1. Juli 2012 ein Erdöl-Embargo gegen den Iran beschlossen. Iran ist eines der bedeutendsten Länder für Erdöl- und Erdgasvorkommen und Mitglied der OPEC. Vor dem Hintergrund dieser Entwicklung informiert die Deutsche Rohstoffagentur (DERA) in der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) zu Vorräten und Potenzialen von Erdöl und Erdgas sowie den Energierohstofflieferungen nach Deutschland.

„Obwohl der Iran als Erdöllieferland für Deutschland nur eine untergeordnete Bedeutung hat, wird ein europäisches Import-Embargo auf Grund der globalen Vernetzung des Erdölmarktes beispielsweise durch einen steigenden Ölpreis für uns Auswirkungen haben“, sagt Erdöl-Experte Hans-Georg Babies. „Allein die Ausfallmengen an Erdöl für Europa würden rund 40 Millionen Tonnen pro Jahr betragen. Dies könnte durch eine Steigerung der Förderung beziehungsweise eine Umverteilung von Importen aus anderen Lieferländern ausgeglichen werden“, so Babies.

Als Erdgas-Exportland ist der Iran trotz seiner enormen Reserven weniger bedeutend.
Mit über 20 Milliarden Tonnen an Erdölreserven liegt der Iran hinter Saudi-Arabien, Venezuela und Kanada an 4. Position in der Welt. Dies entspricht knapp zehn Prozent der Welterdölreserven.

Im Jahr 2010 belegte der Iran mit einer Jahresförderung von gut 203 Millionen Tonnen (etwa 5,2 Prozent der Weltförderung) den weltweit vierten Rang. Nur die Russische Föderation (12,8 Prozent), Saudi-Arabien (11,9 Prozent) und die Vereinigten Staaten (8,6 Prozent) förderten mehr.

Grob gesehen, fließen etwa zwei Drittel der iranischen Erdölexporte nach Asien und ein Drittel nach Europa, das heißt, knapp sechs Prozent der europäischen Ölimporte stammen aus dem Iran. Italien, Spanien, Frankreich, Niederlande und Griechenland sind die europäischen Hauptbezieher. Deutschland erhielt 2010 etwa 1,5 Millionen Tonnen Erdöl aus dem Iran, was etwa 1,6 Prozent der gesamten deutschen Erdölimporte entsprach.

China plant Forschungszentrum für energieeffizientes Bauen

EM- Die Deutsche Energie-Agentur GmbH (dena) kooperiert mit der chinesischen Provinzregierung Hebei beim Aufbau eines Forschungszentrums für Niedrigenergiehäuser mit Passivhaustechnik. Darüber hinaus sollen mit Hilfe der dena ein Energieeffizienzstandard für Gebäude in der nordchinesischen Klimaregion entwickelt, chinesische Experten in Deutschland geschult, Maßnahmen zur Qualitätssicherung eingeführt und ein Passivhaus nach deutschem Vorbild als Pilotprojekt realisiert werden.

„Diese Kooperation macht deutlich: China macht Ernst mit seinen Klimaschutz- und Energieeffizienzzielen, ungeachtet der langwierigen und schwierigen Diskussionen bei den großen Klimakonferenzen. China setzt aus eigenem Interesse auf Energieeffizienz und baut dabei auf die Erfahrungen der deutschen Wirtschaft“, betonte Stephan Kohler, Vorsitzender der dena-Geschäftsführung.

Stromschlag als Todesursache für bedrohte Vogelarten in Russland

EM - Die russische Naturschutzorganisation NABU-Kavkaz und die Ornithologische Abteilung des Umweltverbandes „Dront“ führten mit finanzieller und fachlicher Unterstützung des NABU in der südrussischen Republik Kalmykien Untersuchungen zum Vogeltod an Stromleitungen durch. Dabei dokumentierten sie in den vergangenen zwei Monaten mindestens 543 Todesfälle, von denen die Hälfte gefährdeten Arten wie Adlerbussard, Mönchsgeier, Sakerfalke, Steppen- und Kaiseradler angehört. Die erhobenen Daten dienen dem NABU nun als Grundlage für ein Projekt zur Entschärfung von Mittelspannungsmasten in Kalmykien. Unterstützt wird der Verband durch das kalmykische Umweltministerium, NABU-Kavkaz und „Dront“.

„Die Zahlen, die vermutlich weitaus höher sind, da viele tote Vögel von Wildtieren aufgefressen und nicht gefunden werden, zeigen die schwerwiegenden Verluste, die die Natur in dieser Region erleidet. In Kalmykien kreuzen sich wichtige Zugwege von Vögeln, die in anderen Gebieten Russlands sowie Ländern Mittalasiens und der EU nisten oder überwintern“, sagt NABU-Vizepräsident und Vorsitzender der NABU International Naturschutzstiftung Thomas Tennhardt.

„Der Grund für die hohe Vogelsterblichkeit an den oberirdischen Stromleitungen Kalmykiens liegt in der fatalen Konstruktion der tragenden Freileitungsmasten“, erklärt der Leiter des NABU-Kaukasusprogramms Vitalij Kovalev. In den weitläufigen Steppenebenen der Republik seien die Masten der Stromleitungen meist die einzigen Stellen, die den Vögeln eine Hochsitzgelegenheit für Jagdposten oder Nist- und Raststätten böten. „Die Mastbauweise zeichnet sich durch nicht isolierte Leitungen aus, die auf kurzen Mastauslegern  befestigt werden. Berühren die auf den Auslegern ruhenden Vögel mit einem Körperteil die Leitungen, erleiden sie einen Stromschlag, der sie tödlich verletzt. Oft erliegen die Vögel ihren Verletzungen erst nach qualvollen Stunden”, so Kovalev.

Die Stromnetzbetreiber in Kalmykien kennen dieses Problem. Es hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten noch verschärft. Seit Längerem und versuchen bereits Maßnahmen gegen den Vogelstromtod zu ergreifen. Auf der in kürzlich Norwegen stattgefundenen Vertragsstaatenkonferenz der Convention on Migratory Species („Bonner Konvention“) stimmten die Delegierten nun unter anderem auch über Richtlinien ab, die die Kollisionen und den Stromtod von Vögeln an Leitungsdrähten wirksam und grenzüberschreitend verhindern sollen.

Schienengüterverkehr hat unausgeschöpftes Potenzial

EM - Beim Thema Verkehrsverlagerung von der Straße auf die Schiene gibt es in Deutschland ein großes unausgeschöpftes Potenzial. Die Allianz pro Schiene verwies kürzlich auf die aktuellen Zahlen aus der Schweiz, wo der alpenquerende Schienengüterverkehr bis Mitte 2011 einen Marktanteil von über 64 Prozent erreicht hat. Andere europäische Länder, etwa Österreich oder Schweden, kommen auf einen Marktanteil von über 30 Prozent, während Deutschland auch nach dem Ende der Krise bei lediglich knapp 18 Prozent liegt.

Weitere Informationen: http://www.allianz-pro-schiene.de

Drei neue U-Bahnlinien in Beijing

EM - Drei neue U-Bahnlinien wurden zum 01. Januar 2012 in Beijing in Betrieb genommen. Inklusive der drei neuen Linien mit den Nummern 8, 9  und 15 verfügt Beijing nun über insgesamt zehn U-Bahnlinien mit einer Gesamtlänge von 372 Kilometern. Jeden Tag nutzen etwa sieben Million Passagiere die U-Bahn in Beijing. Eine Fahrt kostet unabhängig der Fahrstrecke oder eventuellem Umsteigen 2 Renminbi, umgerechnet also etwa 0,22 Euro. Für Touristen wurden alle Bahnhöfe in Beijing und weiteren großen Metropolen in China in englischer Sprache ausgeschrieben. Auch die Lautsprecherdurchsagen werden auf Englisch gehalten.

Weitere Informationen zu U-Bahnlinien in Beijing hier: http://www.ebeijing.gov.cn/feature_2/Subway_Tour/

Staufer und Schädelkult locken Besucher nach Mannheim

EM - Die Mannheimer Reiss-Engelhorn-Museen (kurz: rem) waren auch im Jahr 2011 ein Besuchermagnet. Insgesamt 284.274 Kulturinteressierte besuchten die vier Ausstellungshäuser – das Museum Zeughaus, das Museum Weltkulturen, das Museum Schillerhaus und das neue Museum Bassermannhaus für Musik und Kunst.

Zur positiven Bilanz trugen vor allem die beliebten Sonderausstellungen bei. Bis Februar 2010 bescherte die 1. Ausstellung der Länder Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Hessen „Die Staufer und Italien“ den rem sechsstellige Rekordwerte und Besucherschlangen vor den Kassen. Seit Oktober sorgt die Ausstellung „Schädelkult – Kopf und Schädel in der Kulturgeschichte des Menschen“ für Aufsehen und faszinierende Einblicke in ein überraschend facettenreiches Thema. Diese Ausstellung ist noch bis 29. April 2012 zu sehen. Besucherbefragungen belegen die Anziehungskraft der Ausstellungen weit über die Stadt- und Metropolregionsgrenzen hinaus. Die Präsentationen lockten zahlreiche Gäste aus dem gesamten Bundesgebiet und dem benachbarten Ausland nach Mannheim.
 
Info: www.rem-mannheim.de

Palmöl-Biodiesel schadet Klima am meisten

EM - Biodiesel aus den Ölpflanzen Palmöl, Jatropha und Soja schadet dem Klima mehr als fossile Treibstoffe. Diese Anklage, die bereits seit einigen Jahren besteht, haben nun Forscher durch Analysen von zwölf Betrieben in sechs Entwicklungsländern in Zahlen gefasst. „Die Ergebnisse verdeutlichen, dass wir vieles von dem, was wir bisher im Namen des Klimaschutzes betrieben haben, einstellen müssen“, sagt Louis Verchot vom Center for International Forestry Research (http://cifor.org).

Bei der Verbrennung setzt Biodiesel um 40 bis 75 Prozent weniger CO2 frei als klassischer Diesel. Eine Betrachtung des freikommenden Kohlenstoffs über den gesamten Lebenszyklus - also inklusive der Produktion der Pflanzen - verdirbt jedoch oft die Rechnung, verdeutlicht die in der Zeitschrift „Ecology and Society“ veröffentlichte Studie. „Biosprit ist nicht grundsätzlich schlecht, doch gibt es die nötigen Voraussetzungen für eine nachhaltige Produktion weitaus seltener als die meisten Menschen annehmen“, so der Studienleiter.

In Indonesien etwa werden für Palmöl zunehmend Tiefmoorwälder abgeholzt und abgebrannt - bis 2020 laut Schätzungen in einer Fläche der Größe Westdeutschlands (2,5 Millionen Hektar). Tiefmoor speichert mehr Kohlenstoff als der Regenwald. Bei seiner Zerstörung kommen 200 bis 300 Tonnen CO2 pro Hektar frei, zusätzlich noch jährlich zehn Tonnen für die Trockenlegung und Zersetzung. „Erst nach 200 Jahren Biodiesel-Produktion aus Palmöl ist die Kohlenstoff-Schuld abbezahlt“, betont Verchot. Doch auch die Biodiesel-Pflanze Jatropha, die in Ghana, Sambia und Tansania untersucht wurde, schneidet vernichtend schlecht ab. Hier beträgt die CO2-Schuld je nach Anbaugebiet 100 bis 300 Jahre, zudem ist dieser Öllieferant ertragsärmer als die Ölpalme. Als etwas weniger schädlich zeigte sich im Vergleich Biodiesel aus Sojabohnen des Graslandes im brasilianischen Matto Grosso, was auf die geringe vorhandene Biomasse zurückgehen dürfte. - Dabei wurden jedoch soziale Aspekte in der Untersuchung noch nicht berücksichtigt.

Originalstudien unter http://www.ecologyandsociety.org/issues/view.php?sf=68

Flugzeugträger wird zum Luxushotel

EM - Noch im Januar wird in der nordchinesischen Hafenstadt Tianjin das weltweit erste Luxushotel in einem umgebauten Flugzeugträger eröffnet. Kürzlich eröffnete bereits das erste Restaurant auf dem ehemaligen sowjetischen Flugzeugträger „Kiew“. Das Luxushotel der besonderen Art verfügt nach dem Umbau über 148 Suiten auf einer Gesamtfläche von über 5.000 Quadratmetern. Das 273 Meter lange und 53 Meter breite ehemalige sowjetische Schiff war 1996 von einem chinesischen Unternehmen aufgekauft worden und 2004 an den Strand von Bagua bei Tianjin gekommen. Die „Kiew“ diente dort zuerst als Hauptattraktion im „Binhai Aircraft Park“. Da ein Hotel auf dem Parkgelände bislang fehlte, entschied man sich 2009 für den Umbau des ehemaligen Flugzeugträgers, der 11,4 Millionen Euro gekostet haben soll.

Infos: www.china-tourism.de und www.onebillionvoices.de, Fremdenverkehrsamt der VR China .    

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