Eurasien-Ticker Juli 2008

Eurasien-Ticker Juli 2008

Russische Wochenschau aus Franken · Reisen mit den Russen · Arabische Emirate landen in Parchim Airport · „Der Mongole“ ab dem 07. August in den Kinos · Mangroven retten Leben · Garnelen-Produktion schützt tropische Mangrovenwälder · Woher kommt die Artenvielfalt auf unserer Erde? · China in Hamburg präsent

Von EM Redaktion

Russische Wochenschau aus Franken

EM - Seit einer Woche bietet die „Nürnberger Zeitung“ die Nachrichten aus Franken im Videoformat auf Russisch: www.nz-online.de/russisch

Jeden Mittwoch, ab 19 Uhr, gibt es eine neue Ausgabe der Wochenschau im Videoformat aus dem Großraum Nürnberg. Deutsche Untertitel ergänzen die Informationen. Die Zuschauer erfahren Wichtiges aus den Bereichen Sport, Kultur, Wirtschaft und Politik. Soweit bekannt ist, ist die „Nürnberger Zeitung“ die erste deutsche Zeitung, die dieses Angebot macht.

Bei Fragen: ellaschindler@hotmail.com

Reisen mit den Russen

EM – Die Türkei ist ein beliebtes Urlaubsziel russischer Touristen. Jetzt bekommt ein Russe das Sagen beim Spezialisten für Türkeireisen: dem Deutsch-Türken Vural Öger. Sein Unternehmen ist der sechstgrößte Reiseveranstalter in Deutschland. Der Russe Alexander Lebedew hat kürzlich 125 Millionen Euro für eine Beteiligung von 76 Prozent an Öger Tours geboten. Nach Branchenkennern ist es nur noch eine Frage der Zeit und des Kartellamtes, bis Öger Tours russisch ist. Lebedew gegenüber der russischen Zeitung „Kommersant“: „Die Dokumente sind unterzeichnet, aber das Geld ist noch nicht überwiesen“.

Der Russe soll außerdem die Option erhalten, im Laufe zweier Jahre die restlichen 24 Prozent übernehmen zu können. Der auf Türkeireisen spezialisierte Veranstalter Öger hatte nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr 1,25 Millionen Gäste. Lebedew ist bereits mit 49 Prozent an der deutschen Fluggesellschaft Blue Wings beteiligt, die mit Öger Tours kooperiert. Außerdem hält Lebedews Holding NRK 100 Prozent an der russischen Gesellschaft Red Wings, sowie etwa 30 Prozent an der früheren Staatslinie Aeroflot.
 
Russische Investoren gewinnen bei deutschen Touristikunternehmen ohne Frage an Einfluss.
Lebedew ist nicht der einzige. Tui-Großaktionär Alexej Mordaschow hat vor wenigen Tagen mitgeteilt, dass er seinen Anteil an dem hannoverischen Reise- und Schifffahrtskonzern auf mehr als 15 Prozent ausgebaut habe. Damit schließt der Stahlmagnat zu dem bislang größten Tui-Aktionär John Fredriksen aus Norwegen auf, der bereits mehr als 15 Prozent an Tui hält. Mordaschow sieht auf dem internationalen Tourismusmarkt weiterhin großes Wachstumspotenzial. Dies gelte besonders für Schwellenländer wie Russland. Dort baut der Russe zusammen mit Tui ein eigenes Reisegeschäft auf.

Arabische Emirate landen in Parchim Airport

EM – Der Flughafen Parchim Airport ist kürzlich zum ersten Mal von Frachtflugzeugen aus den Vereinigten Arabischen Emiraten genutzt worden. Es handelte sich um zwei Frachtflugzeuge vom Typ McDonnell Douglas MD-11. Eine der Maschinen kam über den arabischen Golf, wo sie zwischengelandet war, um Fracht auszuladen. Gestartet war sie in der Volksrepublik China.

Inzwischen wurde außerdem bekannt, dass die australische Immobilien-Gruppe Goodman in Schönberg (Nordwestmecklenburg) einen Logistikstandort für Seefracht errichten wird. Mit dem Bau einer entsprechenden Halle soll im September begonnen werden, teilte die Industrie- und Handelskammer Schwerin mit. Durch die Investition würden 30 Arbeitsplätze entstehen. Goodman ist auch an der Privatisierung des Flughafens Parchim beteiligt. Vor einem Monat hatten die Australier 13 Millionen Euro an den Kreis Parchim gezahlt. Damit haben sie 53 Hektar Gewerbefläche vom chinesischen Flughafen- Käufer LinkGlobal erworben, der die Kaufsumme selbst nicht hatte aufbringen können.

„Der Mongole“ ab dem 07. August in den Kinos

EM - Ab dem 7. August kommt er ins Kino: der im EM 06-08 vorgestellte Film über Dschingis Khan mit dem Titel „Der Mongole“. Pferdehufe prasseln, Rauch steigt auf am Horizont, mongolische Bogenschützen reiten durch Eurasien. Auch wenn der Streifen des russischen Meisterregisseurs Sergei Bodrov bisher noch keinen Oskar erhalten hat – man darf ihn nicht versäumen. Immerhin war er ja auch schon für die Oskar‑Verleihung nominiert, als Kandidat Kasachstans für den „besten fremdsprachigen Film“ 2008.

Das Drehbuch zu DER MONGOLE zeichnet das Leben und den machtvollen Aufstieg eines der mächtigsten Herrscher nach, die es  jemals gegeben hat. Aber es ist auch eine herzzerreißende Liebesgeschichte. Die  Romanze zwischen Temudgin und seiner ersten Frau Borte wird möglicherweise den Blick des  Publikums auf Dschingis Khan so verändern, wie es beim Drehbuchautor und Regisseur Sergei Bodrov der Fall war. Bodrov: „Es ist eine ganz  unglaubliche und auch wenig bekannte Geschichte. Ein neunjähriger Junge wählt seine Braut, und auch wenn er es noch nicht ahnen kann, wird das sein Leben für immer verändern“. Der große Mongolenherrscher Dschingis Khan hatte später Hunderte von Frauen, aber Borte blieb sein ganzes Leben lang die wichtigste von allen. Der russische Meisterregisseur Bodrov, der das Leben des Khans intensiv studiert hat, beschreibt das Verhältnis so: „Sie war nicht nur seine Frau, er suchte auch ihren Rat bei allen wichtigen  Entscheidungen, die er zu treffen hatte. Es war wie eine moderne Beziehung, eine richtige Partnerschaft. Das kommt ja selbst heute nicht allzu häufig vor, und damals war es einfach noch nie da  gewesen.“ 

Mangroven retten Leben

EM - Durch das Wiederaufforsten der Mangrovenwälder an den Küsten der Philippinen könnten zahlreiche Leben gerettet werden. Jährlich werden die Inseln von  20 bis 30 Wirbelstürmen heimgesucht und viele Menschen fallen ihnen zum Opfer. Dies ist einer von vielen Gründen für den „dringenden und sofortigen Bedarf einer massiven Wiederaufforstung des Mangrovenwalds“. Die beiden philippinischen Wissenschaftler J.H. Primavera vom Southeast Asian Fisheries Development Center und J.M.A. Esteban von der De La Salle Universität haben dies in einer Studie nachgewiesen. Darin werden die Ergebnisse einer Programmreihe vorgestellt, die belegen, dass lokal geführte Low-Budget-Projekte deutlich Erfolg versprechender sind als aufwendige Regierungsprojekte.

Die Mangrovenwälder entlang des 36.300 km langen Küstenstreifens der Philippinen spielen eine bedeutsame Rolle für das Fischereiwesen, die Forstwirtschaft, sowie für die Fauna. Außerdem bieten sie Schutz vor Wirbelstürmen, Sturmfluten, Erosion und Überflutungen.  Im vergangenen Jahrhundert ging deren Fläche von 450.000 auf 120.000 Hektar zurück, was überwiegend daran liegt, dass sie in Zuchtteiche umgewandelt wurden. Diese Tatsache hat zahlreiche Aufforstungsinitiativen nach sich gezogen; von kleinen Gemeindeprojekten bis hin zu groß angelegten internationalen Entwicklungshilfeprogrammen. Im Laufe der Zeit sind die Wiederaufforstungskosten von 100 US-Dollar pro Hektar auf über 500 US-Dollar pro Hektar gestiegen, was hauptsächlich auf die Gemeinkosten von Großprojekten zurückzuführen ist. Leider war die Mehrzahl der Aufforstungsprogramme trotz hoher Subventionen erfolglos, da nur lediglich 10 bis 20 Prozent der Mangroven die Aufforstung überstanden.

Durch einen Vergleich fanden die Autoren heraus, dass die erfolgreichsten Aufforstungsmaßnahmen lokal verwaltete Projekte mit einem geringen Kostenaufwand waren. Ein von der Weltbank mit 38 Millionen US-Dollar gefördertes Fischereiprojekt in der Küstenzone und in küstennahen Bereichen (sowie landwirtschaftliche, forstwirtschaftliche und infrastrukturelle Unterprojekte) erbrachte eine Überlebensquote der neu gepflanzten Mangroven von lediglich 35 Prozent. Umgekehrt überlebten bei einem kleinen von einer lokalen Regierungseinheit in Zusammenarbeit mit einer Volksorganisation durchgeführten Projekt mit einem finanziellen Aufwand von lediglich 23.100 Britischen Pfund 97 Prozent der gepflanzten Mangroven.

Garnelen-Produktion schützt tropische Mangrovenwälder

EM - In den letzten fünf Jahren hat sich der Import von Garnelen nach Deutschland verdoppelt. Allein 2007 wurden 31 Prozent mehr aus dem Ausland eingekauft als im Vorjahr. Diese starke Nachfrage wird vor allem von der Intensivproduktion in Vietnam und Thailand bedient. Doch die gestiegene Nachrage nach dem kulinarischen Genuss bleibt nicht ohne Folgen für die Umwelt: Die empfindlichen Ökosysteme der Mangrovenwälder an den Küsten des Indischen Ozeans werden zerstört. Ein Viertel der Gebiete ging in den letzten 20 Jahren durch menschlichen Einfluss verloren.

Nun will die deutsche Firma Sander Aquarientechnik aus dem Saarland eine nachhaltige, umweltschonende Setzlingszucht der Riesengarnele Black Tiger (Penaeus monodon) in Kreislaufanlagen zunächst im saarländischen Völklingen aufbauen und sie später wieder in die natürlichen Zuchtgebiete zurückführen. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) hilft mit knapp 280.000 Euro.

Garnelenfarmen sind in den zurückliegenden Jahren in asiatischen Ländern wie Pilze aus dem Boden geschossen. Bis 2010 soll sich allein im vietnamesischen Mekong-Delta die Zucht auf 80.000 Hektar der Küstengebiete ausgeweitet haben, eine Fläche so groß wie New York City.  1995 waren es noch 3.000 Hektar. Um Zuchtbecken anzulegen, werden Mangrovenbäume abgeholzt. Die in Monokulturen gehaltenen Garnelen-Setzlinge sind extrem krankheitsanfällig, deshalb geben Farm-Betreiber Antibiotika ins Wasser und behandeln es auch mit anderen Medikamenten. Nach drei bis zehn Jahren sind die Shrimps-Teiche so stark mit Chemikalien verseucht, dass man sie nicht weiter bewirtschaften kann. Für Boden und Grundwasser gibt es dann keine Rettung mehr. Die Betriebe sind gezwungen, an einen neuen Standort zu ziehen. Hinterlassen wird salzverseuchtes Ödland, auf dem eine Wiederaufforstung nur schwer möglich ist.

Der Anbau von Black Tiger Garnelen ist im letzten Jahr in Asien zusammengebrochen. Virusepidemien haben die krankheitsanfälligen Tiere dahingerafft. Die Saarländer wollen nun zunächst einmal einen Bestand gesunder Elterntiere der Black Tiger aufbauen, die verwertbare Setzlinge produzieren. „Wir haben in Deutschland ideale Möglichkeiten, in hygienisch einwandfreien, biosicheren Kreislaufanlagen die Umweltbedingungen für Black Tiger Garnelen zu simulieren, ohne den verbreiteten Krankheitserreger, den es bei uns gar nicht gibt“, so Friedrich Esser, Geschäftsführer der Firma International Fish Farming Technology. Und das sei wichtig, um die Art überhaupt zu erhalten. Man müsse mit der Rettung so weit wie möglich vom Ursprungsland entfernt beginnen, wo keine Berührung mit den Krankheiten möglich ist.

Woher kommt die Artenvielfalt auf unserer Erde?

EM - Die immense Artenvielfalt der Erde beeindruckt Wissenschaftler und Nicht­wissenschaftler gleichermaßen. Doch woher kommt sie eigentlich, wie lange gibt es schon diese Fülle von Leben – und wie stehen die Chancen, dass die Biodiversität zunimmt, wenn beispielsweise Maßnahmen des Naturschutzes greifen? Eine internationale Gruppe von 35 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus aller Welt ist solchen Fragen im Zuge einer umfassenden Studie zur Diversitätsentwicklung im Meer nachgegangen – und dabei zu überraschenden Erkenntnissen gelangt. Einer der Mitwirkenden ist Professor Dr. Wolfgang Kießling vom Museum für Naturkunde der Humboldt-Universität Berlin. Er wird von der VolkswagenStiftung seit dem Jahr 2006 im Rahmen einer Lichtenberg-Professur mit einer Millionen Euro gefördert. Die Ergebnisse der Forschung wurden jetzt veröffentlicht im renommierten Wissenschaftsjournal Science (Artikel „Phanerozoic Trends in the Global Diversity of Marine Invertebrates“; in: Science vom 3. Juli 2008).

Als zentrales Ergebnis stellt das Forscherteam fest, dass die bisher verbreitete Annahme falsch war, der zufolge es in den vergangenen 100 Millionen Jahren einen massiven Anstieg bei der Artenvielfalt gegeben habe. Stattdessen habe bereits vor über 400 Millionen Jahren eine Vielfalt bestanden, die auch heute nicht deutlich überschritten werde. „Obwohl seit dieser Zeit mehrere massive Einbrüche durch Massenaussterben zu verzeichnen waren, haben sich Artensterben und Artenneubildung in etwa die Waage gehalten“, erläutert Kießling. Offensichtlich gebe es „Grenzen der Artenvielfalt“, die kaum überschritten würden. Die Ursachen dieser Kapazitätsgrenzen werden von den Wissenschaftlern jetzt umfassend diskutiert: „Vermutlich spielt der Energiefluss in Nahrungsketten eine Rolle“, formuliert Kießling eine mögliche Erklärung. Die neuen Ergebnisse beruhen auf einer umfassenden Dokumentation von etwa 3,5 Millionen fossiler Vorkommen. Deren wissenschaftliche Erschließung wurde erst mit Einrichtung der Lichtenberg-Professur durch die Stiftung möglich.

China in Hamburg präsent

EM - Hamburg zeigt sich vom 12. bis 27. September 2008 von seiner chinesischen Seite.
Nach dem großen Erfolg im Jahr 2006 finden die Veranstaltungsinitiative „China Time“ des Hamburger Senats und die Wirtschaftskonferenz „The Hamburg Summit: China meets Europe“ der Handelskammer Hamburg zum zweiten Mal unmittelbar nacheinander statt. In diesem Jahr stehen beide Veranstaltungen unter besonderen Vorzeichen, denn mit den Olympischen Sommerspielen 2008 rückt die Volksrepublik China weltweit in den Fokus der Aufmerksamkeit.

Ziel der Veranstaltungen ist es, die China-Kompetenz Hamburgs weiter zu stärken und in einem informativen und ansprechenden Programm der Öffentlichkeit zu präsentieren. Mit seinem über Jahrzehnte gewachsenen China-Knowhow schafft Hamburg eine Plattform des Dialoges. Veranstaltungen zu Wirtschaft, Politik, Gesellschaft, Kultur und Wissenschaft wecken Aufmerksamkeit, vermitteln Informationen und ermöglichen Begegnungen.

Das vielseitige Programm wird von regionalen und überregionalen Institutionen, Unternehmen, Stiftungen, Initiativen, Vereinen und Verbänden getragen, die sich mit Vorträgen, Podiumsrunden, kulturellen Beiträgen und praktischen Angeboten an ein breites Publikum richten. Ein Höhepunkt wird die feierliche Eröffnung des chinesischen Teehauses am 25. September 2008 sein, dessen architektonisches Vorbild das berühmte Huxinting-Teehaus im Shanghaier Yu-Garten ist. Auf dem Rathausmarkt erwartet die Besucher ab dem 12. September 2008 ein zehntägiger Chinesischer Markt, organisiert von Roncalli, mit Kunsthandwerkern, Händlern, Künstlern und chinesischer Gastronomie sowie ein Drachenboot-Schülercup auf der Binnenalster, und am 13./ 14. September 2008 die Drachenbootregatta „Enter the Dragon“.

Mehr zur „China Time“ Hamburg 2008 finden Sie unter:
www.chinatime-hamburg.de

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