Eurasien-Ticker Oktober/November 2012

Eurasien-Ticker Oktober/November 2012

Joseph Beuys-Ausstellung in Moskau · Fast 800 Millionen Euro für junge Wissenschaftler in Europa · Verbesserter Schutz für Zugvögel auf dem Balkan gefordert · Ausbau des seismologischen Netzes · Iran blockiert Google und führt staatliches Web ein

Von EM Redaktion

Joseph Beuys-Ausstellung in Moskau

EM - Im Rahmen des Deutschlandjahres in Russland veranstaltet das Goethe-Institut eine Joseph-Beuys-Ausstellung in der russischen Hauptstadt. Es ist die bisher umfassendste Präsentation des deutschen Künstlers in Russland.  Sie trägt den Titel „Aufruf zur Alternative“ und wurde am 11. September 2012 im Staatlichen Museum für Moderne Kunst der Russischen Akademie der Künste eröffnet.

 Neben Installationen wie „Das Ende des 20. Jahrhunderts“ und „Straßenbahnhaltestelle“ werden zahlreiche Zeichnungen, Grafiken und Videoaufzeichnungen von Vorträgen und performativen Aktionen gezeigt. Im Rahmenprogramm laufen szenische Lesungen des Beuys-Manifests „Aufruf zur Alternative“, Vorträge und Podiumsdiskussionen. Die Ausstellung läuft bis zum 14. November 2012.

Dem Kurator Eugen Blume, der in Berlin das Museum für Gegenwart leitet, ist es gelungen, insgesamt rund 500 Exponate zusammenzustellen. 

Beuys‘ Leitspruch  lautete „Jeder Mensch ist ein Künstler!“ Doch nicht nur dadurch ragt er aus dem Kunstbetrieb heraus, sondern auch durch seine politische Weitsicht: Beuys war Eurasier. Die erste Plastik „Eurasier“ entstand 1958. Sie bestand aus einer Figur aus Mullbinden und einem aus Draht geformten Stab. Die Plastik steht auf einer Filzfläche..

Der Katalog zur Ausstellung kostet 25 Euro. Einen Zwei-Minuten-Beitrag des staatlichen Fernsehbeitrags „Kultur“ kann man unter folgendem Link abspielen:
http://video.yandex.ru/#search?id=49256872-10-12

Fast 800 Millionen Euro für junge Wissenschaftler in Europa

EM - Mit fast 800 Millionen Euro werden 536 junge Wissenschaftler in Europa gefördert – eine Budgetsteigerung um 19 Prozent im Vergleich zum vergangenen Jahr. Das teilte der Europäische Forschungsrat (European Research Council, ERC) mit. Bis zu zwei Millionen Euro erhält jeder Wissenschaftler. Für die fünfte Vergaberunde von so genannten „Starting Grants“ haben sich 16 Prozent mehr Forscher beworben als im vergangenen Jahr. Großbritannien (131), Deutschland (78) und Frankreich (73) stellten die meisten erfolgreichen Bewerber. Der Forschungsrat wurde 2007 als EU-Agentur für Grundlagenforschung gegründet. Er verfügt für die Jahre 2007 bis 2013 über einen Etat von 7,5 Milliarden Euro und soll Projekte voranbringen, mit denen Kreativität und Pioniergeist vor allem junger Wissenschaftler gefördert werden. Die EU-Kommission hat für die nächste Haushaltsperiode eine Budgeterhöhung auf über 13 Milliarden Euro vorgeschlagen (http://erc.europa.eu/).

Verbesserter Schutz für Zugvögel auf dem Balkan gefordert

EM - Für viele Vögel, die auf der Adria-Zugroute von Mittel-, Nord- und Osteuropa oder Sibirien über die Adria in Richtung Afrika ziehen, bedeutet diese Reise den Tod. Brennpunkt ist die östliche Adria: Millionen von Vögeln werden dort  jedes Jahr abgeschossen oder gefangen. „Die Gebiete auf dem Balkan sind zu wertvoll, um sie den Vogeljägern oder Wilderern zu überlassen und wenn es an der Adria knallt, wird es auch in unseren Feuchtgebieten still. Arten wie Uferschnepfe und Moorente drohen in Deutschland zu verschwinden, denn die Abschüsse auf dem Zugweg über die Balkanhalbinsel verringern jedes Jahr ihre Bestände“, sagt Gabriel Schwaderer, Geschäftsführer der Naturschutzstiftung EuroNatur.

EuroNatur hat die problematische Situation auf dem Balkan umfassend analysiert und dokumentiert. Einerseits kamen dabei vergessene Naturschätze auf dem Balkan zutage. Das heißt Gebiete von außergewöhnlicher Artenvielfalt und größter Bedeutung für den Zugvogelschutz, die unter anderem Kapazität für über eine Millionen rastende Wasservögel bieten. Andererseits zeigte sich, dass die legale und illegale Vogeljagd in Montenegro, Bosnien-Herzegowina, Kroatien und vor allem in Albanien neben der fortschreitenden Zerstörung wichtiger Feuchtgebiete ein sehr ernsthaftes Problem ist. In dem schmalen Küstenstreifen sind in den letzten 60 Jahren drei Viertel der Feuchtgebietsflächen durch Trockenlegung, intensive Landwirtschaft und Tourismus stark beeinträchtigt oder ganz zerstört worden. In den wenigen verbleibenden Feuchtgebieten konzentrieren sich Scharen von Vogeljägern. Studien der letzten Jahre zeigten, dass jährlich weit mehr als zwei Millionen Vögel entlang der Adriaküste in den sicheren Tod fliegen.

Hintergrundinformationen: www.euronatur.org/Vogeljagd-Balkan.1143.0.html

Ausbau des seismologischen Netzes

EM - Um die nationalen und weltweiten Georisiken durch Erdbeben besser bewerten zu können, baut die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) das deutsche seismologische Regionalnetz (German Regional Seismic Network; GRSN) weiter aus. „Es gibt noch weiße Flecken auf der Landkarte“, so BGR-Geophysiker Nicolai Gestermann. Gerade in Norddeutschland fehlen noch Stationen, um kleine und große Erschütterungen flächendeckend exakt aufzuzeichnen.

Daher wurde am 24.September 2012 südlich des niedersächsischen Rethem (Aller) eine neue Station eingerichtet, die  ihren Betrieb bereits aufgenommen hat. Die BGR-Wissenschaftler haben als Standort einen ehemaligen Schutzbunker ausgewählt. So ist die Elektronik der Messstation vor Wind und Wetter geschützt. In unmittelbarer Nähe wurde eine rund 200 Meter tiefe Bohrung fertiggestellt, um dort das Bohrlochseismometer in einem Salzstockdach zu installieren. „Dadurch ist das Instrument weiter entfernt von oberflächennahen Erschütterungen, wie sie etwa Fahrzeuge hervorrufen. Deshalb zeichnet es seismische Wellen aus dem Erdinneren mit deutlich geringeren Störsignalen auf“, erklärt BGR-Ingenieur Heiner Schlote, technischer Projektleiter.

Noch für dieses Jahr plant die BGR eine weitere neue Station bei der Mecklenburgischen Seenplatte. Dort, in einem fast 50.000 Quadratkilometer großen Gebiet, befindet sich bisher noch kein Seismometer des GRSN. „Zwar ist die Wahrscheinlichkeit eines fühlbaren Erdbebens in Norddeutschland geringer als im Süden, aber dennoch gibt es auch hier kleine Ereignisse“, so Gestermann.

Pro Jahr zeichnet die BGR in Deutschland etwa 60 Erdbeben mit einer Magnitude von mehr als 2,0 auf, die im Normalfall kaum gespürt werden. Durchschnittlich eins dieser Beben überschreitet die Magnitude 4,0. Bei dieser Stärke werden Erschütterungsgeräusche, klirrende Fenster und sich bewegende Gegenstände wahrgenommen. Das stärkste deutsche Beben der vergangenen zehn Jahre ereignete sich 2004 bei Waldkirch im Schwarzwald. Es hatte eine Stärke von 5,4. Derzeit umfasst das seismologische Regionalnetz 27 über Deutschland verteilte Messstationen, die von der BGR in Zusammenarbeit mit mehreren Universitäten, dem Geoforschungszentrum Potsdam und den Landeserdbebendiensten betrieben werden. Hinzu kommt das Gräfenberg-Messnetz auf der Fränkischen Alb, das als seismische Antenne gesehen werden kann und aus 13 Stationen besteht. Die 25 Seismometer umfassende Einrichtung GERESS im Bayerischen Wald dient vor allem dem Aufspüren heimlicher Kernwaffentests.

Weitere Informationen:
http://www.bgr.bund.de/DE/Themen/Erdbeben-Gefaehrdungsanalysen/Seismologie/Seismologie/Seismometer_Stationen/Stationsnetze/d_stationsnetz_node.html

Iran blockiert Google und führt staatliches Web ein

EM - Iranische Regierungsvertreter haben bestätigt, dass Regierungsbehörden und Ämter bereits an das „nationale Informationsnetzwerk“ angeschlossen wurden. Laut Medienberichten wurde zeitgleich auch der Zugang zu allen Google-Diensten im ganzen Land gesperrt. Momentan ist noch unklar, ob die beiden Maßnahmen im Zusammenhang stehen.
Aus offiziellen Kreisen der iranischen Regierung heißt es, dass durch die Einführung eines eigenen Internets die IT-Sicherheit verbessert werden soll. Auch seien alle wichtigen staatlichen Institutionen bereits mit dem nationalen Informationsnetzwerk verbunden. Als nächstes sollen alle Iraner, die Zugang zum Internet haben, in das neue staatliche Internet umgeleitet werden.

Iranische Fernsehsender haben berichtet, dass Google-Dienste wie Gmail und die Suchmaschine gesperrt werden. Nach Informationen der Iran Labour News Agency http://iranlaborreport.com  wurden die Pläne auch umgesetzt. Das ist eine Reaktion auf das Anti-Islam-Video, das vor kurzem auf YouTube veröffentlicht wurde und in der muslimischen Welt viel Wut und Empörung hervorgerufen hat.

Laut Angaben der Regierung soll das neue iranische Netzwerk bis zum März 2013 im ganzen Land zum Einsatz kommen. Ob das reguläre World Wide Web im Iran gänzlich gekappt werden soll, ist noch unklar. Die Regierung hat in diesem Jahr schon mehrmals den Zugang zum Internet gesperrt. Beim letzten Vorfall wurden alle verschlüsselten ausländischen Webseiten gesperrt. Viele regierungskritische Journalisten und Aktivisten konnten die Sperren durch Proxy Server umgehen und sich auf sozialen Netzwerken Gehör verschaffen.

Nahost-Experte Walter Posch von der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin http://swp-berlin.org ist der Meinung, dass der Iran bereits bei den Unruhen 2009 im Internet Zensur ausgeübt hat: „Das Internet spielte bei den Unruhen eine eher untergeordnete Rolle, da das Regime in dieser Richtung bereits vorbereitet war. Als die oppositionellen Internet- und Facebookseiten online gingen, waren Polizei und Nachrichtendienste mit dem Aufbau ihrer Internetpolizei zwar noch nicht fertig, aber eigentlich schon einsatzbereit.

Ein Bericht der Organisation Freedom House http://freedomhouse.org bestätigt die kritische Lage und listet Iran gemeinsam mit sieben weiteren Ländern unter die „Schlimmsten der Schlimmsten“ hinsichtlich der Freiheit der Presse. „In diesen Staaten sind unabhängige Medien entweder nicht existent oder kaum handlungsfähig. Die Presse fungiert als Sprachrohr für das Regime, der Zugang der Bürger zu neutralen Informationen ist ernsthaft eingeschränkt, und Dissens wird durch Verhaftungen, Folter und andere Formen der Unterdrückung niedergeschlagen“, heißt es in dem Bericht der Organisation.

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