Eurasien-Ticker

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„Lied von der Steppe“ auf Arte · Slowenien hat die beste Beschäftigungspolitik der neuen EU-Länder · EU-Osterweiterung: Wieviele wandern nach Westen? · Lettland schränkt Russisch-Unterricht per Gesetz drastisch ein · Süße Beziehungen zwischen Rußland und Deutschland · Osteuropäer besingen Berlin · Neue Afghanistan-Konferenz in Berlin · Enttäuschung beim US-Verbündeten Polen – Truppenabzug aus Irak geplant

Von EM Redaktion

EM - Am 20.März 2004, 22.35 Uhr zeigt der Fernsehsender Arte den Dokumentarfilm „Lied von der Steppe - musikalische Begegnung in der Mongolei“. Das EM berichtete bereits in der Dezember-Ausgabeausführlich über die herrlichen Filmszenen von mongolischen Pferden und Jurten, dem fernöstlichen Steppengras und der Wüste Gobi, sowie den dort beheimateten Klängen der Pferdekopfgeige und der Kunst des Obertongesangs. Ein absolutes Fernsehmuß!

(„Lied von der Steppe“. Ein Film von Michael Schindhelm und Jörg Jeshel. 20.03.2004, 22.35 Uhr, ARTE)

Slowenien hat die beste Beschäftigungspolitik der neuen EU-Länder

EM - Unter den acht osteuropäischen EU-Beitrittsstaaten liegt Slowenien in der Beschäftigungspolitik vorn. In einem Vergleich der Bertelsmann Stiftung belegt die einstige jugoslawische Teilrepublik den ersten Platz. Auf den Plätzen zwei und drei folgen Ungarn und die Tschechische Republik vor Estland, Lettland, Litauen und der Slowakei. Schlußlicht ist mit Polen die größte der untersuchten Volkswirtschaften.

Spitzenreiter Slowenien hat der Untersuchung zufolge derzeit eine Arbeitslosenquote von 6,3 Prozent, und auch die Zahl der Erwerbstätigen sei erheblich gestiegen. Das hat das Land auf den Spitzenplatz gehievt, wie Robert Vehrkamp von der Bertelsmann-Stiftung erläuterte.

Insgesamt sei nicht nur die aktuelle Arbeitsmarktsituation, sondern auch die Entwicklung der einzelnen Länder während des Analysezeitraums von 1995 bis 2002 sehr heterogen gewesen. Neben der Arbeitslosenquote und dem Zuwachs an Erwerbstätigen seien in die Bewertung drei weitere Größen eingeflossen: die Rechtsstruktur und die Sicherheit der Eigentumsrechte, die Entwicklung der Korruption sowie der Zugang zu wertstabilem Geld. Diese Vergleichsdaten hätten in den osteuropäischen Ländern einen entscheidenden Einfluß auf die Arbeitsmarktsituation.

Das auf Platz zwei liegende Ungarn weise aktuell zwar mit 5,7 Prozent die niedrigste Arbeitslosenquote der acht Länder auf. Die hohe ungarische Inflationsrate (4,8 bis 9,8 Prozent in den Jahren 2000 bis 2002) zeige aber den Nachholbedarf des Landes in der Geldpolitik.

Die Tschechische Republik, die in dieser Langzeituntersuchung bis 1999 vorn gelegen hätte, sei vor allem durch den Anstieg der Arbeitslosenquote von 4,8 auf 7,2 Prozent. auf den dritten Platz zurückgefallen. Zudem habe das Land überdurchschnittlich große Korruptions-Probleme. Im Bereich Verfügbarkeit von wertstabilem Geld belege es dagegen den Spitzenplatz.

Für Polens schlechtes Abschneiden werden verschiedene Gründe angeführt. Zum einen sei die Situation auf dem Arbeitsmarkt katastrophal. Die Arbeitslosenquote lag demnach 2002 bei 19,9 Prozent, und die Zahl der Erwerbstätigen sinke seit vier Jahren um 1,6 bis 3,9 Prozent jährlich. Das polnische Wirtschaftswachstum komme nicht über 1,3 Prozent hinaus, und auch bei den anderen untersuchten Faktoren habe das Land sehr schlecht abgeschnitten.

EU-Osterweiterung: Wieviele wandern nach Westen?

EM - Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) hat in einem Gutachten für die Europäische Kommission die zu erwartenden Zuwanderungszahlen der Menschen ermittelt, die aus den neuen EU-Beitrittsländern nach Westen kommen werden. Dabei wurden die Länder Bulgarien und Rumänien, die erst später EU-Mitglieder werden sollen, gleich mit einbezogen. Die Studie kommt zu folgenden Ergebnissen: Im hypothetischen Fall einer Einführung der Freizügigkeit für alle zehn neuen Mitgliedsländer aus Mittel- und Osteuropa einschließlich Bulgariens und Rumäniens bereits im Jahre 2004, wäre in Deutschland im ersten Jahr eine Nettozuwanderung von 180.000 Personen zu erwarten. Die Nettozuwanderung würde ihren Höhepunkt ein Jahr nach Einführung der Freizügigkeit mit 225.000 Personen erreichen.

Die Studie versucht auch bereits eine Prognose zu geben, wie die Entwicklung in der ferneren Zukunft aussehen könnte. Nach rund 25 Jahren wären dem DIW zufolge 1,4 bis 2,2 Millionen Personen nach Deutschland zugewandert. Gegenwärtig leben bereits 600.000 Menschen osteuropäischer Herkunft in Deutschland, so daß die Zahl der von dort Zugewanderten etwa im Jahr 2030 insgesamt 2,0 bis 2,8 Millionen betragen würde.

Eine Hochrechnung dieser Ergebnisse auf alle Länder der bisherigen EU der fünfzehn Mitglieder ergäbe dem Gutachten zufolge eine anfängliche Nettozuwanderung von 294.000 Personen. Sie würde ein Jahr später mit 370.000 ihren Höhepunkt erreichen. Die langfristige Zuwanderung für die EU-15 wird auf 3,8 Millionen Personen geschätzt. Nach Deutschland, auf das gegenwärtig rund 60 Prozent der Zuwanderer aus den Beitrittsländern entfallen, sind Italien und Österreich die wichtigsten Zielländer für die Menschen aus Osteuropa.

Weitere Informationen finden Sie hier: http://www.diw.de/deutsch/

Lettland schränkt Russisch-Unterricht per Gesetz drastisch ein

EM – Ab 1. September werden in Lettland die Kinder von Russen deutlich weniger Unterricht in ihrer Muttersprache erhalten. Das hat die lettische Regierung per Gesetz verfügt. Danach wird auch an den Gymnasien der großen russischen Minderheit die Unterrichtssprache grundsätzlich nur noch Lettisch sein. Die Regierung begründet diese Maßnahme damit, daß gute lettische Sprachkenntnisse erheblich bessere Berufschancen bedeuteten.

Die lettische Bevölkerung besteht zu einem Drittel aus Russen, vier Prozent sind außerdem Weißrussen. Nach der bisherigen Regelung mußten Schüler an den Gymnasien der russischen Minderheit 60 Prozent ihres Unterrichts in Lettisch erhalten. Nun steigt der Anteil auf über 90 Prozent.

In den letzten Januarwochen ist es wegen dieses neuen Sprachgesetzes in Riga zu Protesten Tausender betroffener Schüler und Studenten gekommen. Die russische Regierung unterstützt diese Proteste. Das Außenministerium in Moskau will deswegen auch die EU einschalten und um Unterstützung nachsuchen.

Süße Beziehungen zwischen Rußland und Deutschland

EM – Einen ähnlichen Stellenwert wie Kaviar und Wodka hat für die Russen ihre Schokolade. Sie sind überzeugt, daß sie nirgendwo besser schmeckt als in ihrer Heimat. Dennoch haben ausländische Schokoladenhersteller inzwischen in Rußland einen Marktanteil von 65 Prozent erobert. Der russische Schokoladenmarkt ist hinter dem französischen und dem deutschen der drittgrößte Europas. Es geht um runde 100. 000 Tonnen pro Jahr. Das war bei einer Presseunterrichtung der Alfred Ritter GmbH in Waldenbuch/Baden-Württemberg zu erfahren.

Und nun gibt es auch von diesem Unternehmen eine eigene Produktionsstätte in Rußland. In TV-Werbefilmchen wirbt ein offensichtlich von dem Genuß Begeisterter bereits mit dem Slogan von RitterSport: „kvadratiiish, praktiiish“. Bislang wurde Ritter-Schokolade nach Rußland importiert. Nun läßt das schwäbische Traditionsunternehmen seine süßen Quadrate in Odinzowo bei Moskau vom Band laufen. Dabei kooperiert es mit dem russischen Pralinenkonfektionär Andrej Korkunow.

Auch die lila Kuh soll in Kürze in Rußland an den Start gehen und die Marke Milka bekanntmachen. Die Produktion der Ritter-Konkurrenz soll in Pokrow im Gebiet Wladimir gestartet werden. Nestlé, Stollwerck und Cadbury produzieren bereits seit Jahren in Rußland. Sie konkurrieren mit einheimischen Marken, die noch jeder Russe aus Sowjetzeiten kennt: Diese tragen klassische Namen wie Rotfront und Roter Oktober.

Die süßen Beziehungen sollen nun aber nicht länger einseitig bleiben. Andrej Korkunow, der Pralinenhersteller, der zusammen mit Ritter rund 30 Millionen Euro aufbrachte, um die neue Produktionsanlage der deutschen Firma zu errichten, zeigte seine A. Korkunov-Pralinen kürzlich auf der Kölner Internationalen Süßwarenmesse. Binnen eines halben Jahres will der ehemalige sowjetische Raketeningenieur das edle Konfekt in Deutschland in die Regale bringen. Auf seiner Netzseite (www.korkunov.de) preist er die Produkte aus seiner Fertigung als „Schokolade der Zaren“ an.

Osteuropäer besingen Berlin

EM – Am 1. Mai findet im Kesselhaus der Kulturbrauerei Berlin das Festival „Ostwelle Berlin“ statt. Teilnehmen können Berliner Musikgruppen, in denen mindestens ein Mitglied aus Osteuropa stammt. Alle Bands müssen eine Demo-CD mit einem selbstkomponierten Lied aufnehmen, das Berlin zum Thema hat. Die Liedtexte müssen überwiegend in deutscher Sprache sein. In einem Vorentscheid wählt eine Jury die besten acht Gruppen aus. Diese dürfen am 1. Mai, dem Tag, an dem die Europäische Union auf 25 Mitgliedsstaten erweitert wird, auf dem Festival „Ostwelle Berlin“ spielen. Die Ost-Rocker, die dann von der Jury und den Zuschauern zu ihren Favoriten gekührt werden, erhalten ein Preisgeld von 2.500 Euro.

Der Einsendeschluß der Demo-CD ist der 10. März 2004. Veranstalter des Wettbewerbs ist die Robert Bosch Stiftung. Informationen zum Festival hier: www.ostwelle-berlin.de

Neue Afghanistan-Konferenz in Berlin

EM – In Berlin wird es vom 31. März bis 1. April eine weitere Konferenz über den Wiederaufbau Afghanistans geben. Das meldet die Financial Times Deutschland unter Berufung auf diplomatische Kreise.

Über Zeitpunkt und Inhalt einer weiteren Afghanistan-Konferenz sei seit der Verabschiedung der afghanischen Verfassung zu Jahresbeginn gerungen worden. Die USA hätten die Notwendigkeit zunächst bezweifelt, da der politische Fahrplan bereits feststünde. Vor allem die afghanische Regierung habe aber auf diesem Treffen in Berlin bestanden. Sie habe argumentiert, es sei jetzt besonders wichtig, das Engagement für Afghanistan über die für den Juni 2004 geplanten Wahlen hinaus zu sichern.

Die Bundesregierung habe den Konferenzort Berlin angeboten, meldet die FTD. Karsai persönlich habe dieses Angebot angenommen. Nach Angaben aus Regierungskreisen werde Bundeskanzler Gerhard Schröder die Konferenz voraussichtlich eröffnen.

Enttäuschung beim US-Verbündeten Polen – Truppenabzug aus Irak geplant

EM – Polen will einen Teil seiner Truppen aus dem Irak abziehen und begründet dies vor allem mit den hohen Kosten. Das Land hatte im Sommer 2003 fast 2.500 Mann zum Irakeinsatz an der Seite der USA und Großbritanniens entsandt. Polen erhielt den Oberbefehl über die multinationale Truppe in einem der vier Sektoren des Iraks. Die USA versprachen zwar damals, die finanzielle Hauptlast für das polnische Kontingent zu übernehmen, doch hatte Warschau allein im Jahr 2003 Kosten von umgerechnet 28 Millionen Euro zu tragen.

Die erwarteten Aufträge für den Wiederaufbau im Irak sind ebenfalls weitgehend ausgeblieben. Die Polen sind enttäuscht über die magere Treueprämie der USA.

Polens Präsident Kwasniewski, der im Januar in Washington mit Bush zu Mittag gegessen hatte, kam mit weitgehend leeren Händen zurück. Immer lauter werden deshalb in Polen die Stimmen, die fordern, für die militärische Beteiligung des Landes an den Kriegen in Afghanistan und im Irak sowie an der dortigen Nachkriegsverwaltung müßten die Amerikaner endlich eine Gegenleistung erbringen.

Viele Polen fühlen sich von Washington gedemütigt. Während nämlich Amerikaner in Polen visumfrei einreisen und umgekehrt auch alle EU-Bürger mit Ausnahme der Griechen ohne Visum die USA besuchen können, müssen die Polen eine langwierige und kostspielige Prozedur über sich ergehen lassen. Kwasniewski hatte auch dieses Anliegen bei Bush vorgebracht. Die US-Seite habe sein Konzept einer Abschaffung der Visumpflicht jedoch als „Anachronismus“ abgelehnt, berichtete er nach seiner Rückkehr.

Die Medien in Polen hatten wochenlang eine Kampagne gegen die einseitigen Einreisebestimmungen geführt. „Wir werden wie Kriminelle behandelt“, schrieb das Boulevardblatt „Fakt“, weil polnische Touristen bei der Einreise fotografiert werden und ihre Fingerabdrücke hinterlassen müssen. Viele kämen jedoch erst gar nicht so weit, hieß es in dem Blatt. Denn die amerikanischen Konsularbeamten in Warschau behielten sich vor, ohne Begründung Visumsanträge abzulehnen. Von den zuvor fälligen Gebühren von 100 US-Dollar werde kein Cent zurückerstattet.

Jetzt hat sich Washington zu einer kleinen versöhnlichen Geste entschlossen. Die polnische Armee erhält sechs gebrauchte Transportflugzeuge des Typs C-130 „Herkules“. Offenbar rechnet Washington auch für die Zukunft mit Polens Beteiligung an Auslandsmissionen.

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