Eurasien-Ticker

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Österreichs Bundeskanzler Schüssel fordert einen europäischen Geheimdienst · Moskaus privater Flughafen Domodedowo will eurasisches Drehkreuz werden · Westerweiterung für Wölfe · Fotoausstellung in Jena: „Polen, Deutsche und Kaschuben“ vom 25. März bis 16. April · Veraltete Strukturen und Geldmangel hemmen Europas Forschung · Chirac und Schröder machen Putin ihre Aufwartung

Von EM Redaktion

EM – Der Chef der Wiener Koalitionsregierung Wolfgang Schüssel hat die Idee eines europäischen Geheimdienstes zur Terrorbekämpfung ins Spiel gebracht. Unterstützt wird er dabei von der belgischen Regierung. In Berlin und London werden die Pläne abgelehnt. Die fünf großen Mitgliedsländer der EU, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Spanien und Italien haben bei einem Treffen in Madrid stattdessen lediglich einen verstärkten Austausch von Informationen zur Terrorbekämpfung beschlossen. Schüssel begrüßte dies mit den Worten: „Diese Länder haben die größte Erfahrung und verfügen über die größten Ressourcen“. Eine solche Kerngruppe dürfe sich jedoch nicht vom Rest der EU abkapseln, sondern müsse die anderen Länder „mitreißen“. Beim Gipfel in Brüssel Ende März wurde diskutiert, einen Geheimdienstkoordinator auf Europaebene einzusetzen. Dessenungeachtet plädiert Schüssel weiterhin dafür, mittelfristig einen europäischen Geheimdienst zu organisieren. Als Vorbild nennt der österreichische Bundeskanzler die amerikanische CIA.

Moskaus privater Flughafen Domodedowo will eurasisches Drehkreuz werden

EM - Der privatisierte Moskauer Flughafen Domodedowo will sich erklärtermaßen als das größte Drehkreuz Osteuropas positionieren, über das der Luftverkehr zwischen Europa und Asien-Pazifik verteilt wird. Dazu treibt er sein Wachstum kräftig voran. Er jagt dem staatlichen Flughafen Sheremetyevo entsprechend Marktanteile ab. Der bisherige Platzhirsch Sheremetyevo ist in den vergangenen drei Jahren von 64 Prozent Marktanteil auf 48 Prozent geschrumpft. Der neue Wettbewerber legte im gleichen Zeitraum von 16 auf 40 Prozent zu. Die Privatisierung 1997 gab den Anstoß für den Aufschwung. Die Passagierzahlen sind seit dem Jahr 2000 von 2,8 auf 9,4 Millionen gestiegen.

Ein Vorteil von Domodedowo: Der Flughafen ist großzügig angelegt und erfüllt europäische Standards. Dazu gehört das Check-in, wie es auch an westlichen Flughäfen üblich ist. Zudem ist schnelles Umsteigen möglich. In die Moskauer Innenstadt gibt es eine direkte Zugverbindung.

Die deutsche Billigfluggesellschaft Germania Express (Gexx) fliegt als erstes deutsches Unternehmen den Flughafen an. Auch die Lufthansa erwägt, Verbindung aufzunehmen. Der Frankfurter Flughafenbetreiber hat ebenfalls Kontakte geknüpft und prüft weitere Kooperationen.

Westerweiterung für Wölfe

EM – Tierische Migration aus dem Osten Europas: In der Lausitz und in Nordsachsen leben seit kurzem zwei Rudel von Canis lupus, dem Wolf. Das eine auf einem Truppenübungsplatz in der Muskauer Heide und das andere im nordsächsischen Neustadt an der Spree. Artenschutzexperten sehen in dieser Wiederansiedelung eine Sensation: Denn der Wolf gilt als Symbol für eine intakte und unberührte Natur. Lausitz und Nordsachsen bieten den Wölfen offenbar auf großem Raum mit ausreichendem Wildbestand ideale Bedingungen für ein Überleben.

Wiederansiedelung und Schutz von Wölfen werden durch nationale und internationale Gesetze und Übereinkommen unterstützt. Dadurch haben sich die Wölfe in Europa wie zum Beispiel in Italien, Frankreich, Spanien und der Schweiz wieder verbreitet. Seit den neunziger Jahren wandern Wölfe nun auch zunehmend aus Polen in den Nordosten Deutschlands ein.

Auf die Zukunft des Wolfes in Deutschland „werden die Jäger den größten Einfluß haben“, schreibt die Schutzgemeinschaft Deutsches Wild. Denn vorrangig erbeute der Wolf Schalenwild wie Rehe, Hirsche, Schwarzwild. Studien in Osteuropa zeigten allerdings, daß Wölfe ein Gebiet niemals „wildleer“ fressen könnten. Wo Schalenwild konzentriert vorhanden sei, sorge der Wolf er für eine bessere Verteilung des Wildes - was dem Wald helfe.

Der italienische Wolfsexperte Luigi Boitani hat übrigens in zwanzigjähriger Forschung keinen Beweis gefunden, daß ein Wolf einen Menschen verletzt hätte. Er erklärt dies damit, daß Wölfe in freier Wildbahn äußerst scheue Tiere seien.

Fotoausstellung in Jena: „Polen, Deutsche und Kaschuben“ vom 25. März bis 16. April

EM – Als die berühmteste Kaschubin gilt in Deutschland die von Günther Grass in seiner „Blechtrommel“ verewigte kaschubische Großmutter Anna Bronski. Doch da ansonsten

über diese Bevölkerungsgruppe, die im heutigen Polen lebt, im Westen wenig bekannt ist, hat man ihr nun in Jena eine Fotoausstellung gewidmet. Die Fotoschau wurde am 25. März im Universitätshauptgebäude vom Kulturforum östliches Europa, Potsdam, eröffnet. Sie wird bis zum 16. April zu sehen sein. Veranstaltet wird sie von Prof. Dr. Ulrich Steltner vom Institut für Slawistik der Universität Jena im Namen der Deutsch-Polnischen Gesellschaft in Thüringen.

„Die Ausstellung präsentiert Fotomaterial der Zeit um 1900, das einen kulturhistorisch interessanten Einblick in ein Kapitel deutsch-polnischer Gemeinsamkeiten vermittelt“, betont Prof. Steltner. Das Beispiel der Kaschubei (südlich von Danzig) sei besonders reizvoll, weil dort die slawischen Kaschuben ein Eigenleben zwischen der deutschen und der polnischen Nation geführt hätten. Diese Sonderstellung, die auch auf den Fotos thematisiert wird, eröffne eine weitere Facette im „Europa der Regionen“, das durch den Beitritt Polens und anderer osteuropäischer Staaten bereichert werde.

Veraltete Strukturen und Geldmangel hemmen Europas Forschung

EM - Veraltete Universitätssysteme, zu wenig Geld, zunehmender politischer Dirigimus, mangelnde Unabhängigkeit für junge Forschende und Europas Zögern, gezielt die besten Talente zu fördern, sind die Hauptgründe für Europas Rückstänigkeit in der Forschung. Diese Ansicht vertritt Prof. Gottfried Schatz, bis 2002/2003 Präsident des Schweizerischen Wissenschafts- und Technologierats. „Das Wort ,Exzellenz' ist in Europas Wissenschafts- und Bildungspolitik immer noch tabu - trotz der gut gemeinten Absicht, Eliteuniversitäten im Schnellverfahren aus dem Boden zu stampfen“, kritisierte der renommierte Schweizer Wissenschaftler mit Blick auf die derzeitige Debatte in Deutschland. „Dazu gesellt sich eine zunehmende politische Steuerung der Forschung“, bemängelte er in seiner Rede zur Eröffnung der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Zellbiologie (DGZ) am 24. März 2004 in Berlin. Dieser Versuch der Steuerung entspringe der „irrigen Meinung“, Forschung müsse grundsätzlich konkrete vorgegebene Fragen beantworten, um der Gesellschaft zu nützen. „Eine Forschung, die ein eng umrissenes Ziel verfolgt, kann jedoch nicht innovativ sein, denn wirklich innovative Forschung wirft Fragen auf, an die bisher noch niemand dachte. Innovative Grundlagenforschung bereitet den Boden für die technologischen Neuerungen und damit für das Wohl kommender Generationen“, betonte der Wissenschaftler.

Chirac und Schröder machen Putin ihre Aufwartung

EM – Der deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder und Frankreichs Staatspräsident Jacques Chirac werden in der kommenden Woche in Moskau mit dem soeben wiedergewählten russischen Staatspräsidenten Wladimir Putin zusammentreffen. Beide Politiker wollen russischen Meldungen zufolge am Freitag, 2. April, in der russischen Hauptstadt sein. Ob es zu einem Dreiertreffen kommt, ist nach Angaben aus dem Kreml noch offen.

Politische Beobachter schließen aus dem gleichzeitigen Aufenthalt der beiden wichtigsten Staatsmänner der EU, daß diese ihre Annäherung an Moskau vorantreiben wollen. Bereits kurz nach der Wiederwahl Putins hatten die beiden Politiker dem Kremlchef in einem Telefonat ihr Interesse an einer engen Zusammenarbeit zugesichert. Ihr herzlicher Ton stand Äußerungen in Moskau zufolge in auffallendem Gegensatz zur internationalen Kritik am Ablauf der russischen Wahlen.

Frankreich und Deutschland hoffen vor allem auf gute wirtschaftliche Kontakte. Im Kanzleramt hieß es, Schröder werde mit seinem Duzfreund Putin auch über das Verhältnis zwischen der EU und Rußland sprechen. Dieses war in den vergangenen Wochen nicht frei von Spannungen. Moskau weigerte sich zum Beispiel, das Partnerschaftsabkommen mit der EU auch auf die am 1. Mai beitretenden neuen Mitgliedsländer auszudehnen. Schröder und Chirac wollen nun offensichtlich versuchen, in einer Art Charmeoffensive, diese Unstimmigkeiten aus dem Wege zu räumen.

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