Eurasien-Ticker

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Grenzland-Filmtage vor dem Aus · Airbus-Maschinen für den Kaukasus-Staat Aserbaidschan · Lufthansa will ihre Wartungsbetriebe in Asien ausbauen · Chinesische Produkte sind besser als osteuropäische · US-Kopfgeldjäger jagen in Afghanistan · Ärzte warnen vor anschwellender Aids-Epidemie in Osteuropa · Indien testet seine Mittelstreckenrakete Agni II

Von EM Redaktion

EM – Das älteste Filmfest Deutschlands mit dem Schwerpunkt auf osteuropäischer Filmkunst steht vor dem Aus. Die seit 1977 veranstalteten Internationalen Grenzland-Filmtage im oberfränkischen Selb h aben in diesem Jahr voraussichtlich zum letzten Mal stattgefunden. Dies erklärten die Veranstalter Ende Juli in einer Pressemittelung.

Die Organisatoren begründeten ihren Entschluß, die Filmtage künftig nicht mehr auszutragen, mit dem Mangel an Sponsorengeldern und den stagnierenden Besucherzahlen. Außerdem sei die Durchführung des Festivals in den letzten Jahren zunehmend schwieriger geworden, da sich die Schaltstelle der Filmtage immer weiter aus dem Fichtelgebirge entfernt habe. Heute liege sie in Berlin. Feste Mitarbeiter vor Ort konnten nicht bezahlt werden, so daß sich die ehrenamtlichen Helfer zwangsläufig aus dem ganzen Bundesgebiet rekrutierten.

Die Grenzland-Filmtage finanzierten sich bislang durch Eintrittsgelder, Sponsorenmittel und Werbeeinnahmen aus dem Festivalkatalog. Außerdem gab es Zuschüsse von der Stadt Selb, sowie staatliche Fördermittel. Der Etat für das Jahr 2004 beträgt 47.000 Euro.

Die Veranstalter hoffen bis zum Schluß auf tatkräftige Unterstützung von außen. Wer sich für die Grenzland-Filmtage engagieren will, kann auf der Seite www.grenzland-filmtage.de Kontakt aufnehmen. In jedem Fall wird es Ende November ein „fulminantes Abschlußfest“ mit Filmprogramm geben, heißt es in der Pressemittelung. Genaueres wird einen Monat zuvor auf der erwähnten Netzseite bekanntgegeben.

Ein Interview mit einem der Macher der Grenzland-Filmtage führten wir in der Ausgabe EM 04/03.

Airbus-Maschinen für den Kaukasus-Staat Aserbaidschan

EM – Beim Berlin-Besuch des aserbaidschanischen Präsidenten Ilcham Alijew Ende August, wurde ein Vertrag über die Lieferung von vier Airbus-Flugzeugen nach Aserbaidschan unterzeichnet. Der Auftrag soll einen Wert von 137 Millionen Euro haben. Deutschland und Aserbaidschan vereinbarten, künftig politisch und wirtschaftlich enger zusammenzuarbeiten. Dazu wurde auch ein Doppelbesteuerungsabkommen vereinbart. Alijew kündigte weitere Abschlüsse mit deutschen Unternehmen an und warb für mehr Investitionen deutscher und europäischer Firmen bei Verkehr und Energie.

Lufthansa will ihre Wartungsbetriebe in Asien ausbauen

EM – Nach Erwartung der Lufthansa AG wird das Geschäft mit der Flugzeugwartung in Asien künftig rasant zunehmen. Das Unternehmen profitiert nach eigenen Angaben immens vom derzeitigen Boom des Flugverkehrs. Vor allem ihre Standorte in der chinesischen Hauptstadt Peking, der chinesischen Freihandelszone Shenzen und auf den Philippinen seien sehr gut ausgelastet. Zudem würden in allen drei Betrieben auch Maschinen anderer europäischer und amerikanischer Fluglinien gewartet und repariert. Lufthansa rechnet damit, daß der Markt für Reparatur und Wartung von Passagierflugzeugen in China pro Jahr um rund zwölf Prozent wachsen wird, weil sich der chinesische Luftfahrtmarkt schneller entwickelt als das restliche Asien. Der Jahresumsatz in den knapp 4.000 Mitarbeiter zählenden Standorten Asiens betrug zuletzt 130 Millionen Euro.

Chinesische Produkte sind besser als osteuropäische

EM – Güter aus chinesischen Produktionsstätten sind qualitativ hochwertiger als vergleichbare Erzeugnisse aus osteuropäischen Fabriken. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Münchner Unternehmensberatung Roland Berger. China habe als Produktionsstandort in den vergangenen Jahren enorm aufgeholt und die Regionen im Osten Europas überrundet. Roland Berger befragte in seiner Untersuchung 70 deutsche Firmen. Nur 17 Prozent dieser Unternehmen gaben an, sie hätten bei chinesischen Erzeugnissen eine geringere Qualität festgestellt als bei ihren eigenen in Deutschland erzeugten Produkten. Die Importe aus Osteuropa wurden dagegen von 40 Prozent der deutschen Unternehmer qualitativ deutlich schlechter eingestuft als heimische Erzeugnisse. Damit werden chinesische Waren von den befragten Unternehmen weit besser beurteilt als die aus den osteuropäischen Ländern.

US-Kopfgeldjäger jagen in Afghanistan

EM - Das US-Verteidigungsministerium hat erstmals Kontakte zu einem in Kabul wegen Folter an afghanischen Zivilisten angeklagten mutmaßlichen Kopfgeldjäger aus den USA eingeräumt. Es handelt sich um Jonathan K. Idema, genannt „Tora-Bora-Jack“. Ein nicht näher genannter Pentagon-Vertreter erklärte Ende August gegenüber der britischen BBC, Jonathan K. Idema habe mit der Sicherheitsdirektorin Heather Anderson telefoniert. Sie habe den Ex-Soldaten der US-Armee auch in Kabul zurückgerufen. Dessen Angebot, für das Pentagon zu arbeiten, habe sie jedoch abgelehnt.

Die Informationen darüber, ob Washington von dem Treiben Jonathan K. Idemas wußte oder es gar gebilligt hat, sind äußerst widersprüchlich. Mitte Juni noch hatten die USA rundweg abgestritten, Kontakt zu Idema zu haben, der eine ganze Gruppe von Kopfgeldjägern um sich geschart hatte. Der Sprecher des US-Außenministeriums, Richard Boucher, wiederholte mehrfach: „Ich möchte deutlich machen, daß die USA in der Vergangenheit und Gegenwart diese Männer weder beschäftigt noch finanziert haben.“ Deutschen Zeitungen gegenüber hatten die US-Behörden erklärt, den von „Tora-Bora-Jack“ genannten Namen Heather Anderson gebe es im Telefonbuch des Pentagon überhaupt nicht und auch keine weibliche Vier-Sterne-Beamtin im gesamten US-Militär.

Am 22. Juli allerdings mußte der Sprecher der US-Koalitionstruppen in Afghanistan, Major Jon Siepmann, einräumen, daß es doch mindestens einen Kontakt gegeben hat: Einen Monat lang habe die US-Armee einen afghanischen Verdächtigen festgehalten, der ihr im Mai von Idema überstellt worden sei. Daß der Mann unschuldig war, verstärkte die Peinlichkeit noch.

Der 48jährige Idema aus Fayetteville, North Carolina, bezeichnet sich selbst als Terroristenjäger im Auftrag des Pentagon. Er und seine Männer hätten im Alleingang Weltklasse-Terroristen geschnappt und Attentate vereitelt. Außerdem stünde er in täglichem Kontakt mit höchsten Stellen des US-Verteidigungsministeriums. Idema war bald nach den Anschlägen des 11. September 2001 in Afghanistan aufgetaucht, und zwar nach eigenen Angaben als Soldat an der Front, militärischer Berater der Nordallianz und professioneller Beschützer für Journalisten.

Idema und seine beiden amerikanischen Mitarbeiter, Brett Bennett, ein Journalist, und Edward Caraballo, ein Kameramann, sollen am 14. April von Indien aus nach Kabul eingeflogen sein. Dort haben sie gemeinsam mit vier afghanischen Mitarbeitern „Terroristen“ gejagt. Verdächtig war für sie schon, wer einen langen Bart trug. Selbst die Isaf-Truppen wurden erfolgreich eingespannt: Zähneknirschend mußte deren Sprecher Chris Henderson drei illegale Razzien zugeben, weil man auf das militärische Gebaren von Idema hereingefallen war. Die drei Amerikaner hatten ein Haus in einem der besseren Viertel der Hauptstadt gemietet, dessen Keller sie in ein Gefängnis mit Folterkammer umwandelten.

Als die drei Männer am 5. Juli verhaftet wurden, fanden die Sicherheitskräfte in diesem Gefängnis acht Gefangene, einige davon an den Füßen aufgehängt, andere mit Säcken über dem Kopf auf dem nackten Boden kauernd. „Die amerikanischen Behörden wußten genau, was wir taten“, behauptet Idema, „und sie haben unsere Aktivitäten voll unterstützt.“

Die von den USA auf die Ergreifung von Terroristen ausgesetzten Belohnungen - allein für Osama bin Laden 50 Millionen US-Dollar - sollen ganze Scharen von Kopfgeldjägern wie „Tora-Bora-Jack“ nach Afghanistan gelockt haben.

Ärzte warnen vor anschwellender Aids-Epidemie in Osteuropa

EM – Die deutsche Bundesregierung und Ärzteorganisationen haben vor einer wachsenden Sorglosigkeit beim Umgang mit der tödlichen Immunschwächekrankheit Aids gewarnt. Vor allem junge Leute unter dreißig würden zunehmend Vorsichtsmaßnahmen unterlassen. Jugendliche aus Ostdeutschland und Migranten aus Osteuropa seien besonders gefährdet und auch besonders unvorsichtig. Als ein Indiz für die Sorglosigkeit im Umgang mit der tödlichen Krankheit werten die Wissenschaftler den Rückgang des Gebrauchs von Kondomen. Im vergangenen Jahr habe man 189 Millionen Stück verkauft, das seien 18 Millionen weniger als noch im Jahr 2000.

Auch in Osteuropa und damit unmittelbar an der Grenze zu Deutschland zeichne sich inzwischen eine Aids-Katastrophe ab, die nur noch mit der Entwicklung in Afrika zu vergleichen sei. In den Ländern Osteuropas werde ein explosionsartiger Anstieg von HIV-Infektionen und Aids-Erkrankungen festgestellt.

Indien testet seine Mittelstreckenrakete Agni II

EM – Die indischen Streitkräfte haben am 29. August zum dritten Mal ihre selbst entwickelte Mittelstreckenrakete vom Typ Agni II getestet. Der Abschuß fand auf dem Testgelände an der Küste des ostindischen Unionsstaates Orissa statt, wie die Nachrichtenagenturen des Landes berichteten. Der Test sei erfolgreich verlaufen. Das Nachbarland Pakistan war den Berichten zufolge vorher über den Raketentest informiert worden.

Nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Delhi hat der Flugkörper eine Reichweite von 2.500 Kilometern. Er könne sowohl mit konventionellen als auch mit nuklearen Sprengköpfen bis zu einem Gewicht von einer Tonne bestückt werden. Die beiden vorangegangenen Tests hatten im Januar 2001 und im April 1999 stattgefunden. Das Nachbarland Pakistan hatte zuletzt im Juni 2004 eine eigene Mittelstreckenrakete getestet.

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