Eurasien-Ticker

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Länder Südosteuropas wollen eine Freihandelszone bilden · EU-Kommission: Infobrief jetzt auch auf Deutsch · Filmfeste zu Skandinavien und Osteuropa beendet · Die Magnetschwebebahn Transrapid soll Wien und Innsbruck verbinden · Der welthöchste Wolkenkratzer steht in Taipeh · China will weltweit die meisten Touristen ins Land holen

Von EM Redaktion

Länder Südosteuropas wollen eine Freihandelszone bilden

EM – Ihr Ziel ist es, irgendwann Mitglied der Europäischen Union zu werden. Als Vorstufe dazu wollen Albanien, Bosnien-Herzegowina, Kroatien, Serbien-Montenegro, Bulgarien, Mazedonien und Rumänien eine Freihandelszone bilden. Dies erklärten sie Mitte November bei einer Investorenkonferenz des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) in Berlin. Die angereisten Regierungschefs und Minister stimmten darin überein, daß die Bemühungen um Aufnahme in die EU nur dann Aussicht auf Erfolg haben können, wenn die Region schon vorher weiter zusammenwächst.

„Es ist wichtig, daß wir die Handelsbarrieren niederreißen und einen gemeinsamen Markt bilden“, sagte der albanische Premier Fatos Nan in der deutschen Hauptstadt. Er und seine Kollegen wissen, daß neben politischen Unsicherheiten gerade Handelsbarrieren ausländische Investoren noch immer abschrecken. Dies träfe weniger auf Unternehmen zu, die in der Region eine verlängerte Werkbank suchten, unterstrich DIHK-Präsident Ludwig Georg Braun. Wohl aber gelte es für die Ansiedlung von Firmen.

Zwar haben die Länder im Stabilitätspakt für Südosteuropa (SOE) ein Netz bilateraler Freihandelsabkommen geschlossen. Viele davon sind aber noch nicht in Kraft. Während Ausfuhren in die EU zum Beispiel schon zu 95 Prozent zollfrei sind, schrecken die Nachbarn untereinander vor einer Zollunion zurück, weil dann eine erhebliche Einnahmequelle wegbrechen würde.

Das Kosovo zum Beispiel, das völkerrechtlich noch zu Serbien gehört, bestreitet fast die Hälfte seines Budgets aus Zöllen. Sogar im Staatenbund Serbien-Montenegro bestehen etliche Zollschranken. Einheitliche Regeln für die Registrierung von Produkten fehlen in der Region Südosteuropa ganz.

Bundeskanzler Gerhard Schröder mißt der Region Südosteuropa eine wichtige Rolle für die deutsche und europäische Wirtschaft zu. Immerhin bilden die Länder zusammen einen potentiellen Markt von 55 Millionen Verbrauchern. Auf der Investorenkonferenz ermunterte er einheimische Unternehmen, sich auf diesem künftigen Absatzmarkt zu engagieren. Den vertretenen Ländern selbst legte Schröder eine engere Kooperation nahe: „Die verbesserte regionale Zusammenarbeit kann einen entscheidenden Beitrag dazu leisten, den Teufelskreis aus Unterentwicklung, Gewalt und Armut zu durchbrechen“.

EU-Kommission: Infobrief jetzt auch auf Deutsch

EM – Der „Europa-Newsletter“ der Europäischen Kommission wird nun auch auf Deutsch publiziert. Der Infobrief, der bislang nur auf Englisch und Französisch erschien, berichtet über die aktuelle Politik der Europäischen Kommission. Deutsch ist die mit Abstand meistgesprochene Sprache Europas, rund jeder dritte EU-Bewohner spricht Deutsch als Mutter- oder Fremdsprache. Der Europa-Newsletter erscheint alle zwei Wochen im Netz und kann hier per E-Post abonniert werden.

Daß die EU-Kommission ihr elektronisches Sprachrohr nun auch in deutscher Sprache veröffentlicht, sei „ein hoffnungsvolles Zeichen für die zunehmende Bereitschaft der Kommission, auf die berechtigten Anliegen der Unionsbürger einzugehen,“ kommentierte Dietrich Voslamber. Er ist Leiter der Arbeitsgruppe „Sprachenpolitik in Europa“ des Dortmunder Vereins Deutsche Sprache. Der VDS setzt sich gegen die „Anglisierung der deutschen Sprache“ ein.

Filmfeste zu Skandinavien und Osteuropa beendet

EM – Anfang November schlug wieder die Zeit für Deutschlands Filmeliebhaber: Fast zeitgleich fanden in Cottbus das 14. Filmfestival des osteuropäischen Films (02.-06.11.) und in Lübeck die 46. Nordischen Filmtage (04.-07.11.) statt.

In Cottbus ging der Hauptpreis im Wettbewerb „Bester Spielfilm“ an den Film „Schiza“ der kasachischen Regisseurin Guka Omarowa. Sie erhielt auch die mit 12.000 Euro dotierte Preisskulptur „Lubina“. Der Gewinnerfilm „Schiza“ ist eine russisch-kasachisch-französisch-deutsche Koproduktion. Erzählt wird von den ersten Liebeserlebnissen eines schizophrenen 15jährigen Jungen. 14.800 Gäste besuchten dieses Jahr das wichtigste Festival des osteuropäischen Films. Gezeigt wurden 150 Filme aus 28 Ländern.

Siegerfilm in Lübeck war „Illusive Tracks“ des schwedischen Regisseurs Peter Dalle. Der Streifen erhielt den mit 12.500 Euro dotierten NDR-Förderpreis und zudem den Publikumspreis der Lübecker Nachrichten. Die schwarze Komödie handelt von der Zugfahrt eines Schriftstellers, der sich im Dezember 1945 nach Berlin aufmacht, um dort beim Wiederaufbau zu helfen. Die Lübecker Filmtage gelten als das bedeutendste Festival des nordischen Films außerhalb Skandinaviens. In der Hansestadt wurden dieses Jahr insgesamt 134 Filme vorgeführt.

Die Magnetschwebebahn Transrapid soll Wien und Innsbruck verbinden

EM - Die österreichische Regierung erwägt den Bau von zwei Transrapid-Strecken. Wie der österreichische Vizekanzler und Verkehrsminister Hubert Gorbach Mitte November erklärte, denke die Regierung in Wien ernsthaft über die Errichtung von Magnetschwebebahnen nach. Laut Gorbach müsse das österreichische Bahnnetz bis 2015 modernisiert werden. „Dabei könnte der Transrapid ein wichtiger Bestandteil werden“, betonte der Minister.

Seiner Auffassung nach sollte die Magnetschwebebahn auf den Strecken Wien–Innsbruck und Wien–Bratislava zum Einsatz kommen. Eine österreichische Expertengruppe werde den Transrapid in Shanghai unter die Lupe nehmen. Die Magnetschwebebahn würde laut Gorbach die Fahrzeit zwischen Wien und Innsbruck von fünf auf zwei Stunden reduzieren. Die Strecke zwischen Wien und der slowakischen Hauptstadt Bratislava könnte in 15 Minuten statt derzeit 60 Minuten bewältigt werden. Die Baukosten für beide Strecken werden von Experten auf fünf Milliarden Euro beziffert. Für die Finanzierung kommen nach Angaben Gorbachs in erster Linie private Investoren in Frage.

(Siehe dazu auch den Beitrag im EM 09-04: „Eurasien mit dem Transrapid?“)

Der welthöchste Wolkenkratzer steht in Taipeh

EM - Jetzt ist es offiziell. Der höchste Wolkenkratzer der Welt steht in Taipeh. Der internationale Rat für Hochhäuser und Städtisches Wohnen (Council on Tall Buildings and Urban Habitat) verlieh dem Hochhaus „Taipei 101“ kürzlich die entsprechende Plakette. Das grüne Bauwerk aus Glas und Stahl ist mit 101 Stockwerken 508 Meter hoch. Es erinnert mit seinen nach außen ragenden Segmenten an aufeinander gestapelte Kartons oder an eine gigantische Bambussprosse.

Das Hochhaus in Taiwan ist 56 Meter höher als der bisherige Rekordhalter, die „Petronas Towers“ in der malaysischen Hauptstadt Kuala Lumpur. Außerdem gibt es in dem Wolkenkratzer das höchste von Menschen genutzte Stockwerk und zwei der schnellsten Aufzüge auf dem Globus. In dem Gebäude sind Büroräume und ein riesiges Einkaufszentrum untergebracht.

„Taipei 101“ wird den Titel als höchstes Gebäude der Welt wahrscheinlich nicht lange halten: In China soll das „Shanghai Financial Center“ noch weiter in den Himmel ragen, wenn es 2007 eröffnet wird. Zudem hat Dubai angekündigt, auch den Turm in Shanghai noch überflügeln zu wollen. Das prestigeträchtige Rennen um das höchste Haus der Welt nimmt wohl so schnell kein Ende.

China will weltweit die meisten Touristen ins Land holen

EM - Etwa 210 Millionen Touristen sollen bis zum Jahr 2020 nach China kommen und umgerechnet 44 Milliarden Euro pro Jahr im Land lassen. Das berichtete die englischsprachige Zeitung „Shanghai Daily“ in ihrer Ausgabe vom 25. November 2004. Sie berief sich dabei auf einen Sprecher der nationalen Tourismusverwaltung. Das Land der Mitte soll damit weltweit das Urlaubsziel Nummer eins werden. Urlauber aus dem eigenen Land sollen dem Fremdenverkehr zusätzliche 189 Milliarden Euro im Jahr einbringen. Einen Schub sollen vor allem die in China ausgerichteten Olympischen Spiele im Jahr 2008 und die Weltausstellung im Jahr 2010 bringen.

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