Eurasien-Ticker

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Rußland bindet seine Währung künftig auch an den Euro · Asiatische Studenten in Amerika wieder sehr gefragt · China entwickelt sich zum wichtigsten Automarkt der Welt · Asiatische Luxushotelkette drängt nach Europa · China baut den ersten kommerziellen Kugelhaufenreaktor · EADS-Kooperation mit sibirischem Flugzeugbauer Irkut ist perfekt · Der Iran entwickelt sich zielstrebig zum Energieexporteur · Moskau: Deutsches Historisches Institut eröffnet im Frühjahr

Von EM Redaktion

Rußland bindet seine Währung künftig auch an den Euro

EM - „Unter Berücksichtigung der wachsenden Rolle, die die Europäische Union in den außenwirtschaftlichen Beziehungen Rußlands und der Euro als zweite Weltwährung spielen, erfüllt der bisherige Dollar-Ansatz nicht mehr die Anforderungen der Wechselkurspolitik der russischen Zentralbank.“ Damit erklärt die Notenbank von Rußland nicht mehr und nicht weniger, als daß sie die seit langem bestehende faktische Anbindung des nominalen Rubel-Kurses an den Dollar wegen der starken Abwertung der US-Währung aufgeben werde.

Sie bindet nun den Euro in ihre offizielle Währungspolitik mit ein. Der Anteil der europäischen Gemeinschaftswährung wird zwar zunächst mit zehn Prozent gegenüber neunzig Prozent beim Dollar noch relativ klein sein, er soll mittelfristig aber stark wachsen. Dafür hat die Bank jetzt einen sogenannten Doppel-Währungskorb eingerichtet. Darüber heißt es in der Moskauer Verlautbarung: „Die Gewichtung des Euros in diesem Doppel-Währungskorb wird Schritt für Schritt in dem Maße auf ein Niveau angepaßt, das dem Ziel unserer Wechselkurspolitik entspricht und wie sich die Marktteilnehmer an das neue Umfeld anpassen.“ Der Dollar büßte daraufhin prompt um 0,12 Prozent an Wert gegenüber dem Rubel ein.

Zahlreiche Zentralbanken hatten in letzter Zeit bereits angekündigt, die Gewichtung des Euros in ihren Reserven zu stärken, wie die Royal Bank of Scotland in einer Umfrage ermittelte. Dollar-Anlagen haben angesichts der Schwäche der US-Währung stark an Attraktivität verloren. Zudem wollen viele Länder auch die zunehmende Rolle berücksichtigen, die der Euro bei den weltweiten Handelsströmen spielt. (Siehe dazu auch EM 01-05).

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Dazu schreibt die „Financial Times Deutschland“ in ihrer Ausgabe vom 24.Februar 2005 unter dem Titel „Euro gewinnt Marktanteile in Asien“: „Die Zentralbanken der großen Schwellenländer werden nach Experteneinschätzung ihre Devisenreserven zunehmend in Euro umschichten und damit den Kurs der Einheitswährung nach oben treiben. Die Zentralbanken Südkoreas und Bahrains hatten in Aussicht gestellt, künftig verstärkt auf den Euro zu setzen. ‚Das ist ein Prozeß der Diversifizierung, der noch lange nicht abgeschlossen ist‘, sagte Nikolaus Keis, Devisenfachmann bei der HypoVereinsbank. ‚Die maßgeblichen Zentralbanken Asiens haben bereits angefangen, den Euro in ihre Reserven aufzunehmen‘, sagte Rainer Schäfer, Chef des Emerging Markets Research der Dresdner Bank. Die Einschätzungen deuten darauf hin, daß die Bedeutung des Euros als internationale Reservewährung stark wachsen dürfte...“.

Asiatische Studenten in Amerika wieder sehr gefragt

EM - Die US-Regierung hat angekündigt, Visabestimmungen für ausländische Studenten und Forscher zu lockern. Die harten Einreiseauflagen nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 hatten in den letzten Jahren viele Wissenschaftler und Studenten vor allem aus Asien abgeschreckt. Auch in Zukunft soll es zwar Sicherheitsüberprüfungen geben, bevor ausländische Interessenten für Studienplätze ins Land gelassen werden, aber sie gelte nur noch für „sensible Bereiche“. Dazu zählten vor allem Chemie und Ingenieurwissenschaften.

Außerdem werden dieser Ankündigung zufolge die Überprüfungen künftig nicht jedes Jahr wiederholt, wie es bisherige Praxis war. Für Studenten sollen sie künftig vier Jahre gelten, für ausgebildete Wissenschaftler zwei Jahre.

Die amerikanischen Universitäten suchen inzwischen händeringend nach akademischem Nachwuchs. Die „Ball State Universität“ von Indianapolis zum Beispiel hatte kürzlich eine Werbetour in Indien durchgeführt, um Hochschulabsolventen für ein Studium an ihrer Hochschule zu gewinnen. Die Zahl indischer Studenten in den USA war in den letzten Jahren stark gesunken. Während im Jahr 2002 noch 18.776 Studentenvisa für Inder ausgestellt wurden, waren es 2004 nur noch 16.891, wie die US-Botschaft in Delhi bekanntgab.

Leidtragende der neuen Regelung könnten Universitäten vor allem in europäischen Ländern sein. Deutschland z.B. hatte von den harschen Einreisebestimmungen der USA profitiert. Die Zahl indischer und chinesischer Bewerber für ein Studium oder eine Forschungsstelle war 2004 drastisch nach oben gegangen.

Siehe dazu auch: „Wissenschaftseliten: Amerika lebt vom ‚Brain Drain‘ – vor allem aus Eurasien“ und „Wissenschaftseliten: Warum sie Europa verlassen“ in (EM 02-04)

China entwickelt sich zum wichtigsten Automarkt der Welt

EM - Ab 2010 werden Prognosen zufolge 30 Prozent aller weltweit verkauften Autos in der Volksrepublik China abgesetzt. „Das Land wird der einzige Markt sein, in dem künftig noch hochqualitative Personenwagen in größeren Mengen verkauft werden können“, schätzt Kenneth DeWoskin, China-Experte der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Pricewaterhouse-Coopers (PwC). Der Durchschnittspreis pro verkauftem Pkw läge in China bereits heute zwischen 15.000 und 20.000 Euro. In China gebe es inzwischen eine reiche Elite, die sich vor allem aus Prestigegründen mit luxuriösen Fahrzeugen schmücken wolle.

Obwohl chinesische Autobauer ihre Produktionskapazitäten im Land stark erweitern und auch im Ausland durch Übernahmen Fuß zu fassen versuchen, glaubt DeWoskin vorerst nicht an eine Pkw-Exportnation China. Als Gründe nannte er vor allem die fehlende Kompetenz der Chinesen im Autobau. Sollten sich die Hersteller aus dem Reich der Mitte mit ihren Fahrzeugen ins Ausland trauen, müßten sie vermutlich mit Klagen westlicher Hersteller wegen Produktpiraterie rechnen. Langfristig sind die Ziele der chinesischen Autobauer jedoch ehrgeizig. Die Regierung in Peking will, daß einer der heimischen Pkw-Hersteller in zehn Jahren in die Liga der sechs größten Konzerne der Welt aufsteigt.

Asiatische Luxushotelkette drängt nach Europa

EM - In London will der führende Nobelhotelier Asiens, Shangria-La, schon bald ein erstes Hotel innerhalb der Europäischen Union eröffnen. Mitte Februar gab der Konzern den Abschluß eines 30-jährigen Pachtvertrags bekannt, der ihm den Einzug in den vornehmen „London Bridge Tower“ am Themse-Ufer ermöglicht. Dort soll 2009 die Shangri-La-Herberge eröffnen. „London Bridge Tower“ gilt mit seinen 310 Metern als größtes Gebäude Europas. In der 70 Stockwerke zählenden Glaspyramide will Shangri-La 18 Etagen mit 195 Zimmern ausstatten. Die Investitionssumme beziffert das Unternehmen auf 35 Mio. £ (50 Mio. Euro). Die Bauarbeiten des rund 300 Mio. £ teuren Entwurfs des italienischen Stararchitekten Renzo Piano werden Ende des Jahres 2006 beginnen.

Als nächsten Schritt außerhalb Asiens will die Shangri-La-Gruppe ein Hotel in Deutschland eröffnen. Der in Hong Kong ansässige Konzern plane ein Fünf-Sterne-Hotel in Frankfurt am Main. Auch in Paris sei ein solches Haus geplant, erklärte ihr Marketingvorstand Martin Waechter gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters.

Das exquisite, mit asiatischem Flair kombinierte Konzept von Shangri-La zählt nach Ansicht internationaler Hotelfachleute zu den höchsten Standards der Branche. Das werde in Europa vor allem die kaufkräftige Klientel aus Fernost anziehen. Damit drohe anderen europäischen Häusern, eine der wichtigsten Nachfragequellen abgezogen zu werden. Angesichts der rapide zunehmenden Wirtschaftsbeziehungen vor allem mit China, sieht das Shangri-La-Management in ganz Europa exzellente Wachstumschancen. Die 1971 gegründete Gesellschaft betreibt bislang 46 Hotels mit rund 21 000 Zimmern in Asien und dem Mittleren Osten. Bis 2010 werde sich das Angebot fast verdoppeln.

Lesen Sie dazu auch: „Eurasien im Hotel

China baut den ersten kommerziellen Kugelhaufenreaktor

EM - Die Volksrepublik China wagt sich auf nukleartechnisches Neuland vor, um ihren riesigen Energiehunger zu stillen. Sie will den weltweit ersten kommerziell genutzten Kugelhaufenreaktor bauen und ans Netz bringen.

Ursprünglich wurde dieser Reaktortyp in Deutschland entwickelt, aus politischen und wirtschaftlichen Gründen wurde der letzte Prototyp jedoch 1989 stillgelegt. Heute arbeiten außer China auch Südafrika, die USA und Großbritannien an der Weiterentwicklung des Kugelhaufenreaktors. Der zur Zeit einzige Testreaktor wird vom „Institut für Nuklearenergie und neue Technologien“ der „Tsinghua Universität“ in Peking betrieben.

Damit zeigt sich China nach dem Bau der ersten Transrapid-Strecke wieder einmal als Land, das Technologien, die im Westen entwickelt wurden, entschlossen und erfolgreich in die Praxis umsetzt. Man sieht den Reaktortyp sogar als künftigen Exportschlager.

Bei Kugelhaufenreaktoren kann es grundsätzlich keine Kernschmelze geben, wie in Tschernobyl. Sollte die Temperatur im Reaktor einmal unkontrolliert ansteigen, senkt sich im weiteren Prozeß aus physikalischen Gründen die Temperatur automatisch ab – der Reaktor reguliert sich selbst. Anders als herkömmliche, wassergekühlte Reaktoren gelten Kugelhaufenkraftwerke deshalb als effizienter und sicherer. Um diese Sicherheit zu testen, hätten Wissenschaftler der Tsinghua Universität in Versuchen alle Sicherheitssysteme abgeschaltet – der Reaktor habe sich daraufhin von alleine abgekühlt, erklärte ein wissenschaftlicher Sprecher.

Das Spaltmaterial ist in tennisballgroßen Graphitkugeln eingeschlossen, die leicht entnommen oder hinzugefügt werden können. Ein ununterbrochener Betrieb ist so möglich. Als Kühlmittel fungiert statt Wasser ein reaktionsträges Gas, beispielsweise Helium. Die Testanlage arbeitet offenbar so problemlos, daß ein Energiekonsortium jetzt in Weihai, in der Provinz Shandong, den Prototypen eines Kugelhaufenreaktors bauen wird. In fünf Jahren soll die 195-Megawatt-Anlage ans Netz gehen und Strom liefern. Das wäre weltweit der erste kommerzielle Einsatz, und er brächte China im Rennen um neue, innovative Reaktorkonzepte weit nach vorn.

EADS-Kooperation mit sibirischem Flugzeugbauer Irkut ist perfekt

EM - Der geplante Einstieg des europäischen Luftfahrt- und Rüstungskonzerns European Aeronautic Defence and Space Company (EADS) beim russischen Flugzeugkonzern Irkut ist nach Informationen der Bundesregierung unter Dach und Fach. EADS werde sich an dem russischen Unternehmen Irkut mit fünf bis zehn Prozent beteiligen, sagte der Luft- und Raumfahrtkoordinator der Bundesregierung, Ditmar Staffelt. Damit bestätigt sich, was das Eurasische Magazin vor knapp einem Dreivierteljahr gemeldet hatte: EADS ist auf dem Weg zum eurasischen Luftfahrt-Konzern (EM 05-04).

Bundeskanzler Gerhard Schröder hatte vor vier Wochen bei der feierlichen Vorstellung des Großraumflugzeugs Airbus 380 in Toulouse gefordert, Rußland stärker in die Arbeit der EADS einzubinden. Dazu erklärte nun Ditmar Staffelt: „Die Luft- und Raumfahrt ist ein Feld, auf dem Rußland über enormes Wissen und Erfahrungen verfügt.“ Es könne daher nur von Vorteil sein, wenn EADS mit russischen Luft- und Raumfahrtunternehmen zusammenarbeite: „Wir können nun mal kein Interesse daran haben, daß Rußland eines Tages neben Boeing und Airbus als dritter Wettbewerber ebenfalls große Zivilflugzeuge baut und am Weltmarkt anbietet. Da ist es ein intelligenter Weg, die Russen bei der Produktion von Airbus-Flugzeugen mit einzubinden“, sagte Staffelt.

Diese Kooperationen würden laut Staffelt zügig weiter ausgebaut. Mehr als 30 Forschungs- und Technologieverträge seien schon unterzeichnet, 40 weitere Projekte würden zurzeit sondiert. So habe Airbus etwa Titan und Aluminium im Wert von 18 Millionen US-Dollar bei russischen Firmen bestellt. Im Forschungs- und Entwicklungszentrum RTO bei Moskau tüftele man zudem gemeinsam an der Entwicklung unbemannter Raumtransporter.

EADS-Sprecher Gregor von Kursell äußerte sich Mitte Februar gegenüber verschiedenen Medien noch etwas zurückhaltender, was die künftige Kooperation mit Irkut betrifft. Erst bis zum Sommer, so von Kursell, seien die Verhandlungen wohl endgültig abgeschlossen. Mit im Verhandlungspaket seien auch Zulieferprogramme - etwa für den neuen Großraumairbus A380.

Der Iran entwickelt sich zielstrebig zum Energieexporteur

EM - In den kommenden zehn Jahren will die nationale Petrochemieindustrie des Irans fünfzehn bis zwanzig Milliarden Dollar investieren, um ihre Produktionskapazität jährlich auf 70 Millionen Tonnen zu erhöhen und damit etwa zu verdreifachen. Um dieses Ziel zu erreichen, will der Iran nun das größte bekannte Gasfeld der Welt erschließen, das „South Pars Field“ im Persischen Golf. Dort werden 100 Billionen Kubikmeter Gas vermutet. Das sind sieben Prozent der weltweiten Gasreserven und 40 Prozent aller iranischen Vorkommen. Insgesamt hält der Iran18 Prozent des Weltgasvorkommens und ist mit Reserven von 28,2 Trillionen Kubikmetern das nach Rußland zweitgrößte Gasland.

Teheran unterzeichnet seit zwei Jahren langfristige Lieferverträge mit großen Abnehmern, darunter auch mit dem amerikanischen Energiekonzern Halliburton. Parallel zur Erschließung des größten Gasfelds der Welt stockt der Iran seine Gasverarbeitungsanlagen von heute 358 Millionen Kubikmeter am Tag auf 576 Millionen im Jahr 2009 auf. In den Bau fünf neuer Gasverarbeitungsanlagen sollen mehr als drei Milliarden Dollar investiert werden.

Von 2009 an wird der Iran an Indien und China pro Jahr jeweils 7,5 Millionen Tonnen Flüssiggas liefern. Dazu hat beispielsweise China mit dem Land am persischen Golf einen langfristigen Vertrag über 25 Jahre im Wert von 100 Milliarden US-Dollar abgeschlossen. Derzeit sollen zwischen Iran und China außerdem Verhandlungen über Öllieferungen laufen, in einer ähnliche Größenordnung wie die des Gasvertrags.

Moskau: Deutsches Historisches Institut eröffnet im Frühjahr

EM – Nach zweijährigen Verhandlungen wird das Deutsche Historische Institut (DHI) Moskau im Frühjahr 2005 seine Arbeit aufnehmen. Die Gründung des Instituts war immer wieder an unvorhergesehenen Schwierigkeiten gescheitert. Erst im November 2004 konnte sich das DHI beim russischen Bildungsministerium in Moskau akkreditieren.

Die Institutsgründung geht auf eine gemeinsame Initiative der Krupp-Stiftung und der Zeit-Stiftung zurück und wird die bilateralen Beziehungen zwischen Deutschland und Rußland erforschen. Seine Hauptaufgaben werden sein, die Kooperation mit russischen Wissenschaftlern zu intensivieren, Forschungsprojekte durchzuführen, sowie den wissenschaftlichen Nachwuchs zu fördern.

Die Deutschen Historischen Institute werden weltweit koordiniert von der in Bonn ansässigen Stiftung „Deutsche Geisteswissenschaftliche Institute im Ausland“, ihre Finanzierung trägt das Bundesministerium für Bildung und Forschung. Bisher gibt es DHIs in London, Paris, Rom, Warschau und Washington D.C. Außerdem bestehen in Tokio das Deutsche Institut für Japanstudien, sowie in Beirut und Istanbul das Orient-Institut.

Die Stiftung „Deutsche Geisteswissenschaftliche Institute im Ausland“ im Netz.

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