Eurasien-Ticker

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Politik-Studium in Moskau, Berlin und Potsdam · Schüleraustausch mit Japan, Thailand und Malaysia · Deutsch statt Denglisch · Indiens Hauptstadt Neu-Delhi entledigt sich der heiligen Kühe auf seinen Straßen · Die EU-Kommission verdoppelt die Ausgaben für die europäische Forschung · Immer mehr Schiffe fahren für China über die Weltmeere · Chinesische Detektive im Kampf gegen heimische Produktpiraten

Von EM Redaktion

Politik-Studium in Moskau, Berlin und Potsdam

EM – Ab dem Wintersemester 2005/06 besteht die Möglichkeit, an einem deutsch-russischen Doppel-Master-Programm „Internationale Beziehungen“ teilzunehmen. Bewerbungsschluß ist der 15. Juni 2005. Auf deutscher Seite wird das binationale Studienprogramm von der Freien Universität Berlin, der Humboldt-Universität zu Berlin und der Universität Potsdam angeboten, auf russischer Seite vom Moskauer Staatlichen Institut für Internationale Beziehungen beim Außenministerium der Russischen Föderation.

Das integrierte Studienangebot basiert auf dem Master-Studiengang „Internationale Beziehungen“ in Berlin/Potsdam und dem Master-Studiengang „Mirovaja Politika“ (Weltpolitik) in Moskau. Es bietet den Studenten die Möglichkeit, innerhalb von zwei Jahren sowohl einen deutschen als auch einen russischen Master-Abschluß zu erwerben. Studienschwerpunkte sind u.a. internationale Wirtschaftsbeziehungen und Organisationen, Globalisierungsprozesse, Sicherheitspolitik und vergleichende Außenpolitik, sowie Transformations- und Integrationsprozesse. Das Master-Programm soll qualifizieren für eine breite Palette beruflicher Tätigkeiten in Verwaltung, Politik, Medien, Wirtschaft und Wissenschaft auf nationaler und internationaler Ebene. Weitere Informationen hier: www.masterib.de

Schüleraustausch mit Japan, Thailand und Malaysia

EM – Schüler, die ein Schuljahr in Japan, Thailand oder Malaysia verbringen möchten, können sich bis zum 15. Mai bei AFS Interkulturelle Begegnungen e.V. bewerben. Zur Finanzierung des Austauschjahres hat die Stiftung Mercator GmbH Stipendien ausgeschrieben. Bewerbungen werden noch bis zum 15. Mai entgegengenommen.

Die Stipendiaten leben für elf Monate in einer Gastfamilie, besuchen eine weiterführende Schule und leben wie einheimische Jugendliche. Sie erhalten so die Möglichkeit, eine andere Kultur zu erleben und eine ungewöhnliche Fremdsprache zu erlernen. Bewerber sollten zwischen Juli 1988 und Juli 1990 geboren sein. Sprachkenntnisse werden nicht vorausgesetzt.

Organisiert wird das Austauschjahr von AFS Interkulturelle Begegnungen e.V. AFS ist nach eigenen Angaben die größte und älteste Jugendaustauschorganisation weltweit. Das Kürzel AFS steht für „American Field Service“, da die Austauschorganisation auf eine Gruppe amerikanischer Sanitäter zurückgeht, die während der beiden Weltkriege freiwillige Verletztentransporte durchführten. AFS bietet Schüleraustausch, Gastfamilienprogramme und Freiwilligendienste mit über 40 Ländern an. Nähere Infos hier: www.afs.de.

Deutsch statt Denglisch

EM – Der Verein Deutsche Sprache e.V. (VDS) hat seine Anglizismenliste 2005 veröffentlicht. Die Liste, die neuerdings den Namen Anglizismenindex trägt, enthält 6.033 Wörter, die aus dem Englischen in den deutschen Sprachgebrauch übernommen wurden oder gerade übernommen werden. Der Index versteht sich als Übersetzungshilfe, um „denglische“ Begriffe ins Deutsche übersetzen zu können.

Als „Denglisch“ bezeichnet der VDS den übermäßigen Gebrauch englischen Vokabulars in der Öffentlichkeit deutschsprachiger Länder. Der 1997 gegründete Verein will auf diesen Mißstand aufmerksam machen und „der Anglisierung der deutschen Sprache entgegentreten“. Denn: „Die Fähigkeit, neue Wörter zu erfinden, um neue Dinge zu bezeichnen, darf nicht verloren gehen.“

Der Anglizismenindex wird jährlich aktualisiert, nicht zuletzt auf der Grundlage von Übersetzungsvorschlägen, die dem „Sprachschutzverein“ im Internet zugesandt werden können. Das Verzeichnis kann im Netz kostenlos genutzt werden (www.anglizismenindex.de) und ist überdies unter dem Titel „Der Anglizismen-Index, Gewinn oder Zumutung?“ als Buch erschienen (IFB Verlag, Paderborn, ISBN 3-931263-55-3, 22 Euro).

Indiens Hauptstadt Neu-Delhi entledigt sich der heiligen Kühe auf seinen Straßen

EM - Noch vor zwei Jahren grasten mehr als 35.000 heilige Kühe in der indischen Hauptstadt Neu-Delhi. Doch seither kommen immer öfter die städtischen Kuhsammler von der „MCD“, der „Municipal Corporation of Delhi“, um die Rinder der Metropole in ländliche Gebiete abzutransportieren. Das berichtet der Korrespondent der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, Jochen Buchsteiner im April unter dem Titel „Nur noch im Jenseits grasen“.

Kuhbesitzer in der Stadt würden aufgefordert, ihre Tiere zu verkaufen oder mit ihnen aufs Land zu ziehen. Die Regierung von Delhi habe sich entschlossen, die Hauptstadt kuhfrei zu machen. Zunächst hätten die Menschen das nicht besonders ernst genommen. Zu sehr sei das Rind seit eh und je ein Teil des Stadtbildes gewesen. Buchsteiner berichtet: „Kühe begrüßten einen nicht nur, wenn man durch das obligatorische Eisentor ins Wohnviertel einbog. Sie patrouillierten vor den großen Hotels, sie kauerten auf den Mittelstreifen der Ausfallstraßen, sie standen geduldig im Stau oder produzierten ihn, indem sie seelenruhig, gewissermaßen als Geisterkühe, den Autos entgegenliefen.“

Doch inzwischen habe das Kuhsammelprogramm gegriffen. Im Stadtteil Pillange zum Beispiel, wo bis vor kurzem noch 3.000 Rinder die Straßen bevölkert hätten, gäbe es gerade noch 800. Im gesamten Stadtgebiet seien nur noch 7.000 Kühe übriggeblieben. Rakesh Meheta, der das MCD-Programm leitet, mußte zwar zugeben, daß das hochgesteckte Ziel, ein kuhfreies Delhi bis Ende 2004 zu erreichen, nicht verwirklicht werden konnte. Aber er sei „optimistisch, in vier oder fünf Monaten soweit zu sein.“

Die hinduistischen Priester lehnen die Maßnahmen strikt ab. Schließlich werde die Kuh in Indien seit mehr als 5000 Jahren als „Mutter der Vergangenheit und der Zukunft“ verehrt. Buchsteiner: „Ihre Heilkräfte sind legendär, insbesondere die der Exkremente, die angeblich mehr als hundert Krankheiten, unter ihnen die Tuberkulose, zu kurieren imstande sind. Nicht nur der Urin, auch der Fladen wird im medizinischen Zusammenhang gewürdigt, letzterer allerdings auch als schlichter Dung und - in seinem getrockneten Aggregatzustand - als brauchbares Brennmaterial.“

Die EU-Kommission verdoppelt die Ausgaben für die europäische Forschung

EM -Europa will seine Wettbewerbsfähigkeit im weltweiten Konkurrenzkampf von Wissenschaft und Forschung verbessern und ein Stück weit zu den USA und Japan aufholen. Für dieses Vorhaben stellt die EU-Kommission deutlich mehr Geld bereit als bisher. In ihrem Gesetzesvorschlag für das 7. EU-Forschungsrahmenprogramm (2007 - 2013), der Anfang April vorgelegt wurde, ist eine Verdoppelung der bisherigen Ausgaben auf mehr als 70 Milliarden Euro vorgesehen. Gefördert werden sollen vor allem Informations- und Kommunikationstechniken sowie Forschungen im Gesundheitsbereich.

Die Mehrausgaben sollen dazu beitragen, die EU zur „wissensbasierten“ Volkswirtschaft zu wandeln, die in Spitzentechnologien auf den vorderen Plätzen der Welt rangiert. Die Kommission hatte sich in ihrer sogenannten Lissabon-Strategie aus dem Jahr 2000 ursprünglich das Ziel gesetzt, bis 2010 die EU zur wettbewerbsfähigsten Volkswirtschaft der Welt zu entwickeln. Davon ist sie inzwischen wieder etwas abgerückt. Nach wie vor gilt aber, daß die EU mit ihren derzeit 25 Staaten bis 2010 drei Prozent ihrer Wirtschaftsleistung für Forschung und Entwicklung aufbringen will. Einen solchen Wert erreicht bislang innnerhalb der EU allein das Mitgliedsland Schweden. Die EU-Staaten insgesamt geben derzeit jährlich nur 1,93 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) für Forschung und Entwicklung aus. Die USA dagegen investieren pro Jahr 2,76 Prozent und Japan 3,12 Prozent ihres BIP.

Das neue Budget ist noch heftig umstritten. Eine Entscheidung über die tatsächlichen Förderungssummen fällt frühestens beim EU-Gipfel im Juni. Dann will nämlich die luxemburgische EU-Ratspräsidentschaft die Verhandlungen über den EU-Finanzrahmen 2007 bis 2013 abschließen.

Immer mehr Schiffe fahren für China über die Weltmeere

EM - Das weltweite Frachtaufkommen der Schiffahrt bleibt nach Einschätzung der Deutschen Bank auch 2005 auf Rekordhoch. Selbst wenn das Weltwirtschaftswachstum in Zukunft etwas abnehmen sollte, erwartet das Finanzinstitut eine anhaltend hohe Nachfrage nach Schiffsraum für Öl, Massengüter und Container. Die „außerordentliche Dynamik“ des Seehandels wird insbesondere auf die boomende chinesische Wirtschaft zurückgeführt. China zeichne für fast ein Fünftel (19 Prozent) der globalen Nachfrage nach über See transportierten Massengütern wie Getreide und rund 22 Prozent der weltweit per Container über See exportierten Waren verantwortlich. Nie zuvor sei so viel Ladung abhängig gewesen, von der Entwicklung einer einzigen Volkswirtschaft.

Der Rohstoffhunger der chinesischen Volkswirtschaft werde weiterhin hoch bleiben. Die Volksrepublik exportiere mehr als ein Viertel ihrer Erzeugnisse über sehr lange Distanzen (Europa, Nordamerika), und benötige dafür weiter hohe Zuwachsraten an Tonnageaufkommen. Und dies, obwohl von dem nun schon seit einem Jahrzehnt andauernden Boom immer noch zwei Drittel des Landes so gut wie unberührt geblieben seien.

Die noch immer wachsende Schiffahrt sorge auch für ausgelastete Werften. Bis Ende März 2005 seien weltweit allein 218 Containerschiffe im Wert von rund 12,5 Milliarden US-Dollar bestellt worden. Das vergangene Jahr war nach Angaben der Bank das bisher beste in der Geschichte der Massengutschiffahrt.

Chinesische Detektive im Kampf gegen heimische Produktpiraten

EM – Detektive haben Hochkonjunktur in den aufstrebenden Metropolen der Volksrepublik China. Denn immer häufiger kommt es vor, daß sogenannte Produktpiraten westliche Qualitätserzeugnisse kopieren und zu Dumpingpreisen auf den Markt werfen. Ehemalige Polizisten, Rechtsanwälte oder Beamte der Verwaltungsstellen, die für die Ahndung von Wirtschaftsdelikten zuständig sind, heuern in privaten Detekteien an, um die unlauteren Geschäfte aufzudecken.

Ungefähr 10.000 Privatdetektive bieten in China bereits ihre Dienste an, berichtet Astrid Maier für die „Financial Times Deutschland“ (FTD). Das Sicherheitsministerium, die oberste Polizeibehörde im Ein-Parteien-Staat, habe das Gewerbe zwar 1993 verboten. „Zu heikel erschien den Machthabern das Geschäft mit geheimen Informationen, als daß sie es privaten Ermittlern überlassen wollten.“ Doch statt das lukrative Geschäft aufzugeben, hätten die Detekteien umfirmiert. Seither werden laut FTD angeboten: „Beratung zur geschäftlichen Informationsbeschaffung“, „Fotografische Dienstleistungen“ oder „Consulting“. Mittlerweile habe die politische Führung die Zügel etwas gelockert. „Das Oberste Gericht in Peking entschied 2002 sogar, daß heimlich gefilmte oder fotografierte Beweismittel vor Gericht verwendet werden dürfen, solange sie nicht gesetzwidrig beschafft wurden“, berichtet Astrid Maier.

In den Kundenkarteien der Detekteien finden sich dem Zeitungsbericht zufolge vor allem die Namen ausländischer Firmen. Viele seien von chinesischen Geschäftspartnern über den Tisch gezogen worden. Oft hätten sich ehemalige Mitarbeiter mit Firmenunterlagen aus dem Staub gemacht, um sie an einen neuen Arbeitgeber weiterzuverkaufen. Dies zu beweisen falle einem Ausländer in China „ziemlich schwer“. Es sei denn, er beauftrage einheimische Detektive, die den Wirtschaftsdelinquenten auf die Schliche kämen.

Jährlich würden weltweit 600 Milliarden US-Dollar mit Plagiaten umgesetzt, von denen die meisten aus China kämen, so die FTD. Die Dienste der Detekteien in den Metropolen Schanghai, Peking oder Kanton sind deshalb auch nicht gerade bescheiden. Für einen Auftrag sind gut und gerne 5000 Euro und mehr locker zu machen.

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