Eurasien-Ticker

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Literarische Veröffentlichungen über Mittel- und Osteuropa werden gefördert · Neuer Goldschatz in Thrakien entdeckt · Rußland will Touristenflüge zum Mond verkaufen · Korruption in Rußland nimmt weiter zu · USA ringen um Militärstützpunkte in Zentralasien · Transporte weltweit künftig auf Plastik-Paletten aus China

Von EM Redaktion

Literarische Veröffentlichungen über Mittel- und Osteuropa werden gefördert

EM - Literaten, Drehbuchautoren und Essayisten, die sich mit Themen im Osten befassen, können sich um Stipendien durch die Robert-Bosch-Stiftung bewerben. Gefördert werden Recherchekosten wie Reise, Unterkunft, Dolmetscher- und Übersetzerkosten. Wenn kein festes Einkommen vorliegt, kann ein Zuschuß zu den Lebenshaltungskosten in Höhe von 1.000 Euro für bis zu sechs Monate gewährt werden. Nicht gefördert werden fachwissenschaftliche Veröffentlichungen, Zeitungsartikel, Theaterprojekte, Reiseführer, Sammelbände, Lyrik, Übersetzungsprojekte, Verlags- und Produktionskosten, allgemeine Arbeitsmittel, Bürokosten und Infrastrukturmaßnahmen.

Für diese „Grenzgänger”-Stipendien werden Autoren gesucht, „die einen eigenen Blick wagen, Informationen aus erster Hand sammeln und authentische Orte besuchen wollen“, so die Mitteilung der Stiftung. Die Veröffentlichungen sollen ein breites Publikum erreichen können, zu Diskussionen anregen und mehr Verständnis für die Länder Mittel- und Osteuropas wecken.

Die Präsentation der Werke in öffentlichen Veranstaltungen wird ebenfalls gefördert. Auch interessierte Institutionen können finanzielle Unterstützung für Grenzgänger-Veranstaltungen beantragen.

Um eine Förderung zu erhalten, muß eine Bewerbung eingereicht werden. Das Literarische Colloquium Berlin e.V. stellt die Jury, die aus den eingehenden Bewerbungen auswählt. Die Entscheidung wird jeweils Anfang Mai, bzw. Anfang November mitgeteilt. Bewerbungstermine finden jährlich zum 10. März und 10. September statt.

Weitere Infos hier: http://www.lcb.de/autoren/grenzgaenger/index.htm

Neuer Goldschatz in Thrakien entdeckt

EM – In der Nähe des bulgarischen Dorfes Slatinitza, 290 Kilometer östlich der Hauptstadt Sofia, haben Archäologen ein 2.400 Jahre altes Königsgrab entdeckt. Es enthält wertvolle Goldschätze, darunter neben Rüstungsteilen und Pferdegeschirren eine goldene Krone, einen Lorbeerkranz und einen Ring aus Gold, sowie silberne Trinkgefäße in Hörnerform. Dies teilte der Direktor des Historischen Museums, Boschidar Dimitrow, Ende Juli mit. Die Archäologin Daniela Agre vermutet, daß es sich um die Grabstätte des thrakischen Herrscher Seutus handelt. Wertvolle Funde wie der von Slatinitza werden in Bulgarien immer wieder gemacht. Erst im vergangenen Jahr hatte eine andere archäologische Expedition zwei große thrakische Grabstätten in der Region um die Stadt Kazanlak gefunden. Unter anderem hatten die Forscher dort eine aufwendig gearbeitete Goldmaske entdeckt. Die Archäologen nannten die Region daraufhin das „Tal der thrakischen Könige“ in Anspielung auf das Tal der Könige im ägyptischen Luxor. (Siehe dazu auch EM 08-04 DIE THRAKER.)

Rußland will Touristenflüge zum Mond verkaufen

EM - Die russische Raumfahrtindustrie plant, für betuchte Abenteuertouristen eine Rundreise zum Mond anzubieten. Ein Ticket soll etwa für 80 Millionen Euro zu haben sein. Für diesen Preis könnten sich künftige Amateurraumfahrer zwei Wochen im All sowie an Bord der Internationalen Raumstation (ISS) aufhalten, berichtete die russische Tageszeitung „Iswestija“ Ende Juli. Technisch sei eine solche Reise bereits heute möglich. Der Mond würde aus nächster Nähe überflogen. Eine Landung sei nicht vorgesehen. Überflogen werde die sichtbare Seite des Erdtrabanten in 100 bis 200 Kilometer Entfernung. Die russische Raketenbaufirma Energija habe der Raumfahrtagentur Roskosmos bereits Details des Planes zur Prüfung vorgelegt.

Der Start, so die Zeitung, erfolgt in Baikonur, dem russischen Weltraumbahnhof in der kasachischen Steppe. Eine Rakete vom Typ Sojus TMA werde die Gäste befördern. Die beiden ersten Weltraumtouristen der Russen, Dennis Tito (USA) und Mark Shuttleworth (Südafrika), waren bereits im Jahr 2001 von den Russen durchs All geflogen worden. Sie mußten für ihre Reise zur ISS jeweils nur 20 Millionen Dollar bezahlen.

Korruption in Rußland nimmt weiter zu

EM – Die Bestechungssummen, die in Rußland pro Jahr gezahlt werden, sind dreimal so hoch wie der Staatshaushalt. Dies geht aus einer Studie des Moskauer Antikorruptionsinstituts „Indem“ hervor. Demnach sei die durchschnittliche Bestechungssumme von Geschäftsleuten an Beamte seit der letzten Erhebung im Jahr 2001 um mehr als das 13fache gewachsen. Sie liege 2005 bei über 100 000 Euro. Das Gesamtvolumen der Korruption wird nach Schätzung von Indem im Jahr 2005 etwa 260 Milliarden Euro ausmachen.

Für die russische Regierung und Präsident Wladimir Putin ist das Ergebnis der Studie ein Alarmsignal. Putin war vor fünf Jahren mit dem Ziel angetreten, die Korruption einzudämmen. Erst im April hatte der Präsident den Behörden des Landes in einer Rede vorgeworfen, sich auf Kosten von Unternehmen und Bevölkerung zu bereichern. Auf der Korruptionsliste der Organisation Transparency International (TI) nimmt Rußland einen Platz im untersten Drittel ein – zwischen Ländern wie Nepal und Tansania.

Die Autoren der Studie weisen darauf hin, daß der „Bestechungsdruck“ der Beamten auf Unternehmer deutlich gewachsen ist. Allerdings sei die Bereitschaft der Russen zur Bestechung insgesamt gesunken. „Die Obrigkeit verlangt nach mehr Schmiergeld“, sagte Indem-Präsident Georgij Saratow der Nachrichtenagentur Interfax, aber „das Volk zeigt weniger Bereitschaft zu geben“. Diese veränderte Haltung ändere jedoch laut Studie nichts daran, daß große Teile der russischen Gesellschaft von Korruption durchzogen sind. Gezahlt wird danach an Schulen und Universitäten, um Prüfungen zu bestehen oder versetzt zu werden. Auch wer die offiziell kostenlose ärztliche Betreuung in Anspruch nehmen will, muß in die Tasche greifen. Geld fließt immer häufiger auch bei Militär und Polizei – um dem Wehrdienst zu entgehen oder um den Schutz der Miliz zu genießen.

USA ringen um Militärstützpunkte in Zentralasien

EM - Die USA stemmen sich gegen den möglichen Verlust ihrer Militärbasen in Zentralasien. Verteidigungsminister Donald Rumsfeld reiste deshalb zu Gesprächen nach Kirgisien und Tadschikistan, wie aus einem Bericht der „Financial Times Deutschland“ FTD von Ende Juli hervorgeht. Demnach hatte der neue kirgisische Präsident, Kurmanbek Bakijew, kürzlich angedeutet, daß er die US-Truppenpräsenz in Kirgisien „überdenken“ wolle. Informierten Kreisen zufolge seien die USA bereit, Bischkek „einige Hundert Millionen Dollar“ für die weitere Nutzung der Luftwaffenbasis Manas zu bezahlen.

Ein Verlust der US-Basen in Zentralasien wäre für das Pentagon ein herber Schlag. Washington hatte die Stützpunkte nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 eingerichtet, um von dort aus den Krieg in Afghanistan zu führen. Besonders wichtig sind zwei Luftwaffenbasen in den ehemaligen zentralasiatischen Sowjetrepubliken Usbekistan und Kirgisien. Seit dem Afghanistan-Krieg hat die strategische Bedeutung der Basen noch zugenommen: Zum einen hat Washington durch sie Zugang zu einer öl- und gasreichen Region, die jahrzehntelang von Rußland dominiert wurde. Zum anderen sind die Basen strategische Vorposten an der Südwestflanke der aufstrebenden Regionalmacht China. Gerüchten zufolge denkt Washington nun auch über eine Militärpräsenz in der Mongolei nach.

Moskau und Peking ist nach dem FTD-Bericht das Vordringen der USA in ihren Hinterhof ein Dorn im Auge. Die Shanghai Cooperation Organisation (SOC), in der neben Rußland und China vier zentralasiatische Länder Mitglied sind, habe am 5. Juli einen Zeitplan für den Abzug der US-Truppen aus der Region gefordert. Der neue kirgisische Präsident Bakijew habe sich schon kurz nach seiner Wahl am 17. Juli hinter diese Erklärung gestellt. Washington hatte Bakijews Wahl zuvor begrüßt.

Die usbekische Regierung drohe dem Pentagon bereits seit Monaten mit dem Rauswurf, schreibt die FTD. Sie habe die Nutzung der US-Basis bereits eingeschränkt. Seit Wochen laufe in den usbekischen Medien eine Kampagne gegen die US-Präsenz im Land.

In den USA gäbe es ebenfalls Kritik an der Militärbasis in Usbekistan und der Zusammenarbeit mit dem autoritären Regime von Präsident Islam Karimow. Usbekische Truppen hatten Mitte Mai auf Demonstranten in der Stadt Andischan geschossen und nach Schätzung von Menschenrechtlern bis zu 800 Menschen getötet. Nach Ansicht des demokratischen US-Senators Lloyd Doggett steckt die US-Regierung in einer Zwickmühle. „Man kann nicht die Fackel der Freiheit zu den Menschen bringen und dann mit einem Regime zusammenarbeiten, das auf Menschen schießt“, sagte er laut FTD.

Transporte weltweit künftig auf Plastik-Paletten aus China

EM – Die bekannte Euro-Palette aus Holz gehört nach Ansicht von Transportunternehmern schon bald der Vergangenheit an. Die künftigen Transportuntersetzer sind aus Kunststoff, haben einen integriertem Funkchip und kommen aus der Volksrepublik China. Die Chips werden direkt bei der Produktion in das Plastik eingegossen und sind dadurch bestens geschützt. Sie dokumentieren „das Leben“ der Palette bis zum Recycling. So können die Unternehmen über das Internet den Verbleib ihrer Waren beobachten. Selbst die Einbindung in das Intranet ist möglich.

Hergestellt werden die Paletten der Zukunft von dem chinesischen Unternehmen PPPC. Die Fabrik nimmt im August in Maoming / Südchina (Provinz Guangdong) die Produktion auf. Sie startet mit einem Ausstoß von 570.000 Stück pro Monat. Innerhalb eines Jahres wird die Produktion auf 1,5 Millionen angehoben. Zusätzlich sollen im westsibirischen Omsk monatlich 50.000 Plastikpaletten eine PPPC-Fabrik verlassen. Zum Vergleich: Derzeit sind in Europa insgesamt etwa 300 Millionen Holzpaletten im Einsatz. Sie werden sukzessive durch die Neuentwicklung ersetzt. Das aufstrebende chinesische Unternehmen hat für die weltweite Vermarktung und Logistik seines Produkts die Berliner Firma NOBIS Management AG zum Partner.

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