Eurasien-Ticker

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Ein neuer Stahlkoloß entsteht in China · Indien will sich an Forschungsanlage zur Verschmelzung von Atomkernen beteiligen · Helena Norberg-Hodge kommt nach München · Westliche Baumärkte expandieren auf russischem Markt · Autobauer setzen große Hoffnungen auf den russischen Markt

Von EM Redaktion

Ein neuer Stahlkoloß entsteht in China

EM – In China schließen sich in einer Großfusion zwei Stahlproduzenten zu einem Gemeinschaftsunternehmen zusammen und rücken damit ins internationale Spitzenfeld vor. Im August seien die Nummer zwei und die Nummer fünf des heimischen Marktes zur neuen „Anben Iron and Steel Group“ zusammengeführt worden, teilten die beteiligten Unternehmen in Shanghai mit. Der fusionierte Konzern habe eine Rohstahlkapazität von annähernd 30 Millionen Tonnen im Jahr.

Die Verhandlungen über die Fusion hatten über ein Jahr gedauert. Peking hofft nun, daß mit dem erfolgten Zusammenschluß in der Volksrepublik eine breit angelegte Konsolidierung der Branche eingeleitet wird. Am Ende sollen nach den Plänen der Regierung nur noch zwei oder drei Großkonzerne stehen, die weltweit zu den zehn größten gehören.

Einer der Gründe für die geplanten Fusionen ist die Absicht, mehr Einkaufsmacht bei den Eisenerzlieferanten zu gewinnen. Es geht vor allem darum, günstigere Preise zu erzielen. Denn durch die weltweit gestiegene Produktionskapazität, die allein in den vergangenen vier Jahren um über 50 Prozent gewachsen ist, sind die Stahlpreise gesunken. Auch China kann sich diesem Sog nicht entziehen und muß alles tun, um billiger produzieren zu können. Zu teuerer Stahl würde auch die Endprodukte der Volksrepublik verteuern und den Absatz erschweren, egal ob China den Stahl selbst herstellt oder einführt.

Das Reich der Mitte verbraucht derzeit etwa ein Viertel der weltweiten Stahlproduktion von rund einer Milliarde Tonnen im Jahr. Den Großteil des Bedarfs decken die Chinesen selbst, der kleinere Teil wird importiert. Dennoch gilt China als global wichtigster Importeur von Stahl, vor den USA und Deutschland.

Größter Stahlproduzent der Welt ist derzeit ein Firmenkonsortium aus Ispat International und LNM Holdings des Inders Lakshmi Mittal und der amerikanischen International Steel Group (ISG). Dazu gehören indische, europäische und amerikanische Unternehmen. Es produziert pro Jahr mit über 70 Millionen Tonnen mehr als das Doppelte des neuen chinesischen Stahlriesen. Chef dieses erst kürzlich formierten Konzerns ist der indische Stahlunternehmer Mittal. Er gehört mit einem geschätzten Privatvermögen von 25 Milliarden US-Dollar zu den reichsten Männern der Erde. Der neue chinesische Konzern liegt in der internationalen Rangliste der größten Stahlkocher nun auf Platz fünf. Der deutsche Marktführer ThyssenKrupp rangiert mit einer Jahresproduktion von rund 18 Millionen Tonnen Rohstahl auf dem zehnten Platz.

Indien will sich an Forschungsanlage zur Verschmelzung von Atomkernen beteiligen

EM – Bisher haben sich Europa, Japan, Rußland, USA, China und Südkorea zum Betrieb der Fusionstestanlage ITER zusammengeschlossen. Nun will als siebter Partner auch Indien dazustoßen. Dies erklärte die indische Regierung in einem Schreiben an die Europäische Kommission. Danach will das Land an den zur Zeit laufenden ITER-Verhandlungen, sowie dem anschließenden Bau und Betrieb der Forschungsanlage teilnehmen und bietet an, nicht als Entwicklungsland sondern als voller Partner auch zur Finanzierung beizutragen. „Für ein großes Land wie Indien mit mehr als einer Milliarde Einwohner und schnellem Wirtschaftswachstum kann keine Energiequelle alleine alle Versorgungsprobleme lösen“, heißt es in dem indischen Schreiben an die EU. Angestrebt werde deshalb ein Mix aus allen klimafreundlichen Energiequellen.

Nach der derzeitigen Regelung werden die Investitionskosten von 4,6 Milliarden Euro zur Hälfte vom „Gastgeber“ Europa getragen, die übrigen fünf Partner übernehmen je zehn Prozent. Die Beiträge werden im wesentlichen in Form fertiger Bauteile geliefert, die in den beteiligten Ländern hergestellt und dann an den Standort der Forschungsanlage, Cadarache in Südfrankreich, transportiert werden.

Ziel der Fusionsforschung ist es, ähnlich wie die Sonne aus der Verschmelzung von Atomkernen Energie zu gewinnen. Auf dem Weg zu einem Kraftwerk soll der Experimentalreaktor ITER (lateinisch „der Weg“) zeigen, daß ein Energie lieferndes Fusionsfeuer möglich ist. Dazu muß es allerdings gelingen, den Brennstoff, ein Wasserstoffplasma, in Magnetfeldern wärmeisolierend einzuschließen und auf Temperaturen von über 100 Millionen Grad aufzuheizen. ITER soll eine Leistung von 500 Megawatt haben und das erforderliche Fusionsplasma erzeugen. Weitere Infos hier

Helena Norberg-Hodge kommt nach München

EM – Die Trägerin des Alternativen Nobelpreises steigt von den Höhen des Himalaya herunter ins bayerische Alpenvorland. Die Sprachwissenschaftlerin und Umweltschützerin hält bei der Schweisfurth-Stiftung einen Vortrag mit dem Titel „Lokalisierung des Glücks – Erfahrungen einer Pionierin“, (27. September 2005, Südliches Schloßrondell 1).

Helena Norberg-Hodge lebt seit Jahren in Ladakh, dem bis zu 5.000 Meter hochgelegenen „indischen Tibet“. Dort ist auch ihr vielbeachtetes Buch „Faszination Ladakh“ entstanden, zu dem der Dalai Lama das Vorwort geschrieben hat. In einer der kommenden Ausgaben des EMs wird mehr über Land und Autorin zu erfahren sein.

Weitere Infos hier

Westliche Baumärkte expandieren auf russischem Markt

EM – Rußlands Markt für Baumaterialien wächst derzeit um gute 20 Prozent im Jahr. Dies teilte die Bundesagentur für Außenwirtschaft (bfai) kürzlich mit. Mit dem deutschen Unternehmen OBI und der französischen Baumarktkette Leroy Merlin sind bereits zwei große internationale Häuser für den Heimwerkerbedarf in Moskau präsent. In Zusammenarbeit mit lokalen Händlern und Projektentwicklern planen diese Branchenriesen auch in andere Landesteile zu expandieren.

Nach Schätzungen von Experten beläuft sich der russische Markt für Baumaterialien derzeit auf ein Volumen von etwa sieben Milliarden Euro. Auf Moskau entfallen davon 1,2 bis 1,5 Milliarden Euro, auf St. Petersburg gut 500 bis 600 Millionen Euro. Seit Herbst 2003 ist OBI auf dem russischen Markt vertreten. Es betreibt zwei Baumärkte, die in IKEA-Handelszentren angesiedelt sind. Bis 2010 will das deutsche Unternehmen 60 weitere Märkte errichten und visiert damit an, gut die Hälfte des russischen Handels für Heimwerkerbedarf zu beherrschen.

Die Entwicklung von modernen Baumärkten westlicher Prägung steht in Rußland noch ganz am Anfang und beschränkt sich derzeit auf die Metropolen. Es gibt bislang nur basarähnliche Märkte mit bunten Buden, in denen bislang bis zu 80 Prozent des gesamten Handels mit Baumaterialien abgewickelt wird.

Autobauer setzen große Hoffnungen auf den russischen Markt

EM – Rußland wird in den kommenden zehn Jahren zum bedeutendsten osteuropäischen Automobilmarkt aufsteigen. Das geht aus einer Studie der Unternehmensberatung Roland Berger und des Ost-Ausschusses der deutschen Wirtschaft hervor. 2004 war Rußland mit 1,3 Millionen verkauften Fahrzeugen der neuntgrößte Automobilmarkt der Welt. Bis zum Jahr 2014 dürfte er laut der Berger-Studie auf 2,3 Millionen anwachsen. Dies würde einem jährlichen Wachstum von durchschnittlich sechs Prozent entsprechen.

Die Zahl der Importe wird nach Angaben von Roland Berger von derzeit 300.000 Stück auf jährlich 700.000 steigen. „Das Wachstum der ausländischen Hersteller wird durch steigende Einkommen, zunehmendes Kundenbedürfnis nach Komfort und Sicherheit, sowie sinkende Zölle für Fahrzeuge und Komponenten getrieben“, heißt es in der Marktuntersuchung.

Vor allem die deutschen Automobilkonzerne können von der Entwicklung in Rußland profitieren. „Deutsche Hersteller haben aufgrund ihres guten Images großes Potential“, sagt Jürgen Reers von Roland Berger. Große Chancen hätten in der Oberklasse vor allem Audi, BMW, Mercedes-Benz oder Volkswagen. BMW baut bereits Autos in Rußland. DaimlerChrysler sucht noch nach einem geeigneten Standort. Die russischen Verbraucher erwarteten klassische Karosserien, etwa Stufenhecklimousinen mit viel Platz zu attraktiven Preisen. „Um in diesem Segment Erfolg zu haben, müssen die deutschen Hersteller schnell entsprechende Fahrzeugkonzepte anbieten“, empfiehlt Reers.

Das deutsche Unternehmen Porsche teilte mit, es wolle seinen Absatz durch den Aufbau eigener Verkaufszentren in Rußland deutlich steigern. Der Konzern plane dafür, in den kommenden Monaten 14 Millionen Euro in Rußland zu investieren. Dies berichtete die in Moskau erscheinende Tageszeitung „Kommersant“ Mitte August. Porsche hat nach eigenen Angaben im abgelaufenen Geschäftsjahr 2004/2005 über 300 Fahrzeuge in Rußland verkauft. Für das kommende Geschäftsjahr soll der Absatz auf mehr als 600 verdoppelt werden. Dabei spekuliert Porsche auf die wachsende Zahl reicher Russen. Allein in der Hauptstadt Moskau sollen nach Schätzungen mehr als 10.000 US-Dollar-Millionäre leben.

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