Eurasien-Ticker

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Finanzierung des eurasischen Navigationssystems Galileo ist vorerst gesichert · Essay-Wettbewerb zur Wirtschaft in Mittel- und Osteuropa · China rechnet in den nächsten Jahren mit über zehn Millionen Aids-Infektionen · Ohne Anis aus China geht nichts beim Anti-Grippemittel Tamiflu · Der indische Stahl-Magnat Mittal übernimmt das größte Stahlwerk der Ukraine · In Osteuropa nimmt die Zahl armer Menschen ab

Von EM Redaktion

Finanzierung des eurasischen Navigationssystems Galileo ist vorerst gesichert

EM - Der monatelange Streit um die Finanzierung von Europas geplantem Satellitensystem Galileo ist vorerst beigelegt. Die 17 Mitgliedstaaten der Europäischen Raumfahrtagentur ESA haben grünes Licht für das Milliardenprogramm gegeben. Verträge für vier Galileo-Satelliten im Gesamtumfang von einer Milliarde Euro können ausgeschrieben werden.

Die ersten beiden Erprobungssatelliten des Navigationssystems - GSTB-V2/A und GSTB-V/B - sollen bereits Ende dieses Jahres vom russischen Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan aus in eine Umlaufbahn gebracht werden. 2006 sollen zwei weitere folgen. Bis Ende 2010 werden für insgesamt 3,5 Mrd. Euro 30 Satelliten im Weltraum stationiert und damit in Konkurrenz zu dem amerikanischen GPS-Navigationssystem treten können. Im Laufe des nächsten Jahres müssen den Informationen der ESA zufolge noch 200 bis 230 Millionen Euro bewilligt werden, um den Zeitplan einzuhalten. Mit seinem zivilen Navigationssystem Galileo will Europa dem militärisch kontrollierten US-System GPS Konkurrenz machen.

Die Mitgliedsländer der ESA sind: Belgien, Dänemark, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Niederlande, Schweden, Schweiz, Spanien, Finnland, Griechenland, Irland, Luxemburg, Norwegen, Österreich, Portugal. Mit Kanada und Ungarn besteht ein Kooperationsvertrag. Außerdem beteiligen sich China und Indien an der Finanzierung. Beteiligungsverhandlungen werden mit Rußland, Brasilien und Israel geführt.

Siehe auch EM 05/03, 09/03, 11/03, 06-05 und weitere frühere Berichte im EM.

Essay-Wettbewerb zur Wirtschaft in Mittel- und Osteuropa

EM – Die Europa-Universität Viadrina in Frankfurt/ Oder führt dieses Jahr wieder ihren Essay-Wettbewerb zur Ökonomie in Mittel- und Osteuropa durch. „Junge Führungskräfte“ aus den Ländern dieser Region sind aufgerufen, sich in einem Essay mit folgender Frage auseinanderzusetzen: „What are today's challenges for the Management in CEE companies?“

Die Sieger des Wettbewerbs erhalten ein Stipendium im Wert von mindestens 9.000 Euro für den Studiengang „Master of Business Administration“ (Schwerpunkt: „Management for Central and Eastern Europe“). Das englischsprachige Teilzeitstudium der Europa-Universität erstreckt sich über einen Zeitraum von 18 Monaten.

Die Teilnehmer müssen drei Jahre Berufserfahrung im Bereich der Wirtschaft vorweisen können, über einen Universitätsabschluß und sehr gute Englisch-Kenntnisse verfügen. Bewerbungen werden noch bis zum 15. November angenommen. Weitere Informationen hier.

China rechnet in den nächsten Jahren mit über zehn Millionen Aids-Infektionen

EM - Falls nicht drastische Maßnahmen zur Eindämmung der Immunschwächekrankheit ergriffen werden, ist in China mit einer gigantischen Ausbreitung der Infektionen zu rechnen. Dies haben jetzt erstmals Vertreter des chinesischen Gesundheitssystems eingeräumt. Bislang waren es stets nur Experten der Vereinten Nationen (VN), die warnend ihre Stimme erhoben hatten.

Die Volksrepublik geht für die nächsten fünf Jahre von mehr als zehn Millionen Aidsinfektionen aus. Der Vorsitzende der Chinesischen Vereinigung zur Aids-Vorbeugung und des Nationalen Expertenkomitees, Dai Zhicheng, beschwor nach Angaben der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua mit dieser Schätzung in einem Seminar in Chongqing am Drei-Schluchten-Stausee  das Ausmaß der Gefahr. Die Regierung wolle nun aber Maßnahmen ergreifen, um die Zahl der Infizierten unter 1,5 Millionen zu halten. Nach Schätzungen der VN ist diese Zahl heute schon überschritten.

Die Zahl der registrierten Aidsinfektionen ist in China sprunghaft um 42 Prozent gestiegen, seit eine deutliche Ausweitung von Tests in stark betroffenen Regionen durchgeführt wurde. Unhygienische Blutspendemethoden und Geschäftemachereien mit Blutkonserven waren anfangs Hauptursachen für die Ausbreitung von Aids. Heute verbreitet sich das Virus zunehmend durch sexuelle Freizügigkeit, Unkenntnis, Ignoranz, unhygienische Bedingungen sowie intravenösen Drogenmißbrauch, wie chinesische Drogenexperten in Chongqing feststellten.

Ohne Anis aus China geht nichts beim Anti-Grippemittel Tamiflu

EM – Die Vogelgrippe kommt aus Asien – der Rohstoff zu ihrer Eindämmung auch. Peter Kuchenbuch von der „Financial Times Deutschland“ (FTD) hat die Herstellung des Anti-Grippemittels Tamiflu recherchiert. (FTD vom  17. Oktober 2005). Demnach wird es hauptsächlich aus Anis gewonnen, einem Gewürz aus China, das unter anderem Lebkuchen das weihnachtliche Aroma gibt. Kuchenbuch: „Doch anders als das Backen von Lebkuchen ist die Tamiflu-Herstellung patentiert, sie dauert zwölf Monate, ist teuer, Teile des Prozesses sind extrem toxisch und explosiv.“

Den Rohstoff liefert dem Beitrag in der der FTD zufolge „Illicium verum“, der erchte Sternanis. Dieser immergrüne Baum oder Strauch  wird bis zu 18 Meter groß und kommt in China und Vietnam vor. Aus den weißen Blüten entwickeln sich die sternförmigen Früchte. Sie werden häufig als Gewürz oder auch als Ersatz für das teurere, echte Anis-Öl verwendet, wie Kuchenbuch schreibt.

Über die Herstellung von Tamiflu heißt es in der FTD: „Sternanis enthält Shikimisäure, das ist der chemische Ausgangsstoff für zehn Syntheseschritte, an deren Ende der Tamiflu-Wirkstoff Oseltamivir-Phosphat entsteht.“

Dreizehn Gramm Sternanis-Samen benötige Roche, um eine Tamiflu-Ration herzustellen. Tamiflu verhindere im Körper, daß sich Viren, die an der Oberfläche von Körperzellen festkleben und damit unschädlich sind, mit ihrem viruseigenen Lösemittel Neuraminidase aus der Gefangenschaft befreien und den Körper überschwemmen.

Der indische Stahl-Magnat Mittal übernimmt das größte Stahlwerk der Ukraine

EM – Die Inder kommen nach Europa. Nach den Programmierern nun die Schwerindustrie. Eurasien wächst damit wirtschaftlich immer mehr zusammen. Jetzt kauft der indische Milliardär Lakshmi Mittal. (Siehe EM 09-04 und 08-05) mit dem Unternehmen Kryvorizhstal den größten Stahlproduzenten der Ukraine. Kryvorizhstal besitzt eigene Erzminen, beschäftigt knapp 60.000 Menschen und ist in der Region von Kryvyj Rizh der wichtigste Arbeitgeber.

In einer im Fernsehen übertragenen Versteigerung setzte sich der weltgrößte Stahlkonzern Mittal mit einem Gebot von umgerechnet 4,84 Mrd. Dollar gegen ein Konsortium um den Wettbewerber Arcelor aus Luxemburg durch, der Nummer zwei auf dem Weltmarkt. Dieser Preis übertrifft den Umsatz von Kryvorizhstal um das zweieinhalbfache. Das ukrainische Unternehmen produzierte 2004 rund sieben Millionen Tonnen Stahl. Es rangiert damit unter den Stahlherstellern weltweit auf Rang 30. Das Unternehmen gilt aber mit einem Nettogewinn von 378 Millionen Dollar (2004) als eines der profitabelsten in der Ukraine. Stahlanalyst Hermann Reith von der BHF Bank erwartet, daß Mittal kräftig in die neue Konzerntochter investiert, um die Weiterverarbeitung des Stahls vor Ort zu ermöglichen.

Mittal ist auf dem eurasischen Kontinent bereits in Kasachstan, Rumänien und Polen durch Aufkäufe von örtlichen Herstellern präsent. „Für uns ist der Kauf von  Kryvorizhsta eine Schlüsselinvestition“, sagte Lakshmi Mittal nach dem Kauf in einer Pressekonferenz.. Sein Konzern erhalte mit diesem Unternehmen einen großen kostengünstigen Produzenten in einem Wachstumsmarkt. Mittelfristig wolle Mittal die Produktion der neuen ukrainischen Tochter auf zehn Millionen Tonnen Stahl pro Jahr steigern und damit zu seinem größten eigenen Stahlwerk in Europa ausbauen.

In Osteuropa nimmt die Zahl armer Menschen ab

EM – Die Zahl der Armen in den ehemaligen Ostblockstaaten ist von 1998 bis 2003 um 40 Millionen gesunken. Wie die Weltbank in Washington berichtete, lebten 2003 noch rund 61 Millionen Menschen von weniger als zwei Dollar (1,65 Euro) pro Tag. Das entspricht zwölf Prozent der Bevölkerung. Daß es vielen Menschen besser geht, liegt laut Weltbank vor allem am Wirtschaftswachstum. Außerdem überwiesen rund 30 Millionen im Ausland lebende Verwandte ihren Familien in den jeweiligen Ländern rund zehn Milliarden Dollar im Jahr.

Im Bericht der Weltbank mit dem Titel „Wachstum, Armut und Ungleichheit“ beziffert die Bank zwar die Zahl der Armen in Osteuropa noch immer auf 61,2 Millionen Menschen. Dies sei jedoch im Vergleich zu 102 Millionen noch 1998 ein deutlicher Rückgang. Eine der Ursachen hierfür sei, daß die Region Osteuropa mit einem Wirtschaftswachstum von 6,5 Prozent im vergangenen Jahr das weltweit zweitstärkste nach Ostasien verzeichnete. Kurzfristig malt die Weltbank ein weiterhin positives Bild für die Entwicklung in Osteuropa. Bis zum Jahr 2007 werde die Zahl der Armen in der Region auf 40 Millionen Menschen sinken.

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