Eurasien-Ticker

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Ein „Russisches Monaco“ für die Schwarzmeerküste · Die Überalterung in China nimmt dramatische Formen an · China plant eine bemannte Station auf dem Mond · Immer mehr Kapital fließt nach Asien – es folgt der Produktion auf dem Fuß · Tsunami-Frühwarnsystem geht an den Start · Die ersten Europäer waren Jäger – keine Bauern

Von EM Redaktion

Ein "Russisches Monaco" für die Schwarzmeerküste

EM - Aus der unberührten Natur der Schwarzmeerküste wollen russische Investoren Kapital schlagen. Die Region Krasnodar soll zu einem „russischen Monaco“ ausgebaut werden. Das jedenfalls haben sich Gouverneur Alexander Tkatschew und seine Regierung vorgenommen.

Die Region an der Küste des Schwarzen und des Asowschen Meeres ist eine der schönsten Rußlands. Es locken kilometerweite, unberührte Strände. Wer in den kaukasischen Bergen skifahren will, hat vom Strandhotel kaum einen nennenswerten Anreiseweg. Die Gipfel ragen nur einen Katzensprung von der Schwarzmeer-Halbinsel Krim entfernt empor. Im Südosten schließt sich Georgien an. Nördlich der Stadt Krasnodar beginnt eine der fruchtbarsten Ebenen Rußlands.

Die Anschub-Finanzierung für den touristischen Ausbau dieser Bilderbuchregion soll durch ausländische Investoren erfolgen. Die ersten Hotelneubauten werden derzeit bereits in der Küstenstadt Sotschi errichtet. Die Stadt ist berühmt, weil hier seit eh und je die russischen Herrscher zur Erholung weilen. Auch Präsident Putin kommt jeden Sommer nach Sotschi.

„Krasnodar hat ein riesiges Potential. 80 Prozent der Meeresküste und ein Großteil des Hinterlandes sind noch nicht erschlossen, die Infrastruktur befindet sich noch im Aufbau“, schwärmt Artur Merk, Deutschland-Manager von „Kuban-Airlines“. Das ist die einzige Fluglinie, die Direktflüge von Frankfurt nach Krasnodar anbietet. Die Gegend am Schwarzen Meer stößt auch bei Geschäftsleuten in Deutschland auf Interesse. Rund 60 deutsche Manager und Firmeninhaber sind kürzlich als gemeinsame Delegation zum Wirtschaftsforum nach Sotschi gereist. Trotz bürokratischer Hemmnisse sollen sich gute Kontakte ergeben haben. Eine fränkische Firma hat das Messezelt geliefert. Gouverneur Tkatschew gab bekannt, es seien in kürzester Zeit Investitionsverträge über 125 Millionen Euro unterschrieben worden.

Die Überalterung in China nimmt dramatische Formen an

EM - Im Vergleich zu den entwickelten Ländern schreitet in China heute die Überalterung der Bevölkerung schneller fort als die Industrialisierung und Modernisierung. Darauf weisen chinesische Bevölkerungsprognosen seit einiger Zeit immer eindringlicher hin. Schon ab 2015 wird die Zahl der Chinesen im Erwerbsalter allmählich sinken. Ab 2040 werden die jungen Arbeiter von heute in Rente gehen. Es könnte dann weit über 100 Millionen Chinesen geben, die 80 Jahre oder älter sind. Das wären mehr als heute in dieser Altersklasse auf der ganzen Welt leben.

Noch vor wenigen Jahren war China mit einem Durchschnittsalter von 20 Jahren eines der jugendlichsten Länder der Welt. Jetzt liegt das durchschnittliche Alter Schätzungen zufolge bei 33 Jahren und wird nach einer Prognose der Vereinten Nationen 2050 45 Jahre betragen. Für Großbritannien gehen die Forscher von 43 Jahren und für die USA von 41 Jahren aus.

Allmählich wird dem Reich der Mitte dieses Problem in aller Schärfe bewußt. Weil in China staatliche Erlasse und Gesetze die Ein-Kind-Ehe vorschreiben, setzen viele Eltern alles daran, nur Jungen großzuziehen. Weibliche Säuglinge, sowie Mädchen und Frauen werden sowohl bei der Ernährung als auch bei der Gesundheitsversorgung benachteiligt. Durch den Fortschritt der Technik ist die Geschlechtsbestimmung der Föten im Mutterleib schon früh möglich. Mädchen werden abgetrieben, nach der Geburt getötet oder ausgesetzt. Die Regierung hat inzwischen Ultraschalluntersuchungen zur Geschlechtsbestimmung verboten.. Außerdem werden für Kindesmord hohe Strafen angedroht.

Es gibt bereits massive finanzielle Schwierigkeiten mit dem chinesischen Pensionsfonds. Die Ausgaben für alte Menschen sind nicht mehr durch die Einnahmen gedeckt. Nach Angaben der in Hongkong ansässigen Gewerkschaft China Labour Bulletin protestierten in der Millionenstadt Shenzhen in Südchina am 24. November rund 2.000 pensionierte Kader gegen ungerechte Rentenzahlungen. Auskömmliche Renten sind in der Regel nur den Stadtbewohnern vorbehalten. Nachdem aber 70 Prozent der Bevölkerung auf dem Land leben, werden sich bei angespannter Kassenlage die Proteste in absehbarer Zeit häufen, befürchten chinesische Sozialpolitiker.

Siehe auch EM 06-04 „Keine Mädchen – keine Frauen“

China plant eine bemannte Station auf dem Mond

EM -  Im Oktober sind chinesische Raumfahrer zum zweiten Mal ins All gestartet. Eine Rakete brachte den 40jährigen Fei Junlong und den 41jährige Nie Haisheng für fünf Tage in den Orbit. Im Mittelpunkt des Fluges standen Tests der lebenserhaltenden Systeme des 9,2 Meter langen Raumschiffes „Magisches Schiff VI“.

Vor wenigen Tagen hat nun Hu Shixiang, Vizedirektor des chinesischen Raumfahrtprogramms, bekanntgegeben, daß die Volksrepublik zu Amerika und Rußland aufschließen und eine Dauerpräsenz im All errichten will: „Ich denke, daß wir in zehn bis fünfzehn Jahren in der Lage sind, eine eigene Weltraumstation zu bauen und Menschen auf den Mond zu bringen“, sagte er in einem Fernsehinterview.

China will mit dem Raumfahrtprogramm nicht zuletzt seine Wirtschaftskraft demonstrieren. Die US-Raumfahrtbehörde Nasa hat ihren Zeitplan für bemannte Flüge zum Mond. im September bekanntgegeben. Er ähnelt dem der Chinesen auf verblüffende Weise. Es könnte demnach zu einem Wettrennen zwischen den USA und China im All kommen.

Dazu erklärte Hu, das Land werde bei seinen Raumfahrtplänen ein eigenes Tempo befolgen und sich kein Duell mit den USA liefern. „Das ist kein Wettstreit wie im Kalten Krieg“, versicherte er.

Bis zum Jahr 2012 wolle man Weltraumspaziergänge und Andockmanöver im Orbit beherrschen, sagte Hu. Für Flüge zum Mond müsse das Land, wie Amerika auch, leistungsstarke Trägerraketen entwickeln. Geplant sei eine Nutzlast von 27.5 Tonnen, sagte Hu. Dafür habe man jedoch noch keine Etatzusagen von der Regierung.

Immer mehr Kapital fließt nach Asien – es folgt der Produktion auf dem Fuß

EM - Wie die UN-Konferenz für Handel und Entwicklung (Unctad) in ihrem „World Investment Report 2005“ mitteilt, zog Asien fast 50 Prozent mehr Kapital von Investoren an, als in den letzten Jahren. Für die westlichen Industrieländer schrumpfte dagegen der Wert der Direktinvestitionen weiter zusammen, wenn auch nicht mehr so stark wie vor einem Jahr. Sie verminderten sich 2004 um 14 Prozent auf 380 Milliarden Dollar.

Der gesamte Wert ausländischer Direktinvestitionen belief sich im vergangenen Jahr auf 648 Milliarden Dollar (rund 100% Milliarden Euro). Damit lagen sie um zwei Prozent über denen des Jahres 2003. Zum Vergleich: Auf dem Höhepunkt  der Börseneuphorie im Jahr 2000 waren sie fast doppelt so hoch.

Nach der Verlagerung von Produktionsstätten wandert nun auch in zunehmendem Maße die Produktentwicklung von den Industriestaaten in die Schwellenländer, vor allem nach Asien. Dies geht aus der Analyse der Unctad-Ökonomen klar hervor. In China würden rund 700 Forschungszentren ausländischer Firmen betrieben. Auch deutsche Konzerne hätten in den neunziger Jahren mehr Forschungsabteilungen ausgelagert als in den gesamten fünfzig Jahren zuvor.

Die Unctad rechnet auch in diesem und im nächsten Jahr mit mehr Direktinvestitionen, was sie mit dem Wachstum der Weltwirtschaft und mit der steigenden Zahl grenzüberschreitender Fusionen und Übernahmen erklärt. Die Ökonomen gehen dabei von der Beibehaltung des Trends aus, nachdem der Anteil der Industrieländer an den Direktinvestitionen stetig fällt.

Asien wird nach Ansicht der Experten davon besonders profitieren. Die Unctad-Ökonomin Anne Miroux begründet diese Prognose: „Multinationale Unternehmen wollen ihre Konkurrenzfähigkeit verbessern, indem sie in schnell wachsende Schwellenländer expandieren und dort neue Wege zur Kostensenkung suchen.“ Die fünf größten Empfänger unter den Entwicklungsländern waren 2004 denn auch China, Hongkong, Brasilien, Mexiko und Singapur. In Mittel- und Osteuropa gab es ebenfalls eine Zunahme der Direktinvestitionen. Die westlichen EU-Länder verzeichneten dagegen einen Rückgang um 40 Prozent.

UNCTAD World Investment Report 2005: Transnational Corporations and the Internationalization of R&D: http://www.unctad.org/en/docs/wir2005_en.pdf

Tsunami-Frühwarnsystem geht an den Start

EM - Das von Deutschland entwickelte Tsunami-Frühwarnsystem geht an den Start. Vom indonesischen Hafen Jakarta aus stach das Forschungsschiff „Sonne“ Ende November mit den ersten GPS-Bojen an Bord in die Indische See. Noch vor dem ersten Jahrestag der Katastrophe im Indischen Ozean werden die ersten deutschen High-Tech-Bojen sowie Ozeanboden-Sensoren für das Tsunami-Frühwarnsystem einsatzbereit sein.

Die Bojen waren unter Federführung des Geoforschungszentrums Potsdam entwickelt worden. Deutsche und indonesische Wissenschaftler sollen die Bojen und Ozeanboden-Drucksensoren in den nächsten zwei Wochen vor der Küste Sumatras an sechs Kilometer langen Tauen auf dem Meeresboden verankern. Hinzu kommen zwei Meßstationen am Meeresgrund. Das System kann Tsunami-Wellen, die häufig durch Erdbeben ausgelöst werden, sicher identifizieren und vermeidet gleichzeitig Fehlalarme.

Das GFZ Potsdam hatte nach der Flutkatastrophe in Südasien im Dezember 2004, bei der über 225.000 Menschen ums Leben kamen, ein Konzept für ein Naturkatastrophen-Warnsystem im Indischen Ozean entwickelt.Deutsche Forscher ermittelten die idealen Positionen für die Sensoren bei einer ersten Expedition der „Sonne“ im Oktober. Sie vermaßen den Ozeanboden in bis zu 6.000 Metern Tiefe vor Sumatra auf einer Fläche von 500 mal 90 Kilometern. Während der Aussetzung der Bojen sollen weitere Messungen erfolgen. Damit sollen Basisdaten für eine Modellierung möglicher Tsunamis ermittelt und die Positionen für weitere Bojen festgelegt werden. Die Fahrt geht von Jakarta aus zunächst durch die Sunda-Straße bis in die Gewässer vor Nord-Sumatra unmittelbar bis zur Erdbebenregion vor Banda Aceh.

Dabei sollen Basisdaten für eine Modellierung möglicher Tsunamis und die Positionen für weitere Bojen ermittelt werden. Die Geräte auf dem Meeresboden werden täglich Wasserdruck und Erdbewegungen messen und die Werte via Sonar an Messstellen in Deutschland sowie auf dem indonesischen Festland übertragen. Die Physiker von Geomar und vom Potsdamer Geoforschungszentrum, das an diesem Projekt maßgeblich beteiligt ist, gehen von einer zweijährigen Testphase aus. Dann soll das Frühwarnsystem voll funktionsfähig sein.

Für den Aufbau eines Tsunami-Frühwarnsystems stellt die Bundesregierung im Rahmen ihrer Wiederaufbauhilfe in der Region 45 Millionen Euro bereit. Der Aufbau erfolgt in enger Kooperation mit der Zwischenstaatlichen Ozeanographischen Kommission (IOC) der UNESCO. Sie hat die Koordination eines übergreifenden Frühwarnsystems für den Indischen Ozean übernommen.

Die ersten Europäer waren Jäger – keine Bauern

EM -  Der moderne Europäer stammt laut einer neuen Studie nicht von eingewanderten Bauern ab, die seßhaft geworden sind, sondern von früheren Jägern und Sammlern. Diese hätten schon vor 40.000 Jahren auf dem Kontinent gelebt. Zu dem Schluß kommen amerikanische Anthropologen. Sie haben die über die Mutter vererbte mitochondriale DNA von Bauern analysiert, die mehrere tausend Jahre nach den Nomaden in Europa lebten. Ihre Ergebnisse wurden kürzlich im Wissenschaftsblatt „Science“ veröffentlicht.

Die Genetiker haben in Knochenfunden Belege dafür gefunden, daß die originären europäischen Jäger- und Sammlerpopulationen nach der Ankunft von Ackerbauern deren neue Lebensweise rasch übernahmen und die bäuerlichen Zuwanderer assimilierten.  Dadurch hätten sich die eingewanderten Populationen der Bauern schnell ausgedünnt. Sie seien quasi im europäischen Genpool untergegangen. Jedenfalls hätten fast nur die Gene der frühen Jäger und Sammler in der heutigen europäischen Bevölkerung überdauert.

Andererseits scheinen die anrückenden Ackerbauern aber mit ihrer neuen Lebensweise die nomadisierenden Jäger und Sammler stark beeindruckt zu haben. Jedenfalls haben die Nomaden die Sprache der Seßhaften übernommen. Diese „indogermanisch“ oder „indoeuropäisch“ genannte Sprechweise hat sich seither in vielen Variationen über ganz Europa verbreitet.

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