Eurasien-Ticker

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Der Adventskalender wird 100 · Muslime stehen westlichen Gesellschaften äußerst kritisch gegenüber · Im Dauerlauf durch Eurasien · Die Erfindung des Homo Europaeus – wie er wurde, was er ist · Deutsch-chinesischer Germanistik-Studiengang ab 2008 · Neue EU-Ratspräsidentschaft ab „Jänner“: Die Österreicher sind am Zug · Chinas Wirtschaft wächst und wächst

Von EM Redaktion

Der Adventskalender wird 100

EM – Vierundzwanzig Tage vor Weihnachten beginnt das Zählen – und mit jedem Tag rückt das Fest näher. Das Öffnen der Türchen im Adventskalender versüßt vielen Kindern - und auch Erwachsenen -  die Wartezeit. Denn in den meisten Fällen kommt dahinter eine Schokoladenfigur zum Vorschein. Neben solchen handelsüblichen Produkten basteln manche Mütter auch eigene Adventskalender. Sie hängen für jeden Tag ein buntes kleines Päckchen an ein selbst gemaltes Kalendarium. Andere füllen Streichholzschachteln, bekleben sie mit der Nummer des jeweiligen Tages und füllen kleine Geschenke hinein.

In diesem Jahr feiert der Adventskalender seinen 100. Geburtstag. Das haben Wissenschaftler der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg/Breisgau herausgefunden. Ihren Erkenntnissen zufolge geht er auf eine Idee des aus Maulbronn in Baden-Württemberg stammenden Buchhändlers Gerhard Lang zurück. Der Pfarrersohn soll dazu von seiner Mutter inspiriert worden sein. Der erste Prototyp seines Adventskalenders lag 1905 vor. Einige Jahre später ging die vorweihnachtliche Zählhilfe in Serie und wurde auf Anhieb ein Verkaufsschlager.

Inzwischen erscheinen Adventskalender jedes Jahr in Millionenauflagen. Sie sind aus dem vorweihnachtlichen Ritual nicht mehr wegzudenken. Es gibt sie in betont christlicher Aufmachung, in grellbunten Varianten und sogar vom Sex-Versand Beate Use.

Muslime stehen westlichen Gesellschaften äußerst kritisch gegenüber

EM – Überwiegend konsumorientiert, sexuell viel zu freizügig,  dazu egoistisch und abweisend würden die christlich geprägten Gesellschaften Westeuropas von den zugezogenen Muslimen empfunden. Im Grunde nähmen die Migranten aus der islamischen Welt ihre Gastländer immer noch als Kolonialmächte wahr und als kalte Leistungsgesellschaften. Zu diesem Ergebnis kommt die Religions- und Islamwissenschaftlerin Silvia Kaweh von der Friedrich-Schiller-Universität Jena in einer empirischen Studie. Sie hat dazu Zeitschriften und Bücher untersucht, die von muslimischen Organisationen herausgegeben werden.

„Die meisten der untersuchten muslimischen Autoren entwerfen ein Selbstbild, das auf der Gewißheit basiert, der besten und ausgereiftesten Religion anzugehören“, so die Analyse von  Kaweh. Die Basis für einen Dialog oder sogar Trialog mit Judentum und Christentum auf der Grundlage der gemeinsamen abrahamitischen Tradition sei zwar gegeben. Er gestalte sich jedoch schwierig, da die Schriften häufig Sure 3, Vers 110 des Korans zitieren. In dieser Sure werden Muslime als „die beste Gemeinschaft unter den Gläubigen“ angeredet. (Vgl. dazu auch das Interview mit dem Direktor des Orientinstituts Udo Steinbach in EM 08-03).

Mit dieser Position würden die Autoren allerdings gleichzeitig hohe moralische Anforderungen an einen „idealen Muslim“ verbinden. „Ethische Grundwerte und ein friedvolles Miteinander werden immer wieder besonders hervorgehoben“, schreibt Silvia Kaweh. Die Verantwortung eines Muslims gegenüber seinen Mitmenschen, Gottes Schöpfung und Gott sowie seine Selbstverpflichtung zu guten Taten scheine den Autoren wichtiger zu sein als rituelle Verpflichtungen. „Dennoch sollten diese Ergebnisse nicht dazu verleiten“, betont Kaweh, „gleich einem ,Euro-Islam' das Wort zu reden.“  Muslimische Autoren zeigten u.a. noch starke Vorbehalte gegen eine Privatisierung von Religion, die kennzeichnend für die westliche Gesellschaft ist. Infolge dessen stelle man den Westen oft unter den Generalverdacht, nicht wertorientiert, sondern aus rein materialistischen Beweggründen zu handeln. So fühlen sich die deutschen Muslime auch grundsätzlich von gläubigen Christen besser verstanden als von der als areligiös wahrgenommenen Gesellschaft insgesamt. Wenn in den untersuchten Werken ein theoretisches Gesellschaftsmodell entworfen werde, dann meist als Gegenentwurf zum nichtislamischen Westen.

Die Studie von Silvia Kaweh erscheint im Januar 2006 im Traugott-Bautz-Verlag, Nordhausen unter dem Titel „Integration oder Segregation. Religiöse Werte in muslimischen Printmedien“, ISBN 3-88309-340-8.

Im Dauerlauf durch Eurasien

EM - Serge Girard, ein 52-jähriger Versicherungsangestellter aus der nordfranzösischen Hafenstadt Le Havre, will in neun bis zehn Monaten von Paris nach Tokio laufen und so Eurasien von West nach Ost durchqueren. Die geht aus einer Meldung der Presseagentur AFP hervor.

Auf seinem monatelangen Dauerlauf werde der 1,77 Meter große und nur 60 Kilogramm schwere Abenteurer stets von einer Mannschaft aus fünf Leuten in zwei Geländewagen begleitet.. Dazu gehöre u.a. ein Physiotherapeut. Girard will pro Tag rund zehn Liter Wasser trinken. Zum Gepäck das vom Begleitpersonal befördert wird, gehören laut AFP u.a. 50 Paar Schuhe, 60 Tuben Sonnencreme und 20 Liter Massageöl.

Je nach Land wolle die Gruppe auch örtliche Führer organisieren. Heikel könnte es nach Erwartung Girards vor allem in den ehemaligen Sowjetrepubliken Zentralasiens werden. Wenn er in Schanghai an den Ufern des Pazifiks angekommen ist, besteigt der Dauerläufer dem Bericht zufolge ein Flugzeug, das ihn nach Japan bringen soll. Zu Ende sei die Reise dann aber noch nicht. Etwa einen Monat dauere das anschließende Durchqueren des japanischen Archipels im Dauerlauf.

Eurasien ist nicht die erste derartige Herausforderung, der sich der Franzose stellt. Er hat schon die USA in 52 Tagen durchquert, ist durch den australischen Kontinent gejoggt, durch ganz Südamerika und  Afrika. Sein Trans-Eurasien-Lauf sei jedoch die bislang größte Leistung, die er vollbringe, sagt e. Der Sportler, der erst mit 30 Jahren das Laufen angefangen hat, legt zur Vorbereitung jeden zweiten Tag rund 80 Kilometer im Laufschritt zurück.

Die Erfindung des Homo Europaeus – wie er wurde, was er ist

EM – Was ist das Europäische an einem Europäer bzw. einer Europäerin? Wie hat sich der europäische Mensch selbst erfunden? Wie ist er geworden, was er ist? Diese Fragen sollen in einer Untersuchung der Universität Leipzig, der Berliner Humboldt-Universität und des Deutschen Museums in München geklärt werden.

Das Projekt läuft unter dem Namen „Imagined Europeans. Die wissenschaftliche Konstruktion des Homo Europaeus“. Es ist ein interdisziplinäres Verbundprojekt und wird vom Bundesbildungsministerium gefördert. Im Februar 2006 soll es anlaufen. Daran beteiligt sind acht Nachwuchsforscher. Sie untersuchen in vier Teilprojekten, welche Bilder und Konstruktionen des Europäers in den europäischen und außereuropäischen Vorstellungswelten kursieren.

Geklärt werden soll u.a., „auf welche Weise alltäglich-praktische Abläufe beinahe nebenbei und unbeabsichtigt ein reproduzierbares Bild des Durchschnittseuropäers liefern“. In der Technik- und im Konsumbereich wird zum Beispiel die Entwicklung von Autos und sonstigen Gebrauchsgegenständen für die speziellen europäischen Körpermaße untersucht. Ein anderer Forschungsstrang beschäftigt sich mit der Frage, wie der Europäer sich als ein Lebewesen mit bestimmten physischen und geistigen Eigenschaften konstruiert. Zum Beispiel in den Biowissenschaften des 20. Jahrhunderts mit ihrem Entwurf einer „europäischen Rasse“. Die Untersuchungskriterien weisen eine riesige Bandbreite auf, die am Ende den Typus des Europäers herausbilden sollen. Da geht es auch darum, ob der Europäer ein Lebewesen ist, das eine besondere Ernährung benötigt, zu spezifischen Krankheiten neigt und nur bestimmte Medikamente verträgt. Oder wie sich der Homo Europaeus in den Verwaltungsstrukturen internationaler Organisationen verhält.

Deutsch-chinesischer Germanistik-Studiengang ab 2008

EM – Bis zum Jahr 2008 soll an den Universitäten Göttingen und Nanjing (China) ein deutsch-chinesischer Masterstudiengang „Interkulturelle Germanistik“ eingerichtet werden. Das deutsche Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) stellt hierfür in den nächsten zwei Jahren 61.000 Euro zur Verfügung. Finanziert wird damit eine Koordinations- und Informationsstelle, die zum 1. Januar 2006 an der Abteilung Interkulturelle Germanistik der Georg-August-Universität Göttingen eingerichtet wird.

„Das BMBF verspricht sich von dem Studiengang eine Verbesserung und Intensivierung der deutsch-chinesischen Hochschulkooperation im Bereich der Geisteswissenschaften. Bislang sind diese deutlich unterrepräsentiert“, so die Göttinger Germanistik-Professorin Dr. Hiltraud Casper-Hehne, die das binationale Studienprojekt im Rahmen des Asia-Link-Programms der EU initiiert hat. „Ein länderübergreifender Studiengang fördert die Internationalisierung deutscher Hochschulen in besonderer Weise. Durch einen Doppelabschluß bietet er künftigen Absolventen in Deutschland und China ein neues Spektrum arbeitsmarktrelevanter Qualifikationen.“

Neue EU-Ratspräsidentschaft ab „Jänner“: Die Österreicher sind am Zug

EM –Österreich übernimmt ab 1. Januar für sechs Monate die Ratspräsidentschaft der Europäischen Union. Gemeinsam mit Finnland, das die Präsidentschaft im zweiten Halbjahr 2006 übernehmen wird, hat die Alpenrepublik ein Arbeitsprogramm für die kommenden zwölf Monate verabschiedet. Die Hauptziele lauten: „Arbeitsplätze und Wachstum in ganz Europa zu sichern, das spezifische europäische Lebensmodell abzusichern und weiterzuentwickeln, das Vertrauen der Bürger in das europäische Projekt neu zu festigen, sowie Europa als zuverlässigen Partner in der Welt zu stärken.“

Eine der wichtigsten Entscheidungen im kommenden Halbjahr betrifft die Festlegung des Zeitpunkts der Aufnahme von Bulgarien und Rumänien. Dazu soll es im März/April eine Veröffentlichung der Kommisssion geben („Monitoring Report“). Außerdem stehen die ersten Verhandlungsrunden mit der Türkei, der Start der Beitrittsverhandlungen mit Kroatien und der Fahrplan für die Beitrittsverhandlungen mit Mazedonien auf der Agenda.

Chinas Wirtschaft wächst und wächst

EM – Kein Monat ohne neue Rekordmeldungen aus Chinas Wirtschaft. Mitte Dezember gab die internationale Wirtschaftsorganisation OECD bekannt, daß China zum Exportweltmeister in der strategisch wichtigen Branche für IT- und Telekommunikationsgüter (ITK) aufgestiegen ist. Nach Erhebungen der Organisation führte die Volksrepublik 2004 mit 180 Milliarden Dollar mehr dieser Güter aus als die USA mit 149 Milliarden Dollar. Auch in diesem Jahr, so die Prognose, werde China diese Führungsposition behaupten. Der Großteil dieser immensen Exporte sei damit zu erklären, daß ausländische Technologiekonzerne zunehmend in China Komponenten zusammenführten, erklärte ein OECD-Sprecher. Dies werde daran deutlich, daß fast die Hälfte aller ITK-Ausfuhren Computer sind, während in erster Linie elektronische Komponenten, die dafür erforderlich sind, eingeführt werden.

Insgesamt steht Chinas Volkswirtschaft derzeit auf Platz sieben in der Welt. Das Statistische Amt am Regierungssitz in Peking legte jedoch im Dezember neue Erhebungen vor, wonach in Kürze der vierte Platz erreicht werde. Dies hätte zur Folge, daß China Großbritannien von dieser Position verdrängen würde.

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