Eurasien-Ticker

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Steigende Krebszahlen im Irak durch Uran-Munition · Syrien wickelt seine Auslandsgeschäfte künftig in Euro ab, statt in Dollar · Ruhrgas baut ein Terminal für Tanker mit flüssigem Erdgas in Wilhelmshaven · Welche Regionen Europas sind für die Zukunft am besten gerüstet? · Westeuropa für globale Dynamik laut Studie wichtiger als Indien und China · Wahlen in Weißrußland und der Ukraine · Wirtschaftswachstum in Osteuropa nimmt zu – es gibt wieder mehr Arbeitsplätze · Schweden will nicht mehr mit Öl heizen · Spaniens Wirtschaft wächst weiter · Die Europäer sollen mehr Fremdsprachen sprechen

Von EM Redaktion

Steigende Krebszahlen im Irak durch Uran-Munition

EM - Britische Wissenschaftler berichten von einem steilen Anstieg der Uran-Konzentration in der Atmosphäre nach den Luftangriffen der USA im Irak im März 2003. Dies gehe aus Meßdaten hervor, die in Aldermaston bei Reading – zwischen Oxford und London gelegen – gesammelt wurden. Um rund das Vierfache sei die Belastung der Luft dort nach den Bombardements im Irak angestiegen. Die Daten seien bisher unter Verschluß gehalten und erst kürzlich nach Protesten eines Forschungsteams von den Behörden freigegeben worden. Darüber hat der Londoner „Guardian“ berichtet.

Die stark angestiegene Belastung der Luft mit Uran rühre höchstwahrscheinlich von einer speziellen Munition her, wie sie beim Einmarsch in den Irak von US-Truppen verwendet wurde, um Panzer zu zerstören oder Bunker zu knacken. Abgereichertes Uran (Depleted Uranium, DU) erhöht die Durchschlagskraft der bunkerbrechenden Bomben. Es fällt bei der Herstellung von Brennstäben für Atomkraftwerke ab. DU schädigt die Gene, verursacht Krebs und kann eine ganze Reihe anderer Gesundheitsschäden hervorrufen. Hunderte von Tonnen dieses Materials sei mit der entsprechenden Munition über dem Irak abgeworfen worden. Der „Guardian“ spricht von bis zu 2.000 Tonnen. Radioaktive Partikel, die von der Lunge aufgenommen werden können, sind nach diesen Beobachtungen vom Irak bis nach Großbritannien gelangt.

Wie hoch dann erst die Konzentration über den Städten des Iraks sein muß, darüber gibt es keine – zumindest keine zugängliche – Untersuchung. Ehemalige US-Soldaten, die am ersten Irak-Krieg 1990/91 teilgenommen hatten, machten u.a. die von DU ausgehende Strahlung für das sogenannte Golfkriegssyndrom verantwortlich – einer auffällig gestiegenen Krankheitsrate. Im Irak selbst wurde sie auch für gestiegene Krebserkrankungen bei Kindern und für Geburtsfehler verantwortlich gemacht.

Wie die Tageszeitung DIE WELT am 28. Februar 2006 berichtete, haben irakische Wissenschaftler inzwischen mit deutscher Hilfe gesicherte Daten im Raum Basra erheben können. In dem Beitrag heißt es: „Insgesamt sei die Rate der Krebserkrankungen in und um Basra in den vergangenen zehn Jahren um rund ein Drittel angestiegen. Leukämie, Lymphdrüsenkrebs und Brustkrebs kommen besonders häufig vor. Das sind die vorläufigen Ergebnisse, die Professor Omran Habib und 15 seiner Kollegen jetzt an der Universität Greifswald vorstellten.“ Professor Jawad al-Ali vom Krebszentrum in Basra wird mit den Worten zitiert: „Die Ärzte der Stadt berichten von immer mehr Krebsfällen in den Krankenhäusern. Auch in unserem Hospital sind kaum Betten mehr frei.“

Zum Krieg im Irak siehe auch das Interview mit dem Chef des Orient-Instituts Udo Steinbach in dieser Ausgabe und Buchbesprechungen zum Thema in der Rubrik Gelesen, ebenfalls hier in EM 02-06.

Syrien wickelt seine Auslandsgeschäfte künftig in Euro ab, statt in Dollar

EM –Syrien wird künftig seine Devisentransaktionen vom Dollar auf Euro umstellen.. „Alle Ministerien und staatlichen Unternehmen müssen von jetzt an Euro statt US-Dollars benutzen, um Gelder zurückzuzahlen, die staatliche Einrichtungen ausländischen Partnern schulden“, so heißt es in einer von der syrischen Tageszeitung „Ath-Thawra“ veröffentlichten Erklärung des syrischen Premierministers Mohammed Naji Otri.

In syrischen Regierungskreisen habe es dazu einer Meldung von UPI zufolge geheißen, daß der Entschluß gefällt wurde, „um die syrische Wirtschaft nicht der Gnade des US-Dollars zu unterwerfen, insbesondere, da US-Gesetze vorschreiben, daß jeglicher Umtausch in US-Dollar über das US-Bankensystem laufen muß.“ Reuters zitierte in einer Meldung Duraid Durgham, den Leiter der staatlichen Handelsbank von Syrien, mit den Worten: „Dies ist eine Vorsichtsmaßnahme. Wir reden über mehrere Milliarden US-Dollar. Der Wechsel zum Euro wird uns dabei helfen, Liquiditätsprobleme in den Vereinigten Staaten zu vermeiden.“ Laut Reuters sagte Durgham auch, daß dementsprechend nun auch die syrischen Ölexporte in Euro abgerechnet würden.

Darüberhinaus setzt nach Expertenmeinung Syrien mit seinem Schritt ein Zeichen, dem möglicherweise weitere Länder folgen werden. Im November 2000 hatte der Irak begonnen, seine Ölexporte in Euro abzurechnen, nur zwei Monate nach der Eroberung des Landes durch die USA wurde diese Entscheidung rückgängig gemacht und das Euro-Konto des Iraks bei den Vereinten Nationen in US-Dollar umgewandelt.

Mit der Abkoppelung vom Dollar ist Syrien weltweit der erste Staat, der sein Ölgeschäft ausschließlich in Euro abwickelt. Die Öleinnahmen machen fast die Hälfte des Staatshaushalts aus. „Viele arabische Staaten haben in den letzten Jahren angedroht, den Ölhandel auf Euro umzustellen“, zitiert die Financial Time Deutschland Gerald Müller, Volkswirt bei der Commerzbank. Syrien sei nun das erste Land, das seine Drohung wahr mache.

Ruhrgas baut ein Terminal für Tanker mit flüssigem Erdgas in Wilhelmshaven

EM - Die E.on Ruhrgas AG will an der deutschen Nordseeküste ein Terminal bauen, mit dem Flüssiggas ins deutsche Netz eingespeist werden kann. Die Baugenehmigung liegt nach Auskunft des Unternehmens schon seit 25 Jahren vor. Im Laufe dieses Jahres soll nach einer nochmaligen Prüfung durch eine Studie die Entscheidung über den Baubeginn fallen

Bislang waren Pipelines die billigste Möglichkeit, Erdgas zu transportieren. Inzwischen rechnet sich jedoch ab einer Entfernung von 3000 Kilometern auch der Transport von verflüssigtem Gas (Liquified Natural Gas, LNG) im Tankschiff. Japan wird bereits seit Jahren per Tanker versorgt. Auch Großbritannien, Frankreich und Spanien importieren LNG aus Trinidad, Qatar, Norwegen oder Nordafrika.

Siehe dazu auch das Interview mit dem Energieexperten Dr. J. Peter Gerling von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe in Hannover in EM 01-06.

Welche Regionen Europas sind für die Zukunft am besten gerüstet?

EM - Wie gut sind Europas Regionen auf die zunehmende Globalisierung vorbereitet? Dieser Frage geht das Fraunhofer ISI für die Europäische Union nach. Ziel ist eine umfangreiche Datensammlung zur regionalen Innovationskraft.

Hintergrund: Europa soll im Jahr 2010 der weltweit führende Raum für Innovationen und Technologieentwicklung sein - so lautet das ehrgeizige Ziel der Europäischen Kommission, das im März 2002 in Lissabon formuliert worden war.  Dazu müssen nahezu alle Länder der EU ihre Forschungsanstrengungen deutlich erhöhen und mindestens drei Prozent ihres Sozialproduktes in Forschung und Entwicklung investieren. Dieses Ziel ist nur dann erreichbar, wenn innovative Regionen in den einzelnen Ländern zu den Triebfedern der Wissens- und Technologieentwicklung werden.

Wie Europas Regionen im Innovationswettbewerb abschneiden, soll nun das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung klären. In dem vier Jahre dauernden Projekt wird das Karlsruher Institut gemeinsam mit Technopolis in Brüssel Informationen zur Innovationsstärke aller europäischen Regionen sammeln und in einer umfangreichen Datenbank der EU-Kommission zur Verfügung stellen.

Westeuropa für globale Dynamik laut Studie wichtiger als Indien und China

EM - Trotz des vergleichsweise schwachen Wachstums in Westeuropa wurde hier im vergangenen Jahr spürbar mehr zum globalen Wirtschaftswachstum beigetragen als durch die Boomländer China und Indien. Das geht aus einer aktuellen Studie der Investmentbank Morgan Stanley hervor. Westeuropa hat danach 2005 rund 447 Milliarden Dollar zum weltweiten Wirtschaftswachstum beigetragen, China 256 Milliarden Dollar und Indien 81 Milliarden Dollar. Hauptwachstumsmotor waren wieder die USA mit 718,1 Milliarden Dollar.

Zwar sind die Volkswirtschaften in China und Indien zuletzt deutlich stärker gewachsen als jene in Europa. So legte das nominale Bruttoinlandsprodukt in US-Dollar in Indien 2005 um 12,2 Prozent, in China gar um 15,5 Prozent zu. Beide Werte liegen um ein Vielfaches über der Wachstumsrate in Westeuropa mit gerade einmal 3,5 Prozent.

Da allerdings Westeuropa einen wesentlich größeren Anteil am globalen Bruttoinlandsprodukt hat als die aufstrebenden Volkswirtschaften, ist in absoluten Beträgen der Zuwachs in Europa immer noch deutlich größer: So wurden 2005 noch 30,3 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung in Westeuropa erwirtschaftet, in China nur 4,4 Prozent und in Indien gerade 1,7 Prozent. Die USA trugen 28,4 Prozent zum Weltsozialprodukt bei.

„Jeder Prozentpunkt europäischen Wachstums entspricht acht Prozentpunkten chinesischen Wachstums oder 19 Prozentpunkten indischen Wachstums“, sagte Morgan-Stanley-Chefvolkswirt Stephen Roach. „Ein multinationaler Konzern hat deshalb allen Grund, von den nominal 3,5 Prozent Wachstum in Europa im vergangenen Jahr mehr beeindruckt zu sein als von den 15,5 Prozent in China.“ (Zitiert nach „Financial Times Deutschland“).

Wahlen in Weißrußland und der Ukraine

EM – Am 19. März wird in Weißrußland (Belarus) der Staatspräsident neu gewählt. Es wird ein hoher Sieg des 51jährigen Amtsinhabers Alexander Lukaschenko erwartet. Er regiert das Land seit zwölf Jahren autoritär und hat eigens die Verfassung geändert, um erneut kandidieren zu können. Oppositionspolitiker werden weitgehend mundtot gemacht, in den Medien kommen sie kaum zu Wort. Ausländische Sender, insbesondere in Polen, strahlen Wahlbotschaften von Oppositionellen aus. Auch über das russische Fernsehen in Moskau wurde kürzlich ein Wahlkampfauftritt des Kandidaten des Kongresses der demokratischen Kräfte von Belarus, Alexander Milinkewitsch, ausgestrahlt.

In der Ukraine wird das Parlament neu gewählt. Nach einem Bericht der Moskauer Zeitung „Iswestija“ herrscht im Moment ein politisches Patt in Kiew. Die ehemaligen Hauptgegner der Präsidentschaftswahlen liegen gleichauf. Die „Partei der Regionen“ (Viktor Janukowitsch) bekäme demnach 30 Prozent, das Wahlbündnis des einstigen „Traumpaars“ der „Orangenrevolution“, Julia Timoschenko und Viktor Juschtschenko, etwas mehr als 30 Prozent. Kommunisten, Sozialisten und Volksblock erreichen nach den Umfragen gegenwärtig jeweils fünf Prozent. Als Trend wird gemeldet: Juschtschenkos Popularität nehme rapide ab, Timoschenko stagniere in der Wählergunst und Janukowitsch lege zu.

Wirtschaftswachstum in Osteuropa nimmt zu – es gibt wieder mehr Arbeitsplätze

EM -  Die Wirtschaft in den Ländern Osteuropas wächst, und es zeichnet sich auch eine deutliche Zunahme von Arbeitsplätzen ab. Das geht aus einer Untersuchung des Wiener Instituts für Internationale Wirtschaftsvergleiche (WIIW) hervor, die Ende Februar veröffentlicht wurde. „Sowohl im Dienstleistungssektor als auch in der Industrie sind vergangenes Jahr netto Arbeitsplätze hinzugekommen“, sagte WIIW-Experte Peter Havlik. Das Institut prognostiziert für 2006 und 2007 eine deutlich sinkende Arbeitslosenquote in den meisten Ländern Osteuropas. Bis vor kurzem ging der Umbau der Wirtschaft in Mittel- und Osteuropa trotz hoher Wachstumsraten noch mit einem Nettoabbau von Arbeitsplätzen einher. Das Wirtschaftswachstum war in dieser Zeit durch hohe Zuwachsraten bei der Produktivität gekennzeichnet. Dadurch wurden weniger Arbeitskräfte gebraucht. Dieser Trend scheint nun gestoppt. Die Produktivität geht nicht mehr zu Lasten der Beschäftigung.

Schweden will nicht mehr mit Öl heizen

EM – In Schweden soll bis zum Jahr 2020 kein Haushalt mehr mit Öl beheizt werden. Auch die Tankfüllung der Autos werde dann nicht mehr vom Öl abhängen, berichten schwedische Zeitungen. Statt dessen werde auf Wasserstoff oder Biotreibstoff unmgestellt.

Die schwedische Ministerin für nachhaltige Entwicklung, Monika Sahlin, hat angekündigt, Schweden wolle „die erste ölfreie Wirtschaft der Welt“ werden. Ein Ausschuß, dem Industrielle, Wissenschaftler, Autobauer und Landwirte angehören, werde dem Parlament in Stockholm entsprechende Vorschläge zur Machbarkeit des ehrgeizigen Projekts unterbreiten. Schon jetzt ist ein Drittel der schwedischen Energieversorgung durch erneuerbare Energien gedeckt.

Spaniens Wirtschaft wächst weiter

EM - Spanien ist der einzige der zwölf Euro-Staaten, der seit vier Jahren eine kontinuierliche Wachstumsbeschleunigung erzielte. 2002 legte das BIP um 2,7 Prozent zu, 2003 um 3,0 Prozent  und 2004 um 3,1 Prozent. Hauptgründe waren die Binnennachfrage mit einem starken privaten Konsum sowie eine rege Bautätigkeit.

Der spanische Zentralbankgouverneur Jaime Caruana sagte kürzlich in Madrid, wichtigster Grund für das hohe Wirtschaftswachstum sei die Zunahme des Arbeitsangebots als Folge der hohen Zuwanderung. Diese habe die Nachfrage nach Konsumgütern und Wohnungen angeheizt. Die Arbeitslosenquote stieg im vierten Quartal von 8,4 auf 8,7 Prozent, weil nicht alle neuen Zuwanderer sofort einen Arbeitsplatz fanden. Gleichwohl wies Spanien auch im vierten Quartal eine hohe Zahl an zusätzlichen Stellen auf.

Die Europäer sollen mehr Fremdsprachen sprechen

EM – „Je mehr Sprachen du sprichst, desto mehr bist du Mensch“, sagt ein slowakisches Sprichwort. Getreu dieser Erkenntnis sollen die Bürger der Europäischen Union zur Mehrsprachigkeit angeregt werden. Dies sieht eine neue Rahmenstrategie der EU-Kommission vor (http://europa.eu.int/languages/servlets/Doc?id=915). Ziel ist es, die Sprachenvielfalt zu fördern und das Interesse der Bürger für Fremdsprachen zu wecken. Besonders in den Schulen und in der Weiterbildung soll das Erlernen von Fremdsprachen Priorität erhalten. Die EU-Kommission will langfristig zu einer mehrsprachigen Gesellschaft und Wirtschaft in Europa beitragen. Im Jahr 2006 sollen gute Beispiele eines frühen Fremdsprachenerwerbs in einer Studie veröffentlicht werden. Auch über die Folgen mangelnder Sprachkenntnisse für die europäische Wirtschaft ist eine Untersuchung geplant.

Schon jetzt nimmt die Kenntnis von Fremdsprachen in der Europäischen Union zu. Das geht aus einer im Auftrag der Europäischen Kommission Ende 2005 vorgenommenen Umfrage des „Eurobarometers“ hervor. Demnach stieg der Anteil der EU-Bürger, die mindestens eine Fremdsprache beherrschen, seit 2001 von 47 Prozent auf zuletzt 56 Prozent. Nach wie vor ist Englisch am weitesten verbreitet. Wegen des EU-Beitritts von acht mittel- und osteuropäischen Ländern, in denen die deutsche Sprache noch stark verbreitet ist, liegt Deutsch noch vor Französisch an zweiter Stelle. In Ungarn steht Deutsch mit einem Anteil von 25 Prozent sogar an der Spitze der beherrschten Fremdsprachen. 23 Prozent der Ungarn gaben an, Englisch sprechen zu können.

Die meisten EU-Bürger mit Fremdsprachenkenntnissen leben in Luxemburg. Neben dem moselfränkischen „Letzebuergisch“ beherrschen 92 Prozent mindestens zwei und 69 Prozent sogar mindestens drei weitere Sprachen. Europas Fremdsprachenmuffel sind in Spanien und Italien anzutreffen. Dort sprechen nicht einmal 15 Prozent eine oder gar mehrere Fremdsprachen.

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