Eurasien-Ticker

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Internationale Energie-Agentur warnt vor Lieferproblemen bei Erdgas · Erdgas für Europa von der Mittelmeerküste Ägyptens · Der arabische Sender Al-Dschasira sendet in Kürze auch auf Englisch · In Berlin entsteht das erste türkische Altenheim in Deutschland · Uni Kassel: Zusammenarbeit mit Schanghai in der Nanotechnik · US-Nachkriegsstrategie war ein „unglaubliches Schlamassel" · Europäisches Studenten-Austausch-Programm „Erasmus“ immer beliebter

Von EM Redaktion

Internationale Energie-Agentur warnt vor Lieferproblemen bei Erdgas

EM - Europa wird nach Einschätzung der Internationalen Energie-Agentur (IEA) in einigen Jahren von Lieferengpässen bei Erdgas bedroht sein. Die Organisation meldet Zweifel an der Lieferfähigkeit des russischen Unternehmens Gasprom an.  

In einem vertraulichen Brief hat IEA-Exekutivdirektor Claude Mandil  Anfang März die G7-Energieminister vor diesem Problem gewarnt. Er schrieb, dass das russische Unternehmen Gasprom „in einigen Jahren in Lieferengpässe im Verhältnis zu seinen bestehenden Verträgen geraten wird, die 80 bis 90 Milliarden Kubikmeter erreichen werden“. Dies berichtete die „Financial Times Deutschland“, der nach eigenen Angaben Mandils Brief vorliegt.

Erdgas für Europa von der Mittelmeerküste Ägyptens

EM – Schon seit Ende Februar fließt ägyptisches Erdgas durch eine neue Gasleitung nach Europa. Sie führt von der jordanischen Hafenstadt Aqaba über 400 Kilometer nach Norden bis zur jordanisch-syrischen Grenze. In den kommenden zwei Jahren soll sie bis in die Türkei verlängert werden. Dann könne ägyptisches Erdgas in großen Liefermengen in den südeuropäischen Gasring eingespeist werden, erklärte kürzlich Talaat al Waheed, der stellvertretende Direktor der großen ägyptischen Erdgasgesellschaft Gasco. Von dort könne über das Leitungssystem „Nabuco“ auch Mitteleuropa mit der begehrten Energie versorgt werden.

Die Gasvorkommen Ägyptens lagern vor allem unter Wasser an der Mittelmeerküste. Von dort werden schon seit einiger Zeit Frankreich und Italien per Schiff mit Flüssiggas beliefert. Die Vorkommen Ägyptens belaufen sich auf knapp 70 Trillionen Kubikmeter Erdgas. Das sind 20 Prozent mehr als die Kuwaits und etwa die Hälfte der saudischen Vorkommen.

Zur Energieversorgung Europas siehe auch Beiträge in EM 01-06 und EM 02-06.

Der arabische Sender Al-Dschasira sendet in Kürze auch auf Englisch

EM – Ab Anfang Juni will der arabische Nachrichtensender Al-Dschasira auch in englischer Sprache senden. Das Funkhaus in Doha, der Hauptstadt des Emirats Katar am Persischen Golf, wird derzeit noch eingerichtet. Es liegt direkt neben dem bekannten Stammhaus, aus dem immer wieder spektakuläre Meldungen die Welt aufgeschreckt haben. Vor allem Botschaften von Osama bin Laden, die dem Sender per Video zugespielt wurden.

Zur Zeit der Fußballweltmeisterschaft will Al-Dschasira in jedem Fall auf Sendung sein und Sendern wie BBC oder CNN Konkurrenz machen. Und das nicht nur in der arabischen Nachbarschaft. Das englischsprachige Programm des Senders soll auch Asien, Europa, Afrika und Lateinamerika erreichen.

Al-Dschasira wurde vor zehn Jahren gegründet. Inzwischen hat es sich zum bekanntesten Medienunternehmen der Welt entwickelt, wie kürzlich eine internationale Umfrage ergeben hat. Zu Al-Dschasira gehören ein Nachrichtensender, vier Sportkanäle, ein Kinderkanal und in Kürze nun auch das englischsprachige Programm von Al-Dschasira International.

In Berlin entsteht das erste türkische Altenheim in Deutschland

EM - Die Türkische Gemeinde Berlin baut derzeit die erste Altenpflegeeinrichtung für Türken in Deutschland, meldet die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“. Ende des Jahres will sie im Stadtteil Kreuzberg, wo besonders viele Türken leben, ein Heim mit 171 Betten eröffnen. In der Einrichtung, die etwa fünf Millionen Euro kostet, werden Männer und Frauen getrennt und nur von Geschlechtsgenossen gepflegt. Den Großteil der 90 Arbeitsplätze stellen türkischsprachige Kräfte. Die Küche soll dem Geschmack und den Regeln der Heimat folgen - ohne Schweinefleisch und in der Zubereitung, die den Muslimen wichtig ist. Auch die Raumgestaltung will man ihren Stil- und Lebensgewohnheiten anpassen, wozu die Einrichtung eines Gebetsraums gehört. Im Preis möchte sich das Haus von den herkömmlichen Heimen ebenfalls absetzen. Da nach Angaben der Gemeinde das verfügbare Nettoeinkommen der Türken mit rund 1040 Euro im Monat um etwa 600 Euro unter dem der Deutschen liegt, wollen die Betreiber von den Bewohnern deutlich weniger Geld verlangen. Etwa 20 Prozent niedriger sollen die Sätze liegen.

Uni Kassel: Zusammenarbeit mit Schanghai in der Nanotechnik

EM - Die Universität Kassel startet eine enge fachwissenschaftliche Zusammenarbeit mit den führenden chinesischen Universitäten der Region Schanghai auf dem Gebiet der Nanostrukturwissenschaften und der Nanotechnologie. Auch andere hessische Universitäten sollen in die Kooperation  einbezogen werden sollen. Diesem Ziel dient die erste „Shanghai-Hessen Joint Conference of Nano Science and Technology“, die am 30. und 31. März in Schanghai abgehalten wurde.

Die Nano-Technologie gilt als eine der Schlüsseltechnologien des 21. Jahrhunderts und ist sowohl in Deutschland wie in China weit entwickelt. Nanostrukturen sind aus Atomen oder Molekülen aufgebaute Systeme, die Abmessungen von der Größenordnung eines Milliardstel Meters besitzen. Den verschiedensten Nanostrukturen sind aber nicht nur ihre winzigen Dimensionen gemeinsam, sondern ihre speziellen physikalischen, chemischen und biologischen Eigenschaften. Mit der gezielten Präparation und Analyse solcher Systeme lassen sich völlig neue Materialien mit maßgeschneiderten Eigenschaften und Funktionen realisieren. Nanostrukturen sind damit ein für die Grundlagenforschung wie auch für zahlreiche Anwendungen zukunftsweisendes Forschungsgebiet, sei es in der Informationstechnologie, den Materialwissenschaften, der Biosensorik, der Molekularbiologie oder der medizinischen Diagnostik.

US-Nachkriegsstrategie war ein „unglaubliches Schlamassel“

EM - Stümperhaft, schlecht vorbereitet, ohne Konzept - so charakterisierte der britische Diplomat John Sawers das Vorgehen der US-Nachkriegsverwaltung im Irak. In Berichten, die der Gesandte in Bagdad nach London schickte, heißt es, der Chef der US-Nachkriegsverwaltung Jay Garner habe ein „unglaubliches Schlamassel“ angerichtet. Der Londoner „Guardian“ berichtete Mitte März aus den Depeschen des Diplomaten.  Demnach habe es „keine Führung, keine Strategie, keine Koordination, keine Struktur und kein Konzept im Umgang mit den Irakern“ gegeben.

Sawers Analysen werden der britischen Zeitung zufolge auch vom ranghöchsten britischen Militär im Irak, dem Verbindungsoffizier zu den US-Truppen Generalmajor Albert Whiteley geteilt. Der britische General in einem Brief an Blair. „Es sieht so aus, als hätten wir uns verleiten lassen an etwas teilzunehmen, was wir bald bereuen könnten. Ist Scheitern eine Option? Die Antwort lautet 'ja'.“

Europäisches Studenten-Austausch-Programm „Erasmus“ immer beliebter

EM – Das Austauschprogramm für Studenten der Europäischen Union erfreut sich steigender Beliebtheit. 2004/2005 erhöhte sich die Anzahl der Teilnehmer am ERASMUS-Projekt, wie das Programm heißt, im Vergleich zum Vorjahr deutlich: Bei Studenten insgesamt um sechs Prozent, bei Hochschullehrern sogar um 13 Prozent. Deutschland liegt mit 22.427 Austauschstudenten an der Spitze.

Auch Mittel- und Osteuropäer nutzen immer häufiger die Möglichkeit, im Ausland zu studieren oder zu unterrichten. Die Zahl der Austauschstudenten aus den östlichen Ländern allein stieg um 36 Prozent, die der Lehrkräfte um 77 Prozent.

Insgesamt beteiligten sich 2004/2005 144.037 Studenten und 20.877 Hochschullehrer an einem Austausch. Das beliebteste Ziel der Studenten ist Spanien. Die meisten Lehrkräfte zog es nach Deutschland (2.623), Frankreich (2.261) und Italien (1.897).

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